mini|hochkant=1.3|Künstlerhaus Das Künstlerhaus ist ein Ausstellungsgebäude am Karlsplatz in der österreichischen Hauptstadt Wien. Das Neorenaissancegebäude wurde 1865 bis 1868 durch die Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens von August Weber errichtet. Es ist Sitz der Künstlerhaus-Vereinigung, des Stadtkinos, der Neuen Staatsoper und der Albertina modern.

Künstlerhaus-Vereinigung Um die Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sich in Wien eine Gruppe Künstler, die sich zum regelmäßigen Austausch, vor allem aber zum geselligen Beisammensein im Gasthaus Dachelkeller am heutigen Neuen Markt zusammenfand. Das Lokal wurde aufgrund des immer größer werdenden Interesses ebenso zu klein wie der Lothringer am Kohlmarkt. Als die noch namenlose Gruppe erneut umzog, diesmal in die Naglergasse Zum Goldenen Lamm, hatte man bereits den Plan das Lokal nach den eigenen Vorstellungen umzugestalten. Man wollte sich eine dauerhafte Heimstätte schaffen, auch wenn man nach wie vor nur Mieter war.

Das Vorhaben zum Umbau scheiterte, nicht zuletzt aufgrund der beengten Platzverhältnisse. Die Gruppe beschloss daraufhin das durch seine Stadtmauer begrenzte Wien zu verlassen und in die Vorstadt zu ziehen. Das große, aus mehreren Räumen bestehende Lokal Zum blauen Strauß auf der Laimgrube, heute Teil des 6. Wiener Gemeindebezirks, an der Ecke Kothgasse (heute Gumpendorfer Straße) und Untere Pfarrgasse (heute Laimgrubengasse) wurde als geeignet angesehen. Mit der Ausgestaltung der Räumlichkeiten wurde 1846 der Architekt Leopold Ernst betraut. Im neugotischen Stil errichtete er unter gewaltiger Kostenüberschreitung den großen und kleine Albrecht-Dürer-Saal (nicht mehr erhalten). Die Schlussrechnung von 1847 wies Gesamtkosten von 4396 Gulden auf.Künstlerhaus-Archiv Wien, Vereinsakten 1845–1868, Schluss-Rechnung der Decorirung des Künstler-Lokales 1847.

Die Gesellschaft zum blauen Strauß, wie man sich jetzt nannte, war inzwischen vereinsmäßig organisiert. Mit behördlicher Genehmigung vom 19. September 1856 hieß die Vereinigung offiziell Gesellschaft ausübender bildender Künstler und Kunstfreunde in Wien. Zwei Jahre später wurde der Name in Albrecht Dürer-Verein geändert.Künstlerhaus-Archiv Wien, Statuten und Geschäftsordnungen, Statuten Albrecht Dürer-Verein von 1856 inklusive Änderung von 1858. Mitte der 1850er Jahre bildete sich eine weitere Gruppe Künstler, die sich „Eintracht“ nannte. Beide Gruppen standen in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander und gegen Ende der 1850er Jahre kam die Idee zum Bau eines gemeinsamen Vereinshauses auf. Dieses Vorhaben war schließlich der entscheidende Anstoß zum Zusammenschluss der beiden Vereine. Mit der konstituierenden Versammlung vom 7. November 1861 schlossen sich die Künstlervereine Eintracht und Albrecht Dürer-Verein unter dem Namen Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens zur faktischen Standesvertretung der Wiener Maler, Bildhauer und Architekten zusammen. 1868 wurde das neue Vereins- und Ausstellungshaus am Wienfluss (heute Karlsplatz) bezogen. Gemeinsam mit der Schlusssteinlegung erfolgte am 1. September die Eröffnung der III. Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung – die Genossenschaft betrachtete sich (bis 1912) als Lokalverein der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft.

mini|hochkant|Plakat zur Jubiläumsausstellung 1898

Die Genossenschaft veranstaltete neben den großen Jahresausstellungen, die jeweils im Frühjahr stattfanden, die sogenannten Permanenten Ausstellungen, die vom Sommer bis ins nächste Jahr dauerten. Die Ausstellungen waren prinzipiell als Verkaufsausstellungen konzipiert. Die Provisionen aus den Verkäufen bildeten zusammen mit den Mitgliedsbeiträgen, den Eintrittsgeldern und dem Katalogverkauf die wichtigsten Einnahmequellen in den ersten Jahren. Zudem fanden schon seit Beginn Auktionen verschiedener Kunsthändler im Künstlerhaus statt.

