Gdynia [] (deutsch Gdingen (1939–1945 Gotenhafen), ) ist eine Hafenstadt an der Danziger Bucht in Polen. Sie bildet in der Woiwodschaft Pommern mit dem größeren Danzig (Gdańsk) und dem kleineren Sopot (Zoppot) die Metropolregion Dreistadt (Trójmiasto).

Als Siedlung Gdina 1253 erstmals urkundlich erwähnt, erhielt Gdynia 1926 das Stadtrecht und wurde in der Folge zur wichtigsten Hafenstadt der Zweiten Polnischen Republik ausgebaut. Seit Juli 2026 ist das damals gebaute modernistische Stadtzentrum UNESCO-Weltkulturerbe. In den 1930er Jahren entwickelte sich Gdynia mit über 100.000 Einwohnern zur Großstadt. Während der Deutschen Besetzung Polens 1939–1945 wurde die Stadt in Gotenhafen umbenannt. Als bedeutender Marinestützpunkt der Kriegsmarine wurde sie durch Luftangriffe der Royal Air Force und der United States Army Air Forces zerstört.

Gdynia steht mit rund 250.000 Einwohnern auf dem zwölften Rang der größten Städte Polens. Wirtschaftlich ist die Stadt heute ein bedeutender Standort von Schiffbau, Marine-Elektronik, Logistik- und Finanzdienstleistungen. Sie ist Hauptquartier der Kriegsmarine der Republik Polen und besitzt mit der Marineakademie und der zivilen Seefahrt-Universität zwei Hochschulen für Nautik. Gdynia belegt regelmäßig Spitzenpositionen in Städterankings nach Lebensqualität, darunter als einzige polnische Stadt im Rahmen des LivCom-Award (2023).

Lage mini|Gdynia, Hafen (2007) Die Stadtgemeinde liegt im Norden Polens an der Zatoka Pucka ( Putziger Wiek; ), die den westlichen, seichten Teil der Danziger Bucht bildet. Gdynia gegenüber liegt die Halbinsel Hel () mit der Stadt Hel, die in den Sommermonaten von Gdynia aus mit einer Fähre erreichbar ist.

Das größte Fließgewässer der Stadt ist die Kacza, die die Stadtteile Dąbrowa, Mały Kack und Orłowo passiert. Artikel über die Kacza auf der Website des Stadtteils Mały Kacks vom 4. Juli 2016, abgerufen am 10. April 2016 (polnisch) Die Stadt liegt im Hafen- und Innenstadtbereich knapp über dem Meeresspiegel, die Außenbezirke, darunter Witomino, Mały Kack und Wielki Kack liegen auf den landseitig gelegenen, ansteigenden Höhen. mini|Sea Towers, Marina und Gebäude der Fakultät für Navigation der Seefahrt-Universität Gdynia

Stadtgliederung Polnischer Name Kaschubischer Name Deutscher Name (bis 1920 und 1939–1945)Babie Doły Babié Dołë HexengrundChwarzno Chwôrzno Quarszau (1874–1945 Völtzendorf)Chylonia Chëlonô KielauCisowa Cësowô Ciessau (1942–1945 Zissau)Dąbrowa Dąbrowa DohnasbergDemptowo Demptowò Demptau (1942–1945 Demtau)Działki Leśne Lasné Dzélczi Grabówek Grabòwka GrabauKamienna Góra Kamiannô Góra SteinbergKarwiny Karwinë Leszczynki Leszczinczi Laszinken (1942–1945 Sandnußdorf)Mały Kack Môłi Kack Klein Katz (1942–1945 Kleinkatz)Obłuże Òblëżé ObluschOksywie Òksëwiô OxhöftOrłowo Òrzłowò AdlershorstPogórze Pògòrzé Pogorsch (1942–1945 Gotenberg)Pustki Cisowskie Cësowsczé Pùstkòwié Pustkowie (1942–1945 Zissauerwald)Redłowo Wësoké Redłowò HochredlauŚródmieście Strzódgard StadtmitteWiczlino Wiczlëno Wiczlin (1874–1945 Vitzlin)Wielki Kack Wiôldżi Kack Groß Katz (1942–1945 Großkatz)Witomino Witòmino WittominWzgórze Św. Maksymiliana Sw. Jan Johanniskrug (1940–1945 Baltenberg)

Geschichte

mini|Bau der Hafenmolen (September 1939) Gdynia war bis 1918 ein Dorf. Durch den Friedensvertrag von Versailles bekam Polen durch den Polnischen Korridor Zugang zur Ostsee, besaß aber keinen eigenen Hafen.Gdingen (Gdynia) – Vom Fischerdorf zum „Fenster zur Welt“, abgerufen am 1. Juni 2019 Deswegen wurde Gdynia planmäßig zu einem der größten Handels-, Auswanderungs-, Kriegs- und Fischereihäfen ausgebaut. Das Zentrum von Gdynia ist wegen der starken Entwicklung der Stadt ab den 1920er Jahren durch viele Gebäude der Moderne geprägt.Modernismus in Gdynia, Dokumentation und Routen zur Architektur durch die Stadt (polnisch)

