zentriert|350px|Claude Monet: Impression, soleil levant, 1872 Im Atelier des Fotografen Nadar stellt Claude Monet mit anderen Malern seine Werke aus, darunter auch Impression, soleil levant, das dem Impressionismus seinen Namen gibt. zentriert|175px|Eduard Kullmann (rechts) schießt auf Reichskanzler Otto von Bismarck Eduard Kullmannverübt in Bad Kissingenein Attentatauf Otto von Bismarck. zentriert|165px|Der zweite Wiener Südbahnhof nach seiner Fertigstellung Der zweite Wiener Südbahnhof wird mit einjähriger Verspätung fertiggestellt. 1874 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1322/23 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1866/67 (10./11. September) Baha'i-Kalender 30/31 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1279/80 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2417/18 (südlicher Buddhismus); 2416/17 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 76. (77.) Zyklus Jahr des Holz-Hundes 甲戌 (am Beginn des Jahres Wasser-Hahn 癸酉) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1236/37 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4207/08 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1252/53 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1290/91 (18./19. Februar) Japanischer Kalender Meiji 7 ();Kōki 2534 Jüdischer Kalender 5634/35 (11./12. September) Koptischer Kalender 1590/91 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1049/50 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1289/90 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2184/85 (Jahreswechsel April) Syrien: 2185/86 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1930/31 (April)

Im Jahr 1874 wird auf einer internationalen Konferenz in Brüssel der Grundstein für die Entwicklung des humanitären Völkerrechts gelegt.

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Brüsseler Konferenz

27. Juli bis 27. August: Die auf Initiative des russischen Zaren Alexander II. einberufene Brüsseler Konferenz von 1874, an der 15 europäische Staaten teilnehmen, endet mit der Verabschiedung der Deklaration über die Gesetze und Gebräuche des Krieges. Sie legt unter anderem ein Verbot des Einsatzes giftiger Substanzen zur Kriegsführung sowie ein Verbot der Tötung eines wehrlosen oder sich ergebenden Gegners fest. Des Weiteren enthält sie Regeln für Belagerungen und für Bombardierungen. Die von Friedrich Fromhold Martens erarbeitete Deklaration wird zwar nie völkerrechtlich bindend, wird aber zum Vorbild der Haager Friedenskonferenzen und zur Vorlage für die Haager Landkriegsordnung.

Deutsches Kaiserreich

10. Januar: Deutsches Reich: Bei der 2. Wahl zum deutschen Reichstag liegt die Wahlbeteiligung bei ca. 61,2 % und damit deutlich höher als bei der Reichstagswahl 1871. Zum ersten Mal ziehen Abgeordnete aus dem Reichsland Elsaß-Lothringen in den Reichstag ein. Alle 15 elsaß-lothringischen Wahlkreise werden von pro-französischen elsässisch-lothringischen Regionalisten gewonnen. Gewinner der Wahl sind die Nationalliberalen und das Zentrum, Verluste müssen dagegen die Konservative Partei und die Liberale Reichspartei hinnehmen. Die getrennt angetretenen sozialdemokratischen Parteien (SDAP und ADAV) erringen trotz ihrer Differenzen insgesamt neun Mandate. Bei der Parlamentsarbeit zeigen sich bald in vielen Fragen deutliche Übereinstimmungen zwischen beiden Arbeiterparteien. Ungewollt verstärkt auch der Staat durch Repressionsmaßnahmen, die Anhänger beider Parteien treffen, die Tendenz zur Vereinigung noch. Es kommt zu Hausdurchsuchungen und führende Mitglieder beider Parteien wie Wilhelm Hasenclever und Johann Most werden verhaftet. In Preußen wird der ADAV, in Bayern die SDAP verboten. Die Verhandlungen der beiden Parteien über eine Vereinigung beginnen Mitte Oktober. 23. Januar: Der Preußische Landtag verabschiedet das Gesetz über die obligatorische Zivilehe. In Preußen ist nunmehr auch die Ehescheidung möglich. 26. Februar: 30 grundbesitzende Adlige aus den preußischen Provinzen Brandenburg, Pommern, (Ost-)Preußen, Sachsen und Schlesien gründen in Berlin die Deutsche Adelsgenossenschaft. Sie soll dem als verderblich angesehenen Liberalismus der Zeit entgegenwirken und ein konservatives Gegengewicht setzen. 4. Mai: Der Reichstag verabschiedet das Expatriierungsgesetz, eines der sogenannten Maigesetze. Es erlaubt „renitenten“ Geistlichen, das sind solche, die sich an bestimmte gesetzliche während des preußischen Kulturkampfs erlassene Gesetze nicht halten, Aufenthaltsbeschränkungen bis hin zur Landesverweisung aufzuerlegen. 1. Juli: Das am 7. Mai beschlossene Gesetz über die Presse (Reichspreßgesetz (RPG)) tritt in Kraft. Es regelt das Presserecht und ist in Teilen bis 1966 gültig.

