mini|Luis Trenker bei einer Signierstunde in Freiburg im Breisgau, 1982 mini|O-Ton der Festansprache von Luis Trenker anlässlich seines 80. Geburtstags 1972 in St. Ulrich in GrödenSammlungsbestand Alex Moroder, Radio Ladin de Gherdëina, Datei der Mediathek Bozen, Signatur CRLG_420 Luis Trenker, eigentlich Alois Franz Trenker (* 4. Oktober 1892 in St. Ulrich in Gröden, Tirol, Österreich-Ungarn; † 12. April 1990 in Bozen, Südtirol, Italien), war ein österreichisch-italienischer Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller aus Südtirol. Bekannt geworden ist er insbesondere durch seine Filme über die Alpen.
Leben Ausbildung und Erster Weltkrieg mini|Annonce von Clemens Holzmeisters und Luis Trenkers gemeinsamem Architekturbüro im Bozener Telefonbuch von 1925 Alois „Luis“ Trenker, geboren in St. Ulrich im Grödnertal, war der Sohn des Holzbildhauers und Malers Jakob Trenker und dessen Frau Karolina Trenker, geborene Demetz.Janina Lingenberg: Luis Trenker. Der Bergonkel. In: G/Geschichte, Nr. 2/2017, S. 46–47. Er wuchs zweisprachig auf, mit dem aus Nordtirol stammenden Vater sprach er Deutsch, Tiroler Dialekt, mit der Mutter und den anderen Kindern im Dorf sprach er meist Ladinisch. Nach dem Besuch der örtlichen Volksschule und der Bürgerschule im Knabenseminar Josefinum im nahen Bozen war Trenker kurzzeitig Ingenieur-Lehrling im Elektrizitätswerk seines Großvaters, Ferdinand Demetz, in St. Ulrich. Von 1903 bis 1905 besuchte er die Bau- und Kunsthandwerkerschule in Bozen. Dem schloss sich bis 1912 der Besuch der k. u. k. Realschule in Innsbruck an, wo er als Fremdsprache Italienisch lernte. Trenker war katholisch und trat dort der katholischen Mittelschulverbindung K.Ö.St.V. Cimbria Innsbruck im MKV bei. Bereits in seiner Schulzeit arbeitete er in den Ferien als Bergführer und Skilehrer. Trenker studierte nach der Reifeprüfung an der Technischen Hochschule Wien Architektur.
Am Ersten Weltkrieg nahm er von Beginn an teil. Zunächst kämpfte er als Offiziersanwärter bei der österreichisch-ungarischen schweren Artillerie an der Ostfront in Galizien und Russisch-Polen. Dann war er im Gebirgskrieg 1915–1918 gegen Italien eingesetzt, zuerst als Artilleriefähnrich im Sperrfort Verle bei Trient und nach einer Verwundung ab 1916 als Bergführer in einer Bergführerkompanie in den Dolomiten. Zum Kriegsende hatte er den Rang eines Oberleutnants.
Nach Kriegsende unternahm Trenker erfolglose Versuche, in Bozen eine kaufmännische Existenz zu gründen. Schließlich nahm er sein Architekturstudium wieder auf, das er 1924 an der Technischen Universität Graz als Diplom-Ingenieur beendete. Er arbeitete danach als Architekt in Bozen in einem gemeinsam mit Clemens Holzmeister geführten Büro. Trenker nahm an den Olympischen Spielen 1924 in Chamonix als Mitglied der italienischen Fünferbobmannschaft teil. Die Mannschaft, bestehend neben Trenker aus den Südtirolern Lodovico Obexer, Massimo Fink, Paolo Herbert und Giuseppe Steiner, belegte den sechsten und damit letzten Platz. mini|hochkant|Luis Trenker und Hilda von Bleichert im Jahr ihrer Eheschließung (1928) Im Jahr 1928 heiratete Trenker Hilda von Bleichert (1903–1988), Tochter des Leipziger Großindustriellen Paul von Bleichert (1877–1938), mit der er vier Kinder hatte: Florian, der später in seine Fußstapfen treten sollte, Ferdinand, Barbara und Josef Trenker. Diese Kinder bescherten ihm eine Reihe von Enkeln und Urenkeln.
Kontakte zum Film Erste Kontakte zum Film ergaben sich 1921. Trenker wurde von Arnold Fanck für den Film Berg des Schicksals als Bergführer engagiert. Als Fanck feststellte, dass der vorgesehene Hauptdarsteller nicht klettern konnte, übernahm Trenker die Hauptrolle. Darauf folgten rasch weitere Filme, zunächst als Schauspieler, ab 1930 auch als Regisseur. In diesen ist Trenker oft Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor in einer Person. Ein neues Gesetz von 1927, wonach in Italien nur noch inländische Studientitel anerkannt wurden, erschwerte Trenker, der in Österreich studiert hatte, seine Arbeit als Architekt. Kurze Zeit später gab er sein Architekturbüro auf, arbeitete nur noch als Künstler und lebte bis 1940 in Berlin im Bezirk Charlottenburg, nach eigenen Angaben 15 Jahre lang in der Dernburgstraße.
