mini|Szene aus einem Tabletop-Spiel von einem Turnier: Wikinger kämpfen gegen Bretonen alt=|mini|Eine Momentaufnahme aus einem Tabletop-Spiel Als Tabletop (vom Englischen Wort für Tischplatte, international auch Wargaming genannt) bezeichnet man eine Strategiespielform, bei der mit Miniaturen auf Spieltischen gespielt wird.
Tabletop-Spiele lassen sich in den Bereich der Konfliktsimulationsspiele einordnen und werden in der Regel mit zwei Spielern narrativ oder kompetitiv gespielt. Die Spieler wählen vor Beginn einer Partie eine von mehreren Konfliktparteien und stellen passende Miniaturen zusammen, die sie einsetzen möchten. Das Spielziel kann sich auch bei dem gleichen Tabletop-Spiel durch Szenarien von Partie zu Partie unterscheiden. Da es kein herkömmliches Spielbrett gibt, können die Miniaturen gemäß den Spielregeln relativ frei bewegt werden. Die Spieloberfläche wird oft mit sogenannten Geländestücken gestaltet und soll die Umgebung des Konflikts nachbilden. Einfache Partien können durch umfangreiche Regelwerke und Erweiterungen zu komplexen erzählerischen Kampagnen ausgebaut werden. Zugleich gibt es rein auf den Wettkampf ausgelegte Partien, die unter Einsatz von Spielzeituhren im Rahmen von Ligen oder gar durch Verbände organisierte Meisterschaften gespielt werden. Durch die variable Spieloberfläche, das Zusammenstellen der Miniaturen, die große Bewegungsfreiheit der Miniaturen und das wechselnde Spielziel sind die Partien sehr abwechslungsreich. Die Miniaturen werden durch die Spieler gesammelt, zusammengebaut und bemalt. Dadurch existiert eine weltweit lebendige Anhängerschaft mit Vereinen, Turnieren und Conventions.
Beschreibung Spielmechanik Mit teilweise sehr komplexen Spielregeln wird versucht, möglichst alle Aspekte eines tatsächlichen Konflikts im Spiel umzusetzen. So werden in vielen Tabletop-Spielen die Moral der Truppe, Vor- und Nachteile von Gelände und Ausrüstung, Einheiten mit speziellen Fähigkeiten und Taktiken wie Phalanx, Plänkler, Kavallerie und die Eigenschaften verschiedener Waffen regeltechnisch umgesetzt. Je nachdem wie detailliert ein Konflikt simuliert werden soll, gibt es Tabletop-Spiele mit einfacheren oder mit sehr komplexen Regeln. So gibt es Regelbücher mit weniger als 30 illustrierten Seiten an Regeln oder Regelbücher mit über 200 illustrierten Seiten an Regeln. Grundlegend unterscheiden sich die einzelnen Tabletop-Spiele in der Komplexität der Regeln, der Größe des Konflikts, der simuliert werden soll und dem Genre.
Tabletop-Spiele werden in der Regel zu zweit gespielt, wobei jeder Spieler eine Konfliktpartei spielt. Für einige Tabletop-Spiele gibt es auch einzelne Szenarien für mehr als zwei Spieler.
Spielregeln mini|Eine Momentaufnahme aus einem Tabletop-Spiel Die Miniaturen repräsentieren auf dem Spielfeld die Einheiten oder Truppen der Konfliktparteien. Eine Miniatur kann dabei einen einzelnen Soldaten, ganze Einheiten, riesige Monster, Kriegsmaschinen bis hin zu ganzen Schlachtschiffen oder Raumschiffen darstellen. Was eine Miniatur repräsentiert, hängt von dem Spielsystem ab. Welche Miniaturen gespielt werden, legt ein Spieler nach den Vorgaben des Spielsystems und abhängig von der verabredeten Spielgröße vor einer Partie fest. Häufig können die Einheiten während einer Partie simulierte Verwundungen erleiden oder simuliert beschädigt werden und zählen ab einem gewissen Grad als ausgeschaltet oder zerstört und werden vom Spielfeld entfernt. Viele Tabletop-Spiele haben auch ein Spielsystem mit dem die Moral von Einheiten und Truppen simuliert wird, sodass Einheiten und Truppen auch vom Spielfeld fliehen können. Einige Spielsysteme haben auch Regeln, nach denen neue Miniaturen während einer Partie auf dem Spielfeld erscheinen können.
