Der Fußball-Club Kilia Kiel von 1902 e. V. ist ein Fußballverein aus Kiel, dessen erste Herrenmannschaft in der Saison 2023/24 der viertklassigen Regionalliga Nord angehört. Kilia gehörte für mehrere Jahrzehnte zu den stärksten Mannschaften der preußischen Provinz Schleswig-Holstein und war insbesondere in den 1920er-Jahren erfolgreich. Zu dieser Zeit errangen die Kieler mehrere Staffelmeisterschaften und erreichten bei ihren Teilnahmen an der Norddeutschen Fußball-Meisterschaft sowohl 1925 als auch 1927 die jeweilige Endrunde. Mit Einführung der Gauligen fiel der Verein zunächst in die Zweitklassigkeit zurück, konnte aber zwischen 1941 und 1947 wieder auf die höchste Spielklassenebene zurückkehren und erzielte unmittelbar nach dem Kriegsende mit dem ersten Platz der Bezirksmeisterschaft Ost B 1945/46 seine beste Platzierung.

Auch in der weiteren Nachkriegszeit gehörte die Kilia-Elf phasenweise zur fußballerischen Landesspitze Schleswig-Holsteins und belegt nach wie vor den vierten Platz in der ewigen Tabelle der höchsten Spielklasse des Bundeslandes. Nachdem der FC bereits 1964 an der Aufstiegsrunde zur zweitklassigen Regionalliga teilgenommen hatte, war er drei Jahrzehnte später mehrfach im oberen Tabellendrittel der inzwischen viertklassigen Verbandsliga vertreten und verpasste die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Oberliga Nord meist nur knapp. Mit dem Aufstieg in die Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein im Jahr 2001/02 waren die Kieler schließlich für ein Jahr in einer überregionalen Spielklasse aktiv, ehe sie sich freiwillig aus der Liga zurückzogen und viele Jahre in verschiedenen Spielklassen auf Verbandsebene an den Start gingen, teilweise sogar auf Kreisebene. Zuletzt gelangen dem FC Kilia allerdings mehrere Aufstiege in Folge, so dass der Verein in der Saison 2023/24 erstmals in der viertklassigen Regionalliga Nord an den Start ging, am Saisonende jedoch wieder abstieg. mini|Eingang zum Kilia Platz Weitere Erfolge waren die Siege im SHFV-Pokal der Jahre 1990 und 1993, die zur zweimaligen Teilnahme am DFB-Pokal berechtigten. Darüber hinaus gehört auch die erste Frauenmannschaft des FCK seit 2019 erstmals der viertklassigen Oberliga Schleswig-Holstein an.

Ligamannschaft 1902–1918: Gründungsjahre und Verbandsstreitigkeiten Der Verein entstand im Jahr 1902 infolge vereinsinterner Differenzen im 1. Kieler Fußballverein von 1900, einem Vorgänger der KSV Holstein. 14 junge Sportler gründeten am 23. Juli aus Protest „gegen die von älteren Mitgliedern ausgeübte und in ihren Augen missbrauchte Macht“85 Jahre FC Kilia von 1902. Hg. vom FC Kilia Kiel, Seite 9. Zitiert nach: Das Feld des Fußballsports. Eine sozial- und kulturgeschichtliche Untersuchung zu den Anfängen des Fußballs in Schleswig-Holstein 1890-1914 (Dissertation von Tim Cassel) den Fußballverein Kilia Kiel. Bereits zur Zeit der ersten Kieler Stadtmeisterschaft 1903/04 stellte der neue Verein insgesamt drei Herrenmannschaften auf, die in der höchsten, zweithöchsten und dritthöchsten Spielklasse des Verbandes Kieler Ballspielvereine vertreten waren. Die erste Mannschaft traf am 29. Mai 1904 im Endspiel der Stadtmeisterschaft auf den FC Holstein 1902 Kiel, den zweiten Vorgängerverein von Holstein Kiel. Die Begegnung auf dem Gutenbergplatz – der Heimspielstätte beider Vereine – wurde beim Stande von 0:0 abgebrochen, da sich ein Kilia-Spieler einem gegen ihn ausgesprochenen Platzverweis verweigerte und auf dem Feld verblieb. Die Begegnung wurde später zu Gunsten Holsteins gewertet.Kieler Neueste Nachrichten, 1. Juni 1904. Zitiert nach: Das Feld des Fußballsports. Eine sozial- und kulturgeschichtliche Untersuchung zu den Anfängen des Fußballs in Schleswig-Holstein 1890-1914 (Dissertation von Tim Cassel) Kilias Gründungsjahre standen nicht zuletzt im Zeichen weiterer Streitigkeiten auf Verbandesebene, die 1904 zur Gründung des Kieler Fußball-Bundes führten. Diesem gehörte auch Kilia für einige Monate an, ehe im Januar 1905 eine Rückkehr in den VKB erfolgte. Trotz der anfänglichen Differenzen trat der KFV-Funktionär Georg P. Blaschke 1912 im Rahmen seiner Bemühungen, die fußballerischen Kräfte innerhalb der Stadt Kiel in einem Großverein zu bündeln, auch an den Vorstand des FC Kilia heran, der jedoch nicht an einer Fusion interessiert war.Das Feld des Fußballsports. Eine sozial- und kulturgeschichtliche Untersuchung zu den Anfängen des Fußballs in Schleswig-Holstein 1890-1914, Seite 219

