mini|Regisseur Michael Powell bei Dreharbeiten (1943) Michael Latham Powell (* 30. September 1905 in Bekesbourne, Kent; † 19. Februar 1990 in Avening, Gloucestershire) war ein britischer Filmregisseur, zudem Schauspieler, Drehbuchautor und Filmproduzent. Er bildete über lange Jahre mit dem Drehbuchautor Emeric Pressburger ein höchst erfolgreiches Filmemacher-Duo. Zusammen drehten sie etwa die renommierten Filmklassiker Leben und Sterben des Colonel Blimp, Die schwarze Narzisse und Die roten Schuhe. Im Jahre 1960 war Powell Regisseur des Skandalfilmes Augen der Angst, der damals seine Karriere beschädigte, heute aber als einflussreiches Meisterwerk gesehen wird.

Leben mini|Gedenkplatte in der Londoner Melbury Road 8, wo Powell 20 Jahre lang wohnte Michael Powell wurde in einem kleinen Dorf in Kent als Sohn eines Landwirtes geboren. Er studierte am Dulwich College und arbeitete anschließend zunächst als Bankangestellter, doch fand er keinen Gefallen an diesem Beruf und wollte ihn möglichst verlassen. Zum Film kam er 1925 durch Hilfsarbeiten am Set des Regisseurs Rex Ingram in Frankreich. Bald kam Powell jedoch schon an bessere Aufgaben beim Film, etwa als Fotograf von Standbildern oder als Titelkartenschreiber. Er übernahm ebenfalls Schauspielrollen, so hatte er einen kleinen Auftritt als englischer Tourist im Stummfilm Der Magier und in Das größte Opfer. Als Fotograf von Standbildern arbeitete er Ende der 1920er-Jahre bei zwei Filmen seines Freundes Alfred Hitchcock, nämlich Champagne und Blackmail.

Seine ersten Regieerfahrungen sammelte Powell Anfang der 1930er-Jahre als Regisseur von sogenannten quota quickies, billig und schnell produzierten Filmen, von denen er bis zu sieben in einem Jahr drehte. Powell lernte dabei, schnell und ökonomisch zu arbeiten, ähnlich den Regisseuren der amerikanischen B-Movies. Erste Aufmerksamkeit von Kritikern erhielt Powell für seine Arbeiten an Red Ensign (1934) und The Phantom Light (1935). Der Erfolg solcher Filme ermöglichte es Powell, im Jahre 1937 mit The Edge of the World sein erstes persönliches Projekt drehen zu können. Der Film wurde auf der abgelegenen Insel Foula (Shetland-Inseln, Schottland) gedreht. Nachdem The Edge of the World gute Rezensionen bekommen hatte, wurde Powell vom Produzenten Alexander Korda unter Vertrag genommen. 1940 hatte Powell mit seiner Arbeit an dem aufwendigen Abenteuerfilm Der Dieb von Bagdad seinen bis dahin größten Erfolg.

Bereits 1939 hatte Powell für Korda den Kriegsfilm Der Spion in Schwarz mit Conrad Veidt in der Hauptrolle gedreht. Bei der Arbeit an diesem Film traf er auch den ungarisch-britischen Drehbuchautor Emeric Pressburger, mit dem er die Produktionsgesellschaft „The Archers“ gründete. Die beiden arbeiteten bei neunzehn Filmen zusammen, von denen viele heute zu den Klassikern des britischen Kinos gehören. Als das British Film Institute etwa 1999 eine Liste der 100 besten britischen Filme des 20. Jahrhunderts ausgab, waren gleich fünf Powell-und-Pressburger-Filme darin vorhanden. Die beiden teilten sich Regie, Drehbuch und Produktion. Zu den erfolgreichsten Filmen von Powell und Pressburger zählen der Kriegsfilm 49th Parallel (1941) mit Laurence Olivier, das fast dreistündige Filmepos Leben und Sterben des Colonel Blimp (1943), die Fantasykomödie Irrtum im Jenseits (1946) mit David Niven, das Filmdrama Die schwarze Narzisse (1947) über ein Nonnenkloster in Indien, der international erfolgreiche Ballettfilm Die roten Schuhe (1948) mit Adolf Wohlbrück, sowie der Musikfilm Hoffmanns Erzählungen (1951) nach der gleichnamigen Oper von Jacques Offenbach. Die Partnerschaft zwischen Powell und Pressburger, die mit Unterbrechungen und jeweiligen Soloarbeiten bis 1972 dauerte, wurde für insbesondere für ihre innovativen, ironischen Drehbücher sowie ihrem gelungenen Umgang mit Technicolor-Farben gerühmt.

1959 inszenierte Michael Powell den Skandalfilm Augen der Angst (Peeping Tom) mit Karlheinz Böhm in der Hauptrolle als psychopathischem Killer, der mehrere Menschen ermordet und seine Opfer dabei filmt. Während der Film heute weltweit als Meisterwerk gerühmt wird, waren Powells Arbeitsmöglichkeiten als Regisseur nach diesem Skandal empfindlich beeinträchtigt. Wenige wollten Powell, der zuvor zu den führenden Regisseuren des britischen Kinos gehört hatte, mehr einen Film anvertrauen. Ähnlich erging es dem Hauptdarsteller Karlheinz Böhm, dessen weitere Karriere ebenfalls unter Peeping Tom litt. In den 1960er- und 1970er-Jahren konnte Powell nur noch wenige Filme realisieren, die immerhin Achtungserfolge waren, wenngleich er mit ihnen nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen konnte.

