mini|250px|Kerberos zu Füßen des Hades, des Gottes der Unterwelt. Römische Marmorstatue, um 180 n. Chr. (Archäologisches Museum Iraklio, Kreta) mini|250px|Inferno, Canto VI, 12-35, Cerberus – Zeichnung von William Blake (Illustration zu Dantes Göttlicher Komödie), 1825 (National Gallery of Victoria, Melbourne) Kerberos (, latinisiert Cerberus, deutsch auch Zerberus oder Höllenhund – „Dämon der Grube“Plutarch, De fluviis 16,1 nennt auch den Namen .) ist in der griechischen Mythologie ein zumeist mehrköpfiger Hund, der den Eingang zur Unterwelt bewacht, damit kein Lebender eindringt und kein Toter herauskommt.

Mythos Kerberos wurde zumeist dreiköpfig geschildertEuripides, Herakles 611; Vergil, Aeneis 6,417; Ovid, Metamorphosen 4,450 und 10,22; Seneca, Hercules furens 62; Bibliotheke des Apollodor 2,5,12; Hyginus, Fabulae 151; keine Zahl bei Diodor 4,25–26. Vgl. Pausanias 3,25,6, aber auch mit einemHesiod, Theogonie 771; Zeus-Tempel in Olympia und Hephaistos-Tempel in Athen, zweiAmphora des Andokides-Malers, fünfzigHesiod, Theogonie 312 oder sogar mit hundert KöpfenVgl. Pindar, Pythische Oden 1,31 und Horaz, Carmen 2,13,34. Die Dichter und Künstler versahen ihn oft mit einem Schlangenschwanz bzw. einer Schlange als Schwanz, Schlangenhaaren und Schlangenköpfen oder ganzen Schlangen auf dem Rücken. Sein Bellen klang metallischHesiod, Theogonie 311 und sein Atem war tödlich.

Die Sage berichtet, dass dem Kerberos, als ihn Herakles – wie es eine der ihm von Eurystheus gestellten Aufgaben warErste Erwähnungen (ohne Nennung des Namens) bei Homer, Ilias 8,368 und Homer, Odyssee 11,623 – gewürgtBibliotheke des Apollodor 2,5,12, gefesseltDiodor 4,26 und zur Oberwelt verschleppt hatteHades, der Gott der Unterwelt, hatte ihm erlaubt, den Hund aus seinem Reich zu schaffen, wenn er ihn ohne Waffen besiege., der Speichel aus dem Maul troff und davon die todbringend giftige Blume Akóniton aus dem Boden spross, hierzulande bekannt als Eisenhut. Auch Ovid erzählt in seinen Metamorphosen von dem Gift Aconitum: Medea habe es aus ihrer Heimat an der Küste des Schwarzen Meeres mitgebracht und versucht, damit den Theseus zu töten. Dieses Gift sei einst aus dem Geifer des wütenden Hundes zu einer Pflanze entsprungen.Ovid, Metamorphosen 7,404–424. Die Bauern hätten die Pflanze, da sie auf hartem Felsgrund gewachsen sei, Aconitum (griechisch akónai, steile Felsen) genannt. mini|Herakles präsentiert Eurystheus den von ihm im Kampf besiegten und aus der Unterwelt entführten Höllenhund. Caeretaner Hydria um 525 v. Chr. (Louvre, Paris) mini|Herkules und Cerberus, Kupferstich von Hans Sebald Beham (1545)

In der Theogonie des Hesiod ist Kerberos ein Kind der Echidna und des TyphonHyginus, Fabulae 30, seine Geschwister sind die Chimära, die Hydra, der Nemeische Löwe, der zweiköpfige Hund Orth(r)os und die von diesem mit der Mutter gezeugte Sphinx. Hesiod schildert ihn als „…den blutrünstigen, den des Hades fünfzigköpfigen Hund mit der Kupferstimme.“Hesiod, Theogonie 311

Orpheus brauchte nicht wie Herakles zu kämpfen, um den Kerberos zu besiegen. Er gelangte in die Unterwelt, um von dort seine Gemahlin Eurydike zurückzuholen, weil er den wütenden Wächter mit seinem Lyraspiel und seinem Gesang besänftigen konnte.Vergil, Georgica 4,481–483

