154px|Abraham Lincoln 1860 Abraham Lincoln wird zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. 186px|Emma Livry in Le Papillon Das Ballett Le Papillon von Jacques Offenbach wird mit Emma Livry in der Titelrolle uraufgeführt. 350px|Schlacht von Calatafimi, Lithographie C. Perrin, 1861 Garibaldis „Rothemden“ siegen in der Schlacht von Calatafimiüber die Truppen des Königreichs Neapel. zentriert|350px|Garibaldi (links) trifft auf Viktor Emanuel II. (rechts), Gemälde von Sebastiano De Albertis, um 1870 Giuseppe Garibaldi akzeptiert während des RisorgimentoViktor Emanuel II. als König von Italien. 1860 in anderen Kalendern Armenischer Kalender 1308/09 (Jahreswechsel Juli) Äthiopischer Kalender 1852/53 (10./11. September) Baha'i-Kalender 16/17 (20./21. März) Bengalischer Solarkalender 1265/66 (Jahresbeginn 14. oder 15. April) Buddhistische Zeitrechnung 2403/04 (südlicher Buddhismus); 2402/03 (Alternativberechnung nach Buddhas Parinirvana) Chinesischer Kalender 75. (76.) Zyklus Jahr des Metall-Affen 庚申 (am Beginn des Jahres Erde-Schaf 己未) Chula Sakarat (Siam, Myanmar) / Dai-Kalender (Vietnam) 1222/23 (Jahreswechsel April) Dangun-Ära (Korea) 4193/94 (2./3. Oktober) Iranischer Kalender 1238/39 (um den 21. März) Islamischer Kalender 1276/77 (19./20. Juli) Jüdischer Kalender 5620/21 (16./17. September) Koptischer Kalender 1576/77 (10./11. September) Malayalam-Kalender 1035/36 Rumi-Kalender (Osmanisches Reich) 1275/76 (1. März) Seleukidische Ära Babylon: 2170/71 (Jahreswechsel April) Syrien: 2171/72 (Jahreswechsel Oktober) Vikram Sambat (Nepalesischer Kalender) 1916/17 (April)

mini|links|hochkant|Gustave Le Gray: Giuseppe Garibaldi in Palermo Das Jahr 1860 wird zum entscheidenden Jahr des italienischen Risorgimento. Nachdem es schon in den Jahren zuvor zu vergeblichen Einigungsversuchen auf der Italienischen Halbinsel gekommen ist, schifft sich am 5. Mai der sogenannte „Zug der Tausend“ unter der Führung von Giuseppe Garibaldi in Quarto bei Genua in Richtung Sizilien ein. Garibaldis Truppen, genannt „Rothemden“, besiegen in mehreren Schlachten die Truppen des Königreichs Neapel und dringen dabei immer weiter nach Norden vor. Am 26. Oktober trifft Garibaldi schließlich in der Nähe von Neapel auf Viktor Emanuel II., den König von Sardinien-Piemont, nachdem dieser bereits große Teile des bisherigen Kirchenstaats annektiert hat. In diesem Treffen verzichtet Garibaldi zugunsten Viktor Emanuels auf die Macht im neuen Staat Italien.

In den Vereinigten Staaten zeichnet sich eine gegenteilige Entwicklung ab. Bei der Präsidentschaftswahl wird nach der Spaltung der Demokratischen Partei mit Abraham Lincoln erstmals ein Republikaner zum Präsidenten gewählt. Obwohl Lincoln im Wahlkampf immer betont hat, die Entscheidung über die Sklaverei sei Sache der Einzelstaaten, wird er als entschiedener Gegner der Sklaverei wahrgenommen und ist für die sklavenhaltenden Südstaaten aus diesem Grund nicht als Präsident der Vereinigten Staaten akzeptabel. Bereits am 20. Dezember erklärt South Carolina als erster Bundesstaat seinen Austritt aus der Union. Im folgenden Jahr bricht dann der Sezessionskrieg aus.

Auch in mehreren lateinamerikanischen Ländern finden Bürgerkriege oder bürgerkriegsähnliche Kampfhandlungen statt. Während sie sich in Mexiko und Ecuador jedoch bereits ihrem Ende nähern, brechen sie in anderen Ländern wie Venezuela oder Kolumbien erst los.

Das Chinesische Kaiserreich unterliegt im Zweiten Opiumkrieg nach vier Jahren den europäischen Mächten und muss die Pekinger Konvention ratifizieren, einen Ungleichen Vertrag, in dem den Siegern zahlreiche Vergünstigungen eingeräumt werden. Nach der Einnahme Pekings werden zahlreiche chinesische Kulturgüter von den Europäern zerstört.

