Maximilian Adolph Otto Siegfried Schmeling (* 28. September 1905 in Klein Luckow; † 2. Februar 2005 in Wenzendorf) war ein deutscher Schwergewichtsboxer und zwischen 1930 und 1932 Schwergewichts-Boxweltmeister. Ein Comeback als Champion gelang ihm, trotz des Sieges 1936 gegen Joe Louis, im entscheidenden zweiten Kampf von 1938 nicht mehr. Er gilt bis heute als einer der populärsten Sportler Deutschlands. mini|Max Schmeling 1983 in Kiel

Biografie Am 28. September 1905 wurde Max Schmeling in Klein Luckow bei Strasburg in der Uckermark als Sohn von Max und Amanda (geb. Fuchs) Schmeling geboren. Er hatte einen jüngeren Bruder (Rudolf, * 1902 oder * 1907)David Pfeifer: Max Schmeling. S. 17. „Als er (der Vater) von der Geburt seines ersten Sohnes erfuhr (Max) …“; Von der Uckermark nach Hollenstedt. In: Welt. 10. Februar 2005, abgerufen am 8. April 2021. Die Lebensstationen von Max Schmeling. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 4. Februar 2005, abgerufen am 24. Februar 2023. und eine jüngere Schwester (Edith, 1913–1927).Zum Tod Max Schmelings: Liebling der Berliner Gesellschaft. In: Mitteldeutsche Zeitung. 7. Februar 2005, abgerufen am 24. Februar 2023.

1906 zog die Familie nach Hamburg, da der Vater als Steuermann bei der Hamburg-Amerika-Linie angestellt war. Zunächst lebten sie im Stadtteil St. Georg. Spätestens ab 1911 wohnten sie in der Lindleystraße 75 in Rothenburgsort.Hamburger Adressbuch 1911. Herrmanns Erben, Hamburg 1911, S. IV/442 (agora.sub.uni-hamburg.de. Abgerufen am 28. Juni 2019). Eingeschult wurde Max in der Volksschule Stresowstraße in Rothenburgsort.Mit dem Lehrer zu Fuß in die Schule. In: abendblatt.de. Hamburger Abendblatt, 17. August 1977, abgerufen am 28. Juni 2019. Als Max Schmeling 13 Jahre alt war, zog die Familie in den Stadtteil Eilbek (in ein Haus in der Hasselbrookstraße 14). Er ging in die naheliegende Jungenschule Ritterstraße und wurde in der Friedenskirche von Pastor Wilhelm Reme konfirmiert. Auf eigenen Wunsch und nachdem die Eltern bei der Schulbehörde interveniert hatten, besuchte er nach kurzer Zeit wieder die Volksschule Rothenburgsort. Im Alter von 14 Jahren begann Schmeling eine kaufmännische Lehre in einer „Annoncen-Spedition“, der Werbeagentur Wilkens (heute Draftfcb Deutschland).

Karriereanfänge Sein Interesse für den Boxsport wurde erstmals 1921 geweckt, als er einen Boxfilm sah. Um das Boxen richtig erlernen zu können, ging Max Schmeling ein Jahr später ins Rheinland, das damalige Zentrum des Boxsports in Deutschland. Schmeling war als Arbeiter in einer Düsseldorfer Brunnenbaufirma beschäftigt. Sein Arbeitgeber versetzte ihn im Jahre 1923 nach Köln-Mülheim, wo Schmeling dem Amateur-Boxverein SC Colonia 06, Vereinswebseite, abgerufen am 29. September 2012 beitrat.

Profikarriere mini|Schmeling mit Joe Jacobs mini|Gedenktafel am Haus Brixplatz 9, in Berlin-Westend

Am 2. August 1924 begann Schmeling mit einem Kampf gegen Hans Czapp in der Tonhalle in Düsseldorf seine Profi-Boxkarriere. Diese führte ihn frühzeitig und mehrmals nach New York – der damaligen Hochburg des Profiboxens. Dort ließ er sich von dem einheimischen Manager Joe Jacobs vertreten. Am 24. August 1926 wurde Schmeling durch einen Sieg gegen Max Diekmann Deutscher Meister im Halbschwergewicht.

1927 errang Max Schmeling seinen ersten großen Titel; im Kampf gegen den Belgier Fernand Delarge in der Dortmunder Westfalenhalle wurde er Europameister. Von seiner Börse kaufte er sich ein Motorrad der Firma Harley-Davidson mit Beiwagen; bei einer Ausfahrt im Juli mit Mutter und Schwester hatte Schmeling einen Unfall, durch den seine Schwester Edith mit 14 Jahren starb.

