links|mini|Europa 1867

zentriert|350px|Krönung von Franz Josef und Elisabeth zu König und Königin von Ungarn Franz Joseph I. und seine Frau Elisabeth werden nach dem Österreich-Ungarischen Ausgleich Königspaar von Ungarn. zentriert|148px|Titelblatt der Erstausgabe Das Kapital Der erste Band vonDas Kapitalvon Karl Marxerscheint. zentriert|192px|An der schönen blauen Donau, Titelblatt Im Dianabad erklingterstmals der WalzerAn der schönen blauen Donau von Johann Strauss (Sohn). zentriert|350px|Der Scheck über den Kaufpreis Alaskas in Höhe von 7,2 Millionen US-Dollar Das Russische Kaiserreich verkauft Alaskaim sogenannten Alaska Purchase an die USA. 1867 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1315/16 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1859/60 (11./12. September) Baha'i-Kalender 23/24 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1272/73 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2410/11 (südlicher Buddhismus); 2409/10 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Feuer-Hasen 丁卯 (am Beginn des Jahres Feuer-Tiger 丙寅) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1229/30 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4200/01 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1245/46 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1283/84 (4./5. Mai) Japanischer Kalender Keiō 2/3 (4./5. Februar) Jüdischer Kalender 5627/28 (29./30. September) Koptischer Kalender 1583/84 (11./12. September) Malayalam-Kalender 1042/43 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1282/83 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2177/78 (Jahreswechsel April) Syrien: 2178/79 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1923/24 (April)

Im Jahr 1867 wird der im Vorjahr gegründete Norddeutsche Bund mittels einer durch einen neu gewählten konstituierenden Reichstag beschlossenen Verfassung von einem Militärbündnis in einen Bundesstaat umgewandelt. Zum Bundeskanzler wird Otto von Bismarck ernannt.

Auch die Habsburgermonarchie erlebt eine verfassungsrechtliche Umstrukturierung: Durch den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich wird das bisherige Kaisertum Österreich in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn umgewandelt. Ende des Jahres tritt in der österreichischen Reichshälfte (Cisleithanien) die Dezemberverfassung in Kraft, die mit dem Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger einen Grundrechtekatalog enthält.

Auch in anderen Teilen der Welt kommt es zu revolutionären Entwicklungen: In Japan dankt der letzte Shōgun des Tokugawa-Shogunats unter dem Druck der eine Restauration der Kaiserherrschaft anstrebenden Reformer formell ab. Mit der Thronbesteigung des 14-jährigen Mutsuhito endet die Edo-Zeit und die Meiji-Zeit beginnt. Mit der Hinrichtung von Kaiser Maximilian I. von Mexiko durch republikanische Truppen des Präsidenten Benito Juárez endet das kurzlebige 2. Kaiserreich Mexiko. Wenige Tage später wird die Kanadische Konföderation von Großbritannien unabhängig.

Das Russische Kaiserreich schließt mit den Vereinigten Staaten einen Vertrag über den Verkauf von rund 1,6 Millionen km², das Gebiet des heutigen Bundesstaats Alaska.

ChronologieAndauernde Ereignisse Rotativismo in Portugal (seit 1856) Nian-Aufstand (seit 1853) gegen die Qing-Dynastie in China (seit 1644) Zweites Kaiserreich in Frankreich (seit 1852) Gründerzeit in Deutschland und Österreich (seit etwa 1840) Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich (seit 1839) Viktorianisches Zeitalter in Großbritannien (seit 1837)

Ereignisse Politik und Weltgeschehen

Norddeutscher Bund

7. Februar: Die verbündeten Regierungen des Norddeutschen Bundes einigen sich nach Vorschlag durch Otto von Bismarck auf einen Verfassungsentwurf, der einem noch zu wählenden Reichstag vorzulegen ist. Am 19. Februar legt Bismarck den Regierungen einen geheimen Alternativentwurf vor, sollte der Reichstag den Erstentwurf ablehnen oder zu sehr abändern. In diesem Fall soll die Verfassung als Staatsvertrag oktroyiert werden.

