mini|Kurt Waldheim (1981)rahmenlos|klasse=skin-invert-image|Unterschrift Kurt Waldheims Kurt Josef Waldheim (* 21. Dezember 1918 in Wördern, Niederösterreich; † 14. Juni 2007 in Wien) war ein österreichischer Diplomat und parteiloser Politiker. Von 1968 bis 1970 war er Österreichs Außenminister, von 1972 bis 1981 Generalsekretär der Vereinten Nationen und von 1986 bis 1992 Bundespräsident Österreichs. Im Wahlkampf zur Bundespräsidentenwahl 1986 wurde er verdächtigt, als Offizier der Wehrmacht an Kriegsverbrechen auf dem Balkan beteiligt und Angehöriger einer SA-Reiterstandarte gewesen zu sein. Er gewann die Präsidentenwahl, geriet aber in internationale Isolation. In Österreich löste die „Waldheimaffäre“ eine breite Diskussion über die Mitschuld der Österreicher an den Verbrechen der NS-Zeit aus.

Leben Ausbildung Kurt Waldheim wurde als Sohn eines Lehrers und SchulinspektorsÖsterreich: Alt-Präsident Kurt Waldheim ist tot. In: Welt Online, 14. Juni 2007. in Wördern in der Nähe von Wien geboren. Sein Vater hieß Wenzel Waclawik (1889–1966)Pfarre St. Andrä vor dem Hagenthale, Taufbuch 01/09, 1879–1892, S. 166., abgerufen am 23. August 2026. und stammte aus St. Andrä. Seine Mutter Josefine geb. Petrasch (1897–1965)Pfarre St. Andrä vor dem Hagenthale, Taufbuch 01/10, 1893–1901, S. 102., abgerufen am 23. August 2026. stammte aus Wördern. Die Familie ließ den Nachnamen mit Kurts Geburt 1918 zu Waldheim ändern.Michael John: Skizzen zur Problematik der kulturellen und nacionalen Identität in Österreich 1848–1934. In: Michael John, Oto Luthar (Hrsg.): Un-Verständnis der Kulturen. Multikulturalismus in Mitteleuropa in historischer Perspektive (Wissenschaftliche Bibliothek Österreich-Slowenien, Band 2). Verlag Hermagoras, Klagenfurt/Ljubljana/Wien 1997, ISBN 3-85013-510-1, S. 55–86, hier: S. 80. Er besuchte das Stiftsgymnasium Klosterneuburg. Während dieser Zeit war er 1933 an der Gründung der katholischen österreichischen Mittelschulverbindung Comagena Tulln im Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV) als Gründungsfuchs beteiligt. Von 1937 bis 1938 war er externer Hörer an der Wiener Konsularakademie. Er gehörte der ca. 40 Personen umfassenden Reitergruppe der Konsularakademie an, diese wurde am 18. November 1938 in die SA-Reiterstandarte 5/90 umgewandelt. Waldheim sagte, dies sei als Folge der Machtübernahme automatisch erfolgt. Die Internationale Historikerkommission war der Meinung, dass die im „Gesetz über die Überleitung und Eingliederung von Vereinen, Organisationen und Verbänden“ vom 14. Mai 1938https://alex.onb.ac.at/cgi-content/alex?aid=glo&datum=1938&page=405&size=45 vorgegebene automatische „Überführung und Eingliederung in andere Organisationen“ (§1) aufgrund der geringen Anzahl unwahrscheinlich und daher vermutlich von der Reitergruppe selbst beantragt wurde.James L. Collins Jr., Hans Rudolf Kurz, Jean Vanwelkenhuyzen, Gerald Fleming, Hagen Fleischer, Jehuda L. Wallach, Manfred Messerschmidt: The Waldheim Report, Copenhagen 1993, Seite 33f. Nach seiner Graduierung 1939 an der Konsularakademie begann er das Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Wien. Die Mitgliedschaft im Studentenbund ermöglichte ihm, sein Studium auch während des Krieges fortsetzen und abschließen zu können. Die Mitgliedschaft im NS-Studentenbund (NSDStB) und in der „SA-Reiterstandarte 5/90“ wurden bei seiner Erfassung als Wehrpflichtiger in die Wehrstammkarte eingetragen. Dies konnte Waldheim nicht mehr leugnen, sagte aber, diese Mitgliedschaften nicht selbst beantragt zu haben. Artikel in profil online vom 18. März 2006.

Militärdienst und Zweiter Weltkrieg Waldheim meldete sich nach der Matura 1936 freiwillig zum Bundesheer und wurde bis zum 31. August 1937 zum Reserveoffizier der Kavallerie ausgebildet. Nach dem „Anschluss“ Österreichs wurde er im August 1938 von der deutschen Wehrmacht einberufen und nahm als Soldat des Kavallerie-Regiments 11 des Wehrkreises XVII (Wien) in Stockerau nach der Ratifizierung des Münchner Abkommens an der Besetzung des Sudetenlandes teil. Im Oktober 1938 wurde er ausgemustert.