1928 ging er mit seinem deutschen Manager Arthur Bülow nach New York, „um die Welt zu erobern“. Bülow hatte aber keine Beziehungen, und so bekam Schmeling zunächst keinen Kampf. Das änderte sich erst, als er sich an den Manager „Joe“ (eigentlich Yussel) Jacobs wandte. Dieser war Manager von Ted Moore, einem britischen Boxer, der den 17-jährigen Schmeling 1922 in Hamburg in einem Amateurkampf besiegt hatte. Joe Jacobs, aus der New Yorker East Side stammender Sohn jüdischer Einwanderer aus Ungarn, verstand zwar nichts vom Boxen, aber viel von Publicity: „Du musst jeden Tag in der Zeitung stehen“.

Joe gab Schmeling den Kampfnamen „Der schwarze Ulan vom Rhein“ und beorderte ihn zu Wohltätigkeitsveranstaltungen und zu Sehenswürdigkeiten. Seitdem war immer ein Fotograf dabei, egal was Schmeling tat: Fünf Kämpfe später, am 12. Juni 1930, kämpfte Max Schmeling gegen Jack Sharkey um den vakanten Weltmeistertitel im Schwergewicht. Das war das zweite große Sportereignis, das im Hörfunk direkt übertragen wurde. Nach einem regelwidrigen Tiefschlag seines Gegners in der vierten Runde konnte Schmeling nicht weiterkämpfen, wurde jedoch wegen der Disqualifikation Sharkeys zum Weltmeister erklärt. Bis heute ist Schmeling der einzige Schwergewichts-Weltmeister, der seinen Titel durch eine Disqualifikation seines Gegners erhielt.

Am 3. Juli 1931 verteidigte er seinen Titel durch Technischen K. o. in der 15. Runde gegen den Amerikaner Young Stribling. Am 21. Juni 1932 kam es in New York zum Rückkampf gegen Sharkey. Dem Amerikaner wurde nach 15 Runden der Sieg nach Punkten und damit der WM-Titel zugesprochen.

mini|links|Das Brautpaar Max Schmeling und Anny Ondra 1930 lernte Max Schmeling die deutsch-tschechische Filmschauspielerin Anny Ondra kennen. Diese hatte 1930 mit ihrem Freund Karel Lamač die Ondra-Lamac-Filmgesellschaft in Deutschland gegründet. Am 6. Juli 1933 heirateten Schmeling und Ondra in Bad Saarow. Dort hatte er im selben Jahr das Sommerhaus des vor den Nationalsozialisten ins Exil geflohenen expressionistischen Malers Bruno Krauskopf erworben. Nach ihrer Hochzeit drehte die Stummfilmdiva nur noch wenige Filme.

Am 26. August 1934 besiegte Schmeling Walter Neusel (1907–1964) in Hamburg. Dem Kampf wohnten 100.000 Menschen bei, bis heute die größte Zuschauermenge bei einer Boxveranstaltung in Europa. Organisiert hatte diesen Kampf der Boxpromoter Walter Rothenburg. Der ließ im nächsten Frühjahr für einen Kampf Schmelings gegen den Amerikaner Steve Hamas in 42 Tagen die Hanseatenhalle in Hamburg-Rothenburgsort einrichten.Auf dem Wege zur Weltmeisterschaft. In: Hamburger Nachrichten (Abend-Ausgabe, Zweite Beilage), 11. März 1934, unpag [S. 9], (Ausführlicher Bericht zum Kampf, Digitalisat) Sie war mit 25.000 Plätzen die größte Sporthalle ihrer Zeit, der Madison Square Garden bot nur 20.000 Menschen Platz. Der Sieg Schmelings gegen Hamas ermöglichte Schmeling, wieder in Amerika als Boxer Fuß zu fassen und gegen Joe Louis anzutreten.

Die Nationalsozialisten forderten Schmeling im Jahre 1935 auf, sich von seiner tschechischen Frau sowie seinem jüdischen Manager Joe Jacobs in Amerika zu trennen und sich von seinen jüdischen Freunden zu distanzieren. Er wies die Forderungen zurück. Wegen der Nürnberger Gesetze und des in Deutschland herrschenden Antisemitismus erwog das amerikanische Olympische Komitee, die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin zu boykottieren. Als international bekanntester deutscher Sportler war Schmeling ein Teil der vom Propagandaministerium organisierten Kampagne, die Amerikaner von der Teilnahme zu überzeugen.Arnd Krüger: Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung. Ihre außenpolitische Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der USA (= Sportwissenschaftliche Arbeiten, Bd. 7). Bartels & Wernitz, Berlin 1972 Später bezeichnete Schmeling diese Fürsprache als „grenzenlose Naivität“.