mini|links|Reichstagswahl Februar 1867, mit den Ergebnissen der einzelnen Wahlkreise 12. Februar: Basierend auf den Augustverträgen 1866 wird nach allgemeinem Wahlrecht die Hauptwahl für den konstituierender Reichstag für den Norddeutschen Bund durchgeführt. In den Wochen danach erfolgen die erforderlichen Stichwahlen. Die Mitgliedstaaten des Norddeutschen Bundes sind für die Wahl in 297 Wahlkreise eingeteilt worden, von denen 236 in Preußen liegen. Die Königreiche Bayern und Württemberg, das Großherzogtum Baden und der Südteil des Großherzogtums Hessen gehören dem Norddeutschen Bund nicht an und nehmen daher an der Wahl nicht teil. Für die Wahl gelten Wahlgesetze der Einzelstaaten, die sich am Frankfurter Reichstagswahlgesetz von 1849 orientieren. Die Mehrheit nach der Reichstagswahl Februar 1867 stellt die Nationalliberale Partei zusammen mit den liberal-konservativen Freikonservativen. Beide Parteien arbeiten mit Otto von Bismarck zusammen. Besonders in den 1866 von Preußen annektierten Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover erzielen bundesstaatlich-konstitutionelle Kandidaten Wahlerfolge. Die Sächsische Volkspartei, teilweise eine Vorläuferorganisation der späteren Sozialdemokraten, zieht mit zwei Abgeordneten in das Gremium ein.

24. Februar: Der konstituierende Reichstag hält seine erste Sitzung ab. Mit August Bebel gehört der erste deutsche Sozialdemokrat einer verfassungsvereinbarenden Versammlung an. Präsident des Reichstages, dessen Aufgabe die Vereinbarung einer Verfassung für den Norddeutschen Bund ist, wird Eduard von Simson. 4. März: Der Verfassungsentwurf der Regierungen wird dem konstituierenden Reichstag vorgelegt. 19. März: Die im Vorjahr geschlossenen Schutz- und Trutzbündnisse zwischen Preußen einerseits und den süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg und Baden andererseits werden veröffentlicht. Es folgt ein weiteres Bündnis mit dem Großherzogtum Hessen. 27. März: Die Lex Bennigsen führt die ministerielle Verantwortlichkeit des Bundeskanzlers ein. Der nationalliberale Abgeordnete Rudolf von Bennigsen hatte einen Abänderungsantrag eingebracht, der den vom konstituierenden Reichstag beratenen Verfassungsentwurf anpasste. 16. April: Der konstituierende Reichstag nimmt den Bismarckschen Verfassungsentwurf mit den beschlossenen Änderungen an. Noch am gleichen Tag akzeptieren die Bevollmächtigten der Staaten den veränderten Entwurf.

mini|links|„Die Verkleidungen unseres Hofmeisters“ – Karikatur, die auf die Ämterhäufung Bismarcks anspielt; Kladderadatsch, 1867 Zwischen dem 21. Juni und 27. Juni setzen die einzelnen Länder die Bundesverfassung durch Publikationspatente in Kraft. mini|hochkant|Der Weg zum Norddeutschen Bund: Nach Beratungen der beteiligten Landesregierungen wurde ein konstituierender Reichstag gewählt, der mit den Regierungen einen Verfassungsentwurf vereinbarte. 1. Juli: Die Verfassung des Norddeutschen Bundes tritt in Kraft. Damit ist die Gründung des Norddeutschen Bundes als Bundesstaat vollendet. 8. Juli: Der Deutsche Zollverein wird gesetzlich neu geregelt. Der neue Zollverein verfügt erstmals über föderale Institutionen, wie den Zoll-Bundesrat und ein Zollparlament als Legislative. Die von diesen Organen getroffenen Mehrheitsbeschlüsse sind für alle Mitgliedstaaten bindend, ein Veto gibt es nicht mehr. Ausführendes Organ ist das dem preußischen König obliegende Zollpräsidium. Das Gesetz tritt am 1. Januar 1868 in Kraft. 14. Juli: König Wilhelm von Preußen ernennt, in seiner Eigenschaft als Inhaber des Bundespräsidiums, den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck zum Bundeskanzler. 12. August: Bundeskanzler Otto von Bismarck richtet das Bundeskanzleramt des Norddeutschen Bundes ein. Es ist für die inneren Angelegenheiten des Bundes zuständig. Kanzleramtspräsident und Bismarcks rechte Hand wird Rudolph von Delbrück.

mini|links|Die Ergebnisse der ordentlichen Reichstagswahl nach Wahlkreisen 31. August: Die Wahlbeteiligung bei der Reichstagswahl August 1867 ist geringer als bei der Wahl im Februar. In den folgenden Wochen finden die erforderlichen Stichwahlen statt. Das politische Kräfteverhältnis nach der Wahl bleibt im Wesentlichen unverändert. Damit hat der Norddeutsche Bund sein Parlament. 1. November: Das Gesetz über die Freizügigkeit wird beschlossen. 9. November: Mittels Bundesgesetz wird die Marine des Norddeutschen Bundes gegründet, die aus der Preußischen Marine hervorgeht. Die übrigen Gliedsstaaten im Norddeutschen Bund haben keine eigenen Seestreitkräfte, sind aber zur Zahlung von Beiträgen sowie auch zur Stellung von Personal verpflichtet. Trotzdem untersteht die Norddeutsche Bundesmarine noch immer dem preußischen Marineministerium.