Zwischen 1928 und 1978 hat Powell insgesamt bei 61 Filmen Regie geführt; zu 35 Filmen schrieb er das Drehbuch. Im Alter konnte Powell vor allem durch das Engagement von Martin Scorsese und Francis Ford Coppola eine Wiederentdeckung seiner Werke erleben. Große Beachtung fand Powells zweiteilige Autobiografie A Life In Movies (1986) und Million Dollar Movie (1992).

Privatleben mini|Thelma Schoonmaker mit Columba Powell, dem jüngeren Sohn von Michael, in Cannes 2009 Powell heiratete 1927 in Frankreich die amerikanische Tänzerin Gloria Mary Rouger, doch das Paar blieb nur 3 Wochen zusammen. Während der 1940er hatte Powell Liebesaffären mit den Schauspielerinnen Deborah Kerr und Kathleen Byron, die tragende Rollen in seinem Film Die schwarze Narzisse haben. Am 1. Juli 1943 heiratete er Frances May Reidy, mit der er zwei Söhne bekam, Kevin Michael Powell (geb. 1945) und Columba Jerome Reidy Powell (geb.1951). Die Ehe hielt offiziell bis zum Tod von Reidy am 5. Juli 1983. Allerdings lebte Powell auch viele Jahre mit der Schauspielerin Pamela Brown zusammen, bis diese 1975 an Krebs starb.

Über Martin Scorsese lernte Powell seine letzte Frau kennen, die 35 Jahre jüngere Filmeditorin Thelma Schoonmaker. Mit ihr war er von 1984 bis zu seinem Tod verheiratet.

Filmografie (Auswahl) 1937: The Edge of the World – Drehbuch und Regie 1939: Der Spion in Schwarz (The Spy in Black) – Regie 1940: Contraband – Drehbuch und Regie 1940: Der Dieb von Bagdad (The Thief of Bagdad) – Regie 1941: 49th Parallel – Regie und Produktion 1942: One of Our Aircraft Is Missing – Regie, Produktion und Drehbuch 1943: Leben und Sterben des Colonel Blimp (The Life and Death of Colonel Blimp) – Regie, Produktion und Drehbuch 1943: The Volunteer – Regie, Produktion und Drehbuch 1944: A Canterbury Tale – Regie, Produktion und Drehbuch 1945: Ich weiß wohin ich gehe (I Know Where I’m Going!) – Regie, Produktion und Drehbuch 1946: Irrtum im Jenseits (A Matter of Life and Death) – Regie, Produktion und Drehbuch 1947: Die schwarze Narzisse (Black Narcissus) – Regie, Produktion und Drehbuch 1947: Abenteuer in Brasilien (The End of the River) – Produktion und Drehbuch 1948: Die roten Schuhe (The Red Shoes) – Regie, Produktion und Drehbuch 1949: Experten aus dem Hinterzimmer (The Small Back Room) – Regie, Produktion und Drehbuch 1950: Das dunkelrote Siegel (The Elusive Pimpernel) – Regie, Produktion und Drehbuch 1950: Die schwarze Füchsin (Gone to Earth) – Regie, Produktion und Drehbuch 1951: Hoffmanns Erzählungen (The Tales of Hoffmann) – Regie, Produktion und Drehbuch 1952: The Wild Heart – Regie, Produktion und Drehbuch 1955: Fledermaus 1955 (Oh, Rosalinda!) – Regie, Produktion und Drehbuch 1956: Panzerschiff Graf Spee (The Battle of the River Plate) – Regie, Produktion und Drehbuch 1957: Ill Met by Moonlight – Regie, Produktion und Drehbuch 1960: Augen der Angst (Peeping Tom) – Regie und Produktion 1963: Herzog Blaubarts Burg – Regie (Fernsehfilm) 1968: Der mysteriöse Mr. Sebastian (Sebastian) – Produktion 1969: Das Mädchen vom Korallenriff (Age of Consent) – Regie 1972: Der gelbe Junge (The Boy Who Turned Yellow) – Regie 1978: Return to the Edge of the World – Dokumentarfilm, Regie

Auszeichnungen 1942: Oscar-Nominierung in der Kategorie Beste Originalgeschichte für One of Our Aircraft Is Missing 1951: Silberner Bär für das Beste Musical Tales of Hoffman bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 1951 1951, 1959: Prix Vulcain de l’artiste technicien bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1981: Ehrenpreis der British Academy of Film and Television Arts für das Lebenswerk 1982: Goldener Löwe der Internationalen Filmfestspiele von Venedig für das Lebenswerk

Eigene Schriften A Life in Movies. An Autobiography. Heinemann, London 1986, ISBN 0-434-59945-X. Million Dollar Movie. An Autobiography. Heinemann, London 1992, ISBN 0-434-59947-6.

Literatur Ian Christie: Arrows of Desire. The films of Michael Powell and Emeric Pressburger. Faber, London 1994, ISBN 0-571-16271-1. Roland Cosandey: Rétrospective Powell & Pressburger. Editions du Festival de Locarno, 1982. Fritz Göttler (Hrsg.): Living Cinema. Powell & Pressburger. Filmmuseum, München 1983. Sascha Koebner: Michael Powell 1905–1980. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibungen, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-010662-4, S. 596–600. David Lazar (Hrsg.): Michael Powell. Interviews. University Press of Mississippi, Jackson, Miss. 2003, ISBN 1-57806-498-8.

Filmdokumentationen A Matter of Michael & Emeric. TV-Dokumentation von Dario Poloni, Großbritannien 1997. Made in England: The Films of Powell and Pressburger, Dokumentarfilm von David Hinton, Großbritannien 2024

Weblinks

Essay, Filmografie, Bibliografie, Links bei Senses of Cinema (englisch) (englisch) Powell & Pressburger Pages (englisch)

Einzelnachweise

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