Sir Andrew Barron „Andy“ Murray, OBE (* 15. Mai 1987 in Glasgow) ist ein ehemaliger britischer Tennisspieler aus Schottland.
Er war 41 Wochen lang Führender der Weltrangliste. Diese Position erreichte er erstmals am 7. November 2016. In seiner Karriere gewann Murray 46 Titel im Einzel sowie zwei Titel im Doppel. Seine größten Erfolge waren dabei der Gewinn der US Open 2012, der Wimbledon Championships 2013 und 2016, der ATP World Tour Finals 2016 sowie der Goldmedaillen bei den Olympischen Sommerspielen 2012 und 2016 jeweils im Einzel. Damit ist Murray der erste Tennisspieler, der zweimal in Folge Olympiagold im Einzel gewann. Außerdem spielte er die Hauptrolle beim Gewinn des Davis Cups 2015.
Von 2024 bis Mitte 2025 war er als Trainer von Novak Đoković tätig.
Leben mini|links|hochkant|Andy Murray (rechts) gemeinsam mit seinem Bruder Jamie (2011) Andy Murray wuchs im schottischen Dunblane zusammen mit seinem ein Jahr älteren Bruder James („Jamie“) auf. Seine Eltern trennten sich, als er noch ein Kind war. Murray besuchte die örtliche Grundschule, an der er im März 1996 ein Schulmassaker miterlebte, bei dem ein 43-jähriger Mann 16 Erstklässler und eine Lehrerin erschoss. Er habe mehrere Jahre gebraucht, so Murray, um das Ereignis zu verarbeiten.
Bereits im Alter von drei Jahren wurde Murray an den Tennissport herangeführt. Seine Mutter Judy, Tochter des schottischen Profi-Fußballers Roy Erskine (Hibernian) und spätere Teamchefin der britischen Fed-Cup-Mannschaft, war selbst Tennistrainerin für den schottischen Verband und begleitete anfangs die Karriere ihres Sohnes. Bis zu seinem elften Lebensjahr spielte Murray auch Fußball. Später eröffneten die Eltern dem angehenden Profi-Tennisspieler Trainingsmöglichkeiten in Spanien. Sein Bruder Jamie wurde ebenfalls Tennisprofi, in erster Linie trat dieser aber als Doppelspieler in Erscheinung. Die beiden Brüder spielten am Anfang ihrer Karriere zusammen Doppel und gewannen zwei Titel.
2008 veröffentlichte er unter dem Titel Hitting Back (dt.: „Zurückschlagen“) seine Autobiografie.
Murray ist seit dem 11. April 2015 mit der gleichaltrigen Kim Sears, der Tochter des englischen Tennistrainers Nigel Sears, verheiratet. Beide waren seit ihrer Jugend eng befreundet und leben zusammen auf einem Anwesen in Surrey. Sie sind Eltern dreier Töchter und eines Sohnes.
2013 wurde Murray wegen seiner Verdienste um den Tennissport zum Officer of the Most Excellent Order of the British Empire (OBE) ernannt. 2017 wurde er wegen seiner Verdienste um den Tennissport als Knight Bachelor in den Adelsstand erhoben.
Karriere 2004 gewann Murray die US Open bei den Junioren, 2005 wurde er Profi. Im selben Jahr gab er sein Debüt für die britische Davis-Cup-Mannschaft.
2006–2008 2006 gewann Murray das ATP-Turnier in San José, wo er im Finale Lleyton Hewitt bezwang. Im selben Jahr erreichte er in Wimbledon unter anderem mit einem Sieg gegen den zweimaligen Finalisten Andy Roddick erstmals das Achtelfinale. Dort unterlag er in drei Sätzen dem Zyprioten Marcos Baghdatis. Beim Masters von Cincinnati bezwang er in der zweiten Runde den Weltranglistenersten Roger Federer mit 7:5 und 6:4, er war damit der einzige Spieler in dieser Saison, der Federer vor dem Finale bezwingen konnte. Bei den US Open erreichte er das Achtelfinale.
Bei den Qatar Open erreichte Murray 2007 das Finale, in dem er Ivan Ljubičić unterlag. Am 18. Februar 2007 gewann er den zweiten Titel seiner Karriere. Er verteidigte den 2006 gewonnenen Titel von San José mit einem Finalsieg über Ivo Karlović (6:7, 6:4, 7:6). Im Mai verletzte sich Murray am Handgelenk.
In seinem ersten Turnier nach der verletzungsbedingten Pause schied er beim Canada Masters in Montreal in Runde zwei mit 2:6, 2:6 gegen Fabio Fognini aus. Im selben Jahr beendete Murray die Zusammenarbeit mit seinem Coach Brad Gilbert. Am Saisonende 2007 war er Weltranglistenelfter.