Neben der Abhaltung von Ausstellungen war der wesentliche Vereinszweck die „gesellige Vereinigung“, wie es im ersten Paragraphen der Gründungsstatuten von 1861 heißt: „Der Zweck der Genossenschaft ist die Förderung der Standesinteressen der bildenden Künstler Wiens und deren gesellige Vereinigung unter sich und mit Kunstfreunden“Künstlerhaus-Archiv Wien, Statuten und Geschäftsordnungen, Statuten der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens 1861.. Den Hang zur Geselligkeit hat die Vereinigung vom Albrecht Dürer-Verein geerbt. Zunächst noch im Lokal auf der Laimgrube, später im Künstlerhaus, wurden meist jeweils im Februar die sogenannten Gschnasfeste veranstaltet. Das Gschnas zeichnete sich durch seine meist sehr aufwendige und künstlerische Dekoration, ein abwechselndes Motto, seinen humoristischen, satirischen Charakter, die Masken und Kostüme sowie die verschiedenen Künstlergruppen aus.

Innerhalb der Genossenschaft, die prinzipiell alle bildenden Künste der Zeit beheimatete, bildeten sich eigene Organisationen bzw. Klubs. 1889 wurde der Club der Plastiker der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens gegründet (ab 1900 Bildhauer-Vereinigung der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens), 1894 der Architekten-Club der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens und 1913 entstand die Medailleur-Vereinigung der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens. Die wohl aktivste Tochterorganisation war der 1885 gegründete Aquarellisten-Club der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens. Ziel des Klubs war die Förderung der hinter der Ölmalerei stehenden Aquarellmalerei. Zu diesem Zweck veranstaltete der Klub eigene Ausstellungen im Künstlerhaus. Neben den ordentlichen Mitgliedern – diese mussten auch ordentliche Mitglieder der Genossenschaft sein – wurde die Kategorie der „Amateure“ geschaffen. 1941 wurde der Aquarellisten-Club behördlich aufgelöst.

Im Jahr 1897 spalteten sich 20 fortschrittliche Künstler (unter ihnen Gustav Klimt, Koloman Moser, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich) von der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens ab und gründeten die Wiener Secession. Damit verlor das Künstlerhaus seine Funktion als die damals maßgebliche Interessenvertretung aller Wiener Künstler.

Seit 1972 steht die Vereinigung auch Vertretern der angewandten Kunst offen. 1976 wurde sie, unter Beibehaltung der genossenschaftlichen Rechtsform, in Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus umbenannt. Seit 1983 sind auch Film- und Audiovisionskünstler Mitglieder. Die 1985 gegründete Künstlerhaus-Ges. m. b. H. organisiert Ausstellungen auch für andere Museen und Institutionen.Künstlerhaus, Austria Lexikon, Stand: 12. März 2010 Seit Juni 2019 ist mit Präsidentin Tanja Prušnik erstmals eine Frau an der Spitze des Vereines., Impressum

Baugeschichte mini|Das Künstlerhaus um 1900 mini|Ausstellung: Space Inventions (2010) Nach der Ende 1857 getroffenen Entscheidung Kaiser Franz Josephs I., die Stadtmauern demolieren zu lassen, wurde die Wiener Ringstraße als repräsentativer Boulevard geplant und gebaut und vom Kaiser 1865, im Jahr des Baubeginns des Künstlerhauses, eröffnet. Der beim Innenministerium errichtete Stadterweiterungsfonds hatte die Aufgabe, das ehemalige Militärareal zu verwerten, und verkaufte die meisten Grundstücke an private Investoren. Zur Attraktivität der neuen Ringstraßenzone sollten Kultureinrichtungen beitragen, denen der Fonds Grundstücke gratis zur Verfügung stellte. Zu diesen Einrichtungen zählten das Künstlerhaus und der Musikverein, die gegenüber der Karlskirche Grundstücke am Ufer des damals noch offen fließenden Wienflusses erhielten.

Architekt des Künstlerhauses war August Weber (1836–1903), der 1863/64 das Gartenbaugebäude am Parkring errichtet hatte. Er orientierte sich am Stil einer italienischen Renaissancevilla des Jacopo Sansovino. Die Wiener Firma Anton Wasserburger führte sämtliche Steinmetzarbeiten durch, dabei wurden vorrangig St. Margarethener und Wöllersdorfer Stein sowie Kaiserstein aus Kaisersteinbruch verwendet. Franz Joseph I. setzte den Schlussstein.