Obwohl der Verein in den ersten Jahren seines Bestehens stets über eine der mitgliederstärksten und sportlich am besten aufgestellten Fußballabteilungen Kiels verfügte, sollten Erfolge in Form von Titelgewinnen oder der Teilnahme an weiterführenden Meisterschaften zunächst ausbleiben. Als zu dominant erwiesen sich die Holsteiner Konkurrenten, auch wenn die FVgg Kilia weiterhin erstklassig blieb und ab 1907 auch im gemeinsamen Spielbetrieb mit den Vereinen aus Lübeck vertreten war. 1913/14 richtete der Norddeutsche Fußballverband erstmals eine verbandsweite Spielklasse ein, an der auch Stadtrivale Holstein teilnahm. Dies ermöglichte den Kilianern schließlich ihre erste Staffelmeisterschaft in der nun zweitklassigen 1. Klasse, die ihnen gleichzeitig die Gelegenheit eröffnete, sich über die Aufstiegsrunde ebenfalls für die verbandsweite Norddeutsche Liga zu qualifizieren. In den Duellen gegen den HSV-Vorgänger Hamburger FC 88, die Lübecker TS, Rostock 95 und Britannia Harburg waren sie jedoch nicht erfolgreich – angesichts des beginnenden Ersten Weltkriegs kam es aber ohnehin nicht mehr zur zweiten Auflage der höchsten NFV-Spielklasse. Ein geregelter Spielbetrieb konnte während der anschließenden Weltkriegsjahre nicht aufrechterhalten werden, wenngleich unter eingeschränkten Bedingungen weiterhin Spiele auf Stadtebene ausgetragen wurden.

1919–1945: Teilnahmen an der Norddeutschen Meisterschaft und Gauliga-Spielzeiten Für Kilia sollte nach dem Kriegsende die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte beginnen, wobei 1919 mit der Einweihung der neuen Haupttribüne auch infrastrukturell ein großer Fortschritt erzielt wurde. Sportlich etablierte man sich ab 1920 als – sofern man die seit jeher nach Hamburg ausgerichteten Vereine aus der damals noch eigenständigen Stadt Altona unberücksichtigt lässt – zweite Kraft in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.Neben der politischen Zugehörigkeit der Stadt Altona zu Schleswig-Holstein ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass die eigenständige Hansestadt Lübeck sowie das Fürstentum Lübeck (Eutin) ebenfalls noch nicht zu der preußischen Provinz gehörten. Für acht Jahre musste man dabei nur dem Stadtrivalen der KSV Holstein den Vortritt lassen und durfte seine sportliche Konkurrenzfähigkeit nach einer Modusänderung im Jahr 1924 auch überregional unter Beweis stellen. 1924/25 qualifizierte sich die Elf um Leistungsträger Tius Timmke erstmals für die Norddeutsche Meisterschaft und erreichte nach einem 1:0-Erfolg beim Bremer SV auf Anhieb die Endrunde. Hier belegte die FVgg zwar den letzten Platz, konnte aber mit einem 1:1 vor 6.000 Zuschauern beim amtierenden Deutschen Vizemeister vom Hamburger SV einen Achtungserfolg verbuchen. Ein Jahr später trafen die Kieler bereits in der Vorrunde auf den HSV und verpassten mit einem 1:5 den Sprung in die Endrunde, ehe bei der dritten und letzten Teilnahme an der Norddeutschen Meisterschaft der größte Erfolg erzielt werden konnte: Nach einem 4:2-Sieg über Altona 93 zogen die „Rothemden“ zum zweiten Mal in die Finalrunde ein und ließen auch dort mit Hannover 96 eine weitere Mannschaft hinter sich. Zwar gewannen sie keines der anderen drei Endrundenspiele – hinter Holstein Kiel, dem Hamburger SV und dem Lübecker BV-Phönix waren die Kieler aber in diesem Jahr zur viertbesten Mannschaft ganz Norddeutschlands geworden. Zur gleichen Zeit erhielt mit Eduard Zaworski ein Kilia-Spieler eine Einladung von Reichstrainer Otto Nerz zu einem Vorbereitungslehrgang für die Olympischen Sommerspiele 1928 in Amsterdam, schaffte jedoch schlussendlich nicht den Sprung in den DFB-Kader.

