mini|Rathausbrunnen in Traunreut
Die Stadt Traunreut liegt im oberbayerischen Landkreis Traunstein etwa zehn Kilometer östlich des Chiemsees und 15 km nördlich der Chiemgauer Alpen. Sie ist die zweitgrößte Stadt im Landkreis Traunstein und zugleich eine Europastadt. Die Stadt Traunreut ist eine von fünf bayerischen Vertriebenenstädten und entstand erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Name bedeutet Rodung an der Traun.
Gemeindegliederung
Die Stadtgemeinde hat 63 Gemeindeteile: Hiernach 64 Gemeindeteile, da Heiming doppelt aufgelistet wird.
Geschichte 20. und 21. Jahrhundert Traunreut entstand aus einer Munitionsanstalt (Muna). Im Jahre 1938 errichtete die Wehrmacht im St.-Georgs-Forst die Heeres-Munitionsanstalt St. Georgen. Besitzteile der Stadt Traunstein sowie der Gemeinden Stein, Traunwalchen, Pierling und Palling waren Teil eines streng abgeschlossenen Bereichs von 242 ha. In mehr als 150 Holzbaracken, Steinhäusern und Bunkern wurden Giftgasgranaten gefüllt und in den Bunkern gelagert. 1941 verließ die erste Gasmunition die Fertigungshallen. In der Muna waren 2000 Personen beschäftigt. Am 3. Mai 1945 wurde die Fabrik kampflos durch die US-Armee eingenommen.
Nach 1945 siedelten sich viele Heimatvertriebene auf dem Gebiet der Industriesiedlung St. Georgen („Muna“) an. 1949 gründeten Siemens und Heidenhain Betriebe in den Gebäuden der ehemaligen Munitionsanlage, die die notwendigen Arbeitsplätze schufen. 1947 gab es bei Entschärfungsarbeiten elf Tote. 1948 begannen die Entgiftungsarbeiten durch die STEG (Staatliche Erfassungsgesellschaft für öffentliches Gut), die Amerikaner verließen die Muna.
Am 25. Juni 1949 war Grundsteinlegung der Industriesiedlung St. Georgen. Am 1. Oktober 1950 wurde durch Betreiben von Lorenz Brandl in München/Regierung von Oberbayern die neue Gemeinde mit dem Namen Traunreut aus Gebietsteilen der Gemeinden Palling, Pierling, Stein an der Traun und Traunwalchen neu gebildet. Andere Namensvorschläge waren unter anderem Georgenstadt, Neu-Stein und Neuwaldtraud. Traunreut hatte damals 1381 Einwohner. Lorenz Brandl war nach der Gründung im Jahre 1950 ein Jahr lang kommissarischer Bürgermeister, bis Karl Löppen 1951 erster offiziell gewählter Bürgermeister wurde.Bürgermeister der Stadt Traunreut seit 1950, auf: Webseite der Stadt Traunreut, abgerufen am 26. Dezember 2024
Im Jahre 1954 wurden die katholische Erlöserkirche und die evangelische Pauluskirche fertiggestellt. 1958 wurde Franz Haberlander Bürgermeister und blieb es bis 1984. 1960 wurde Traunreut zur Stadt erhoben. Am 29. September 1963 erfolgte die vorerst letzte Personenfahrt auf der Eisenbahnstrecke Traunreut–Hörpolding. 1966 wurde die zehntausendste Bürgerin geboren.
Im Jahr 1984 wurde Eduard Wiesmann Erster Bürgermeister und blieb es bis 2002. 2002 wurde Franz Parzinger Erster Bürgermeister und blieb es bis 2014. 2004 war die Industrie- und Einkaufsstadt Traunreut mit mehr als 22.000 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis. 2006 wurde die Bahnstrecke Traunstein–Traunreut wieder in Betrieb genommen.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern am 1. Januar 1978 wurden Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Pierling eingegliedert. Am 1. Mai 1978 wurden die Gemeinden Stein an der Traun und Traunwalchen aufgelöst und nach Traunreut eingemeindet.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Traunreut von 1950 bis 2016 Die Einwohnerzahl steigt seit langem (außer 2003–2011) kontinuierlich an.