In Tabletop-Spielen werden die Spielregeln in einem oder mehreren Regelbüchern dargestellt. Das ist häufig ein Grundregelbuch mit Erweiterungsbüchern. Die Miniaturen und Einheiten haben Attribute und Spezialregeln. Ein Beispiel für ein solches Attribut ist ein Wert für die Bewegungsreichweite der Miniatur auf dem Spielfeld. Diese Attribute und spezielle Regeln unterscheiden sich von Miniatur zu Miniatur bzw. von Einheit zu Einheit innerhalb eines Tabletop-Spiels. Moderne Systeme geben dem Spieler inzwischen Apps an die Hand, um den Überblick über die Werte und Regeln zu behalten. Gerade der Umfang der Regeln lässt Tabletop-Spiele häufig nicht einsteigerfreundlich wirken.
Die Bewegung der Modelle oder Einheiten auf dem Spielfeld wird in der Regel mit einem Maßband gemessen. Häufig haben Modelle oder Einheiten einen Grundbewegungswert der durch Gelände und Sonderregeln erhöht oder reduziert werden kann. Einige Tabletop-Spiele nutzen statt einem Maßband auch Schablonen zur Bewegung oder verwenden Hexfelder, um Entfernungen darzustellen.
Gemäß den Regeln werden die meisten Aktionen über Würfelwürfe bestimmt. Viele Systeme nutzen neben gewöhnlichen sechsseitigen Würfeln auch spezielle Würfel mit anderen Seitenzahlen. Einige weniger verbreitete Systeme werden mit Hilfe von Spielkarten gespielt oder nutzen eine Kombination aus Würfeln und Karten. Daneben gibt es Systeme, die den Zufall weitestgehend ausschalten und vor allem über den Vergleich von Eigenschaftswerten funktionieren.
Zusammenstellen der Miniaturen Der Großteil der heute üblichen Tabletop-Spiele hat Regeln, nach denen ein Spieler sich seine Miniaturen vor jedem Spiel individuell zusammenstellen kann. Das Schreiben der Liste der Miniaturen, die man spielen will, erfolgt in den meisten Fällen vor dem eigentlichen Spiel und wird gegenüber dem gegnerischen Spieler oft auch offengelegt.
In der Regel ist jeder Konfliktpartei aus dem fiktiven Hintergrund des Tabletop-Spiels eine bestimmte Auswahl an Miniaturen zugeordnet. Schon mit dem Kauf seiner Miniaturen entscheidet sich der Spieler für eine Konfliktpartei. Dabei hat ein Spieler z. B. in dem Spiel Dropfleet Commander die Wahl zwischen einer aus fünf Fraktionen, während er in dem Spiel Frostgrave die Wahl zwischen einem von zehn Magiertypen hat. Die Spieler müssen sich zusätzlich vor dem Spiel auf eine Spielgröße einigen. Die gewählte Spielgröße hat häufig direkt Einfluss auf die Dauer und die Komplexität einer Partie. Viele Hersteller empfehlen für ihre Tabletop-Spiele dabei eine oder mehrere Standardgrößen. Die gewählte Spielgröße und die Auswahl eines Spielers bestimmen dann, welche und wie viele Miniaturen ein Spieler für seine Liste wählen darf.
Dabei ist die Auswahl an Modellen und Einheiten üblicherweise viel größer als die, die für die Spielgröße notwendig ist. Die Spieler haben so eine hohe Varianz zwischen einzelnen Spielen. Alle Tabletop-Spiele, die ein solches Spielsystem haben, bestimmen darüber die Ausgeglichenheit der beiden Kontrahenten, indem jeder Miniatur im Regelwerk ein Wert zugeordnet wird. Die Summe der Werte aller gewählten Miniaturen entspricht dann der gewählten Spielgröße.
Will ein Spieler eine optimierte Liste von Miniaturen spielen, z. B. für ein Turnier, so kann es sein, dass der Spieler mehr Zeit damit verbringt seine Liste zu schreiben, als ein Spiel dauert. Vor einem Turnier testen die Spieler häufig in Probespielen. Es gibt aber auch Tabletop-Spiele, bei denen man die gespielten Miniaturen nicht vorab zusammenstellt. Ein Beispiel dafür ist das deutsche Tabletop-Spiel Summoners, das als Alleinstellungsmerkmal in seinen Regeln darauf setzt, dass die meisten Miniaturen während des Spiels beschworen werden. Einzig der Beschwörer ist zu Spielbeginn auf dem Spielfeld. Aber auch bei diesem Spiel müssen die Spieler vor Spielbeginn die Spielgröße festlegen, indem sie sich auf eine Beschwörerstufe einigen.
