Die Lego A/S (Eigenschreibweise: LEGO) ist ein dänisches Unternehmen mit Sitz in Billund und gilt als einer der drei größten Spielwarenhersteller der Welt.

Das Unternehmen wurde durch die mittlerweile als Spielzeugklassiker geltenden Legosteine bekannt, bei denen es sich im Wesentlichen um ein Baukastensystem handelt, in dem Häuser, Fahrzeuge und anderes aus farbigen Kunststoff-Klemmbausteinen und -Steckbauteilen gebaut werden können.

Das Wort Lego leitet sich von leg godt („spiel gut“) ab und wird seit 1934 verwendet.

Aktionäre 75 % KIRKBI A/S 25 % LEGO Foundation Die KIRKBI A/S befindet sich vollständig im Besitz von Kjeld Kirk Kristiansen und seinen drei Kindern. Die LEGO Foundation ist ebenfalls der Familie Kristiansen zuzurechnen.

Geschichte mini|Hilary Fisher Pages Interlocking Building Cubes von 1939 mini|Legosteine wie 1949 und in moderner Version, erst ohne, dann mit Innenröhren mini|links|Früheres Lego-Logo (1965) mini|Lego-Modellfahrzeug Citroen DS 1:87 (1956–1968) mini|Lego-Modellfahrzeug 1:87 LKW (1956–1968)

Das Unternehmen wurde 1932 vom dänischen Tischlermeister Ole Kirk Christiansen zunächst zur Herstellung von Holzspielzeug gegründet.

1947 kaufte Lego die ersten Kunststoff-Spritzgussmaschinen; zunächst wurden Rasseln hergestellt.

1949 wurden Bausteine eingeführt, die den heutigen Steinen bereits ähnelten. Anfänglich nannte Christiansen seine Spielsteine „Automatic Binding Bricks“. Es handelte sich um farbige Kunststoff-Quader aus Celluloseacetat, deren Oberseiten, wie bei den heutigen Steinen, mit Noppen besetzt waren. Die Unterseite war jedoch völlig hohl, was dazu führte, dass mit diesen Steinen gebaute Modelle nicht besonders stabil waren. Dieses Problem wurde beseitigt, indem in die Unterseite der Steine Röhren integriert wurden. Das ermöglichte außerdem, dass die Steine auch seitlich versetzt aufeinander gesteckt werden konnten. Dieses Kupplungsprinzip wurde am 28. Januar 1958 zum Patent angemeldet, das 1978 auslief.

Das britische Unternehmen Kiddicraft, gegründet 1932 von Hilary Page, hatte prinzipiell baugleiche Spielzeugsteine aus Kunststoff bereits ab Ende der 1930er Jahre produziert und in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz patentieren lassen. Lego übernahm das Design, nachdem es 1947 über den Lieferanten seiner Spritzgussmaschine ein Muster des englischen Fabrikats erhielt. Godtfred Kirk Christiansen räumte dies 1987 öffentlich ein.Adrian Lithgow: Astonishing secret behind the world's most famous toy. The Mail, 1987, zitiert nach: Da Pages Patente die skandinavischen Länder nicht abdeckten, konnte Lego das Produkt dort zunächst lizenzfrei vertreiben. Nach dem Tod von Hilary Page 1957 und dem Auslaufen seiner Patente einigte sich Lego 1981 außergerichtlich mit den Erben von Kiddicraft auf eine Zahlung von umgerechnet rund 45.000 £ für die weitere Nutzung des Steindesigns – nicht jedoch für die Markenrechte, die Kiddicraft später separat an Fisher-Price verkaufte.Hilary Page Toys. hilarypagetoys.com examiner.com

Von 1955 bis 1968 produzierte Lego – ab 1958 auch in einem Werk im schleswig-holsteinischen Hohenwestedt – Modellfahrzeuge, Die Wiking-Story auf wiking-story.de aus ABS-Kunststoff mit Rädern und Achsen aus Metall. Die Modelle wurden realen Vorbildern im Maßstab 1:87 (Nenngröße H0) nachempfunden. Die Serien umfassten 13 PKW- und drei VW-Transporter-Modelle in transparenten Garagen, zwei verschiedene Lastwagen-Typen (Bedford A und Mercedes-Benz Kurzhauber) mit verschiedenen Aufbauten,Vintage Lego toys, in: Ride the Machine, thenewcaferacersociety.blogspot.com sowie Zubehör wie Zweiräder, Tankstelle, Verkehrsinsel, Bäume, Straßenleuchten und Verkehrszeichen, die in den letzten Jahren auf die Lego-Noppen steckbar waren.Plastic LEGO model cars auf miniland.nl Passende Gebäude konnten aus den bereits vertriebenen Bausteinen gebaut werden, ergänzbar durch weitere Elemente wie Garagentor und spezieller Grundplatte.

