Mossad (, eigentlich Mosad Merkazi leModi'in uLeTafkidim Mejuchadim ,Zentraler Nachrichten- und Sicherheitsdienst‘, kurz ) ist der israelische Auslandsgeheimdienst.
Neben dem Mossad gibt es in Israel den Inlandsgeheimdienst Schin Bet (Shabak) und den Militärgeheimdienst Aman. Früher gab es noch einen vierten Geheimdienst, Lakam, welcher zur Unterstützung des israelischen Nuklearprogramms gegründet worden war und 1986 aufgelöst wurde. Die Direktoren von Schin Bet, Mossad und Aman bilden das 1949 gegründete Komitee der Direktoren der Nachrichtendienste (Va'adat Rashei Hasherutim, VARASH). Früher gehörten diesem neben Ministeriumsvertretern auch der Generalinspektor der israelischen Polizei und der Direktor von Nativ an.
Auch andere jüdische Organisationen wurden „Mossad“ genannt, unter anderem der Mossad le Alija Bet, der vor Gründung des Staates Israel die heimliche Immigration nach Palästina organisierte.
Das offizielle Motto des Mossad ist: Wo nicht weiser Rat ist, da geht das Volk unter; wo aber viele Ratgeber sind, findet sich Hilfe .
Organisation mini|Hadar-Dafna-Gebäude (Teilansicht von der Henrietta-Szold-Straße her)
Das Hauptquartier befindet sich in Tel Aviv-Jaffa. Einige Romane, Filme und Presseberichte verweisen auf das Hadar-Dafna-Gebäude () als Sitz der Zentrale. Das Hauptquartier war anfangs im Roten Haus in der Yarkon-Straße in Tel Aviv nahe den heutigen Ramada und Sheraton Hotels (eine kleine Plakette erinnert heute daran). Später verlegte es seinen Sitz in das Gebäude des Außenministeriums in Sharona (heute Verteidigungsministerium, Kirya). 2018 wurde ein großer Erweiterungskomplex nördlich Tel Aviv an der Glilot-Autobahn (Glilot Interchange) gebaut.
Die Personalstärke des Mossad wurde 2006 auf 1200 bis 2000 Mitarbeiter geschätzt, 2018 auf rund 7000, womit er der größte Geheimdienst nach der CIA ist. Lediglich ein Bruchteil der Mitarbeiter sind aktive Agentenführer (Führungsoffiziere), sogenannte Katsas. Die im Vergleich zu anderen Geheimdiensten geringe Anzahl an operativen Mitarbeitern erklärt sich dadurch, dass der Mossad weltweit auf ein engmaschiges Netz an freiwilligen Helfern (Sayanim) zurückgreifen kann. Meistens handelt es sich dabei um Personen (israelische Staatsbürger oder jüdische Sympathisanten anderer Staatsangehörigkeiten), die im Zielland einer Operation ansässig sind und diskret logistische Unterstützung leisten, zum Beispiel durch Bereitstellung von Transportmitteln, sicheren Wohnungen oder durch Beschaffung von Information. Günstig wirkt sich dabei aus, dass in Israel viele Juden aus unterschiedlichen Ländern leben, die mit den Kulturen und Sprachen ihrer Heimatländer vertraut sind, andererseits auch viele Juden in der Diaspora leben, beispielsweise in Afrika, Asien und Europa.
Die Mitarbeiter sind Zivilisten und tragen keinen militärischen Rang, viele waren aber früher beim israelischen Militär oder im militärischen Nachrichtendienst der israelischen Armee.
Die jeweilige Identität des Mossad-Chefs war lange ein israelisches Staatsgeheimnis. Seit 1996 werden die Namen bekanntgegeben.