2008 gewann Murray das Turnier in Dubai. Er besiegte im Finale Stan Wawrinka mit 6:4, 4:6 und 6:2. Seinen fünften Titel holte er in Marseille, wo er das Finale gegen Mario Ančić mit 6:3, 6:4 gewann. Ab diesem Jahr betreute ihn Miles Maclagan. Auch sein erstes Turnier der ATP Masters Series in Cincinnati konnte Murray gewinnen. Im Endspiel besiegte er Novak Đoković mit 7:6 und 7:6.
Murray vertrat Großbritannien bei den Olympischen Spielen in Peking, wo er im Herreneinzel in der ersten Runde gegen Lu Yen-hsun ausschied. In der Doppelkonkurrenz gewann er an der Seite seines Bruders Jamie die Auftaktrunde gegen die Kanadier Daniel Nestor und Frédéric Niemeyer. Im Achtelfinale unterlagen sie Arnaud Clément und Michaël Llodra aus Frankreich deutlich mit 1:6 und 3:6.
Im September erreichte er zum ersten Mal das Finale eines Grand-Slam-Turniers. Bei den US Open besiegte er im Halbfinale den Weltranglistenersten Rafael Nadal mit 6:2, 7:6, 4:6 und 6:4. Das Finale verlor er gegen Roger Federer glatt mit 2:6, 5:7 und 2:6. Nach dem Turnier von Cincinnati war Madrid die nächste Station der Masters Series. Auch dieses schloss Murray erfolgreich ab; den zweiten Titel in Folge sicherte er sich gegen den ungesetzten Franzosen Gilles Simon, den er mit 6:4 und 7:6 besiegte. Auch das folgende Turnier in Sankt Petersburg gewann er und holte sich damit seinen achten ATP-Titel. Das Jahr schloss er auf Rang 4 der Weltrangliste ab.
2009–2011 mini|Murray 2009 bei den French Open Beim Turnier in Doha verteidigte Murray 2009 seinen Titel. Im Halbfinale besiegte er Federer, im Finale triumphierte er über Andy Roddick.
Bei den Australian Open scheiterte er als Mitfavorit im Achtelfinale überraschend an Fernando Verdasco. Beim anschließenden Masters in Indian Wells unterlag er im Finale dem Weltranglistenersten Nadal, nachdem er im Halbfinale Federer geschlagen hatte. Das Miami Masters konnte er wiederum gewinnen, im Finale schlug er Đoković. Durch den Sieg beim Kanada Masters stand er am 17. August 2009 erstmals auf Platz zwei der Weltrangliste.
Bei den Australian Open erreichte Murray 2010 erstmals das Endspiel; er verlor es in drei Sätzen gegen Federer. In Wimbledon erreichte er zum zweiten Mal in Folge das Halbfinale, er scheiterte in drei Sätzen am späteren Titelgewinner Nadal. Im weiteren Jahresverlauf gewann Murray die Masters in Kanada und Shanghai, bei denen er jeweils Federer im Finale in zwei Sätzen besiegte.
mini|2011 bei den Australian Open Bei den Australian Open 2011 erreichte Murray zum zweiten Mal nach 2010 das Finale; dort verlor er in drei Sätzen gegen Novak Đoković. Dieser Finalniederlage folgten drei Erstrundenniederlagen in Folge bei den Turnieren in Rotterdam, Indian Wells und Miami. Daraufhin trennte sich Murray von seinem Trainer Àlex Corretja, der ihn seit April 2008 betreut hatte. Bei den Masters-Turnieren in Monte Carlo und Rom erreichte Murray jeweils das Halbfinale. Während er in Monte Carlo in drei Sätzen am späteren Turniersieger Nadal scheiterte, war Murray in Rom nur zwei Punkte von einem Triumph über Đoković entfernt, was für diesen die erste Saisonniederlage bedeutet hätte. Schlussendlich gewann der spätere Turniersieger Đoković das Match im Tie-Break des dritten Satzes. Bei den ATP World Tour Finals gab er aufgrund einer Verletzung im Adduktorenbereich während der Gruppenphase auf, nachdem er sein erstes Match gegen David Ferrer verloren hatte. Von Anfang 2012 bis 2014 wurde Murray vom ehemaligen Weltklassespieler Ivan Lendl betreut. Das Jahr beendete Murray wie seit 2008 jedes Jahr auf dem vierten Ranglistenplatz.
2012: Olympiasieg und erster Grand-Slam-Titel Anfang Januar 2012 gewann Murray das ATP-Turnier von Brisbane. Bei den folgenden Australian Open gelangte er bis ins Halbfinale, wo er jedoch trotz einer 2:1-Führung nach Sätzen wie im Vorjahr dem späteren Sieger Đoković unterlag. Nach Finalniederlagen bei den Dubai Duty Free Tennis Championships (März) und dem Miami Masters (April) jeweils in zwei Sätzen gegen Federer und Đoković erreichte Murray bei den French Open das Viertelfinale, wo er dem schwächer eingestuften David Ferrer in vier Sätzen unterlag.
