Hakenfelde ist ein Berliner Ortsteil des Bezirks Spandau im Nordwesten der Stadt.

Geographie Hakenfelde liegt im Naturraum der Zehdenick-Spandauer Havelniederung. Es grenzt im Süden und Südwesten (Radelandstraße – Hohenzollernring – Neuendorfer Straße bis zum Quartier Schultheiss)berlin.de an die Ortsteile Falkenhagener Feld und Spandau. Im Osten (einschließlich Eiswerder und Kleiner Wall) wird er durch die Havel von den Ortsteilen Haselhorst und Konradshöhe und dessen Ortslage Tegelort sowie dem Ortsteil Tegel begrenzt. Im Norden und Westen bildet Hakenfelde die Berliner Stadtgrenze zum Land Brandenburg und berührt die Stadt Hennigsdorf (Landkreis Oberhavel) sowie die Gemeinde Schönwalde-Glien und die Stadt Falkensee (Landkreis Havelland). Hakenfelde ist flächenmäßig der größte Ortsteil des Bezirks Spandau.

Geschichte Der Name Hakenfelde ist abgeleitet von einer 1730 am Stadtrand von Spandau erbauten Meierei, die nach ihrem Erbauer und Besitzer, dem Kaufmann Johann Ludwig Haake (auch: Haacke), benannt wurde. Anstelle der Meierei stand hier später das Schlösschen der ab 1853 zu Gastspielen in Berlin weilenden Tänzerin Pepita de Oliva. Die Künstlerin gab dem Pepitamuster ihren Namen. In der Nähe von ihrem früheren Wohnort an der Mertensstraße und Goltzstraße trägt ein größerer Mietwohnungsbaukomplex mit 1024 Wohneinheiten den Namen Pepitahöfe. Die Stichstraße in dem Neubaugebiet trägt seit dem 1. Mai 2018 den Namen Pepitapromenade. Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts war die Schreibweise des Ortsteils Hackenfelde. alt-berlin.info

Um die Wende zum 20. Jahrhundert stand etwas entfernt das beliebte Vergnügungslokal Karlslust. Am 8. Februar 1947 kam es dort zu einer der größten Berliner Brandkatastrophen, dem Karlslust-Tanzhallenbrand. 80 junge Menschen starben und über 150 wurden schwer verletzt, als das Lokal während einer Karneval-Kostüm-Tanzveranstaltung gegen 22:45 Uhr zu brennen begann. Wegen der großen Kälte wollten die über 1000 Besucher ihre Mäntel von der Garderobe holen, was zu einer Massenpanik führte. Die meisten Toten waren Mitglieder des Spandauer Sportvereins.

Hakenfelde war ab etwa 1880 auch der Name einer Straße, die den Spandauer Forst von den davor liegenden Feldern trennte. Diese Straße heißt seit 1953 Hakenfelder Straße.

Ab 1934 kam es in der evangelischen Luthergemeinde, zu der Hakenfelde damals gehörte, zu heftigen Richtungskämpfen zwischen Christen der Bekennenden Kirche und Deutschen Christen. Im April 1933 war auf Beschluss des Gemeindekirchenrates vor der Wichernkapelle aus Anlass des Führergeburtstags eine Hitler-Eiche geweiht worden, die in den Folgejahren regelmäßig zum Ort für nationalsozialistische Propaganda-Veranstaltungen wurde, auch im Zusammenhang mit Gottesdiensten. Der Pfarrer der Deutschen Christen, Johannes Rehse, hielt Deutsche Konfirmationsfeiern und Jahresabschluss­gottesdienste mit nationalsozialistischem Gepräge, die mit der Agende von evangelischen Gottesdiensten wenig Übereinstimmungen hatten. Eine starke Gruppe von etwa 150 Gemeindegliedern stand hinter dem Bekenntnispfarrer Hermann Bunke. Zum 1. Januar 1937 erhob die Kirchenbehörde den Wichernbezirk zu einer selbstständigen Kirchengemeinde und ernannte Hermann Bunke zum alleinigen Gemeindepfarrer. Johannes Rehse versuchte weiterhin, durch Eingaben und Unterlaufen von Beschlüssen Feiern in der Wichernkirche durchzusetzen, was ihm mehrmals gelang. Nach dem Ende der NS-Zeit verließ Rehse Berlin. Hermann Bunke, der während der Inhaftierung von Superintendent Martin Albertz ab 1942 zusammen mit dem Kirchenältesten Friedrich die Spandauer Kreissynode der Bekennenden Kirche leitete, blieb bis zu seiner Pensionierung 1956 Pfarrer der Wicherngemeinde.Peter Noss: Berlin-Spandau – Wichernkapelle. In: Olaf Kühl-Freudenstein, Peter Noss, Claus P. Wagener (Hrsg.): Kirchenkampf in Berlin 1932–1945. 42 Stadtgeschichten. Berlin 1999, S. 482–488. Hans-Rainer Sandvoß: „Es wird gebeten, die Gottesdienste zu überwachen …“ Religionsgemeinschaften in Berlin zwischen Anpassung, Selbstbehauptung und Widerstand von 1933 bis 1945. Lukas Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-86732-184-6, S. 94.