Jahr Einwohner 1950* 5.263 1961* 10.438 1970* 16.678 1987* 19.278 1988 20.081 1991 21.302 1995 21.182 Jahr Einwohner 2000 21.403 2002 22.171 2003 22.112 2004 22.048 2005 21.224 2007 21.062 2008 20.922 2009 20.821 Jahr Einwohner 2010 20.658 2011 20.010 2012 20.172 2013 20.300 2014 20.537 2015 20.799 2016 20.899 2017 20.934 2018 20.977 2019 20.931 * Volkszählung
Altersstruktur Die Altersstruktur hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt, wie der Vergleich der Zahlen von 1970 und 2008 zeigt. Alter 27. Mai 1970 31. Dezember 2008 Gesamt in %* davon weiblich in %* Gesamt in %* davon weiblich in %* unter 6 Jahre 1698 10,1 831 9,6 996 4,8 507 4,7 6 bis 15 Jahre 2614 15,7 1231 14,2 1696 8,1 824 7,6 15 bis 18 Jahre 769 4,6 339 3,9 721 3,4 354 3,3 18 bis 25 Jahre 1643 9,9 900 10,4 1641 7,8 787 7,3 25 bis 30 Jahre 1315 7,9 685 7,7 1146 5,5 576 5,3 30 bis 40 Jahre 2699 16,2 1340 15,4 2528 12,1 1211 11,2 40 bis 50 Jahre 2173 13,0 1175 13,5 3317 15,9 1617 15,0 50 bis 65 Jahre 2131 12,8 1195 13,8 4176 20,0 2168 20,1 65 Jahre und älter 1636 9,8 1006 11,6 4701 22,5 2758 25,5 * der Gesamtbevölkerung bzw. der weiblichen Bevölkerung
Politik Bürgermeister Hans-Peter Dangschat ist seit 1. Mai 2020 Erster Bürgermeister (CSU). Dieser gewann in der Stichwahl vom 29. März 2020 gegen Amtsinhaber Klaus Ritter (Freie Wähler) mit 64,64 % der gültigen Stimmen. Ritter hatte bei den Kommunalwahlen in Bayern 2014 gegen den bisherigen Amtsinhaber Franz Parzinger (CSU) die Stimmenmehrheit errungen.
Stadtrat mini|Rathausplatz Der Traunreuter Stadtrat hat 30 Sitze, die 2014–2020 beziehungsweise 2020–2026 auf folgende Parteien und Wählergruppen verteilen: Partei/Liste CSU SPD FW Bürgerliste Grüne L!Z Bayernpartei AfD GesamtSitze 2014 11 5 6 5 3 – – – 30Anteil 2014 37,23 % 16,31 % 21,1 % 16,25 % 9,11 % – – – 100 %Sitze 2020 10 2 5 3 4 2 2 2 30Anteil 2020 33,57 % 7,94 % 16,68 % 9,93 % 11,73 % 7,88 % 6,73 % 5,53 % 100 %
Wappen und Flagge mini|Freundschaftsbaum am Ortseingang
Städtepartnerschaften Nettuno, Italien, seit 1974 Lucé, Frankreich, seit 1989 Virovitica, Kroatien, seit 1999
Religion Katholische Pfarrgemeinden existieren in Traunwalchen, St. Georgen und Traunreut, eine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, eine rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde sowie zwei unabhängige evangelische Freikirchen in Traunreut.
Konfessionsstatistik Derzeit (1. März 2022) sind von der Bevölkerung Traunreuts 15 Prozent evangelisch, 46 Prozent katholisch und 39 Prozent haben keine Konfession oder gehören sonstigen Glaubensrichtungen an.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Schloss Stein in Stein an der Traun (größte Höhlenburg Deutschlands) Schloss Pertenstein Pfarrkirche Traunwalchen Pfarrkirche St. Georg in St. Georgen Rumänisch-orthodoxe Kirche „Zur Ehre der Heiligen Drei Hierarchen“
Bodendenkmäler
Heimat-Vertriebene
Heimathaus Traunreut Der Verein Heimathaus Traunreut e. V. pflegt im Heimathaus die Volks- und Heimatkunde und dokumentiert insbesondere die Geschichte Traunreuts.
Heimatkreuz mit Gedenkstätte mini|rechts|Heimatkreuz und Vertriebenengedenkstätte in Traunreut
Im Waldfriedhof Traunreut wurde 2015 eine neue Vertriebenengedenkstätte eingeweiht.
Museum In 2011 eröffnete der Galerist Heiner Friedrich in Traunreut ein neues Museum, DASMAXIMUM KunstGegenwart, in dem u. a. Werke von Georg Baselitz, Imi Knoebel, Walter De Maria, John Chamberlain, Dan Flavin und Andy Warhol zu sehen sind.
Rad- und Wanderwege
Traunreuter Geschichtsweg Der „Traunreuter Geschichtsweg“ in der Traunreuter Innenstadt führt zu Relikten und Bauten aus den Anfangstagen der Stadt. Es wird außerdem die Entwicklung der Munitionsfabrik „Muna“ der 1940er Jahre zur heutigen modernen Stadt Traunreut dokumentiert. Die Stationen am Geschichtsweg sind mit Informationstafeln beschildert.
Traunreuter Radwanderweg Der Traunreuter Radwanderweg besteht aus 5 Teilstrecken. Ausgehend jeweils vom Traunreuter Stadtrundweg führen diese an historischen Baudenkmälern, Kleindenkmälern und historischen Besonderheiten ländlicher Baukunst vorbei.
Fair Trade Traunreut ist seit 2018 als Fairtrade Town zertifiziert. Zertifizierte Traunreuter Fairtrade-Schulen sind das Johannes-Heidenhain-Gymnasium Traunreut, die Walter-Mohr-Realschule und das Wilhelm-Löhe-Förderzentrum.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Bahnhof Traunreut Verkehr Straße Westlich der Stadt verläuft die Bundesstraße 304, die nördlich nach München und südlich nach Traunstein führt.