13. Juli: Der 20-jährige Böttchergeselle Eduard Kullmann, ein radikaler Katholik, verübt in Bad Kissingen ein erfolgloses Attentat auf Reichskanzler Otto von Bismarck. Der Opernsänger José Lederer kann den Attentäter festhalten, der im folgenden Prozess zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt wird. 1. Oktober: Im Rahmen des Kulturkampfes wird in Preußen durch Schaffung des staatlichen Standesamts die obligatorische Zivilehe eingeführt.

Russisches Kaiserreich

Die Narodniki in Russland erheben sich in einem spontanen und unorganisierten Aufstand, der rasch niedergeschlagen wird.

Österreich-Ungarn

5. April: In Neudörfl beginnt, als vertrauliche Besprechung ausgegeben, der Gründungsparteitag der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Österreich. Richtungskämpfe lassen die Partei jedoch erst durch das Wirken Viktor Adlers auf dem Hainfelder Parteitag ab dem Jahr 1889 entstehen.

Schweiz

1. Januar: Karl Schenk wird zum dritten Mal Bundespräsident der Schweiz.

miniatur|links|Flugblatt der Gegner der Totalrevision 19. April: Bei einer Volksabstimmung wird die Totalrevision der Schweizer Bundesverfassung angenommen. Es handelt sich um einen Kompromiss, nachdem eine Vorlage zur Totalrevision zwei Jahre früher gescheitert ist. Das neue Gesetz sieht den Ausbau der Bundeskompetenzen und der Volksrechte vor. Mit dieser Totalrevision wird auch das Gesetzesreferendum auf eidgenössischer Ebene eingeführt. Außerdem werden Körperstrafen, Schuldhaft und Todesstrafe abgeschafft. Die neue Verfassung tritt am 29. Mai in Kraft. 21. Dezember: Im Kulturkampf in der Schweiz lösen die Behörden das Bistum Basel nach einem Streit mit Bischof Eugène Lachat auf.

Frankreich

22. Mai: Das royalistische Kabinett Broglie II wird gestürzt und vom ultraroyalistischen Kabinett Courtot de Cissey unter Ernest Courtot de Cissey abgelöst.

Dritte Französische Republik: Unter der Leitung von Raymond Adolphe Séré de Rivières beginnt das 1872 gegründete Comité de défense mit dem Aufbau der Barrière de fer, einer Befestigungslinie entlang der französischen Grenzen.

Island

2. August: Island feiert die Tausendjahrfeier seiner Besiedlung.

Italien

10. September: Papst Pius IX. verbietet in der Bulle Non expedit den italienischen Katholiken aktiv oder passiv an Wahlen teilzunehmen. Hintergrund ist die Besetzung des Kirchenstaates durch italienische Truppen im Jahr 1870 und die Römische Frage betreffend den politischen Status der Stadt Rom und der Vatikanstadt. 8./15. November: Bei der Parlamentswahl in Italien 1874 besitzen 2,1 % der Bevölkerung das Wahlrecht. Davon beteiligen sich etwas mehr als die Hälfte an der Wahl. Marco Minghetti bleibt Ministerpräsident.

Spanien

3. Januar: Mit einem Putsch durch General Manuel Pavía endet de facto die Erste Spanische Republik und das Sexenio Revolucionario. Präsident Emilio Castelar legt sein Amt nieder. Francisco Serrano Domínguez wird am nächsten Tag Präsident und regiert diktatorisch. Er führt den seit 1872 andauernden Krieg gegen die Carlisten ohne entscheidende Erfolge weiter.

mini|hochkant|Alfons XII. nach der Thronbesteigung 29. Dezember: In Sagunto wird mit Rückendeckung durch die Generalität unter Arsenio Martínez-Campos der Bourbone Alfons XII. zum König von Spanien ausgerufen.