Anfang Juli zog Murray in Wimbledon nach Siegen über Ferrer und Jo-Wilfried Tsonga ins Finale ein. Dort traf der seit den French Open 2011 stets bei Grand-Slam-Turnieren hinter Đoković, Nadal und Federer auf Platz vier Gesetzte auf Roger Federer. Es war Murrays erster Finaleinzug, nachdem er von 2009 bis 2011 jeweils im Halbfinale von Wimbledon gescheitert war. Gleichzeitig war er der erste britische Finalteilnehmer im Einzel seit Henry „Bunny“ Austin im Jahr 1938. Nach einer 1:0-Satzführung unterlag Murray Federer in vier Sätzen.
Wenige Wochen nach dem verlorenen Finale gewann Murray das in Wimbledon ausgetragene Endspiel des olympischen Tennisturniers, in dem er erneut auf Federer traf. Er besiegte als Setzlistendritter (Nadal fehlte wegen einer Verletzung) den Schweizer mit 6:2, 6:1 und 6:4; im Halbfinale hatte Murray Đoković in zwei Sätzen (7:5, 7:5) besiegt. In der Doppelkonkurrenz schied Murray bereits in der Auftaktrunde aus, er trat dort mit seinem Bruder an. Im Mixed startete er dank einer Wildcard mit Laura Robson, mit der er das Finale erreichte. Gegen Wiktoryja Asaranka und Maks Mirny unterlagen sie in drei Sätzen und gewannen damit die Silbermedaille.
Bei den folgenden US Open gelang Murray sein erster Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier. Im Finale bezwang er Novak Đoković in fünf Sätzen. Es war der erste Grand-Slam-Erfolg eines britischen Tennisspielers seit dem US-Open-Sieg von Fred Perry im Jahr 1936. Gleichzeitig egalisierte er mit 4:54 Stunden den Rekord des bis dahin längsten US-Open-Herren-Endspiels von 1988.
2013: Sieg in Wimbledon Murray begann die Saison 2013 beim Turnier in Brisbane. Mit dem Finalsieg gegen Grigor Dimitrow verteidigte er seinen Titel aus dem Vorjahr. Bei den Australian Open erreichte er zum dritten Mal das Finale und verlor dort in vier Sätzen gegen den Weltranglistenersten Đoković. Einen weiteren Titel erspielte sich Murray beim Masters in Miami, bei dem er im Finale Ferrer in drei Sätzen besiegte. An seinem 26. Geburtstag gab er das Zweitrundenspiel gegen Marcel Granollers beim Rom Masters aufgrund einer Hüftverletzung auf. Aufgrund von Rückenproblemen verzichtete er auch auf die Teilnahme an den French Open. Er kehrte aber bereits am 10. Juni zu den AEGON Championships im Londoner Queen’s Club zurück und gewann das Turnier. Im Endspiel bezwang er Marin Čilić in drei Sätzen. Am 7. Juli 2013 gewann Murray in Wimbledon das Einzelfinale gegen Novak Đoković in drei Sätzen. Er war damit der erste Brite seit Fred Perry 1936, dem dies gelungen war. Bei den US Open erreichte Murray das Viertelfinale, wo er an Stan Wawrinka scheiterte. Direkt nach der Playoff-Partie gegen Kroatien im Davis Cup im September 2013 unterzog er sich wegen anhaltender Verletzungsprobleme einer Rückenoperation. Die Saison war damit vorzeitig beendet. Ende des Jahres wurde er zum Sportler des Jahres in Großbritannien gekürt.
2014 Murray verpflichtete im Frühjahr 2014 Amélie Mauresmo als Trainerin. Bereits in Doha stieg er in die Saison 2014 ein. Bei den Australian Open schied er im Viertelfinale gegen Federer aus. Im Anschluss stand er bei verschiedenen Turnieren der ATP World Tour 500 und Masters Series im Achtel- oder Viertelfinale, in Acapulco erreichte er das Halbfinale. Dies gelang ihm auch bei den French Open, bei denen er Nadal in der Vorschlussrunde klar in drei Sätzen unterlag. In Wimbledon endete die Titelverteidigung im Viertelfinale, als Murray glatt in drei Sätzen gegen Grigor Dimitrow verlor. Bei den Masters-Turnieren von Toronto und Cincinnati zog er ebenfalls jeweils ins Viertelfinale ein, wie auch im Anschluss bei den US Open. Danach fiel er auf Rang 11 der Weltrangliste zurück und stand damit erstmals seit Juni 2008 nicht mehr in den Top Ten.
2015: Davis-Cup-Sieg