Ab 1996 war der Legostein vom Deutschen Patent- und Markenamt als Marke eingetragen. Dagegen gingen mehrere Wettbewerber vor. Am 16. Juli 2009 bestätigte der Bundesgerichtshof in letzter Instanz die vom Bundespatentgericht ausgesprochene Löschung der Marke. Im Interesse der Allgemeinheit müssten Formen vom Markenschutz freigehalten werden, deren wesentliche Merkmale eine technische Funktion erfüllten. Die Noppen auf der Oberseite des Spielsteins seien Teil des für Lego typischen Klemmsystems und hätten damit ausschließlich eine technische Funktion, urteilte der Bundesgerichtshof. Entsprechend urteilte am 14. September 2010 der Europäische Gerichtshof.EuGH, Urteil vom 14. September 2010 – C‑48/09 P. Richter geben Lego-Steine zum Kopieren frei. In: Spiegel Online, 14. September 2010.

Außer den Standard-Legosteinen machte die Familie Christiansen verschiedene Experimente und entwickelte Alternativen zu Lego. Ab 1967 wurde Modulex für Architektenbüros produziert: Die Steine hatten die Ur-Form mit der hohlen Unterseite, hatten 5/8 der Größe der originalen Legosteine und waren somit nicht kompatibel. Außer maßstabsgetreuen Modellen wurden aus diesen Steinen Hinweis- und Infotafeln hergestellt, beispielsweise für Krankenhäuser. Im Februar 1962 gründeten Ole Kirk Christiansens Söhne Karl Georg und Gerhardt Kirk gemeinsam das Unternehmen BILOfix in Kolding, das neben Holzspielzeug auch eine Art Werkzeug-Baukastensystem herstellte, nachdem Lego zuvor die eigene Holzspielzeugproduktion eingestellt hatte.

Die Produktpalette von Lego wurde ständig erweitert, etwa um Platten und Schrägdach-Teile, später um Räder, transparente Steine und Figuren. So gibt es Tausende verschiedener Bauteile (Stand März 2013: ca. 78.000 verschiedene Bauteile bei 96 Farben, wobei nicht jedes Bauteil in allen Farben gefertigt wird).Christina Iglhaut, Christian Schwab: Fantasiewelten aus Lego. In: Wir in Bayern, Bayerisches Fernsehen, 16. April 2013. Nach wie vor können alle auf irgendeine Weise miteinander kombiniert werden.

2003 machte das Unternehmen erhebliche Verluste (etwa 180–190 Millionen Euro). Zurückgeführt wurde das auf fatale Fehler im Management, das die klassischen Kinderthemen aufgab, beispielsweise den eingeführten Markennamen Duplo und das klassische Thema Legoland (Stadt). Der Verkauf von Star-Wars- und Harry-Potter-Produkten, die als Modethemen ins Programm genommen wurden und zuerst erfolgreich waren, stagnierte. Als „Rettung“ von Lego erwies sich die von vielen erwachsenen Lego-Fans als nicht Lego-typisch angesehene Bionicle-Serie. Ein Produkt dieser Serie kam unter die zehn meistverkauften Weihnachtsgeschenke in den USA.

Als Reaktion auf die Verluste wurde eine Rückkehr zu bewährten Themen versucht. Wirtschaftlich sichtbare Erfolge zeigten sich bereits im ersten Quartal 2005, als die Verluste auf 13,2 Millionen Euro reduziert werden konnten. 2006 wurden die Produktionsstätten in der Schweiz (Lego Produktion AG) sowie die Distributionszentren in Billund, Hohenwestedt, Flensburg, Dunkerque und Lyon geschlossen und nach Tschechien verlegt. Die deutsche Hauptverwaltung zog von Hohenwestedt nach München um.

mini|Einsatz von Lego als Baustoff eines barrierefreien Eingangs für die Nürnberger Beratungsstelle „Klara“

Einen Umschwung brachte Jørgen Vig Knudstorp. Sein Ansatz war: zurück zum Kerngeschäft. Dazu gehörte die Reduktion der über 14.000 Teile auf weniger als die Hälfte (Lego-Sets bestehen zu rund 70 Prozent aus Standardteilen), Wiedereinführung von Duplo und ein klassischeres Redesign der Sets.Peter Stuiber: Legoland ist überall. In: thegap.at, 19. März 2014.

Anfang 2010er Jahre gab es Kritik an den sich angeblich im Verkaufskonzept manifestierenden Geschlechter-Stereotypen, wie im Fall der Mädchen-Produkte-Reihe „Friends“ (mit deutlich höherem Anteil an Pink und Lila unter den Farben).Christopher Pramstaller: Gender-Ghetto in Pink und Lila. In: SZ.de, 28. Februar 2012.Marketing mit Rollenbildern. In: handelsblatt.com vom 4. Dezember 2016.

