mini|Marienkirche aus dem 12. Jahrhundert Legnica , deutsch Liegnitz ( oder Leeg'nz), ist eine Mittelstadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Die kreisfreie Stadt ist Kreisstadt des Powiat Legnicki. Bis 1945 war Liegnitz Hauptstadt des Regierungsbezirkes Liegnitz in der preußischen Provinz Schlesien.
Die Stadt hat bedeutende Industriezweige der Textilindustrie und der Metallverarbeitung.
Geographie Die Stadt liegt in der mittelschlesischen Ebene an der Mündung der Czarna Woda in die Kaczawa (Katzbach), rund 60 Kilometer westlich von Breslau und 80 Kilometer östlich von Görlitz in einer fruchtbaren Ebene.
Nachbargemeinden sind im Nordwesten Miłkowice (Arnsdorf), im Nordosten Kunice (Kunitz), im Südosten Legnickie Pole (Wahlstatt) und Krotoszyce (Kroitsch) im Südwesten.
Stadtgliederung Der Stadtbezirk ist amtlich nicht in Stadtteile gegliedert, auch wenn die Namen der eingemeindeten Orte traditionell im Gebrauch sind.
Geschichte mini|Schlacht bei Liegnitz mini|Die Stadt Legnica (damals Lignitz) auf einem Stich aus dem Werk Topographia Bohemiae, Moraviae Et Silesiae von Matthäus Merian (1650) mini|Darstellung von Friedrich II. vor der Schlacht bei Liegnitz mini|links|Postkarte aus dem Ende des 19. Jahrhunderts mini|hochkant|Wohnungsbau aus dem Ende des 19. Jahrhunderts mini|links|Altstadt mit dem Piastenschloss, um 1900 mini|Das 1902–1906 erbaute Neue Rathaus mini|Blick vom Piastenschloss auf St. Johannes und die Stadt im Jahr 2007
Die 1004 erstmals erwähnte Stadt war im 12. Jahrhundert Sitz eines Kastellans. Die Herzöge Boleslaw I. von Schlesien und dessen Sohn Heinrich I. von Polen residierten häufig in Liegnitz. Während ihrer Herrschaft wurden vermutlich die Holzgebäude innerhalb der Befestigung durch Steinbauten ersetzt. 1241 fand im nahe gelegenen Wahlstatt die Schlacht bei Liegnitz statt, in der Herzog Heinrich II. von Polen mit einem deutsch-polnischen Ritterheer von den Mongolen der Goldenen Horde besiegt wurde. Auch die damals um die Burg liegende Marktsiedlung von Liegnitz wurde durch den Mongolensturm vernichtet. Heinrichs Sohn und Nachfolger Herzog Boleslaus II. von Schlesien legte zwischen 1242 und 1252 südwestlich der Burg eine neue Stadt nach Deutschem Recht an, die er zum Residenzort des Herzogtums Liegnitz bestimmte und die ab 1261 auch Sitz eines Archidiakonats war. Zwischen 1281 und 1326 wurde die Stadt mit einem Mauerring befestigt. 1284 wurde erstmals ein Kloster des 1210 gegründeten Franziskanerordens in der Stadt erwähnt, das zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) gehörte.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 75.
Nach einem Brand 1338 wurde das Stadtgebiet erweitert und anschließend wiederum mit einer Mauer umgeben, die von vier Toren (Glogauer, Breslauer, Goldberger und Haynauer Tor) durchbrochen war. Die Stadt entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum mit drei bedeutenden Schulen: der Peters-, der Liebfrauen- und der Domschule. Herzog Wenzel I. gründete 1348 ein Kollegiatstift und bestimmte die Domvorstadt zu dessen Dotation. Seit 1352 besaß Liegnitz das Münzrecht, seit 1372 eine Erbvogtei. Während der Hussitenkriege drangen Ende April 1428 Hussiten auch in das Herzogtum Liegnitz ein und zerstörten Bunzlau, Goldberg und Haynau. 1430 wurde auch Liegnitz selbst geplündert, die Liegnitzer Burg wurde erfolgreich verteidigt.
