mini|Beschilderung eines Radwanderwegs in Südtirol (Italien) mini|Start des Donauradwegs in Passau (Deutschland)
Radwanderrouten bzw. Radwanderwege sind ausgeschilderte Wegführungen, die vorrangig dem Fahrradtourismus dienen. Touristische Radrouten werden oft vereinfacht als „Radwege“ bezeichnet. Bei längeren touristischen Radrouten spricht man auch von Radfernroute und Radfernwanderweg, manchmal auch Fernradweg oder Radfernweg. In der Schweiz werden die Radfernwege auch als Veloroute bezeichnet.
Zur Bezeichnung Obwohl ein großer Teil der touristischen Radrouten das Wort „Radweg“ im Namen trägt, sind sie nur in den seltensten Fällen „Radwege“ im Sinn der Straßenverkehrsordnungen oder baulich angelegte Radverkehrsanlagen. Es sind in aller Regel Routen, die über unterschiedlichste Straßen, Wege und Führungsformen ausgewiesen sind.
Die Bezeichnung von touristischen Radrouten ist regional und national unterschiedlich. So sind vor allem in Süddeutschland, Österreich und Südtirol neben „Radweg“ auch „Radwanderweg“ (in Analogie zum „Weitwanderweg“ der Bergsteigerei und dem „Reitwanderweg“) oder „Radwanderroute“ gebräuchlich, in der Schweiz vornehmlich „Radwanderroute“. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) empfiehlt für Fachdiskussionen und -literatur die Verwendung des Begriffs „Touristische Radroute“ statt „Radweg“ und für überregionale Radrouten den Begriff „Radfernweg“ statt des auch gebräuchlichen Begriffs „Fernradweg“., auf adfc.de, abgerufen am 22. April 2019.
Weniger auf touristische Aspekte, sondern vor allem auf effektives Vorankommen ausgelegt sind Radschnellwege.
Führungsform Der Begriff „touristische Radroute“ ist unabhängig von seiner Führungsform. Meist wird versucht, die Routen auf eigenständige Radverkehrsanlagen oder verkehrsarme Nebenstraßen, Feld- und Waldwege zu legen. Führen touristische Radrouten über Hauptverkehrsstraßen, sind oft Radverkehrsanlagen vorhanden. Radrouten auf stillgelegten Bahntrassen ermöglichen Routen mit geringen Steigungen abseits von Autoverkehr.
Themenradrouten Touristische Radrouten orientieren sich häufig an kulturellen, naturellen oder geografischen Themen. Besonders beliebt sind Radrouten entlang von Flüssen und Kanälen, da sie Naturerlebnis mit einer steigungsarmen Trassierung verbinden können (z. B. Oder-Neiße-Radweg). Andere Routen verbinden Kulturdenkmäler (wie der Umgebindehausradweg), geschichtliche Orte (wie Krabat-Radweg) oder besonders interessante Naturräume (wie beim Wolfsradweg). Als herausragende Route im Eurovelo-Netz wird der Iron Curtain Trail (EV13) genannt, der auch Kulturweg des Europarats ist.
Themenradrouten eignen sich besonders gut zur Vermarktung durch Tourismusverbände und Fremdenverkehrsämter. Dazu gibt es Broschüren, Webseiten und Werbeanzeigen, mit denen Fahrradreisende in die Tourismusregion gelockt werden sollen. Nicht immer ist die kürzeste oder steigungsärmste, sondern die interessanteste Strecke das Ziel, weswegen touristische Radrouten nicht immer auch für den Alltagsradverkehr attraktiv sind.
Wegweisung mini|hochkant|Blau markierter Radschnellweg in England
Wichtiges Merkmal von touristischen Radrouten ist eine durchgehende Wegweisung. Wurden früher einfache Wegweiser ähnlich Wanderwegweisern verwendet, so ist es heute üblich, kleine Schilder mit Routenpiktogrammen an genormte Hauptwegweiser anzuheften.
Navigation Zur Orientierung dienen insbesondere Radwanderkarten (als spezielle Topografische Karten) oder auch die breite Auswahl an digitalen Routenplanern.
Klassifizierung mini|Logo von Bett+Bike
Der ADFC bietet seit 2006 an, Radfernrouten zu überprüfen und mit einer Sternezahl als Qualitätsradroute zu klassifizieren. In die Bewertung gehen dabei folgende Kriterien mit unterschiedlicher Gewichtung ein: „komfortable Befahrbarkeit“ (Breite & Barrierefreiheit), Oberfläche, Wegweisung, Routenführung, (Verkehrs-)Sicherheit, Anbindung an den öffentlichen Verkehr, touristische Infrastruktur (Bett+Bike-Übernachtungsmöglichkeiten, Gastronomie, Rastplätze usw.) und die Vermarktung (Karten/Apps, Buchungsportale usw.). Nach spätestens drei Jahren ist für eine Nachklassifizierung eine erneute Prüfung notwendig, damit die Strecke weiterhin als Qualitätsradroute vermarktet werden darf. Da die Kriterien sehr streng sind, werden selten 5 Sterne vergeben. Bereits Routen mit 3 oder 4 Sternen sind von guter bis sehr guter Qualität (ähnlich den Sternen für Hotels).