Zweite Polnische Republik Die 1920 gegründete Staatliche Seefahrtsschule (Polnisch: Państwowa Szkoła Morska) wurde am 21. Juli 1928 von Dirschau (Tczew) nach Gdingen verlegt.Wojciech Antoszkiewicz, Mariusz Jablonski, Bogdan Kwiatkowski u. a.: Gdynia: Touristen-Vademekum [Einheitssachtitel: 'Gdynia: vademecum turysty'; dt.], Jerzy Dąbrowski (Übs.), Gdynia Turystyczna, Gdingen 2009, ISBN 978-83-929211-0-3, S. 27. Mit der Indienststellung der Dar Pomorza 1930 bezog die Seefahrtsschule einen eigenen Bau.Wojciech Antoszkiewicz, Mariusz Jablonski, Bogdan Kwiatkowski u. a.: Gdynia: Touristen-Vademekum [Einheitssachtitel: 'Gdynia: vademecum turysty'; dt.], Jerzy Dąbrowski (Übs.), Gdynia Turystyczna, Gdingen 2009, ISBN 978-83-929211-0-3, S. 13 ff. Das Instytut Bałtycki (Ostsee- oder Baltisches Institut) zu Thorn eröffnete 1930/1931 eine Abteilung in Gdingen.Ab 1. August 1935 gab das Institut die in englischer Sprache erscheinende neue Zeitschrift Baltic Countries (ab 3. Jg. 1937 Baltic and Scandinavian Countries) heraus, die sich den Problemen der Anrainerstaaten der Ostsee widmete, wobei, wie das Vorwort der Eröffnungsausgabe ausführt, die Herausgeber Deutschland an sich nicht diesem Kreis zurechneten, die Provinz Ostpreußen dagegen von Heft zu Heft mehr berücksichtigten. „Einer speziellen Frage ist die »Polska Bibljografja Morza i Pomorza« (Poln.[ische] Bibliographie des Meeres und Pommerellens) von St.[anisław] Zieliński <302 > gewidmet, die im Verlag der »See- und Kolonialliga«, einem der aktivsten polnischen Verbände im Kampf um ein »größeres Polen«, erschien. … Zieliński hält sich auch nicht an den Titel seiner Arbeit »Pommerellen«, sondern bezieht oft genug Ostpreußen in seine Betrachtung mit ein. Wertvoll sind die dem Deutschen sonst schwer erhältlichen Angaben polnischer Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätze.“ Vgl. , auf: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 27. September 2011 (Hinzufügungen in eckigen Klammern und Auslassungen nicht im Original)mini|Szenerie am Passagierhafen, 1930er JahreIn den 1930er Jahren ging der Ausbau der 33.217 Einwohner (1931) zählenden Stadt weiter., auf: Wirtualny Sztetl des Muzeum Historii Żydów Polskich (Museum der Geschichte der polnischen Juden), abgerufen am 27. September 2011. In diesem Jahrzehnt wurde die Strandpromenade in Adlershorst gebaut, unterhalb welcher im Sommer das 1964 gegründete städtische Witold-Gombrowicz-Theater auf einer Strandbühne vor der Kulisse von Ostsee und Steilküste spielt.Wojciech Antoszkiewicz, Mariusz Jablonski, Bogdan Kwiatkowski u. a.: Gdynia: Touristen-Vademekum [Einheitssachtitel: 'Gdynia: vademecum turysty'; dt.], Jerzy Dąbrowski (Übs.), Gdynia Turystyczna, Gdingen 2009, ISBN 978-83-929211-0-3, S. 50. Am 25. Juni 1931 zog die Meteorologische Station des Morski Państwowy Instytut Meteorologiczny (Staatliches Meteorologisches Seeinstitut) in den Neubau des Seeobservatoriums in der ulica Nadbrzeżna 42 (heute ulica Waszyngtona).Historia Gdyni, Abschnitt Powstanie o Rozwoj Portu i Miasta, abgerufen am 27. September 2011. mini|Hauptgebäude der Seefahrt-Universität Gdynia Der Hafen wurde bis 1930 zur vollen Funktionsfähigkeit mit Docks, Piers, Wellenbrechern und vielen weiteren nötigen Einrichtungen und Gewerbebetrieben wie Lagerschuppen und -anlagen sowie einer Reisschälfabrik ausgebaut.

Der schnelle Zuzug Arbeitssuchender übertraf die Möglichkeiten, adäquaten Wohnraum zu schaffen. „An dem Stadtrand entstanden Slums, in denen die Arbeitslosen, Obdachlose und niedrig bezahlte unqualifizierte Arbeiter mit ihren Familien“ wohnten.Wojciech Antoszkiewicz, Mariusz Jablonski, Bogdan Kwiatkowski u. a.: Gdynia: Touristen-Vademekum [Einheitssachtitel: 'Gdynia: vademecum turysty'; dt.], Jerzy Dąbrowski (Übs.), Gdynia Turystyczna, Gdingen 2009, ISBN 978-83-929211-0-3, S. 15. Die Wohnungsnot trieb die Mieten hoch. Das förderte zwar die privaten Bauinvestitionen, doch betrugen die Mieten oft ein ganzes normales Monatseinkommen oder mehr.

