Das koreanische Alphabet (koreanisch ,Iksop Lee, S. Robert Ramsey: The Korean Language. SUNY Press, 2000, ISBN 0-7914-4832-0, S. 75. bzw. , ) ist eine Schrift, die für die koreanische Sprache entwickelt wurde. Das koreanische Alphabet wurde 1443 geschaffen und ist mit geringen Veränderungen heute die offizielle SchriftDer Große Brockhaus in zwölf Bänden. F. A. Brockhaus, Wiesbaden 161979, Band 6, S. 454. von Nord- und Südkorea.

Die koreanische Schrift ist wie die deutsche eine Buchstabenschrift. Es handelt sich also weder um eine logografische Schrift wie bei den chinesischen Zeichen noch um eine Silbenschrift wie die Schrift der Cherokee oder das mykenische Linear B. Das moderne koreanische Alphabet besteht aus 19 Konsonantenbuchstaben und 21 Vokalbuchstaben, die sich auf 14 Zeichen für Konsonanten und 10 Zeichen für Vokale zurückführen lassen. Die einzelnen Buchstaben werden jeweils silbenweise zusammengefasst, so dass jedes Silbenzeichen in ein imaginäres senkrecht stehendes Rechteck passt.

In diesem Artikel wird die Aussprache grundsätzlich in IPA angegeben. Phonetische Transkriptionen stehen in eckigen Klammern […], phonologische Transkriptionen zwischen Schrägstrichen /…/; Sprechsilben sind durch einen Punkt getrennt. Transliterationen koreanischer Schreibweisen stehen in spitzen Klammern ‹…›.Es wird eine breite Transkription nach folgendem Schema verwendet:

BilabialAlveolarPost-alveolarVelarPalatalGlottalNasalPlosiveundAffrikateneinfach (~) (~) (~) (~)gespannt////////aspiriert////////Frikativeeinfachgespannt//Liquiden (~)Approximant

Die Aussprache von /ʦ/ steht zwischen [ʦ] und [ʧ], die des entsprechenden stimmhaften Allophons zwischen [ʣ] und [ʤ] etc.; /s/ wird vor , , , , , , und z. T. leicht aspiriert als gesprochen, vor und schwach palatalisiert gegen (Wilfried Herrmann, Chŏng Chido: Lehrbuch der modernen koreanischen Sprache. Buske, Hamburg 1994, ISBN 3-87548-063-5, S. 10). Transkription der Vokale und Diphthonge:  vornezentralhintenung.ger.ung.ger.ung.ger.geschlossen  //   (~)     // halbgeschlossen  //  //   (~)     // mittel    //  //   halboffen  //  //      offen  //  //      

Namen „Volksschrift“:[], / Chosŏn’gŭl:[], / „unsere Schrift“:[], Hangeul (Han’gŭl):[], Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Schrift meist „Volksschrift“ genannt.

In Nordkorea und in China wird die Schrift Chosŏn’gŭl genannt, nach dem Staatsnamen [] – bzw. nach der Bezeichnung der Volksgruppe in China, oder schlicht „unsere Schrift“.

In Südkorea wird die Schrift z. T. genauso wie in Nordkorea und China „unsere Schrift“ genannt,Beispielsweise in zahlreichen Publikationen von , und . meist jedoch Hangeul, entsprechend dem Staatsnamen [] – ; diese Bezeichnung wurde erstmals vom Sprachwissenschaftler Chu Sigyŏng (; 1876–1914) verwendet.Ho-min Sohn: The Korean language. Cambridge University Press, 2001, S. 129; S. Robert Ramsey: The Invention and Use of the Korean Alphabet. In: Ho-min Sohn (Hrsg.): Korean language in culture and society. University of Hawaii Press, 2006, S. 2–30, hier S. 26 f.

Form Die moderne alphabetische Reihenfolge der koreanischen Buchstaben sowie ihre Namen sind in Nordkorea und in Südkorea jeweils etwas unterschiedlich.

Konsonanten In der folgenden Tabelle sind die Konsonantenbuchstaben mit der „McCune-Reischauer-“ (MR), der „Yale-“ und der so genannten „revidierten Romanisierung“ (RR) des südkoreanischen Kultur- und Tourismusministeriums angeführt. Buchstabe Phonem Name (Nordkorea) MR Yale RR Schreibweise k / g k g / k rahmenlos|90px|Schreibweise k n n n rahmenlos|90px|Schreibweise n t / d t d / t rahmenlos|125px|Schreibweise t r / l l r / l rahmenlos|165px|Schreibweise l m m m rahmenlos|140px|Schreibweise m p / b p b / p rahmenlos|175px|Schreibweise p s s s rahmenlos|120px|Schreibweise s (/Ø/) – / ng – / ng – / ng rahmenlos|110px|Schreibweise ng ch / j / t c j / t rahmenlos|150px|Schreibweise ʦ // ch’ / t ch ch / t rahmenlos|170px|Schreibweise ʦʰ // k’ / k kh k rahmenlos|90px|Schreibweise kʰ // t’ / t th t rahmenlos|150px|Schreibweise tʰ // p’ / p ph p rahmenlos|170px|Schreibweise pʰ h / – h h / – rahmenlos|150px|Schreibweise h // kk / k kk kk / k // tt / t tt tt / t // pp / p pp pp / p // ss / t ss ss / t // cch / t cc jj / t