Psyche wiederum bestach ihn zweimal mit Honigkuchen, einmal beim Betreten und einmal beim Verlassen der Unterwelt. So schaffte sie es, den Auftrag der Venus zu erfüllen und dieser eine Dose mit der Schönheit der von Pluto in sein Reich entführten Proserpina zu bringen.Apuleius, Metamorphosen 6,18–20

Honig war auch in dem Schlafmittel, das die Seherin Sibylla, die Aeneas zum Eingang zur Unterwelt begleitete, dem Hund gab, der „mit dreifach klaffenden Schlünden“ danach schnappte und sich betäubt hinstreckte, wie es in der Aeneis heißt.Vergil, Aeneis 6,419–423

Orte, von denen Menschen glaubten, dass sich dort der Eingang zur Unterwelt befinde, hinter dem die Bestie wacht, gibt es mehrere: Herakles soll an der kleinasiatischen Schwarzmeerküste bei Herakleia Pontike (heute Karadeniz Ereğli) hinabgestiegen sein. Homer ließ den Odysseus dagegen bei der „Stadt der kimmerischen Männer“ auf die Seele des Sehers Teiresias treffen. Nach einer späteren Auslegung wurde dieser Ort auch in der westlich von Neapel gelegenen Vulkanlandschaft vermutet. Dort soll sich auch der Ort befunden haben, an dem nach Vergil Aeneas das Reich der Toten betrat. Letztere sollen nach altem Glauben über den Acheron (Schwarzer Fluss) zum Averner See und von dort durch die Höhlen in den Kraterwänden des Vulkans Avernus in die Unterwelt gelangt sein. Orpheus wiederum fand den Eingang auf dem Tainaron an der Südspitze der Peloponnes. Pausanias berichtet in seiner Betrachtung Griechenlands, dass dieser bei Hermione im Nordosten der Peloponnes gewesen sei. Dionysos sei hier hinabgestiegen, um seine Mutter Semele aus dem Hades zu retten.

In Aristophanes’ Komödie Die Frösche ist nicht Kerberos der Türhüter der Unterwelt, sondern Aiakos,Aristophanes, Frösche 465–478 ein Sohn des Zeus, der wegen seines Gerechtigkeitssinns nach seinem Tod zum Richter der Unterwelt berufen wurde. Dieser ersetzt den Hund ebenfalls in satirischen Werken Lukians von Samosata.

Rezeption Dantes Göttliche Komödie mini|Illustration von Gustave Doré zu Dantes Göttlicher Komödie, 1861

mini|Kerberos bewacht den Innenhof der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm. Auch in Dantes Göttlicher Komödie, die der Dichter 1307 zu schreiben begann, kommt Kerberos vor. „Ein Untier, wild und seltsam, Zerberus, / Bellt, wie ein böser Hund, aus dreien Kehlen / Jedweden an, der dort hinunter muss.“(Eine deutsche Fassung in Terzinen) – Dante Alighieris Göttliche Komödie. Übersetzt von Karl Streckfuß, Leipzig 1876 Dante trifft auf ihn, als er im dritten Kreis der Hölle (6. Gesang) angelangt ist, in dem die Schlemmer büßen – vom ewigen Regen durchnässt, in Schlamm und Kot versinkend. Diese bewacht er und heult „wie ein Hund“ über sie hin, die ebenso „wie Hunde heulen“. „Rot sind die Augen, schmutzigschwarz der Bart, / mächtig sein Wanst und scharf bekrallt die Tatzen / er kratzt, zerfleischt die Geister, vierteilt sie“(Eine deutsche Fassung in Blankversen) – Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie. Ins Deutsche übersetzt von Ida und Walther von Wartburg, Zürich 1963 (mit Kommentar). Kerberos ist grausam gegen die Toten und verkörpert zugleich das Laster, für das sie bestraft werden: die Völlerei. Doch ist deren zivilisierte Schlemmerei von einst in ihm, der nach altem Mythos durch Honigkuchen zu besänftigen war, zum rein Animalischen abgesunken. Vergil, der Führer Dantes durch die Hölle, hebt mit beiden Händen Dreck auf und wirft ihn dem Tier ins gefräßige Maul und bringt es so zum Schweigen. – Illustriert wurde diese Szene von Gustave Doré (siehe Abbildung).

Redewendung Im übertragenen – scherzhaften – Sinn wird ein strenger, grimmiger WächterWahrig Deutsches Wörterbuch. Gütersloh/München 2006. (beispielsweise ein Pförtner oder eine ChefsekretärinDer kleine Duden. Fremdwörterbuch, 3. Auflage, 1991.), im Besonderen auch ein verwegener TorwartDer große Duden. Fremdwörterbuch, Mannheim 1974. als Zerberus bezeichnet.

