mini|Nicolas Born in Berlin-Friedenau, ca. 1972 Nicolas Born (* 31. Dezember 1937 in Duisburg; † 7. Dezember 1979 in Breese in der Marsch bei Dannenberg im Landkreis Lüchow-Dannenberg; eigentlich Klaus Jürgen Born) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben

Nicolas Born war der Sohn des Ehepaares Hans-Werner Born, Polizeibeamter in Duisburg, und Helene Born, geborene Wieger, Verkäuferin in Duisburg. Born besuchte die Volksschule in Praest und kurzzeitig das Gymnayium in Emmerich am Rhein.Nicolas Born in: Deutsche Biographie. Abgerufen am 30. Juli 2026. Dann zog die Familie 1949 nach Essen, wo Born weiterhin zur Volksschule ging. Im Anschluss an seine Schulzeit machte er ab 1952 eine Lehre als Chemigraf zur Herstellung von Klischees. In diesem Beruf arbeitete Born bis 1957 in der Klischeeanstalt Vingold sowie bis 1964 in der Krupp'schen Klischeeanstalt, einem Betrieb der Friedrich Krupp AG in Essen.

Im Jahr 1961 heirateten Nicolas Born und Christine Born, geborene Martinc, in Essen. Der Ehe, die 1966 geschieden wurde, entstammt die Tochter Undine Born (* 1962).

Nach ersten Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften wurde Born mit Unterstützung Ernst Meisters 1964/1965 ins Literarische Colloquium geladen, wo er unter anderem an dem Gemeinschaftsroman Das Gästehaus mitschrieb und für Zeitungen Literatur rezensierte. Im sogenannten Lehrgang Prosaschreiben von Walter Höllerer und Hans Werner Richter wollten sich junge, bisher unbekannte Autoren wie etwa Hans Christoph Buch, Hermann Peter Piwitt und Peter Bichsel vor allem von der chiffrierten, metaphernreichen Sprache der 1950er Jahre abwenden.

Born veröffentlichte 1965 mit Der Zweite Tag seinen ersten Roman bei Kiepenheuer & Witsch. 1967 erschien der erste Gedichtband Marktlage.

Im November 1968 heiratete Nicolas Born in Berlin eine zweites Mal. Der Ehe mit der promovierten Kinderärztin Irmgard Born, geborene Masuhr, entstammen die Töchter Rike-Marie Born (* 1970) und Katharina Born (* 1973). Das Ehepaar zog 1968 nach Nürtingen bei Stuttgart, wo Born für den Rundfunk (u. a. Südwestfunk, Westdeutscher Rundfunk, Sender Freies Berlin) arbeitete.

Im September 1969 folgte ein Aufenthalt von einem Jahr in den USA. Hier lernte Born die Autoren aus der Beat Generation kennen, wie Allen Ginsberg und Kenneth Patchen sowie die Autoren der New York School of Poets, wie Frank O’Hara und Kenneth Koch. Born nahm am International Writing Program (IWP)The International Writing Program. Abgerufen am 30. Juli 2026. der University of Iowa teil und kehrte nach dem Erscheinen seines zweiten Gedichtbandes Wo mir der Kopf steht mit neuen Einflüssen der Pop- und Beatlyrik aus Amerika zurück.

mini|Grabstätte in Damnatz Im Rowohlt Verlag erschien 1972 der Gedichtband Das Auge des Entdeckers, in dem Born dem „Wahnsystem Realität“ utopische Glücksmomente gegenüberstellt. Nach seinem Rückzug in das niedersächsische Wendland, wo er sich gegen ein geplantes atomares Endlager und eine Wiederaufarbeitungsanlage engagierte, schrieb Born den Roman Die erdabgewandte Seite der Geschichte. Das Buch erschien 1976, und es wurde von der Kritik weitgehend als ein Ereignis begrüßt. Born nahm im Juni 1977 in Hamburg am Lyrikfestival teil. In seinen biografischen Daten, die im Lyrik-Katalog veröffentlicht sind, bezeichnete er sich als Berufsschriftsteller seit 1965.Jan Hans, Uwe Herms, Ralf Thenior (Herausgeber): Lyrik-Katalog Bundesrepublik. Gedichte, Biographien, Statements. Goldmann, München 1979, S. 540.

Im Jahr 1979 wurde bei Nicolas Born ein Bronchialkarzinom diagnostiziert, an dem er am 7. Dezember 1979 starb. Sein Grab mit einer Skulptur des Bildhauers Klaus Müller-Klug befindet sich in Damnatz (Landkreis Lüchow-Dannenberg).