Trotz des Beitritts des Kieler FV 1923 im folgenden Jahr konnte Kilia sich jedoch nicht auf diesem Niveau halten: Bereits 1928 landete der Verein nur noch auf dem vierten Platz in Schleswig-Holstein hinter Union-Teutonia Kiel und der Sportvereinigung Hohenzollern-Hertha Kiel, ehe er sich dauerhaft aus der Ligaspitze verabschieden musste. Spätestens mit Einführung der Gauliga Nordmark, für die die Kieler sich nicht qualifizierten, sank die sportliche Bedeutung der Blau-Weiß-Roten erheblich. Nach einer gescheiterten Aufstiegsrunden-Teilnahme im Jahr 1938 kehrten sie erst 1941 unter Trainer Karl Kabel wieder in die Erstklassigkeit zurück und hielten sich in ihren jeweiligen Gauliga-Staffeln bis zum Kriegsende.

Saisondaten 1941–1945 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1941/42 Gauliga Nordmark I 8. 44:62 14:22 1942/43 Gauliga Schleswig-Holstein I 4. 57:42 20:16 1943/44 Gauliga Schleswig-Holstein I 2. 77:33 28:08 1944/45 Gauliga Schleswig-Holstein, St. Kiel I 5. 25:23 07:11

In der ersten Saison belegte Kilia den achten Rang von zehn Mannschaften und wäre damit nicht abgestiegen, die Liga wurde aber 1942 ohnehin dreigeteilt, so dass Kilia in der höchsten Spielklasse, nun in der Gauliga Schleswig-Holstein verbleiben konnte. In der Saison 1943/44 wurde in dieser Liga der zweite Platz erreicht, wobei Kilia sich nur einen Punkt hinter der KSV Holstein platzieren konnte und dieser mit einem 5:3-Heimspielerfolg erstmals seit mehreren Jahrzehnten wieder eine Derby-Niederlage beibrachte (das Auswärtsspiel bei der KSV endete für Kilia hingegen mit einer 1:7-Niederlage). Nach abweichenden Angaben ging seit der Saison 1943/44 oder der Saison 1944/45 Kilia eine Kriegsspielgemeinschaft zusammen mit Union-Teutonia Kiel ein, die sowohl als „KSG Kilia Kiel / Union Teutonia Kiel“ als auch als „KSG Kiel“ bezeichnet wurde. Diese KSG wurde wegen Sportplatzmangels von Union-Teutonia eingegangen.die eigene Spielstätte von UT, der Professor-Peters-Platz glich „aufgrund mehrerer Bombeneinschläge einer Mondkraterlandschaft“ ()

1945–1963: Kilia als Gründungsmitglied der Landesliga Saisondaten 1945–1963 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1945/46 BM Ost, St. B I 1. unb. unb. 1946/47 LM Schleswig-Holstein I 4. 5:16 02:08 1947/48 LL Schleswig-Holstein, St. Ost II 1. 81:32 30:06 1948/49 LL Schleswig-Holstein II 3. 34:33 24:20 1949/50 LL Schleswig-Holstein II 5. 46:40 24:20 1950/51 LL Schleswig-Holstein II 6. 56:46 24:20 1951/52 LL Schleswig-Holstein II 11. 54:66 26:34 1952/53 LL Schleswig-Holstein II 12. 55:59 26:34 1953/54 LL Schleswig-Holstein II 14. 43:68 24:36 1954/55 AL Schleswig-Holstein II 8. 74:80 35:33 1955/56 AL Schleswig-Holstein II 12. 49:72 27:37 1956/57 AL Schleswig-Holstein II 14. 38:74 18:42 1957/58 AL Schleswig-Holstein II 10. 56:68 29:31 1958/59 AL Schleswig-Holstein II 12. 52:63 27:33 1959/60 AL Schleswig-Holstein II 5. 74:52 36:24 1960/61 AL Schleswig-Holstein II 9. 48:47 30:30 1961/62 AL Schleswig-Holstein II 8. 62:59 30:30 1962/63 AL Schleswig-Holstein II 11. 44:56 27:33

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs spielte Kilia 1945/46 zunächst in der Punkterunde um die Bezirksmeisterschaft Ost B, der damals höchsten Spielklasse. Als Meister dieser Klasse war Kilia eigentlich für die Teilnahme an der Norddeutschen Meisterschaft qualifiziert, wurde aber als unbeteiligter Verein von erlassenen Maßnahmen der britischen Militärregierung in der Auseinandersetzung um die Nominierung zwischen dem Eckernförder SV (Meister), Holstein Kiel (Vizemeister) und dem Kieler Verband für Leibesübungen im Bezirk Ost A mitbetroffen und erhielt keine Startgenehmigung; als Gegner war bereits die SpVgg Blankenese zugelost worden. Nichtsdestotrotz stellt diese Saison eine Besonderheit in der Kieler Fußballgeschichte dar: Zum ersten und bis heute einzigen Mal belegte mit dem FC Kilia ein anderer Verein als die KSV Holstein die beste Platzierung aller Kieler Mannschaften.