Struktur Die innere Gliederung ist weitgehend unbekannt. Vermutlich verfügt er aber über sechs bis acht Abteilungen (Stand 2006):
Tsomet, die Sammlungsabteilung, ist die größte Abteilung. Sie leitet sämtliche Spionageaktionen und verfügt über Niederlassungen auf der ganzen Welt, teils geheim, teils als Bestandteil der diplomatischen Vertretungen Israels. Vermutlich ist die Abteilung nach regionaler Zuständigkeit weiter aufgegliedert. Nevioth (Queshet) ist für Einbrüche, Überwachung, Abhörmaßnahmen und andere verdeckte Methoden zuständig. Die Abteilung Tevel für politische Aktionen und Zusammenarbeit koordiniert die Arbeit mit den Geheimdiensten befreundeter Nationen und unterhält Kontakte zu Nationen, mit denen Israel keine offiziellen diplomatischen Beziehungen hat. In größeren Auslandsvertretungen Israels sind meist auch Mitarbeiter dieser Abteilung stationiert. Die Abteilung für spezielle Operationen (Metsada, früher Caesarea) führt Anschläge, Sabotage und paramilitärische Operationen durch. Für gezielte Tötungen ist eine Unterabteilung Kidon (hebräisch für Bajonett) zuständig, die unter höchster Geheimhaltungsstufe operiert. Die Einsätze werden vom Komitee X, dem der Premierminister vorsteht, genehmigt. Es wurde nach dem Münchner Olympia-Attentat von 1972 gegründet. Die LAP (Lochama Psichologit)-Abteilung ist für psychologische Kriegsführung (so die Übersetzung aus dem Hebräischen), Propaganda und Täuschungsoperationen zuständig. Sie sammelt auch Informationen über israelische Kriegsgefangene, im Einsatz Vermisste, unkonventionelle Waffen und feindliche Sabotageaktivitäten. Tsafirim ist für die Sicherheit von Juden in Übersee zuständig. Darunter fiel auch zum Beispiel die Rettung der äthiopischen Juden, sie organisiert aber auch Selbstverteidigungsmaßnahmen für Juden zum Beispiel in maghrebinischen Staaten (Abteilung Misgeret).
Seitdem fanden auch Umorganisationen statt, zum Beispiel unter Efraim Halevy, der den Dienst mehr der CIA annähern und in drei Hauptabteilungen konzentrieren wollte.
Daneben gibt es Trainings-, Finanz- und Personalabteilungen, Forschungs- und Technikabteilungen (auch für Gerätschaften zur Spionage und Sabotage). Sie entwickelten eine spezielle Datenbank (PROMIS), die auch an ausländische Nachrichtendienste verkauft wurde.
Zusätzlich gibt es eine Abteilung, die sich mit Atomwaffen befasst. In ihr gingen wesentliche Teile des ehemals vierten israelischen Nachrichtendienstes Lakam auf, als dieser 1986 aufgelöst wurde.
Verschiedene israelische Think Tanks und Universitätsinstitute haben Verbindung zu israelischen Geheimdiensten: BESA (Begin-Sadat Center for Strategic Studies, Bar-Ilan-Universität), International Policy Institute for Counterterrorism (ICT) am Academic Interdisciplinary Center (IDC) in Herzliya, Jaffa Center for Strategic Studies (JCSS) und Moshe-Dayan Center for the Middle East an der Universität Tel-Aviv.
Leitung 1949–1952: Re’uwen Schiloach 1952–1963: Isser Harel 1963–1968: Meir Amit 1968–1974: Zwi Zamir 1974–1982: Jitzchak Chofi 1982–1990: Nachum Admoni 1990–1996: Schabtai Schawit 1996–1998: Dani Jatom 1998–2002: Ephraim Halevy 2002–2010: Meir Dagan 2010–2015: Tamir Pardo 2016–2021: Yossi Cohen 2021–2026: David Barnea seit 2026: Roman Gofman
Geschichte Der Beschluss, Geheimdienste zu gründen, wurde im Juni 1948 auf Initiative von Reuwen Schiloach (Reuven Shiloah), Chef der politischen Abteilung der Jewish Agency, und Isser Be’eri (Birenzweig, genannt großer Isser), vorher Leiter des Nachrichtendienstes der Haganah (Shai) getroffen. Es wurde ein militärischer Nachrichtendienst gegründet, geleitet von Isser Beeri (mit Chaim Herzog als Stellvertreter), ein Inlandsgeheimdienst (Schin Bet) unter Leitung von Isser Harel (damals Isser Halperin, kleiner Isser genannt) und Yosef Yizraeli; zudem der Auslandsdienst, damals noch die Abteilung Wissen (Daat) im Außenministerium unter Reuwen Schiloach, mit den Abteilungen Sammlung – damals noch überwiegend in Europa – und Analyse. 1949 wurde außerdem noch die gemeinsame Leitungsstelle der Geheimdienste Vaarash gegründet, damals von Schiloach geleitet.
Als eigentliches Gründungsdatum des Mossad gilt der 13. Dezember 1949 durch Ministerpräsident David Ben-Gurion auf Anregung von Reuven Shiloah zur Koordinierung der Sicherheits- und der Geheimdienste des Landes (Zentralinstitut). Im Februar und März 1951 wurde die Auslandsaufklärung umorganisiert und unterstand dem Ministerpräsidenten nun direkt. Die leitenden, bisher für Geheimdienstoperationen zuständigen, Mitarbeiter der politischen Abteilung im Außenministerium traten daraufhin geschlossen zurück (Revolte der Spione). Der Mossad übernahm die Auslandsaufklärung (Rashut) vom Außenministerium (die spätere Abteilung Tsomet im Mossad); Operationen in arabischen Ländern und dort stationierte Agenten unterstanden dem militärischen Geheimdienst (Einheit 131). Erst 1963 wurde dem Mossad die Führung der ausländischen Agenten vollständig übertragen. Im selben Jahr erhielt er seinen offiziellen hebräischen Namen (Institution für nachrichtendienstliche und Spezialoperationen).