Bevölkerung Jahr Einwohner 2007 26.228 2010 26.657 2015 28.121 2020 31.327 2021 31.600 2022 33.111 Jahr Einwohner 2023 34.319 2024 34.927 2025 35.923

Quelle: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)

Sehenswürdigkeiten Nahezu zwei Drittel des Ortsteils Hakenfelde macht der Spandauer Forst aus, ein vielbesuchtes Naherholungsgebiet mit Wildgehege, Spazier- und Radwegen wie dem Berliner Mauerweg, dem Radweg Berlin–Kopenhagen und dem Havelradweg. Mit seinen beiden Forstrevieren Hakenfelde und Radeland reicht er vom Westufer der Havel bis zum Stadtrand im Norden und Westen. Im Spandauer Forst liegen die Naturschutzgebiete Teufelsbruch, Großer und Kleiner Rohrpfuhl, die Kuhlake mit den Versickerungsteichen. Von 120 der in Berlin vorkommenden Vogelarten leben hier rund 90.

Im nordwestlichsten Zipfel von Hakenfelde liegt die Ortslage Eiskeller. Es ist eine besondere Kälteregion, die Überlieferungen zufolge in früherer Zeit als Lagerungsort von Eis aus dem nahe gelegenen Falkenhagener See (heute im Stadtgebiet von Falkensee) gedient haben soll.Claudia Fuchs: Berlins Nordpol. In: Berliner Zeitung, 22. Dezember 2001. Derzeit werden dort in einer Wettermessstation meteorologische Daten erhoben. Während der Teilung Deutschlands war Eiskeller eine West-Berliner Enklave in der DDR.

mini|Exklave Erlengrund, 1974

Eine ähnliche Besonderheit stellten von 1961 bis 1988 die im Nordosten von Hakenfelde direkt an der Havel gelegenen ehemaligen Exklaven Fichtewiese und Erlengrund dar. Diese wurden zu DDR-Zeiten von West-Berliner Bürgern als Gartenkolonie genutzt. Die Exklave Erlengrund ließ sich nur per Boot aus dem gegenüberliegenden Berliner Ortsteil Konradshöhe erreichen, die Exklave Fichtewiese bis zu einem Gebietsaustausch am 1. Juli 1988 nur durch ein Tor im Grenzzaun. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

mini|links|Stiftskirche des Evangelischen Johannesstifts

In den Jahren 1907–1910 wurde am Rande des Spandauer Forstes das Evangelische Johannesstift errichtet. Bereits 1858 war es von Johann Hinrich Wichern gegründet und am Tegeler Forst in Plötzensee gebaut worden. Dort musste es jedoch dem Ausbau des Westhafens weichen und wurde mit Stiftskirche, Behinderteneinrichtungen, Seniorenheimen, einem Krankenhaus und zwei Schulen hierher verlegt. Die Havelländische Eisenbahn richtete an der heute stillgelegten Bötzowbahn nach Hennigsdorf den Bahnhof Berlin-Spandau Johannesstift ein; der Name Bahnhof Hakenfelde ließ sich hierfür nicht durchsetzen.Verein der Gartenfreunde Spandau-Hakenfelde 1926 e. V. (Hrsg.): Festschrift 1916–2006. Berlin 2006, S. 95 f.

Östlich des Geländes des Johannesstiftes ist zwischen 1914 und etwa 1940 die Waldsiedlung Hakenfelde entstanden. Ihr ältester Kern steht seit 1986 unter Denkmalschutz.

Zwischen der Waldsiedlung und der Niederneuendorfer Allee liegt die Justizvollzugsanstalt Hakenfelde. 1978 als Nebenanstalt der JVA Düppel gegründet, ist sie seit 1991 eine selbstständige Anstalt. Nach einer Umbauphase konnte 1998 in neuen Gebäuden der Vollzugsdienst fortgesetzt werden mit 248 Einzelhaftplätzen (zuzüglich 170 Plätze in der Nebenanstalt Kisselnallee) – als moderne „Selbststelleranstalt des offenen Vollzugs“. Bekannte Häftlinge waren die ehemaligen DDR-Politiker Egon Krenz, Günter Schabowski und Heinz Keßler sowie der Schauspieler Karsten Speck, der Profi-Boxer Graciano Rocchigiani und der Skandalschiedsrichter Robert Hoyzer. Auf der gegenüberliegenden Seite der Niederneuendorfer Allee liegt der 1912 erbaute Schützenhof. Es ersetzte das vorherige Schützenhaus von 1703, das an der Neuendorfer Straße lag und an das die dortige Schützenstraße noch erinnert. Das Haus gehört der Schützengilde zu Spandau Korp. 1334, die zu den ältesten Schützenvereinen Deutschlands zählt (bei 12.400 Gilden steht sie vom Alter her an 14. Stelle).