Biologie mini|Giftige Schlangen mit einem Hundekopf ähnlichem Kopf tragen den Namen des Hundes mit dem Schlangenschwanz: Cerberus rynchops. Cerberus heißt eine Gattung der Familie der Wassertrugnattern mit den vier Arten Cerberus australis, Cerberus microlepis, Cerberus rynchops und Cerberus dunsoni. Dies sind Schlangen, deren Kopf dem eines Hundes ähnelt (zu finden in Australien und Südostasien sowie auf den Palauinseln). Cerberus rynchops trägt auch den deutschen Namen Hundskopf-Wassertrugnatter. Wie alle Wassertrugnattern besitzen die Cerberus-Arten Giftzähne hinten im Maul (Trugnattern) und können auch dem Menschen gefährlich werden. Giftigkeit und Hundsköpfigkeit sind die Referenz zum mythologischen Wächter mit dem Schlangenschwanz. Darüber hinaus wurde im Jahr 2015 mit Kerberos eine Gattung aus der ausgestorbenen Gruppe der Hyaenodonta beschrieben. Die Hyaendonten repräsentieren fleischfressende Säugetiere, die möglicherweise mit den heutigen Raubtieren verwandt sind. Kerberos trat im Mittleren Eozän vor etwa 40 Millionen Jahren auf und gehört zu den größten terrestrischen Beutegreifern seiner Zeit.Floréal Solé, Eli Amson, Matthew Borths, Dominique Vidalenc, Michael Morlo und Katharina Bastl: A New Large Hyainailourine from the Bartonian of Europe and Its Bearings on the Evolution and Ecology of Massive Hyaenodonts (Mammalia). PLoS ONE 10 (9), 2015, S. e0135698 doi:10.1371/journal.pone.0135698

Informatik Kerberos bezeichnet einen Authentifizierungsdienst für offene und unsichere Computernetze – zum Beispiel das Internet. Der Name für den elektronischen Torhüter ist dem Wächter der Unterwelt entlehnt – offenbar ein Prädikat für die Unbestechlichkeit bei der Kontrolle des Computernetzes. Hier sind gewissermaßen der Client, der Server, den der Client nutzen will, und der Kerberos-Server die drei Köpfe.

Wirtschaft Cerberus Capital Management ist ein internationales Private-Equity-Unternehmen mit Sitz in New York. Es heißt, für den Gründer Stephen Feinberg habe bei der Wahl des Namens Cerberus eine Rolle gespielt, dass einer der Köpfe des mythologischen Vorbilds immer wach gewesen sei, so, wie sein Unternehmen stets die Investitionen der Kunden bewachen solle.

Harry-Potter-Reihe Hier bewacht ein dreiköpfiger Riesenhund den Stein der Weisen. Er wurde allerdings vom monsterliebenden Wildhüter Rubeus Hagrid „Fluffy“ genannt und lässt sich – in Anlehnung an Orpheus – mit Musik zum Einschlafen bringen.

Heraldik Das dreiköpfige Fabelwesen ist in der Heraldik eine sehr seltene Wappenfigur. Bei der südfranzösischen Grenzgemeinde Cerbère handelt es sich um ein Redendes Wappen. Hier ist "Kerberos" im 3. Platz zu finden.

Gesundheit Die SARS-CoV-2-Subvariante BQ 1.1 wird oftmals in Anlehnung an Kerberos als Höllenhund bezeichnet.

Siehe auch Garm

Literatur Raphael Baer: Das Schwören des Sokrates „beim Hunde!“ In: Xenophons Apologie des Sokrates. Hrsg. von R. Baer, Verlag Bär, Niederuzwil 2007, ISBN 978-3-9523212-3-2, S. 95–125. Hans Martin von Erffa: Cerberus. in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte. Bd. 3, 1952, Sp. 394–397. Michael Grant, John Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. dtv, München 2004, ISBN 3-423-32508-9.

Karl Kerényi: Die Mythologie der Griechen. Die Götter- und Menschheitsgeschichten. dtv, München 1994, ISBN 3-423-30030-2. Robert von Ranke-Graves: Griechische Mythologie. Quellen und Deutung. rororo, Hamburg 2001, ISBN 3-499-55404-6.

Weblinks

Fußnoten/Einzelnachweise

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