Am 23. August 1939 wurde Waldheim wieder eingezogen und durchlief zunächst einen Offizierslehrgang an der Kavallerie- und Panzertruppenschule Krampnitz bei Potsdam. Nach dem Überfall auf Polen war er für zwei Jahre in der Aufklärungs-Abteilung 45 der vorwiegend aus Österreichern rekrutierten 45. Infanterie-Division und wurde dort Zugführer. Er nahm am Westfeldzug (Mai und Juni 1940) sowie bis Frühjahr 1941 an der Besetzung Frankreichs teil. Ab Juni 1941 nahm er am Deutsch-Sowjetischen Krieg teil und wurde bei Orjol am Bein schwer verwundet. Hier erhielt er das Eiserne Kreuz II. Klasse und die Ostmedaille. Bis zum 6. März 1942 wurde er nahe Wien gesund gepflegt und dann wieder für dienstfähig erklärt. Am 14. März 1942 wurde er zum Oberkommando der 12. Armee auf dem Balkan versetzt.

Ab dem 22. März 1942 gehörte er in dieser Armee zur Kampfgruppe Bader und diente als Dolmetscher für die italienische 5. Gebirgsdivision (Pusteria) in deren Hauptquartier in Pljevlja, Montenegro. Diese kämpfte damals gemeinsam mit der deutschen 12. Armee gegen jugoslawische Partisanen und war an der Seite der Ustascha bei der Errichtung des Vasallenstaates der Achsenmächte namens „Unabhängiges Kroatien“ (NDH). Am 28. Mai 1942 wurde die Kampfgruppe Bader aufgelöst. Waldheim wurde daraufhin zur Kampfgruppe Westbosnien versetzt und war ab Juni im Hauptquartier in Banja Luka stationiert. In dieser Zeit führte diese Kampfgruppe einen Vergeltungsfeldzug gegen Partisanen. Nach dessen Abschluss, am 22. Juli 1942, erhielt Waldheim vom Ustascha-Regime Kroatiens den Orden der Krone König Zvonimirs in Silber mit Eichenlaub „für tapferes Kämpfen unter feindlichem Feuer“ verliehen.Dietrich Strothmann: Der Mann und seine Schatten. Kurt Waldheim im Wahlkampf und im Rechtfertigungsstreit. In: Die Zeit, Nr. 12/1986.

Zum 28. August 1942 wurde die Kampfgruppe Westbosnien aufgelöst. Waldheim wurde Mitglied im Generalstab der 12. Armee in Arsakli bei Saloniki in Nordgriechenland unter Generaloberst Alexander Löhr. Während eines Studienurlaubs vom 19. November 1942 bis 31. März 1943 wurde er im Dezember 1942 zum Oberleutnant befördert.Karl Gruber, Ralph Scheide, Ferdinand Trauttmansdorff (Hrsg.): Kurt Waldheim’s wartime years. A documentation. Gerold, Wien 1987, ISBN 3-900812-00-4, S. 34. Von April bis Juli 1943 war er Verbindungsoffizier der italienischen 9. Armee bei Tirana in Albanien. Vom 19. Juli bis 4. Oktober 1943 war er erster Offizier („O1“) des Generalstabs für „Spezialaufgaben“ bei Athen. Dorthin hatte der Stab sein Hauptquartier seit Ende Juli 1943 verlegt. Von Oktober 1943 bis April 1945 war Waldheim dritter Ordonnanzoffizier („O3“) in der Abteilung für Feindaufklärung (Ic/AO) des Oberkommandos der 12. Armee, die nun Heeresgruppe E hieß. Am 1. Jänner 1944 erhielt er das Kriegsverdienstkreuz II. Klasse mit Schwertern, am 20. April 1945 die I. Klasse mit Schwertern. In dieser Zeit nahm Waldheim an Stabsbesprechungen teil, erstellte dafür Feindlageberichte und Berichte über Verhöre von Kriegsgefangenen. Außerdem hatte er Kenntnisse von Kriegsverbrechen und Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslagern. Befehlsgewalt besaß er nicht.James L. Collins Jr., Hans Rudolf Kurz, Jean Vanwelkenhuyzen, Gerald Fleming, Hagen Fleischer, Jehuda L. Wallach, Manfred Messerschmidt: , 8. Februar 1988. Auch abgedruckt in: Michael Gehler: Die Affäre Waldheim: Eine Fallstudie zum Umgang mit der NS-Vergangenheit in den späten achtziger Jahren. In: Rolf Steininger, Michael Gehler (Hrsg.): Österreich im 20. Jahrhundert. Ein Studienbuch in zwei Bänden. Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Böhlau, Wien 1997, S. 395–410.