2016 wurde der Konzern in Deutschland durch das Bundeskartellamt zu einem Bußgeld in Höhe von 130.000 Euro verurteilt. Die deutsche Tochter des dänischen Spielwarenherstellers hatte gegen das Verbot der vertikalen Preisbindung verstoßen.Michael Gassmann: Lego setzte Einzelhändler massiv unter Druck, in: Welt.de, 12. Januar 2016.

Ab 2018 wurden biegsame Elemente, die Pflanzen darstellen, bereits aus einem aus Zuckerrohr gefertigten Material hergestellt. Im 2020 kündigte der Konzern an, 400 Millionen Dollar in seine Nachhaltigkeitsprojekte und die Suche nach einem Ersatzmaterial für den aus Erdöl hergestellten Kunststoff zu entwickeln. Zunächst sollte bis 2030 der Anteil der aus recyceltem Plastik produzierten Teile auf 80 Prozent steigen bei 20 Prozent der Teile aus biologisch abbaubarem Material.Lego in der Plastikfalle: Ein Spielzeugriese muss sich neu erfinden. derstandard.de, 26. Juni 2022.

Im November 2019 kaufte Lego den weltweit größten Lego-Marktplatz Bricklink. Im Dezember 2021 kündigte Lego den Bau einer neuen Produktionsstätte in Vietnam an. 2024 soll die Produktion in Vietnam erstmals anlaufen, die volle Kapazität jedoch erst nach 15 Jahren erreichen. Mit 4.000 geplanten Mitarbeitern wäre der Standort bei voller Kapazität nach Tschechien das zweitgrößte Werk von Lego. Im Juni 2022 wurde ein weiteres Bauprojekt bekannt gegeben: in Virginia, USA soll bis 2025 ein neuer Standort mit insgesamt 1.760 Beschäftigten entstehen.

Gestaltung, Herstellung, Material und Verträglichkeit Seit ihrer Einführung 1949 waren Legosteine in allen Varianten in erster Linie Teil eines Systems.Andreas Danzer: Lego in der Plasikfallle: Ein Spielzeugriese muss sich neu erfinden. In: derstandard.de, 26. Juni 2022; abgerufen am 7. Juli 2022. Heutige Legosteine passen trotz aller Änderungen in der Form noch immer mit den alten Steinen zusammen, sofern sich das verwendete Material Celluloseacetat nicht durch Alterung zu sehr verformt hat. Dieses Problem umgeht der seit 1963 verwendete Kunststoff Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS), der überdies durch seine Elastizität bessere Klemmeigenschaften besitzt. Transparente Bauelemente bestehen aus Makrolon, einem Polycarbonat, wissen.de Achsen aus Polyamid.Brennprobe Rote und gelbe Bausteine von Lego, die zwischen 1963 und 1981 gefertigt wurden, können unter Magensäure-Bedingungen krebserregendes Cadmium in heutige Grenzwerte weit überschreitenden Mengen abgeben.Reinhard Wolff: Schadstoffbelastung in Legosteinen. In: taz, 12. Februar 2018; abgerufen am 4. Februar 2021.

Bei den Farben gab es 2004 erstmals Änderungen, darunter der Wechsel von „Altgrau“ auf „Neugrau“.

Lego produziert in Dänemark, Ungarn, Tschechien und Mexiko sowie seit 2016 in Jiaxing (China).Lego eröffnet Fabrik in China auf handelsblatt.de

Nachdem 2020 vor allem durch erwachsene Lego-Fans auf die Problematik der Farbtreue von neu erschienenen Sets aufmerksam gemacht worden war, wurde dieses Problem im Rahmen des Lego Fan Days im September 2020 durch Lego eingeräumt. Nach Bjarke Schønwandt, Direktor des Lego-Qualitätsmanagements, sei die Beschwerdequote 2020 insgesamt stark angestiegen, wobei jedoch 86 % der Beanstandungen auf fehlende Teile entfielen und etwa 10 % auf systematische Fehler. Mit Blick auf das Problem der Farbabweichungen konnten zwei Ursachen festgestellt werden: Ein Bauteil sei zu lange in der Spritzgussmaschine verblieben; das Problem sei mittlerweile behoben. Andere Fälle ließen sich auf seit zwei Jahren beobachtete größere Unterschiede bei den zugelieferten Granulaten zurückführen, auch wenn diese noch innerhalb der Toleranzen lägen. Das Problem sei noch nicht gelöst worden und die Ursache werde weiter untersucht, hieß es von Lego. In einer Stellungnahme des Lego-Kundenservice machte dieser zudem deutlich, dass es durch das Recycling alter Steine im Produktionsprozess ebenfalls zu leichten Farbabweichungen zwischen verschiedenen Chargen kommen könne.

Rastermaß, Kompatibilität mini|hochkant=1.5|Maße von Legosteinen