Schiene Traunreut hat seit 2006 wieder einen Personenbahnhof an der Bahnstrecke Hörpolding–Traunreut. Die Südostbayernbahn bedient die Station werktags stündlich.
Bus RVO-Linien-Busse der Regionalverkehr Oberbayern GmbH verbinden Traunreut mit Trostberg und Traunstein. Innerorts sowie im Stadtgebiet existiert das Rufbussystem direktBUS, welches 2023 den Citybus ausnahmslos ersetzt hat.
Energieversorgung Seit Februar 2014 werden Teile der Stadt Traunreut mit Fernwärme aus Tiefengeothermie versorgt. Seit 1. Januar 2020 sind die Stadtwerke Traunreut mit 51 % am Stromnetz (Mittel- und Niederspannung) beteiligt. Die kaufmännische Betriebsführung erfolgt durch die Stadtwerke Traunreut, die technische Betriebsführung durch den bisherigen Netzbetreiber, der Bayernwerk Netz GmbH.
Bildung In Traunreut gibt es drei Grundschulen, eine Mittelschule, eine Realschule, zwei Gymnasien, eine private Berufsschule und eine Förderschule. Darüber hinaus auch eine Volkshochschule, eine Sing- und Musikschule und eine Stadtbücherei. Grundschule Traunreut-Nord, Grundschule Sankt Georgen-Sonnenschule, Carl-Orff-Grundschule Traunwalchen Werner-von-Siemens-Mittelschule Walter-Mohr-Realschule Johannes-Heidenhain-Gymnasium Schule Schloss Stein (privat) Private Berufsschule Jugendsiedlung Wilhelm-Löhe-Zentrum Volkshochschule Sing- und Musikschule Traunwalchen Stadtbücherei Traunreut
Kindergärten und Tagesstätten Es befinden sich insgesamt 13 Kindergärten und Kindertagesstätten mit insgesamt 859 Betreuungsplätzen im Stadtgebiet Traunreut.
Feuerwehren Im Zuständigkeitsbereich der Stadt Traunreut befinden sich 5 Freiwillige Feuerwehren:
Freiwillige Feuerwehr Stadt Traunreut Freiwillige Feuerwehr Matzing Freiwillige Feuerwehr Pierling Freiwillige Feuerwehr Stein an der Traun Freiwillige Feuerwehr Traunwalchen
Polizei Der Zuständigkeitsbereich der Polizeistation Traunreut erstreckt sich über 89 km². Er umfasst mit insgesamt rund 24.500 Einwohnern die Stadt Traunreut und die umliegenden Ortschaften Matzing, Stein an der Traun, Sankt Georgen und Traunwalchen sowie die Gemeinde Palling. Die Polizeistation Traunreut ist der Polizeiinspektion Trostberg nachgeordnet.
Freizeit und Tourismus
Schwimmbäder Traunreut verfügt über zwei Schwimmbäder: das städtische Hallenbad und das 2015 neu sanierte Franz-Haberlander-Freibad.
Jugendzentrum Ein Jugendzentrum befindet sich in der Werner-von-Siemens-Straße 52 in Traunreut. Die Stadtverwaltung der Stadt Traunreut ist Träger der Einrichtung. Die Stadt Traunreut hat das Jugendzentrum 2022 an die Jonathan Soziale Arbeit gGmbH vergeben, einen gemeinnützigen Sozialbetrieb der Startklar Gruppe mit Sitz in Bad Reichenhall, der auch das Personal stellt. Im Juli 2024 konnten 50 Jahre Jugendzentrum Traunreut gefeiert werden.
Die Jungradioredaktion BUH-Teens sendet voraussichtlich einmal im Monat, jeweils dienstags, eine Stunde lang aus dem Jugendzentrum Traunreut. Gesendet wurde seit Bestehen über den Radiosender Radio BUH. Seit Mitte 2024 werden die Sendungen über Radio Galaxy ausgestrahlt.
Kultur- und Veranstaltungszentrum k1 Seit 2010 bietet das k1 im Stadtzentrum von Traunreut eine Bühne für Kulturschaffende aus Bayern und dem ganzen Bundesgebiet. Das k1 verfügt über 500 Sitzplätze, eine 100 m² große Bühne, ein Studiotheater mit 80 Sitzplätzen und ein Foyer.
Sport Mit dem TUS Traunreut, dem FC Traunreut, dem TSV Traunwalchen-Matzing und dem TSV Stein-St. Georgen existieren vier große Fußball- und Breitensportvereine. Weitere Sportvereine sind u. a. die NK Croatia Kickers, die Sportschützen in Stein, Traunwalchen und Traunreut, die Bogenschützen Poschmühle, der Sportkegelverein Traunreut und die Pferdefreunde Schloss Stein und Schloss Pertenstein. Im American Football gibt es die Traunreut Munisier, deren Name sich auf die Geschichte der „Muna“ bezieht.
Veranstaltungen
Stadtfest Jährlich findet am zweiten Samstag im Juli ein großes Stadtfest im Ortskern statt.