Nach dem Mord an Israels Premierminister Jitzchak Rabin und verschiedenen Fehlschlägen musste der in der Öffentlichkeit bis dahin nur als „S“ bekannte Schabtai Schavit als Generaldirektor des Mossad zurücktreten. Am 24. März 1996 wurde Generalmajor Dani Jatom zum neuen Generaldirektor ernannt. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Namen der Mossad-Chefs erstmals öffentlich bekannt gegeben. Als Folge des missglückten Attentats auf Chalid Masch'al (siehe unten) und einer missglückten Operation in der Schweiz trat Jatom zurück. Den Posten übernahm im März 1998 Ephraim Halevy. Halevy war zuvor Mossad-Agent und dann Vertreter Israels bei der Europäischen Union gewesen. Im Oktober 2002 entließ der damalige Premierminister Ariel Scharon Halevy, mit dem er wiederholt über die richtige Strategie gegen den palästinensischen Terror in Streit geraten war. Nachfolger wurde General Meir Dagan. Er diente gemeinsam mit Scharon in der israelischen Armee. Dagan leitete eine Kommandoeinheit, die im Gazastreifen militante Palästinenser aufspürte und liquidierte. Unter ihm widmete sich der Mossad wieder mehr verdeckten Operationen und Spezialoperationen und konzentrierte sich auf die Bekämpfung des von Israel als Bedrohung betrachteten atomaren Programms des Iran.
Insgesamt konzentriert sich der Mossad hauptsächlich auf arabische Länder und Organisationen. Sein nachrichtendienstliches Interesse erstreckt sich aber auch zum Beispiel auf NATO-Länder. Darüber hinaus organisiert er die Schleusung jüdischer Flüchtlinge aus aller Welt nach Israel.
Nach Recherchen des israelischen Experten Ronen Bergman hat der Mossad bis 2018 mindestens 3000 Menschen getötet. Bei den Opfern habe es sich nicht nur um Zielpersonen gehandelt. Auch viele Unbeteiligte, die lediglich „zur falschen Zeit am falschen Ort“ waren, wurden zu Opfern. Während der zweiten Intifada gab es Tage, an denen vier bis fünf gezielte Tötungen angeordnet wurden.
Seit Juni 2026 steht Roman Gofman an der Spitze des Geheimdienstes.
Bekannt gewordene oder vermutete Aktionen des Mossad in der Vergangenheit werden im Folgenden in Übersichtslisten dargestellt.
Erfolgreiche Operationen 1961–1979 mini|Der Eichmann-Prozess (1961) Einer der ersten Erfolge des Mossad, der ihm auch große Anerkennung bei westlichen Geheimdiensten wie der CIA verschaffte, war die Beschaffung des Wortlauts der Rede von Nikita Chruschtschow auf dem XX. Parteitag der KPdSU (1956), die er über den Journalisten Wiktor Grajewski in Warschau beschaffte. In seiner Geheimrede verurteilte Chruschtschow den Personenkult seines Vorgängers Stalin. Im Mai 1960 spürte der Mossad in der „Operation Garibaldi“ den deutschen Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Argentinien auf und entführte ihn nach Israel (u. a. von Rafi Eitan, der davon abriet, gleichzeitig den Versuch zu unternehmen, Josef Mengele zu fassen). Eichmann wurde in Jerusalem vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und durch Hängen hingerichtet. In den 1960er Jahren gelang es dem Mossad-Agenten Eli Cohen, wichtige Informationen aus der syrischen Regierung und über militärisch-strategisch wichtige Positionen der syrischen Armee auf den Golanhöhen an Israel weiterzuleiten. Dadurch, dass alle anderen Sender aufgrund eines Stromausfalls lahmgelegt waren und nur Cohens batteriebetriebener Sender funkte, gelang es dem syrischen Geheimdienst, Cohens Sender zu lokalisieren und ihn beim Absetzen eines Funkspruchs nach Tel Aviv festzunehmen. Cohen wurde gefoltert und, trotz internationaler Bemühungen (u. a. des Vatikans), in Damaskus öffentlich als Spion gehängt.