Wege der Länder und Regionen Internationale Radfernrouten in Europa
Eurovelo-Netzwerk (Auswahl) Atlantik - Schwarzes Meer (EV6) Ostseeküsten-Radweg (EV10): rund um die Ostsee Nordseeküsten-Route (EV12): rund um die Nordsee Iron Curtain Trail (EV13): entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs von Norwegen bis zum Schwarzen Meer Europaradweg R1: Boulogne-sur-Mer – Sankt Petersburg Berlin–Kopenhagen Radweg: Berlin – Kopenhagen Bodensee-Radweg: rund um den Bodensee Römer-Radweg: Passau (Bayern) – Enns (Oberösterreich) Drauradweg: Toblach – Maribor Paneuropa-Radweg: Prag – Paris Rheinradweg: Oberalppass (Schweiz) – Rheinmündung bei Rotterdam (Niederlande) Vennbahn (Radweg): Aachen – Ulflingen (Luxemburg) Via Romana: Xanten – Nijmegen Via Claudia Augusta: Donauwörth/Augsburg – Italien
Radwanderrouten und Radfernwege in Deutschland
mini|Der 1145 m lange Milseburgtunnel ist Teil des Milseburgradwegs auf einer ehemaligen Bahntrasse in der Rhön. mini|Fahrradwegweiser mit Routenpiktogrammen in Deutschland
Landes- und kommunale Tourismus-Marketing-GesellschaftenDeutschland per Rad entdecken, abgerufen am 22. April 2019 richten gern zur Förderung des regionalen Tourismus touristische Fahrradrouten ein. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club empfiehlt für Radfernwege eine Reihe von Mindestkriterien. eindeutiger Name Konzeption als Strecke, Rundkurs oder Netz Mindestlänge 150 Kilometer oder empfohlene Notwendigkeit von zwei Streckenübernachtungen durchgängige Befahrbarkeit mit dem Fahrrad, auch mit Tandem oder Anhänger mindestens zwei Meter breit bei jedem Wetter befahrbar einheitliche und durchgängige Wegweisung naturnahe Routenführung möglichst geringe Belastung durch Kraftfahrzeugverkehr touristische Infrastruktur entlang der Route (Restaurants, Hotels, Herbergen, Campingplätze) Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr regelmäßige Kontrolle und Wartung Auch innerhalb dieser Kriterien kann die Qualität der Routen sehr unterschiedlich sein, so durch unterschiedliche Fahrbahnbeläge, lokale Steigungen und gelegentliche Strecken an oder auf Straßen mit hoher Kfz-Belastung. Eine Datenbank oder Kartenmaterial mit Hinweisen auf solche Mängel wie sogenannten „unvermeidlichen Lückenergänzungen“ sind noch nicht etabliert, entsprechende Karten sind jedoch für einige Regionen verfügbar.
In diesem Sinne hat der ADFC ein Radnetz Deutschland vorgeschlagen, das aus 12 Premiumrouten bestehen soll.Radnetz Deutschland: Netz-Ausbau, auf adfc.de, abgerufen am 3. Januar 2021. Daneben ist auch ein Netz primär städteverbindender Routen vorhanden.Städte-Direktverbindungen per Rad in Deutschland, ohne touristische Umwege, auf www.radweit.de Das Land Nordrhein-Westfalen weist seit 2013 unter dem Titel Alleen-Radwegeprogramm Radwege auf stillgelegten Bahntrassen aus; derzeit 364 km.Pressemitteilung des MBWSV NRW: , abgerufen am 30. September 2013
Radwanderwege in Österreich
In Österreich werden die Radwanderwege seitens der Landesregierungen in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, in deren Kompetenzbereich sie baulich fallen, der nationalen Tourismusorganisation Österreich Werbung (ÖW) und den Landestourismusorganisationen erarbeitet. Diese Radwege sind durchwegs durch die Geoinformationssysteme der Länder (auf Spezialkarten der Mapserver der Länder, auch zusammengefasst unter geoland.at), bis auf Katasterebene einsehbar zugänglich, und als Kartenmaterial publiziert.