Dies sind die Reihenfolge und die Bezeichnungen in Nordkorea. Der Buchstabe wird nur als am Silbenende in dieser Reihenfolge geführt; Wörter, in denen er als Vokalträger am Silbenanfang fungiert, werden am Ende des Alphabets unter den Vokalen eingereiht. In Nordkorea lauten die Buchstabenbezeichnungen phonologisch völlig regelmäßig /CC/, wobei C für den jeweiligen Konsonanten steht. Einige Buchstaben haben in Südkorea andere Bezeichnungen, die auf Ch’oe Sejin (s. u.) zurückgehen: ‹k› heißt , ‹t› und ‹s› .

Die verdoppelten Zeichen zur Wiedergabe der gespannten Konsonanten wurden früher in ganz Korea als ( ) „dick, kräftig“Wilfried Herrmann, Chŏng Chido: Lehrbuch der modernen koreanischen Sprache. Buske, Hamburg 1994, ISBN 3-87548-063-5, S. 25. bezeichnet; in Nordkorea werden sie bis heute so genannt, in Südkorea hingegen werden sie heute als ( / „doppelt“ bezeichnet: , etc.).

In Südkorea gibt es mehrere übliche alphabetische Reihenfolgen, die alle auf dem folgenden Schema beruhen: () () () () () ‹› (‹›) ‹› ‹› (‹›) ‹› ‹› ‹› (‹›) ‹› (‹›) ‹›/‹Ø› ‹› (‹›) ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› Das Zeichen wird dabei immer in dieser Reihenfolge geführt, egal, ob es für /ŋ/ steht oder nur als Vokalträger am Silbenanfang dient. Ob ein Konsonantenzeichen am Wortanfang verdoppelt ist oder nicht, wird in der Sortierung ignoriert; bei sonst gleichlautenden Wörtern wird das Wort mit dem Doppelkonsonanten-Zeichen nachgestellt. Doppelkonsonanten-Zeichen und Konsonantenkombinationen am Wortende werden entweder ignoriert oder extra sortiert, und zwar in folgender Reihenfolge: ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹›

Konsonantenkombinationen am Silbenende werden „Untergestell“ ( ) genannt, z. B. bzw. für ‹lk› .Samuel E. Martin: Reference Grammar of Korean. A Complete Guide to the Grammar and History of the Korean Language. Tuttle Publishing, 2006, S. 21 f.

Vokale Die Vokalbuchstaben und -Buchstabenkombinationen haben keine besonderen Namen. Die Vokallänge ist im Koreanischen bedeutungsunterscheidend; in der koreanischen Schrift wird jedoch nicht zwischen langen und kurzen Vokalen unterschieden. Buchstabe Phonem McC-R Yale RR Schreibweise / a a a rahmenlos|100px|Schreibweise a / ya ya ya rahmenlos|130px|Schreibweise ya / ŏ e eo rahmenlos|85px|Schreibweise ə / yŏ ye yeo rahmenlos|130px|Schreibweise yeo / o o o rahmenlos|140px|Schreibweise o / yo yo yo rahmenlos|160px|Schreibweise yo / u wu u rahmenlos|140px|Schreibweise u / yu yu yu rahmenlos|160px|Schreibweise yu / ŭ u eu rahmenlos|100px|Schreibweise ŭ / i i i rahmenlos|75px|Schreibweise i / ae ay ae rahmenlos|120px|Schreibweise ɛ / yae yay yae rahmenlos|150px|Schreibweise yae / e ey e rahmenlos|130px|Schreibweise e / ye yey ye rahmenlos|150px|Schreibweise ye / oe oy oe / ue wi wi / ŭi uy ui / wa wa wa / wŏ we wo / wae way wae / we wey we

Dies ist die Reihenfolge der Vokalbuchstaben in Nordkorea. Die Reihenfolge in Südkorea lautet folgendermaßen:

‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹› ‹›

Silbenblöcke Anlaut: [ʦʰo.səŋ] / Nukleus: [ʦuŋ.səŋ] / Auslaut: [ʦoŋ.səŋ] / Die einzelnen Buchstaben werden zu Blöcken zusammengesetzt, die jeweils einer Silbe entsprechen. Die Blöcke entsprechen einem aufrecht stehenden Rechteck, das rein äußerlich der Gestalt der chinesischen Schriftzeichen ähnelt. In jeder geschriebenen Silbe gibt es drei Positionen: Anlaut, Nukleus und Auslaut. Bei Silben, die mit einem Vokal beginnen, wird die Anlautposition mit dem Zeichen gefüllt. Die zweite Position wird mit einem Vokal- oder Diphthong-Buchstaben gefüllt. Die dritte Position wird entweder mit einem (seltener auch zwei) Konsonantenbuchstaben gefüllt oder bleibt leer.