Gdingen wurde Passagierhafen für Überseereisen und am 1. Mai 1935 wurde im nahen Rumia (, kasch. Rëmiô) ein internationaler Flughafen eröffnet. Den Schiffspassagen diente das 1932/1933 von Dyckerhoff & Widmann (Büro Katowice) erbaute Abfertigungsgebäude für Überseepassagiere Dworzec Morski (etwa Überseehof), wo sich sowohl Touristen wie auch Auswanderer einschifften.Wojciech Antoszkiewicz, Mariusz Jablonski, Bogdan Kwiatkowski u. a.: Gdynia: Touristen-Vademekum [Einheitssachtitel: 'Gdynia: vademecum turysty'; dt.], Jerzy Dąbrowski (Übs.), Gdynia Turystyczna, Gdingen 2009, ISBN 978-83-929211-0-3, S. 26. Allen Besuchern steht das Gebäude heute offen, in dem eine kleine Ausstellung über seine Geschichte informiert.

Die staatliche Reederei Gdynia-Ameryka Linie Żeglugowe SA betrieb sieben Passagierschiffe. Im Vorort Grabau auf dem Gelände einer ehemaligen preußischen Kaserne aus dem 19. Jahrhundert ging 1933 eine Unterkunft für Auswanderer (Etap Emigracyjny) in BetriebDie provisorische Baracke für Auswanderer am Hafen und eine weitere Unterkunft in Wejherowo wurden aufgegeben. Einen Teil der Auswandererunterkünfte in der Kaserne nutzt heute die polnische Armee., die von dort durch eine eigene Gleisverbindung direkt zum Überseehof gebracht wurden. 1935 weihten Außenminister Józef Beck und Schatzminister Eugeniusz Kwiatkowski die Anlage offiziell ein. Viele jüdische sowie katholische Polen emigrierten von hier aus. Mit dem Krieg ab dem 1. September 1939 endete die polnische Passagierschifffahrt zunächst.

1937 ging mit dem neuen Gurtbecherwerk die moderne Verladung von Getreide in Betrieb, heute ein Denkmal moderner Industriearchitektur.Wojciech Antoszkiewicz, Mariusz Jablonski, Bogdan Kwiatkowski u. a.: Gdynia: Touristen-Vademekum [Einheitssachtitel: 'Gdynia: vademecum turysty'; dt.], Jerzy Dąbrowski (Übs.), Gdynia Turystyczna, Gdingen 2009, ISBN 978-83-929211-0-3, S. 37.

Gdingens Hafen stieg bis 1938 zum nach Umschlag größten Hafen des Ostseeraums mit den modernsten Anlagen sowie zum zehntgrößten Hafen Europas auf und bewältigte 46 % des polnischen Außenhandels mit 8,7 Mio. Tonnen (nach anderen Angaben 9,2 Mio. Tonnen).

Die Stadt wurde weiter ausgebaut. 1939 maß Gdingen 66 km² Fläche (6. Rang unter Polens Städten) und zählte 115.000 Einwohner (12. Rang unter Polens Städten). In den Jahren 1918 bis 1939 veränderte sich die sprachliche Zusammensetzung der Bevölkerung, so dass die deutsche Minderheit schließlich noch 9,8 % der Einwohner Pommerellens ausmachte.Dafür gab es drei Gründe: 1. die Emigration deutschsprachiger Beschäftigter in Verwaltungsberufen nach der Einführung des Polnischen als Amtssprache, 2. der Ersatz der Verwaltungsbeschäftigten durch zuwandernde des Polnischen Mächtige aus vormals russischen oder österreich-ungarischen Teilen des neuen Polens (beide Migrationen waren im Wesentlichen bis 1921 abgeschlossen) und 3. die Zuwanderung aus vormals russischen oder österreich-ungarischen Teilen des neuen Polens v. a. ins aufblühende Gdingen. Die meisten zugewanderten Menschen waren Kaschuben oder Polen.

Deutsche Besetzung Mit dem Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Deutschen vertrieben unmittelbar nach der Einnahme der kurz darauf in Gotenhafen umbenannten Stadt im Oktober 1939 geschätzt rund 50.000 Polen. 12.000 bis 13.000 Einwohner, vorwiegend polnische Intellektuelle, wurden in der sog. Intelligenzaktion unweit der Stadt erschossen, unter anderem im Massaker von Piaśnica. 1944 wurden die Massengräber wieder geöffnet und die Leichen verbrannt, um die Spuren zu beseitigen.Schicksal der Vorkriegseinwohner – Gdynia forscht per Internet, Artikel auf n-tv.de vom 12. September 2008, abgerufen am 2. Juni 2019

Befreiung und Nachkriegszeit