Der Spanisch-Marokkanische Krieg um die spanischen Besitzungen im Norden Afrikas wird fortgeführt und endet schließlich mit einem entscheidenden Sieg der Spanier. Und in Australien kommt es zwischen der Expedition von Burke und Wills und John McDouall Stuart zu einem Wettlauf beim Versuch, den Kontinent von Süden nach Norden zu durchqueren.

Chronologie 1. JanuarSchweiz: Friedrich Frey-Herosé wird zum zweiten Mal Bundespräsident. 10. JanuarFöderaler Krieg in Venezuela: Der liberale General Zamora fällt während der Belagerung von San Carlos. 19. JanuarPapst Pius IX. veröffentlicht die Enzyklika Nullis certe verbis. 4. FebruarMarokko/Spanien: Spanische Truppen erobern Tétouan. 23. MärzMarokko/Spanien: Schlacht von Tétouan 24. MärzJapan: Tokugawa-Shogunat, Ii Naosuke wird ermordet. 24. MärzKönigreich Sardinien/Frankreich: Vertrag von Turin, Viktor Emanuel II. tritt Savoyen und die Grafschaft Nizza an Napoleon III. ab. 4. AprilKönigreich beider Sizilien: In Palermo bricht ein Volksaufstand gegen König Franz II. aus. 22. AprilFrankreich/Schweiz: Plebiszit in Hochsavoyen über die Zugehörigkeit zu Frankreich oder der Schweiz 25. AprilMarokko/Spanien: Friede von Tétouan 1. MaiPretoria wird Hauptstadt der Südafrikanischen Republik. 5. MaiItalien: Der „Zug der Tausend“ schifft sich unter Giuseppe Garibaldi bei Genua in Richtung Sizilien ein. 15. MaiItalien: Schlacht von Calatafimi 18. MaiVereinigte Staaten: Abraham Lincoln wird von den Republikanern als Kandidat für die Präsidentschaftswahl im November nominiert. 27. MaiEcuador: Gabriel García Moreno beginnt eine Offensive gegen die gewählte Regierung in Guayaquil. 7. JuniKönigreich beider Sizilien: Gründung der Tageszeitung Giornale officiale di Sicilia in Palermo 2. JuliRussisches Kaiserreich: Wladiwostok wird gegründet. 20. JuliItalien: Gefecht bei Milazzo 13. AugustMontenegro: Nach der Ermordung seines Onkels Danilo I. wird Nikola Fürst von Montenegro. 20. JuliItalien: Garibaldi setzt von Sizilien aufs Festland über. 20. AugustAustralien: Die Expedition von Burke und Wills beginnt. 21. AugustChina: Die Europäer erobern im Zweiten Opiumkrieg die Taku-Forts. 6. SeptemberFriedrich Wilhelm (II.) wird Großherzog von Mecklenburg-Strelitz. 7. SeptemberItalien: Giuseppe Garibaldi zieht in Neapel ein. 18. SeptemberItalien: Schlacht von Castelfidardo 24. SeptemberEcuador: Die Putschisten unter Gabriel García Moreno erobern Guayaquil. 24. SeptemberEcuador erhält eine neue Flagge. 29. SeptemberItalien: Die letzten Truppen des Kirchenstaates ergeben sich Viktor Emanuel II. von Sardinien. 1. OktoberItalien: Schlacht am Volturno 6. OktoberChina: Die Europäer erobern im Zweiten Opiumkrieg Peking. 18. OktoberChina: Zweiter Opiumkrieg, Pekinger Konvention 20. OktoberKaisertum Österreich: Erlass des Oktoberdiploms 26. OktoberItalien: Giuseppe Garibaldi trifft auf Viktor Emanuel II.28. OktoberSchweizer Parlamentswahlen 1860 6. NovemberPräsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 1860 18. DezemberVereinigte Staaten: Crittenden-Kompromiss 20. DezemberVereinigte Staaten: South Carolina erklärt seinen Austritt aus der Union. Andauernde Ereignisse Föderaler Krieg in Venezuela (seit 1859) Neue Ära (Preußen) in Preußen (seit 1858) Bürgerkrieg in Mexiko (seit 1858) Rotativismo in Portugal (seit 1856) Nian-Aufstand (seit 1853) und Taiping-Aufstand (seit 1850) gegen die Qing-Dynastie in China (seit 1644)Bakumatsu (seit 1853) der Edo-Zeit in Japan (seit 1603) Zweites Kaiserreich in Frankreich (seit 1852) Gründerzeit in Deutschland und Österreich (seit etwa 1840) Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich (seit 1839) Viktorianisches Zeitalter in Großbritannien (seit 1837)