Österreich-Ungarn

mini|links|hochkant|Richard Graf Belcredi 1. Februar: Richard Belcredi, Vertreter eines föderalistischen Ausgleichs mit allen Nationalitäten des österreichischen Vielvölkerstaats, reicht nach der Sitzung des Ministerrats sein Abschiedsgesuch ein.

mini|hochkant|Friedrich Ferdinand Freiherr von Beust, Lithographie von Josef Kriehuber, 1867 7. Februar: Kaiser Franz Joseph I. ernennt Friedrich Ferdinand von Beust zum österreichischen Ministerpräsidenten. 17. Februar: König Franz Joseph I. ernennt den ehemaligen Revolutionär Graf Gyula Andrássy zum ungarischen Ministerpräsidenten. Am 18. Februar wird die Wiederherstellung der Verfassung von 1848 mit wenigen Änderungen angezeigt. Zwei Tage später präsentiert Andrássy seine Regierung. Siebenbürgen und das Banat werden wieder mit Ungarn vereinigt. 27. Februar: Der nach der Ungarischen Revolution aufgelöste ungarische Reichstag wird im Rahmen des Österreichisch-Ungarischen Ausgleichs wiederhergestellt. Er löst den dazwischen zweimal existierenden Landtag ab. 15. März: Mit der Vertragsunterzeichnung des österreichisch-ungarischen Ausgleichs erfolgt die Gründung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Die Regierung Andrássy leistet in Buda den Treueeid auf Franz Joseph I. 20. Mai: Mit der konstituierenden Sitzung nach der Reichsratswahl 1867 tritt der österreichische Reichsrat erstmals nach dem Ausscheiden Ungarns aus dem Kaisertum Österreich als rein cisleithanisches Parlament zusammen. 8. Juni: Mit der feierlichen Krönung von Kaiser Franz Joseph I. und seiner Frau Elisabeth zum ungarischen Königspaar findet der Österreichisch-Ungarische Ausgleich einen festlichen Abschluss. Die Magyaren sind mit dem Haus Habsburg wieder versöhnt. Unter der Regierung Andrássy intensiviert sich die Magyarisierung in der ungarischen Reichshälfte. 21. Dezember: Kaiser Franz Joseph I. sanktioniert die Dezemberverfassung, die am nächsten Tag in Kraft tritt. Im dazugehörigen Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger enthält einen Grundrechtekatalog nach dem Vorbild der Oktroyierten Märzverfassung von 1849, der bis heute weitgehende Gültigkeit in Österreich hat. 30. Dezember: Karl von Auersperg wird neuer Ministerpräsident Cisleithaniens. Seine Regierung wurde wegen der Mehrheit seiner Mitglieder Bürgerministerium genannt.

Luxemburg

mini|Unterschriften des Londoner Vertrags 7. bis 11. Mai: Im Londoner Vertrag wird die Luxemburgkrise um den beabsichtigten Kauf des Großherzogtums Luxemburg durch die französische Regierung unter Napoleon III. von den Niederlanden unter König Wilhelm III. beigelegt: Frankreich erwirbt Luxemburg nicht, dafür zieht Preußen seine Garnison aus der Festung in Luxemburg-Stadt ab und diese wird zerstört. Luxemburg soll bei künftigen Konflikten neutral bleiben und wird für unabhängig erklärt.

Schweiz

1. Januar: Constant Fornerod wird zum dritten Mal Bundespräsident der Schweiz. 14. Juni: In der Schweizer Armee wird das Peabody Gewehr Modell 1867 eingeführt. Es soll eingesetzt werden, bis das von Johann Friedrich Vetterli entwickelte Vetterligewehr zur Verfügung steht.

Risorgimento in Italien/Kirchenstaat

10./17. März: Bei der Parlamentswahl 1867 gewinnt die Historische Linke eine relative Mehrheit.