Als Regisseur debütierte er 1930 mit Der Sohn der weißen Berge. Dem Engagement von Carl Laemmle ist es zu verdanken, dass Trenker in Hollywood englischsprachige Versionen seiner ersten beiden Tonfilme herstellen konnte. Ganz oder teilweise in Amerika spielen seine folgenden Arbeiten, Lebensentwürfe zweier in den USA scheiternder Auswanderer, die in ihren Beschreibungen fremder Städte und Natur famose visuelle Qualität entwickeln. Dem kompetenten Blick des Alpinisten auf Wolkenkratzer und in Straßenschluchten offenbarte sich New York als Landschaft, die verborgene Kamera dokumentierte neorealistisch Spuren der Weltwirtschaftskrise (Der verlorene Sohn, 1933/34). Die Wüsten des Westens hingegen erschienen ihm als Weiten, die Gefahren bergen (Der Kaiser von Kalifornien, 1935/36).
Schriftsteller Neben seinen Filmen veröffentlichte Trenker als freier Schriftsteller eine Reihe von Romanen, Artikeln und Erlebnisberichten. Seine erste Veröffentlichung war ein Bericht über die Dreharbeiten zum Kampf ums Matterhorn, den er auf Anregung Theodor Wolffs für das Berliner Tageblatt schrieb. Nach der großen positiven Resonanz dieses Artikels beim Publikum legte Trenker 1931 Berge in Flammen. Ein Roman aus den Schicksalstagen Südtirols nach dem gleichnamigen Kinoerfolg vor, der den Preis der Stadt Wien für das „Beste Buch des Jahres“ erhielt. Bei dieser wie bei weiteren Publikationen versicherte sich Trenker der Mitarbeit versierter „Ghostwriter“. Half ihm zunächst der Münchner Autor Walter Schmidkunz, der Trenker von Bergtouren schon ab 1913 kannte und 1928 den Dichterpreis der Stadt München erhalten hatte, so arbeitete Trenker ab 1935 mit dem bekennenden Nationalsozialisten Karl Springenschmid aus Salzburg zusammen. Wesentliche Teile von Trenkers Kriegserinnerungen Sperrfort Rocca Alta. Der Heldenkampf eines Panzerwerkes (1937) und weitere Werke, die später unter Trenkers Namen u. a. im Franz-Eher-Verlag der NSDAP erschienen, hatte sein Kriegskamerad, der Schriftsteller Fritz Weber, geschrieben. Die späteren, nach 1950 erscheinenden Auflagen seiner Bücher überarbeitete Trenker allein, vor allem indem er politisch kompromittierende Stellen überarbeitete oder strich.
Trenkers Art, sich anderer Autoren oder fremder Stoffe zu bedienen, brachte ihn auch vor Gericht. Bereits Arnold Fanck warf ihm Ende der 1920er Jahre vor, eine Filmhandlung aus Fancks Drehbüchern übernommen zu haben. Die Aussage zweier Mitarbeiter Fancks, die fortan für Trenker arbeiteten, verhinderte eine Verurteilung. 1937 hatte Trenker weniger Glück. Er wurde verurteilt, für seinen Historienfilm Condottieri ein Werk des Kärntner Pfarrers Michael Paul Moser plagiiert zu haben. Diese Vorstrafe wurde durch eine Begnadigung Hitlers am 19. Juli 1940 gestrichen. 1954 reichte dann Fritz Weber eine Feststellungsklage ein, dass er der Autor einiger Werke sei, die unter Trenkers Namen erschienen waren. Dieser Rechtsstreit wurde mit einem Vergleich beigelegt.Luis-Trenker-Prozess in Wels, Bilder von Pressefotograf Alfred Harrer, Lentia Verlag In: 150 Jahre nachrichten.at – Oberösterreich in Bildern, abgerufen am 18. Juli 2015.