Rezeption

Borns Roman Die Fälschung, der kurz vor seinem Tod erschien, wurde 1981 von Volker Schlöndorff unter demselben Titel Die Fälschung verfilmt. 25 Jahre nach Borns frühem Tod gab seine Tochter Katharina Born im Herbst 2004 die Gedichte aus dem Nachlass im Wallstein Verlag neu heraus, die in der von der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur herausgegebenen Mainzer Reihe, N.F. erschienen. Der Band gelangte umgehend auf Platz 1 der SWR-Bestenliste. Im Folgejahr wurde der Band als interessanteste Neuerscheinung im Bereich der Lyrik mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet.

Im Juni 2007 ist ebenfalls in der Mainzer Reihe, N.F. im Wallstein Verlag die Ausgabe der Briefe Nicolas Borns erschienen. Sie enthält neben einzelnen Briefen an Günter Grass, Uwe Johnson, Rolf Dieter Brinkmann, Ernst Meister, Alfred Kolleritsch und Dieter Wellershoff auch den bereits in der Literaturzeitschrift Schreibheft erschienenen Briefwechsel mit Peter Handke, den Briefwechsel mit Günter Kunert, Hermann Peter Piwitt, Jürgen Theobaldy und Friedrich Christian Delius. Herausgeberin ist wieder Borns jüngste Tochter Katharina Born, die sich im Namen der Erbengemeinschaft um die Pflege des Nachlasses des Autors kümmert.

Borns Romane und Lyrik wurden der Kölner Schule, der Naturlyrik und der Neuen Innerlichkeit zugeordnet. Durch den ganz eigenen Ton und die starke Entwicklung entzieht sich das Werk aber letztlich jeder Einordnung.

Axel Kahrs legte 1999 zusammen mit Christiane Beyer das Gedenkbuch Der Landvermesser vor, mit dem an den zwanzigsten Todestag des Autors erinnert wurde. Die von Kahrs maßgeblich geleitete „Nicolas-Born-Stiftung“ fördert im wendländischen Schreyahn Literatur und Literaturwissenschaft. Zum Gedächtnis an Nicolas Born wurden zwei Nicolas Born-Preise gestiftet. Der Nachlass ist im Archiv der Akademie der Künste, Berlin, zugänglich. In Dannenberg (Elbe) gibt es eine Nicolas-Born-Schule (Oberschule, Sekundarschule) und eine Nicolas-Born-Bibliothek, die einen weiteren Standort in Hitzacker (Elbe) hat.

Ehrungen und Auszeichnungen

1964: Stipendium „Prosaschreiben“ des Literarischen Colloquiums Berlin 1965: Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Literatur 1969/1970: Fellow des International Writing Program der University of Iowa City, USA Mehrfach Stipendiat des Senats der Berliner Künste 1972: Förderstipendium des Kunstpreises Berlin 1972/1973: Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom 1977: Bremer Literaturpreis 1978/1979: Stadtschreiber von Bergen-Enkheim 1979: Rainer-Maria-Rilke-Preis für Lyrik 2005: Peter-Huchel-Preis (posthum) 2007: Literaturpreis Ruhr (posthum)

Mitgliedschaften

P.E.N.-Zentrum Deutschland Akademie der Wissenschaften und der Literatur (die das Erscheinen des Gedichtbandes von 2004 und des Briefbandes von 2007 maßgeblich mitgefördert hat) Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung Seit 1975: Mitglied der Jury des Petrarca-Preises

Siehe auch Künstlerhof Schreyahn mit Nicolas Born-Archiv

Zitate

Veröffentlichungen Prosa und Gedichte Der zweite Tag. Roman. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1965. Marktlage. Gedichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1967. Wo mir der Kopf steht. Gedichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1970. Das Auge des Entdeckers. Gedichte, mit Zeichnungen von Dieter Masuhr. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1972. Oton und Iton. Abenteuer in der vierten Dimension. Kinderbuch mit Zeichnungen von Dieter Masuhr. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973. mit Friedrich Christian Delius und Volker von Törne: Rezepte für Friedenszeiten. Aufbau, Berlin / Weimar 1973. Die erdabgewandte Seite der Geschichte. Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1976, ISBN 3-499-14370-4. Gedichte 1967–1978. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978. Die Fälschung. Roman. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1979, ISBN 3-499-15291-6, Widmung.Der Roman ist Irmgard Born gewidmet. Nicolas Born. Poesiealbum 167. Verlag Neues Leben, Berlin (Ost) 1981. Täterskizzen. Erzählungen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1982, ISBN 3-498-00481-6. Ein Lied das jeder kennt. Gedichte. Berlin (Ost): Verlag Volk und Welt, 1989. ISBN 3-353-00533-1. Gedichte. Hrsg. von Peter Handke. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1990, ISBN 3-518-22042-X. Gedichte. Kritische Ausgabe, hrsg. von Katharina Born. Wallstein, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-824-8.