Das am 1. September 1868 – fast neun Monate vor der nahen k. k. Hofoper und 16 Monate vor dem benachbarten Musikverein – eröffnete Haus erhielt 1882 einen größeren Zubau, nämlich die beiden Seitenpavillons. Der linke erhielt den Namen Deutscher Saal (das heutige Kino) und der rechte Französischer Saal (die heutige Theaterspielstätte). Architekten waren Friedrich Schachner und Andreas Streit.

Im gleichen Jahr wurde die Erste Internationale Kunstausstellung im Künstlerhause veranstaltet. 1888 wurde der Innengarten überdacht.

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten an der Wiener Stadtbahn und an der teilweisen Einwölbung des Wienflusses. Seit 1899 ist die dem Künstlerhaus unmittelbar benachbarte Stadtbahnstation (seit 1980 ausschließlich U-Bahn-Station), gestaltet von Otto Wagner, in Betrieb. 1899/1900 wurde auch die Wienflusseinwölbung fertiggestellt, so dass sich die Vorderseite des Künstlerhauses nun nicht mehr an einem Flussufer, sondern am Rand des neuen, großen, 1899 benannten Karlsplatzes befand.

Weitere Umbauten erfolgten 1887 durch Julius Deininger (Innenumbau, Verlegung des Einganges an die Südfront), 1911 durch Wilhelm Jelinek, 1913 durch Siegfried Theiss und Hans Jaksch.

Im 20. Jahrhundert geriet der für den Ringstraßenbereich ungewöhnlich niedrige Bau mehrmals unter spekulativen Abriss- oder wenigstens Aufstockungsdruck. So sah der Plan Kaym/Hetmanek Anfang der 1930er Jahre die Ersetzung des historistischen Pavillons durch achtgeschoßige Zinshäuser vor, 1935 machte sich der junge Roland Rainer Gedanken über eine „bauliche Verdichtung“ an diesem prominenten Ort. Die Richtlinien des Planungswettbewerbs Karlsplatz machten 1946 deutlich, dass die Stadt Wien das Künstlerhaus sowie das damalige Verkehrsbüro am anderen Ende des Karlsplatzes als entbehrlich ansah (beide bestehen bis heute). Zu nennen ist auch der 1966 von Karl Schwanzer für IBM geplante Bürobau anstelle des Künstlerhauses, der allerdings bei Bevölkerung und Medien auf breiten Unmut stieß. Der Fall Florianikirche im Sommer 1965 hatte hier wohl zu einem Umdenken geführt.

1949 wurde der linke Seitenflügel unter der Leitung von Alfons Hetmanek in ein Kino umgebaut. Dabei wurden beim Eingangsbereich Sgraffiti von Leopold Schmid angebracht, die Allegorien verschiedener Filmgenres darstellen.Dehio Wien Innere Stadt 2003, S. 489 Der rechte Seitenflügel (Französischer Saal) wurde 1974 für einen Theaterbetrieb adaptiert. 1956/57 wurde der Stiftersaal einer massiven Modernisierung unterzogen. 2001–2003 wurde der Platz zum Musikverein hin neu gestaltet, aus dieser Zeit stammen auch die unterirdischen Räume zum Karlsplatz hin.

Von Herbst 2016 bis ins Frühjahr 2020 erfolgte die Generalsanierung des Künstlerhauses, die neben einer Restaurierung unter Aufsicht des Bundesdenkmalamtes auch eine technische Modernisierung und Erweiterung der Ausstellungsfläche umfasste. Die Modernisierung entspricht den Vorgaben des International Council of Museums, was für die Nutzung durch die Albertina modern eine wichtige Voraussetzung war. Als temporäres Ausweichquartier diente die ehemalige Altmann’sche Textilfabrik in Wien-Margareten (Stolberggasse 26). Die Neueröffnung fand am 6. März 2020 statt. Während die Künstlerhaus Vereinigung nun im Obergeschoß des Gebäudes ihr Programm präsentiert, eröffnete im Erd- und Untergeschoß die neueingezogene Albertina modern am 27. Mai 2020 ihren Betrieb. Somit beherbergt das Künstlerhaus zwei voneinander unabhängige Ausstellungsbetriebe.

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