Ereignisse Politik und Weltgeschehen Risorgimento in Italien

Zu Beginn des Jahres 1860 befindet sich Italien nach wie vor in einem Zustand der politischen Zersplitterung. Im Süden der Halbinsel befindet sich das Königreich beider Sizilien, das seit 1816 aus der Insel Sizilien und dem ehemaligen Königreich Neapel besteht und von Franz II., einem Abkömmling einer Seitenlinie des Hauses Bourbon, beherrscht wird. Nördlich davon liegt der Kirchenstaat unter der Herrschaft von Papst Pius IX., der im Vorjahr die italienische Einigung in einer Enzyklika scharf kritisiert hat. Der Norden Italiens besteht aus mehreren Herzogtümern, die sich trotz der Niederlage der Österreicher im Sardinischen Krieg zum Großteil immer noch in habsburgischer Hand befinden. Nur die Lombardei konnte nach dem Frieden von Zürich für das Königreich Sardinien-Piemont gewonnen werden.

mini|links|hochkant|Camillo Benso von Cavour, Porträt von Francesco Hayez Auf Betreiben des Ministerpräsidenten von Sardinien-Piemont, Graf Camillo Benso von Cavour, werden im März Volksabstimmungen im Großherzogtum Toskana, dem Herzogtum Modena, dem Herzogtum Parma, in Piacenza, Bologna und weiteren Gebieten der Emilia-Romagna über den Anschluss an das Königreich Sardinien abgehalten, die alle – wohl auch, weil nur bestimmte Bevölkerungsteile zur Abstimmung zugelassen sind – zugunsten eines Anschlusses an das Haus Savoyen unter Viktor Emanuel II. ausgehen. Der französische Kaiser Napoleon III. erkennt die Ergebnisse an, wofür er von Sardinien im Vertrag von Turin Savoyen und die Grafschaft Nizza übertragen bekommt.

Erzürnt über diese Vorgangsweise, den Verkauf seiner Heimatstadt Nizza an Frankreich und den zögerlich-pragmatischen Zugang Cavours beschließt der Republikaner Giuseppe Garibaldi, die italienische Einigung selbst in die Hand zu nehmen. Am 5. Mai schifft sich – von Sardinien und Großbritannien heimlich unterstützt – unter seiner Führung in Quarto al Mare bei Genua der sogenannte „Zug der Tausend“, wegen ihrer Uniformierung auch „Rothemden“ genannt, in Richtung Sizilien ein, mit dem Ziel, die Einheit Italiens zu erkämpfen. Der genuesische Stadtteil wird später zu Ehren dieses Ereignisses in Quarto dei Mille umbenannt. Mit den beiden von der sardinischen Regierung gecharterten Handelsschiffen Lombardo und der Piemonte fahren sie zunächst nach Talamone und Porto Santo Stefano in der Toskana, wo sie Proviant, Waffen und Kohle erhalten und auf diese Weise auch der neapolitanischen Flotte ausweichen. Am 11. Mai landen die Rothemden schließlich unter dem Schutz zweier britischer Kriegsschiffe nahe der westsizilianischen Stadt Marsala, um Palermo auf dem Weg durch das Landesinnere zu erreichen. Bereits in den ersten Tagen erhält Garibaldis Truppe Zulauf zahlreicher sizilianischer Aufständischer, die seit April die Herrschaft Franz’ II. und der Bourbonen im Königreich bekämpfen.

mini|links|hochkant|Nino Bixio Früher als erhofft treffen Garibaldis Einheiten auf die bourbonische Armee. Bei Calatafimi Segesta, einem Ort nahe der westsizilianischen Provinzhauptstadt Trapani, werden sie von Aufklärungseinheiten entdeckt und von General Landi am 15. Mai zur Schlacht gestellt. In der Schlacht von Calatafimi geraten die „Rothemden“ an den Rand einer Niederlage, und Garibaldis General Nino Bixio macht bereits den Vorschlag, sich zurückzuziehen, was Garibaldi jedoch mit den berühmten Worten No, Nino, qui si fa l'Italia o si muore. (Nein, Nino, hier machen wir Italien oder wir sterben hier.) ablehnt. Der Sieg Garibaldis ist letztlich zu einem guten Teil der Tatsache zu danken, dass Landi sowohl die Entschlossenheit der „Rothemden“ als auch Garibaldis strategische Fähigkeiten unterschätzt, der auf jahrelange Erfahrungen in diversen südamerikanischen Freiheitskriegen zurückgreifen kann.