Während eines Studienurlaubs vom 25. Februar bis 16. April 1944 vollendete er seine Dissertation an der Universität Wien mit dem Thema Die Reichsidee bei Konstantin FrantzKatalogzettel Österreichische Nationalbibliothek und promovierte damit zum Doktor der Rechte. Am 19. August 1944 heiratete Waldheim in der Wiener Karlskirche Elisabeth Ritschel. Aus dieser Ehe stammen drei Kinder. Die Tochter Christa ist seit 1987 mit dem ÖVP-Politiker Othmar Karas verheiratet.

Ende April 1945 zog der Generalstab der Heeresgruppe E nach Zagreb um. Zu seinem Aufenthaltsort zum Kriegsende am 8. Mai 1945 machte Waldheim verschiedene Angaben: Er will bei Triest oder bei Villach in Südösterreich gewesen sein. Am 9. Mai 1945 wurde er aus der Wehrmacht entlassen.alle Stationen und Daten der Kriegszeit nach Memoranden und Eigenaussagen Waldheims, zusammengestellt und belegt in: Neal M. Sher und andere: The Matter of Kurt Waldheim (erweiterter Bericht des Office of Special Investigations, US-Justizministerium, vorgelegt 1994, S. 21–27; PDF; 66,0 MB)

Diplomatischer Dienst Von Triest aus kehrte Waldheim am Ende des Krieges nach Kärnten zurück. Kurz nach seiner Rückkehr trat er in den diplomatischen Dienst Österreichs ein. In den Jahren von 1945 bis 1947 nahm er an den Verhandlungen um den österreichischen Staatsvertrag in Paris, London und Moskau teil, dessen Inkraftsetzung dann am 15. Mai 1955 erfolgte.

In seinem Entnazifizierungsverfahren, das er 1946 durchlief, gab Waldheim an, er habe sich bei der SA-Reiterstandarte „nur rein sportlich“ betätigt. Waldheim wurde 1947 Sekretär von Außenminister Karl Gruber. Dem Außenminister war zu dieser Zeit bekannt, dass Waldheim während der NS-Zeit Angehöriger der SA-Reiterstandarte war (Kommentar des Spitzendiplomaten und peniblen Tagebuchschreibers Heinrich Wildner: „Gruber will ihn retten“).Tagebucheintragung von Wildner vom 1. Februar 1947, zitiert in: Florian Gasser: Das unbequeme Tagebuch, in: Wochenzeitung Die Zeit, Hamburg, Nr. 8, 14. Februar 2013, Österreich-Ausgabe, S. 15.

Ab 1948 war er als Botschaftssekretär in Paris tätig und leitete nach seiner Rückkehr als Legationsrat die Personalabteilung des österreichischen Außenministeriums. Mit der Aufnahme Österreichs in die UNO im Jahre 1955 nahm er als Mitglied der österreichischen Delegation an den Generalversammlungen teil. Von 1956 bis 1960 war er Botschafter Österreichs in Kanada. Nachdem er schon von 1955 bis 1956 ständiger Beobachter bei der UNO gewesen war, vertrat er Österreich dort von 1964 bis 1968 und von 1970 bis 1971 als Botschafter. In der Zwischenzeit von 1960 bis 1962 leitete er im Außenministerium in Wien die West-Abteilung und anschließend bis 1964 die politische Abteilung. Im Mai 1965 wurde er nach Franz Matsch (junior) zum zweiten Vorsitzenden des Weltraumausschusses „Outer Space Committee“ (OSC) der UN gewählt.

Außenminister Im Jänner 1968 berief ihn der amtierende österreichische Bundeskanzler Josef Klaus als Außenminister in seine Regierung. In dieser Position setzte er sich mit der schwierigen Problematik zur Südtirol-Frage und den Regelungen der Wirtschaftsbeziehungen Österreichs im gemeinsamen europäischen Markt auseinander. Mit Italien gelang es ihm, ein solides Vertrauensverhältnis zur Regelung der strittigen Fragen aufzubauen. In diesem Zusammenhang war er 1972 an der Durchsetzung des Südtirol-Pakets beteiligt, das der deutschsprachigen Bevölkerung in der italienischen Provinz Südtirol Autonomierechte gewährte. Beim Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die ČSSR in der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 gab Waldheim die Weisung, die Botschaft in Prag zu schließen und keine Flüchtlinge aufzunehmen. Der damalige Botschafter, der spätere Bundespräsident Rudolf Kirchschläger, ignorierte dies jedoch und erteilte Visa an alle Ausreisewilligen.

Da die Parlamentswahl 1970 in Österreich durch die SPÖ gewonnen wurde, schied Kurt Waldheim aus der Position des Außenministers aus. Bereits 1971 kandidierte er selbst bei der Bundespräsidentenwahl. Er unterlag aber bei den Wahlen im April 1971 gegen den Amtsinhaber Franz Jonas mit 47,2 % der Stimmen. Im gleichen Jahr erschien sein erstes Buch Der österreichische Weg. Aus der Isolation in die Neutralität im Molden Verlag in Wien.

UN-Generalsekretär