Hinter dem Schützenhof erstreckt sich bis hin zur Havel in einem Naturschutzgebiet die Wohnsiedlung Hakenfelde mit zahlreichen freistehenden Häusern, die ab 1944 gebaut wurden.

mini|Abrissstelle des einstigen Kraftwerks Oberhavel

Einige hundert Meter nördlich des Schützenhofes lag früher das Kraftwerk Oberhavel. 1914 ging das städtische Kreiskraftwerk ans Stromnetz. Oft gab es Beschwerden von Anwohnern aus Hakenfelde, aber auch aus Heiligensee und Tegelort wegen Lärmbelästigung durch die Kohleförderung aus dem Kran und lästigen Geräuschen der Kühlluft-Generatoren. Es konnte Abhilfe geschaffen werden. 1959 wurde das Kraftwerk erheblich ausgebaut. Sein Schornstein erreichte eine Höhe von 120 m. 1976 wurde die Errichtung eines neuen Kraftwerkes inmitten des Spandauer Stadtforstes (Standort: Oberjägerweg) angekündigt. Es gab erhebliche Proteste seitens der Bürger, die auch gerichtliche Klagen gegen das Projekt nicht scheuten und schließlich den Bau verhinderten. Stattdessen kam es zum Bau des Kraftwerkes Reuter West im Spandauer Industriegebiet an der Spree. Nach dem Mauerfall im Jahr 1989 verlor das Kohlekraftwerk an Bedeutung. Seit Februar 2002 ist der Betrieb völlig eingestellt worden. 2005 begann der Abriss und war 2009 abgeschlossen. Das Grundstück wurde vom Betreiber Vattenfall an einen Investor veräußert.

mini|Spandauer-See-Brücke über die Havel zwischen Hakenfelde und Haselhorst

Ende des 20. Jahrhunderts entstanden am Westufer der Havel mehrere Quartiere, die zusammen mit Gebieten im Ortsteil Haselhorst am Ostufer die Wasserstadt Oberhavel mit 12.000 neuen Wohnungen bilden sollten. Anlässlich der 800-Jahr-Feier Spandaus im Jahr 1997 wurde der Teil der Havel zwischen Zitadelle und Tegeler See Spandauer See genannt. Die „Taufe“ erfolgte vom Deck des Fahrgastschiffes Deutschland, die am Wröhmännerpark vor Anker lag. Der imposante Bau der Spandauer-See-Brücke ist lebendiger Beweis dieses Ereignisses. Im Quartier Havelspitze der Wasserstadt unweit der zweiten Havelüberquerung mit dem Namen Wasserstadtbrücke aus dem Jahr 2000 liegt nun auch– an der Hugo-Cassirer-Straße – das Bürgeramt Wasserstadt. Zudem wurde der angrenzende Nordhafen Spandau rückgebaut. Am Südufer entstanden Reihenhäuser und komfortable Stadtvillen, am Nordufer als Teil des Maselakeparks eine gestufte Uferpromenade.

Am Nordufer des Aalemannkanals wurde zwischen 1994 und 1997 das moderne Wohnquartier Aalemannufer mit 536 Wohnungen erbaut. Im Gegensatz zur Wasserstadt, die nach Ansicht von Stadtplanern zu hoch und zu dicht bebaut sei, wurde das Quartier Aalemannufer gezielt individueller und kleinmaßstäblicher konzipiert.Lothar Münner: Kleine Mustersiedlung am Aalemannufer. In: Berliner Zeitung, 28. Mai 1997.

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An der Streitstraße liegen die von 1938 bis 1942 nach Plänen von Hans Hertlein errichteten Gebäude des ehemaligen Luftfahrtgerätewerks von Siemens & Halske (LGW Hakenfelde), das vor 2000 als Schule genutzt wurde. Heute beherbergen die Bauten des nach dem Lyriker Hans Carossa benannten Carossa-Quartiers u. a. zahlreiche Ladengeschäfte, Arztpraxen sowie das Schul- und das Sportamt des Bezirks Berlin-Spandau.