Zusätzlich zu den Miniaturen bieten einige Regelwerke die Möglichkeit, die Miniaturen mit zusätzlicher oder alternativer Ausrüstung und Aufwertungen auszustatten. Diese Regeln können Aufwertungen von Einheiten, zusätzliche Waffen oder Rüstung simulieren. Bei Fantasy-Tabletops sind es oft magische Gegenstände, bei Science-Fiction-Tabletops sind es oft alternative Waffen oder zusätzliche technische Ausrüstung (z. B. zur Aufklärung oder zum Hacken). Jeder alternativen Ausrüstung oder Aufwertung wird, ähnlich wie bei den Miniaturen, ein Wert zugeordnet, der zum Gesamtwert der jeweiligen Liste des Spielers gezählt wird. Am Ende sollte der Gesamtwert der Listen der Spieler ausgeglichen sein.
Einheitenaufwertungen werden teilweise als besondere Miniaturen innerhalb einer Einheit dargestellt. Zusätzliche oder alternative Ausrüstung für Miniaturen kann auch an der Miniatur selbst dargestellt werden. Die Möglichkeit dafür hängt häufig mit der Größe des Miniaturen-Sortiments des Herstellers zusammen. Größere Hersteller haben die Möglichkeit, mit einem größeren Sortiment mehr Miniaturen-Varianten anzubieten. Es gibt auch Spielergruppen, die darauf bestehen, dass die gewählte Ausrüstung an der Miniatur dargestellt wird, wenn das Spielsystem dies ermöglicht. Dies erleichtert es dem Spielpartner zu erkennen, was eine Miniatur repräsentiert und ob sie eventuell durch zusätzliche Ausrüstung zusätzliche Spezialregeln hat, schränkt aber auch die Auswahl beim Erstellen der Liste auf die Miniaturen ein, die ein Spieler besitzt. In der Tabletop-Gemeinschaft ist die Bezeichnung für dieses Prinzip „What you see is what you get.“ und wie viele Begriffe im Tabletop aus dem Englischen entlehnt.
In der Vergangenheit war das Schreiben der Liste oft verbunden mit langem Suchen und Abschreiben in Regelbüchern. Aktuell setzen immer mehr Hersteller auf Online-Armeegeneratoren und Mobile-Apps, die den Spielern das Schreiben der Liste erheblich erleichtern.
Im Bereich der historischen Tabletop-Spiele kann auch eine historische Schlacht nachgespielt werden. Dabei ist es häufig so, dass die aufeinandertreffenden Truppen nicht ausgewogen sind. Dies wird dann in der Regel über ein Szenario gelöst, in dem jede Seite unterschiedliche Bedingungen für einen Sieg hat und die Seite des historischen Verlierers somit trotz der unausgewogenen Truppen im Spiel gewinnen kann.
Spielziel Da es sich bei dem Begriff Tabletop um eine Art von Spielen handelt, lässt sich kein übergeordnetes Spielziel festlegen. Ähnlich wie bei Brettspielen unterscheidet sich das Spielziel von Spielsystem zu Spielsystem. Ein einfaches Spielziel kann sein, mehr Truppen des Spielpartners auszuschalten als man selbst verliert. Es kann darüber hinaus aber auch weitere Ziele geben, die sich sogar innerhalb eines Spielsystems von Partie zu Partie unterscheiden können. Das jeweilige Spielziel wird dann in einem Szenario vorgegeben. Je nach Spielsystem kann dieses Szenario vor Spielbeginn von den Mitspielern festgelegt oder über einen Zufallsgenerator zu Spielbeginn ermittelt werden.
Bei Sportsimulationen ist das Spielziel häufig das Erzielen von Punkten über das Schießen von Toren. Aber auch bei diesen Spielen können Miniaturen des Spielpartners simuliert so verwundet werden, dass sie ausgeschaltet und vom Spielfeld entfernt werden. Je nach Sport-Spiel können die Spieler auch für das Ausschalten von Miniaturen Siegpunkte erhalten.
Erweiterungen und neue Regeledition Insbesondere für modernere Tabletop-Spiele erscheinen immer wieder Erweiterungen und neue Editionen des bestehenden Regelsets. So veröffentlichte Games Workshop 2026 die 11. Edition von Warhammer 40.000 seit 1987. Außerdem veröffentlichen Hersteller häufig neue Miniaturen oder Erweiterungen der Spielregeln um neue Spielmechaniken. Viele Spielsysteme bieten dabei ein Paket aus Miniaturen, Grundregeln und Zubehör für Einsteiger an. Danach können Spieler einzelne Miniaturen oder ganze Einheiten als separate Erweiterungen kaufen. Dabei kann die einzelne Miniatur vom Einheitenanführer bis zu Monstern oder riesigen Raumschiffen reichen.