Je nach der Form der Buchstaben werden die geschriebenen Silben unterschiedlich zusammengesetzt. Die Buchstaben verändern bei der Zusammensetzung jeweils ein wenig ihre Form, so dass die Silbe ungefähr in ein Quadrat passt.

Anlautkonsonanten Bei ‹› und den davon abgeleiteten Vokalzeichen steht das Zeichen für den Anlautkonsonanten links.Beispiele – ‹›, ‹›, ‹›:

‹›, ‹›, ‹›

Bei ‹› und den davon abgeleiteten Vokalzeichen steht das Zeichen für den Anlautkonsonanten oben.Beispiele – ‹›, ‹›, ‹›:

‹›, ‹›, ‹›

Bei den Diphthong-Zeichen, die sowohl einen langen waagrechten als auch einen langen senkrechten Strich haben, steht das Zeichen für den Anlautkonsonanten links oben.Beispiele – ‹›, ‹›, ‹›:

‹›, ‹›, ‹›

Auslautkonsonanten Die Zeichen für den Auslautkonsonanten stehen jeweils darunter.Beispiele – ‹›, ‹›, ‹›:

‹›, ‹›, ‹›

Rechtschreibung Die moderne Rechtschreibung ist im Wesentlichen morphophonemisch, d. h., jedes Morphem wird stets gleich geschrieben, auch wenn die Aussprache variiert.Samuel E. Martin: Reference Grammar of Korean. A Complete Guide to the Grammar and History of the Korean Language. Tuttle Publishing, 2006, S. 7 f.; Ho-min Sohn: The Korean language. Cambridge University Press, 2001, S. 13.

Einige phonologisch distinktive Merkmale werden in der Schrift jedoch nicht unterschieden. Die Länge oder Kürze von Vokalen ist bedeutungsunterscheidend, wird in der Schrift jedoch nicht ausgedrückt:Ho-min Sohn: The Korean language. Cambridge University Press, 2001, S. 13. Das Wort „Biene“ wird beispielsweise genauso geschrieben wie das Wort / „Strafe“. Die gespannte Aussprache von Konsonanten wird in der Schrift nicht immer ausgedrückt: / „Flussufer“ wird gleich geschrieben wie / „Heirat unter dem Stand“.

Als die Schrift geschaffen wurde, wurden die Buchstaben im Wesentlichen nach den Sprechsilben zu Blöcken angeordnet. Später – vor allem nach einem Vorschlag von 1933 – wurde nicht mehr nach Sprechsilben, sondern morphophonemisch geschrieben. Beispiele: [] „(Süd)koreaner“ wird ‹› (statt ‹› ) geschrieben, weil es aus den Morphemen //+// „(Süd)korea“ und // „Mensch“ besteht. [] „Preis“ wird ‹› geschrieben, denn wenn beispielsweise das Nominativsuffix hinzutritt, wird das Wort [] gesprochen (und ‹› geschrieben). Das Phonem gehört zum Stamm, obwohl es am Wortende (wenn das Wort ohne Suffix verwendet wird) nicht realisiert wird. [] „tief sein“ wird ‹› (statt ‹› ) geschrieben, weil der Stamm // lautet und // ein Suffix ist, d. h. das // zum Stamm gehört. Das Prinzip gilt für alle Ableitungen: [] „tief und“ schreibt man ‹› (statt ‹› ), [] „ist es tief?“ schreibt man ‹› (statt ‹› ) und [] „Tiefe“ schreibt man ‹› (statt ‹› ) etc.Ho-min Sohn: The Korean language. Cambridge University Press, 2001, S. 142 f.

Morphophonemischer Lautwechsel wird in der Schrift grundsätzlich nicht berücksichtigt (außer – in der südkoreanischen Rechtschreibung – die Allophone von   , siehe Abschnitt Varietäten).

Leerräume und Zeichensetzung Wörter werden durch Leerräume getrennt, wobei alle Suffixe und Partikeln mit dem vorhergehenden Wort zusammengeschrieben werden. Es werden im Wesentlichen die gleichen Satzzeichen verwendet wie in den europäischen Sprachen.Ho-min Sohn: The Korean language. Cambridge University Press, 2001, S. 144.

Schreibrichtung Die Silbenblöcke wurden ursprünglich so wie bei der chinesischen Schrift in Spalten von oben nach unten geschrieben und die Spalten wurden von rechts nach links angeordnet. Bücher wurden daher aus europäischer Sicht „von hinten“ gelesen. Bei modernen Druckerzeugnissen ist die Schreibrichtung jedoch so wie bei europäischen Sprachen von links nach rechts in Zeilen, die von oben nach unten angeordnet sind.

Varietäten „Kultursprache“: [] / „Standardsprache“: [] /