Kanada

22. Januar: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Kanada sind die Bewohner von Prince Edward Island erstmals wahlberechtigt. Zum ersten Mal kommt auch das Prinzip der geheimen Wahl zur Anwendung. Die in den Pacific-Skandal verwickelten Konservativen unter John Macdonald erleiden eine empfindliche Niederlage. Die Liberale Partei Kanadas gewinnt die Mehrheit der Sitze, der bisherige Übergangspremier Alexander Mackenzie bildet eine Regierung. Sein wichtigstes Anliegen während seiner Regierungszeit war die Reform und Vereinfachung der staatlichen Verwaltung.

Vereinigte Staaten von Amerika

März: Das Bureau of Indian Affairs gründet gemeinsam mit der Armee im Bundesstadt Nebraska das Fort Robinson. Die dort stationierten Soldaten sollen eigentlich die Einhaltung des Vertrags von Fort Laramie durchsetzen und das vertragswidrige Eindringen von weißen Jägern, Glücksrittern, Goldsuchern und Siedlern auf das Indianerland der Great Sioux Nation unterbinden. Im gleichen Jahr schickt die US-Regierung allerdings eine Expedition unter dem militärischen Schutz von George Armstrong Custer in die Black Hills, bei der dort Gold entdeckt wird. Der daraufhin in den Black Hills einsetzende Goldrausch führt im folgenden Jahr schließlich zum Krieg. 1. Juni bis 3. November: Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten 1874 gewinnt die Demokratische Partei erstmals seit 1860 wieder die Mehrheit. 20. Juli: In Texas beginnt der Red-River-Krieg. In Louisiana wird die White League gegründet, eine paramilitärische rassistische Organisation von weißen Bewohnern mit dem Ziel, sich gegen die Reconstruction zur Wehr zu setzen. Schwarze sollen eingeschüchtert und Mitglieder der Republikanischen Partei aus ihren Ämtern getrieben werden. Am 4. September liefern sich 5.000 Mitglieder der White League eine Schlacht mit 3.500 Polizisten der Stadt New Orleans und bringen in der sogenannten Schlacht vom Liberty Place den Regierungssitz des republikanischen Gouverneurs William P. Kellogg in ihre Gewalt. Sie verfolgen Kelloggs Absetzung und die Ernennung des Kandidaten der Demokratischen Partei John McEnery an seiner Stelle. Kellogg bittet US-Präsidenten Ulysses S. Grant um Hilfe, der daraufhin Truppen nach New Orleans schickt. Nach drei Tagen haben diese die alten Machtverhältnisse wiederhergestellt. Bei den Kämpfen verlieren 100 Menschen ihr Leben. 25. November: In Indianapolis findet der Gründungsparteitag der Independent National Party statt. Gegründet wird die sogenannte Greenback Party hauptsächlich von Landwirten, die während der Panik von 1873 finanziell zu Schaden gekommen sind. Die Partei kündigt an, größere Mengen Geld zu emittieren, im Glauben, dies würde vor allem den Farmern helfen, höhere Preise zu erzielen und Schulden leichter bezahlen zu können.

Karibik

6. April: Ignacio María González wird Präsident der Dominikanischen Republik. Aufgrund innerer Unruhen nimmt er ab dem 10. September wie im Vorjahr als Oberster Führer besondere Regierungsvollmachten wahr. In seine zweijährigen Regierungszeit versucht er die wirtschaftlichen und sozialen Beziehungen zum Nachbarland Haiti aber auch zur vorherigen Kolonialmacht Spanien auszubauen. Dabei bemüht er sich um eine Legalisierung der Handelsbeziehungen durch den Abschluss eines Vertrages. Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Annullierung der Vereinbarung seines Vorgängers Buenaventura Báez mit der Samaná Bay Company, um die volle Souveränität der Dominikanischen Republik über die Bucht von Samaná und die Halbinsel von Samaná zurückzuerlangen. Letztlich ist seine Regierung jedoch durch eine Zeit großer Instabilität geprägt, die die junge Zweite Republik belasten.

Argentinien