Aufsätze, Reden und Briefe Die Welt der Maschine. Aufsätze und Reden, hrsg. von Rolf Haufs. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1980, ISBN 3-498-00462-X. Briefe 1959–1979. Kritische Ausgabe, hrsg. von Katharina Born. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0106-1.

Übersetzungen Wong May: Wannsee-Gedichte. Aus dem Englischen von Nicolas Born. LCB-Editionen, Berlin 1975. Kenneth Koch: Vielen Dank. Gedichte und Spiele. Deutsch von Nicolas Born. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1976.

Herausgeberschaften Rowohlt Literaturmagazin 3: Die Phantasie an die Macht – Literatur als Utopie (1975) Rowohlt Literaturmagazin 6: Die Literatur und die Wissenschaften (1976; zusammen mit Heinz Schlaffer) Rowohlt Literaturmagazin 7: Nachkriegsliteratur (1977; zusammen mit Jürgen Manthey) Rowohlt Literaturmagazin 8: Die Sprache des großen Bruders (1977; zusammen mit Jürgen Manthey) Rowohlt Literaturmagazin 9: Der neue Irrationalismus (1978; zusammen mit Jürgen Manthey und Delf Schmidt) Rowohlt Literaturmagazin 10: Vorbilder (1979; zusammen mit Jürgen Manthey und Delf Schmidt) Rowohlt Literaturmagazin 11: Schreiben oder Literatur (1979; zusammen mit Jürgen Manthey und Delf Schmidt) Rowohlt Literaturmagazin 12, Sonderband: Nietzsche (1980; zusammen mit Jürgen Manthey und Delf Schmidt)

Literatur

Alo Allkemper: Warum sollte ich mich nicht in Widersprüche verwickeln? Nicolas Borns Problem mit der Utopie, In: Zeitschrift für Deutsche Philologie Bd. 103 (1984), S. 576–603. Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Text und Kritik Sonderband: Nicolas Born, April 2006. Jan-Pieter Barbian, Erhard Schütz (Hrsg.): Die "Utopie des Alltäglichen". Nachdenken über Nicolas Born. Wehrhahn Verlag, Hannover 2019, ISBN 978-3-86525-736-9, Inhalt.Inhalt. Abgerufen am 3. August 2026. Christiane Beyer und Axel Kahrs (Hrsg.): Der Landvermesser. Gedenkbuch für Nicolas Born. Zu Klampen Verlag, Lüneburg 1999, ISBN 3-93315645-9. Katharina Born: Flucht aufs Land. Nicolas Borns Jahr in Nürtingen. Marbacher Reihe Spuren (Hrsg.: Thomas Scheufelen). Katharina Born: Schlechte Gesellschaft. Eine Familiengeschichte. Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-23628-8. Jörg Eggerts: Langsam kehrten die Farben zurück. Zur Subjektivität im Romanwerk, im lyrischen und literaturtheoretischen Werk Nicolas Borns. Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-631-38262-6. Matthias Gawlick: Lebensstationen, Schreibanlässe: Zu Nicolas Born. In: Literaturlandschaft Ruhrgebiet. Eine Ausstellung. Hrsg. von der Ruhr-Universität Bochum, Germanistisches Institut. Bochum 1993, S. 61–72. Harald Hartung: Lyrik zwischen Paul Celan und Nicolas Born. Skizze einer Poetik des Gedichts in den 70er Jahren. In: Praxis Deutsch. Zeitschrift für den Deutschunterricht, Sonderheft „Arbeitsbuch Lyrik“ (1981), S. 4–7. Wolfgang Herles: Die (doppelte) Fälschung. Anmerkungen zum Verhältnis zwischen Literatur und Journalismus am Beispiel des Romans von Nicolas Born. In: Erich Huber-Thoma, Ghemela Adler, Fritz Fenzl (Hrsg.): Romantik und Moderne. Neue Beiträge aus Forschung und Lehre. Festschrift für Helmut Motekat. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 1986, S. 213–223 Axel Kahrs: Wendland literarisch. Von Herzog August bis Nicolas Born. Ein Streifzug durch die Literaturgeschichte des Landkreises Lüchow-Dannenberg. Verlag davids drucke, Göttingen 1985. Axel Kahrs (Hrsg.): „unter Freunden“ – Nicolas Born – Leben, Werk und Wirkung. Wallstein Verlag, Göttingen 2017, ISBN 978-3-8353-3118-1. Jörg-Werner Kremp: Inmitten gehen wir nebenher. Nicolas Born: Biographie, Bibliographie, Interpretationen. Verlag für Wissenschaft und Forschung, Stuttgart 1994. Jürgen Lieskounig: Der Kampf um die bedrohte Körperlichkeit. Zur Körperwahrnehmung in Werken von Peter Schneider, Verena Stefan und Nicolas Born. In: Diskussion Deutsch, 19. Jg. (1988). H. 101, S. 279–291.