Schmelings berühmtester Kampf ging allerdings nicht um eine Weltmeisterschaft. Am 19. Juni 1936 kämpfte er in New York gegen den „Braunen Bomber“ Joe Louis, der damals als unschlagbar galt, aber noch nicht Weltmeister war (27 Kämpfe, 27 Siege). Schmeling analysierte Filme seines Gegners und fand einen Schwachpunkt: Louis ließ nach dem Schlag seine Linke fallen, was Platz für einen Konter bot. In einem Interview nach seinen Chancen befragt, ließ er wissen: – ein Satz, der im US-Boxsport zum geflügelten Wort wurde.Holger Schück: „Das Herz eines Boxers“ – Zum Tode der deutschen Boxsport-Legende Max Schmeling. DeutschlandRadio Berlin; 6. Februar 2005 – 30’00 Sendezeiteastsideboxing In dem im Radio auch nach Deutschland direkt übertragenen Kampf überraschte Schmeling die Boxwelt, indem er Louis schon früh hart treffen konnte und ihn dann durch K. o. in der 12. Runde besiegte. Dieses Ergebnis war auch ohne WM-Titel aus deutscher Sicht die bis dahin größte Überraschung im Boxsport und wurde von der NS-Propaganda politisch missbraucht als „Beweis für die Überlegenheit der arischen Rasse“. In den Kinos wurde auf Weisung Hitlers der Kampf unter dem Titel Max Schmelings Sieg – ein deutscher Sieg vorgeführt. Schmeling nahm an der Uraufführung und an allen Vorstellungen des Films im Dresdner Prinzeß-Theater persönlich teil und ließ sich feiern.Tausende erwarten Schmeling. In: Dresdner Neueste Nachrichten vom 9. Juli 1936, S. 4.

mini|Max Schmeling 1930 Durch den Sieg über Joe Louis war Max Schmeling zum Herausforderer des amtierenden Weltmeisters Jim Braddock avanciert. Da Braddock als eher schwacher „Zufallsweltmeister“ galt, standen Schmelings Chancen gut, als erster Boxer das „ungeschriebene Gesetz“ They never come back zu brechen, wonach ein geschlagener Schwergewichtsweltmeister nie seinen Titel zurückgewinnen könne. Der Titelkampf war für Juli 1937 angesetzt. Zum Wiegen erschien Jimmy Braddock dann allerdings nicht, weshalb ihn die New Yorker Boxkommission mit einer Strafe von 1000 US-Dollar belegte. Der wahre Hintergrund für das Fernbleiben wurde wenig später offenbar: Braddock hatte längst einen Vertrag über einen Titelkampf mit Joe Louis unterschrieben. Eine geheime Zusatzklausel sicherte ihm für die Dauer von zehn Jahren aus allen Einkünften seines Gegners eine Provision von zehn Prozent. Erwartungsgemäß siegte Joe Louis über Braddock und verteidigte anschließend seinen Titel 25-mal.

Im Juni 1938 bekam Schmeling – erneut in New York – die zweite Chance, Weltmeister zu werden, da Joe Louis einen Rückkampf gegen den einzigen Mann anstrebte, der ihn geschlagen hatte. Schmeling wurde dabei sowohl von deutscher als auch von internationaler Seite als Vertreter des inzwischen zunehmend etablierten NS-Regimes gesehen. Schmeling selbst hatte zumindest nach eigener Aussage stets Distanz zur NS-Ideologie gewahrt. Er hatte außerdem während der Novemberpogrome 1938 zwei Juden in seinem Hotelzimmer Unterschlupf gewährt und den Schwergewichtsboxer Heinz Lazek durch seine Beziehungen vor der Verhaftung wegen sogenannter „Rassenschande“ bewahrt,Interview mit einem der beiden Geretteten: Max ist ganz tief in unseren Herzen. In: Welt am Sonntag vom 5. Dezember 2004. (Am 9. Nov. 1938 bat der Vater von Henri J. und Werner Lewin (15 und 16 J.) David Lewin den mit ihm befreundeten Max Schmeling um Hilfe für seine Söhne. Schmeling holte sie für drei Tage in seine Suite im Hotel Excelsior und brachte sie danach mitten in der Nacht mit seinem Auto vorbei an Uniformierten zu ihrem Vater zurück. Vier Tage danach konnte die Familie nach Shanghai emigrieren. Der Artikel enthält auch einen Bericht von der Dankesfeier 1989 in Las Vegas. Text: Jessica Almond; abgerufen am 2. Feb. 2015.)Martin Krauß: Schmeling-Nachruf: Boxer, Legende, Menschenfreund. Spiegel Online am 4. Februar 2005, abgerufen am 21. März 2013. was dem Kampf eine äußerst brisante politische Dimension verlieh. Diesmal beging Louis nicht mehr den Fehler der tiefliegenden, linken Hand, schlug lange Geraden zu Schmelings Kopf und trieb ihn gleich zu Beginn der Runde zurück. Nach rund einer Minute landete Louis einen Treffer auf Schmelings linke Niere, kurz darauf weitere entscheidende Kopftreffer. Schmeling ging mehrmals zu Boden, stand jedoch immer wieder auf, bevor der Kampf schließlich durch die Intervention von Schmelings Trainer Max Machon abgebrochen wurde. Louis gewann souverän in der ersten Runde. Dies war Schmelings letzter Boxkampf in den USA.