Nationalsozialismus und italienischer Faschismus Ein Hauptthema in Trenkers künstlerischem Schaffen ist die Idealisierung eines der Heimat- und Bergwelt verbundenen Lebens, das häufig der Dekadenz der Städte und Stadtbewohner gegenübergestellt wird. Das faschistische Regime in Italien und das NS-Regime im Deutschen Reich konnten Trenkers Werke nicht zuletzt deshalb instrumentalisieren. „Luis Trenkers Filmwerke der Dreißiger- und Vierzigerjahre konnten mühelos mit den völkischen Anforderungen mithalten, wiewohl aufgrund der Qualität seiner Produktion stets auch ein ästhetischer Überschuss vorhanden war, der weder im faschistischen noch im nationalsozialistischen Wertehorizont völlig aufging.“ Vor allem zählte Adolf Hitler lange Zeit zu Trenkers Bewunderern. Wenige Wochen vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten hielt Joseph Goebbels am 19. Januar 1933 in seinem Tagebuch fest: „Abends Film. Luis Trenker, Der Rebell. Die Spitzenleistung. Ein nationalistischer Tiroler Aufbruch. Ganz große Massenszenen [...]. Hitler ist Feuer und Fett.“
Sein Filmschaffen in Italien erfüllte auch die ideologischen Erwartungen Benito Mussolinis. Auf eine Bemerkung des Emigranten Paul Kohner, dass Condottieri (1937) wirklich ein faschistischer Film sei, antwortete Trenker damals offen: „Sie wundern sich? Ich erhielt doch den Auftrag, diesen Film zu machen, und die italienische Regierung finanzierte auch zum großen Teil die Arbeiten dazu. Wie soll denn da ein Film anders werden?“ Dieser Film, eine deutsch-italienische Koproduktion, für deren Massenszenen 60 Mann der Leibstandarte SS Adolf Hitler abkommandiert wurden, gilt der Filmwissenschaft heute aufgrund seines „propagandistischen Charakters“ als Beispiel für den „italienischen Film im Faschismus“. Ein interessantes Detail dabei war, dass Trenker seine Filme auch in Italien in seiner deutschen Muttersprache aufnahm; dies scheint die faschistischen Machthaber nicht weiter gestört zu haben. Trenker setzte sich auch besonders für die in Bozen geplante Filmstadt ein, die allerdings nie errichtet wurde.
Trenker, der ab 1927 in Berlin lebte, trat schon im September 1933 der nationalsozialistischen Reichsfachschaft Film bei. Anfang April 1933 meldete die Zeitschrift Kinematograph, dass Trenker gemeinsam mit Carl Boese, Victor Janson und Fritz Lang die Abteilung Regie in der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) gegründet habe, wofür es aber keine weiteren Belege gibt. Lang zumindest erklärte 1962 in einem Interview, er habe keine leitende Funktion in einer der NSDAP nahestehenden Organisation bekleidet.Larissa Schütze: Fritz Lang im Exil. Filmkunst im Schatten der Politik (= Forum Kulturwissenschaften. Band 4). M-Press Meidenbauer, München 2006, ISBN 3-89975-587-1, S. 21–22. Entgegen seinen späteren Behauptungen optierte Trenker im März 1940 im Zuge des Südtiroler Optionsabkommens nach langem Zögern für das Deutsche Reich. Seine über 70-jährigen Eltern entschieden sich hingegen, in Südtirol zu bleiben.Stefan Lechner: Die Absiedlung der Schwachen in das „Dritte Reich“: Alte, kranke, pflegebedürftige und behinderte Südtiroler 1939–1945 (=Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs. Band 40). Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2016, ISBN 978-3-7030-0940-2, S. 38. Am 22. Juli 1940 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Oktober desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.181.851).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/45081242
Trenker versuchte sich dem Druck der künstlerischen Unterordnung zum Teil zu widersetzen, er fühlte sich vom deutschen nationalsozialistischen Regime immer weiter in die Enge getrieben. Bei den NS-Stellen waren schon früh Beschwerden über Trenker eingegangen, die jedoch ohne direkte Folgen blieben und seinen Stellenwert für die NS-Spitze viele Jahre lang nicht beeinträchtigten. Zunächst wurde er von P. G. Wohlhuber (Reichspropagandaleitung Abt. IV) im Februar 1934 denunziert. Dieser hatte Trenker belauscht, als er seinem Ärger in einem Gasthof Luft machte. Trenker beschwerte sich über die strengen deutschen Gesetze und meinte, so wolle er keine Filme mehr drehen, und überhaupt könnten sie ihn in Berlin „kreuzweise“. Fred Lyssa, Produktionsleiter der UFA, denunzierte ihn nur wenig später (März 1934) in einem ausführlichen Brief, in dem er eine Äußerung Trenkers bei einer gemeinsamen Autofahrt in New York wiedergab: „Ich habe da gestern einen Schweden gesprochen – na ja er hat ja Recht, es ist auch eine Schande, dass die Deutschen die Literatur verbrannten und dass Deutschland die Juden rausschmeisst“.