Die internationale Anbindung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Radorganisation EuroVelo und im Rahmen von EU-Projekten (INTERREG). Neben den klassischen Fernrouten ist in Österreich naturgemäß auch das Wegenetz der Mountainbiketracks im alpinen Gelände gut erschlossen. Hier arbeiten die Länder im Besonderen mit dem Österreichischen Alpenverein (ÖAV) und den anderen Alpinvereinen, die Bergwege und Hütten betreuen, zusammen. Forciert wird auch die Zusammenarbeit mit ÖBB und ÖBB-Postbus, was den einfachen Transport und Verleih von Rädern für Ferntouren betrifft.
In Österreich weisen die amtlichen Kartenwerke und Landestourismusinformationen aus. Das Burgenland hat ein umfassendes Netz an 2.500 km (größtenteils asphaltierten) markierten Radwanderwegen und 433 km Mountainbikestrecken ausgebaut. Detailliertes Kartenmaterial wird in Form von Onlinedokumenten angeboten Die 1.300 km markierten Radwege in Kärnten führen größtenteils entlang der Flüsse oder rund um Seen. Die bekannteste Radtour ist der Drauradweg, der am Ursprung der Drau in Italien beginnt, quer durch Kärnten verläuft und in Varaždin in Kroatien endet. Bekannte Radwanderwege sind auch die um den Wörthersee, den Millstätter See sowie die Südkärntner 6-Seen-Runde. Für Mountainbiker bietet die Region Nockberge 700 km beschilderte Touren für alle Leistungsstufen. Niederösterreich verfügt über etwa 4000 km Radwegenetz,Weinviertel: 1600 km, Mostviertel: 900 km, Waldviertel: 1.000 km, Industrieviertel: k. A. und hat eine Kampagne RADLand gestartet, um dieses noch auszubauen. Unter den zahlreichen Touren der Klassen familienfreundlich, sportlich, genussvoll und Bike sind 7 Großtouren als Top Radroute ausgewiesen. Erschienen sind vier Kartenwerke (Radkarte Weinviertel Ost, Radatlas Mostviertel, Radatlas Waldviertel und bikeline Kamp-Thaya-March Radtourenbuch).Mountainbiken in Niederösterreich, auf .niederoesterreich.at, abgerufen am 3. Januar 2021.Genussvoll Radfahren in Niederösterreich, auf niederoesterreich.at, abgerufen am 3. Januar 2021 5000 km Radweg bestehen in Oberösterreich, 2200 km davon werden als bezeichnet (30 Hauptrouten, 7 Verbindungswege zwischen den einzelnen Routen), die den Schwerpunkt des oberösterreichischen Landesradwanderwege-Konzeptes bilden. Der Fokus liegt auf Familienfreundlichkeit und Trassierung In der Steiermark wird ein Radroutennetz von 1.000 km ausgewiesen, über das sich 64 Radrouten erstrecken, davon 13 Hauptradrouten. Eingeteilt werden die Wege in die Sparten Flussradeln, Genussradeln, Familienradeln und Mountainbiken. Herausgegeben wird die kostenlose Radkarte SteiermarkRadfahren & Mountainbiken in der Steiermark, auf steiermark.com, abgerufen am 21. April 2019., auf radland.steiermark.at, abgerufen am 21. April 2019.Verkehrswege Steiermark, auf GIS-Steiermark, abgerufen am 24. Februar 2025. Das Land Salzburg hat bisher 630 km Radverkehrsweg ausgebaut (bis 2015 sind 760 km in flächendeckendem Ausbau geplant), und 6.000 beschilderte Rad- und Mountainbikewege mit insgesamt 2000 km. Seit der Ausrichtung der UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2006 ist besonders der Raum um die Stadt Salzburg mit Straßenrouten erschlossen, 6 Radwanderwege sind als Top Radroute ausgewiesen, davon drei Mehrtagesrouten. Die Salzburger Landesregierung hat ein eigenes Radverkehrsinformationssystem namens LAS WEGAS aufgebaut.„LasWegas“ – Informationssystem für ländliche Straßen, Wege und Brücken im Land Salzburg, auf salzburg.gv.at, abgerufen am 22. April 2019.SAGISonline – Tourismus, abgerufen am 22. April 2019. Die Tiroler Landesregierung weist 1.000 km Radwanderwege in ganz Tirol (enge Zusammenarbeit besteht mit der Südtiroler Landesregierung) aus, und fasst 29 überregionale Radwanderwege zusammen.Mit dem Radrouting Tirol auf dem richtigen Weg, auf tirol.gv.at, abgerufen am 21. April 2019.Erholungs- & Erlebnisraum Wald – Fördermaßnahmen Sommerthemen, auf tirol.gv.at, abgerufen am 21. April 2019., auf tirol.gv.attiris – Tiroler Rauminformationssystem, auf tirol.gv.at, abgerufen am 21. April 2019.