1419 erlosch die direkte Liegnitzer Linie der Schlesischen Piasten mit Herzog Wenzel II. Aufgrund einer von Herzog Ludwig I. und seinem Neffen Ruprecht I. 1379 bei ihrem böhmischen Landesherrn König Wenzel IV. erwirkten Gesamtbelehnung, mit der einem Heimfall ihrer Teilgebiete vorgebeugt werden konnte, konnte Herzog Ludwig II. von Brieg das Erbe Wenzels II. antreten. Nach dessen Tod 1436 erhielt seine Witwe Elisabeth von Brandenburg das Herzogtum Liegnitz als Leibgedinge. Ihr sollte als nächster Erbberechtigter Ludwigs II. Großneffe und Schwiegersohn Johann I. folgen, der seit 1441 als Herzog von Brieg amtierte. Da jedoch versäumt wurde, einen zwischen Ludwig II. und seinen drei Neffen geschlossenen Erbvertrag vom böhmischen Landesherrn König Sigismund genehmigen zu lassen, sollte das Herzogtum als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen fallen. Dadurch kam es nach Ludwigs II. Tod 1436 zu langjährigen Auseinandersetzungen, die den bis 1469 andauernden Liegnitzer Lehnstreit auslösten. Nach Elisabeths Tod 1449 wurde Liegnitz zwar an Johann I. übertragen, der sich jedoch gegen den Rat der Stadt Liegnitz nicht durchsetzen konnte. Er benutzte den Herrscherwechsel, um sich der Krone Böhmen unmittelbar zu unterstellen und so die Erhebung von Liegnitz zur Königsstadt zu erreichen. Nach dem Tod Johanns I. 1453 stürzten die Ritterschaft des Herzogtums sowie die Liegnitzer Zünfte das Regiment des Bürgermeisters Ambrosius Bitschen, der im selben Jahr enthauptet wurde. Anschließend erkannte der Rat der Stadt Johanns siebenjährigen Sohn Friedrich I. als Herzog von Liegnitz an. Unabhängig davon beabsichtigten die böhmischen Könige Ladislaus Postumus und Georg von Podiebrad, das Herzogtum als erledigtes Lehen einzuziehen. Deshalb gelangte Johanns Sohn Friedrich I. erst 1455 an die Regierung seines Herzogtums, das ihm allerdings erst 1469 durch Georg von Podiebrads Gegenkönig Matthias Corvinus, der Schlesien erobert hatte, als Lehen verliehen wurde.
Nach dem Tod des Herzogs Friedrich I. 1488 regierte seine Witwe Ludmilla, Tochter Georgs von Podiebrad, das Herzogtum bis 1499 für ihren unmündigen Sohn Friedrich II., der 1521 von seinem Bruder Georg I. das Herzogtum Brieg erbte und 1523 zudem von Johannes von Thurzo das Herzogtum Wohlau erwarb. 1522 führte er die Reformation in Liegnitz ein, wobei er vermutlich von Kaspar von Schwenckfeld beeinflusst wurde. Der Konvent der Franziskaner wurde 1524 aufgelöst, die letzten Brüder verließen das Kloster 1541.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 259.289. Lediglich das Archidiakonat und das Benediktinerinnenkloster blieben katholisch. Friedrich II. gründete im Herbst 1526 in Liegnitz die deutschlandweit erste protestantische Universität.Siegfried Wollgast: Philosophie in Deutschland zwischen Reformation und Aufklärung, 1550–1650. Akademie Verlag, 1993, ISBN 3-05-002099-7.Siegfried Wollgast: Morphologie schlesischer Religiosität in der Frühen Neuzeit: Sozinianismus und Täufertum. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 22, 2003, S. 419–448, hier: S. 420Roman Smolorz: Webseite der Universität Klagenfurt, abgerufen am 27. Februar 2011. die jedoch, wegen der durch Kaspar von Schwenckfeld ausgelösten religiösen Wirren, nur bis 1530 bestand. Im 16. Jahrhundert erlebte die Stadt einen wirtschaftlichen Niedergang durch Raubrittertum und hohe herzogliche Forderungen. Auch im Dreißigjährigen Krieg musste die Bevölkerung viel erleiden. Durch die Kriegsauswirkungen und die Pest von 1633 ging die Einwohnerzahl von rund 8000 auf etwa 2500 zurück.
Der letzte Liegnitzer Piastenherzog war Georg Wilhelm I., der 1675 fünfzehnjährig starb. Kaiser Leopold I. zog dessen Herzogtümer als erledigte Lehen ein und setzte in seiner Eigenschaft als König von Böhmen in Liegnitz einen residierenden Landeshauptmann ein. Um 1700 ließen sich böhmische Franziskaner in Liegnitz nieder.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 397.
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg kam die Stadt 1742 an Preußen. Durch die Einrichtung einer Kriegs- und Domänenkammer in Glogau, die auch für das Herzogtum Liegnitz zuständig war, ging die wirtschaftliche Bedeutung von Liegnitz zurück. Im Siebenjährigen Krieg kam es zu einer erneuten Schlacht bei Liegnitz, bei der ein preußisches Heer unter Friedrich II. die Kaiserlichen unter Feldmarschall Leopold Graf von Daun schlug.
Auch in den Napoleonischen Kriegen wurde Liegnitz mit Kontributionen und Einquartierungen drangsaliert. Von der Säkularisation 1810 waren das Benediktinerinnen- und das Franziskanerkloster sowie das Propsteigebäude (Leubuser Haus) betroffen. Nach der Neuorganisation der Kreise in Preußen nach dem Wiener Kongress gehörte mit der Einführung der Regierungsbezirke zum 1. Mai 1816 die Stadtgemeinde Liegnitz zum Landkreis Liegnitz in der Provinz Schlesien zum Regierungsbezirk Liegnitz.
Mit der Verlegung der niederschlesischen Verwaltung 1809 von Glogau nach Liegnitz sowie der nachfolgenden Industrialisierung erlebte die Stadt im 19. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte, die auch zu einem raschen Anstieg der Bevölkerung führte. In der preußischen Verwaltung im Liegnitzer Schloss war Alexander von Minutoli (1806–1887), als Gewerbedezernent für die wirtschaftliche Entwicklung der schlesischen Industrie zuständig. Er gründete in seiner Wohnung in der Goldberger Straße 33 schon im April 1844 mit einer aus 3600 Objekten bestehenden Sammlung das erste Kunstgewerbemuseum der Welt. Durch König Friedrich Wilhelm IV. unterstützt, durfte er dann seine schnell wachsende Sammlung im oberen Stockwerk des Liegnitzer Schlosses ausstellen. 1857 besichtigten 6000 Personen aus ganz Europa die in 18 Räumen präsentierten 28.000 Objekte zwischen Juni und Ende November.
Zwischen 1844 und 1875 erhielt die Stadt Eisenbahnverbindungen mit den benachbarten schlesischen Städten sowie mit Dresden und Berlin. Bedeutung erlangte der intensive Gemüseanbau, der 1723 durch die Einrichtung einer Höheren Landwirtschaftsschule gefördert wurde. (Zweihundert Jahre später – 1925 – wurde daraus die Landwirtschaftliche Gemüsebauschule.) Bedeutung erlangten auch die Liegnitzer Textilerzeugnisse sowie ab 1849 der Klavierbau der Firma Eduard Seiler (später auch Möbelbau, Liegnitzer Ringtisch). Liegnitz war Sitz einer Oberpostdirektion (1850 bis 1934).
Zum 1. Januar 1874 wurde Liegnitz als dritte niederschlesische Stadt (nach Breslau und Görlitz) zum Stadtkreis erhoben.Amts-Blatt der Preußischen Regierung zu Liegnitz 1873, S. 314 Der Landrat des Landkreises Liegnitz hatte weiterhin seinen Sitz in der Stadt. Mitte Juni 1898 kam es während der Amtszeit des Oberbürgermeisters Ottomar Oertel aus nichtigem Anlass in der Stadt zu mehrtägigen Unruhen, welche einen Toten und mehrere Verletzte forderten und nur durch den massiven Einsatz einer Kompanie des dortigen Grenadier-Regiments Nr. 7 beendet werden konnten. Diese Tumulte in Liegnitz waren die Ursache für beträchtliche Reformen in der Kommunalen Polizei Preußens ab 1898. Die elektrische Straßenbahn wurde 1898 in Betrieb genommen. Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte Liegnitz zwei evangelische Kirchen, zwei katholische Kirchen, eine altkatholische Kirche, ein Bethaus der Irvingianer und eine Synagoge, die beim Novemberpogrom 1938 zerstört wurde. An Bildungseinrichtungen bestanden 1910 zwei Gymnasien (eines mit Realgymnasium), ein Lyzeum (mit Studienanstalt und Frauenschule), ein Lehrerseminar, eine Präparandenanstalt, eine Oberrealschule, eine gewerbliche Fortbildungs-, Handels- und landwirtschaftliche Schule, eine Lehrerinnenbildungstalt, eine Singschule und eine Ritterakademie. Bei der Volkszählung von 1910 gaben in Liegnitz 95,86 Prozent der Bewohner Deutsch, 2,26 Prozent Wendisch, 1,27 Prozent Polnisch, 0,19 Prozent Tschechisch sowie 0,15 Prozent Deutsch und Polnisch als Muttersprache an.