mini|hochkant|Das oberfränkische Wappen mit dem Fränkischen Rechen – Bayreuth ist die Hauptstadt Oberfrankens mini|alt=|Logo der Stadt mini|Stratigraphisches Profil Bamberg – Bayreuth – Fichtelgebirge

Bayreuth [ oder ] (ostfränkisch Barreid) ist eine fränkische kreisfreie Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken. Mit Einwohnern () ist die Mittelstadt nach Bamberg die zweitgrößte Stadt Oberfrankens sowie die siebtgrößte Stadt Frankens. Die Stadt zählt zur Metropolregion Nürnberg und zur Planungsregion Oberfranken-Ost. Ferner ist Bayreuth Sitz der Regierung von Oberfranken sowie Verwaltungssitz des Bezirks Oberfranken und des Landkreises Bayreuth.

Weltberühmt ist Bayreuth durch die alljährlich im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel stattfindenden Richard-Wagner-Festspiele. Das Markgräfliche Opernhaus gehört seit 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Stadt liegt an den Ferienstraßen Burgenstraße und Bayerische Porzellanstraße.

Anders als der Name vermuten lässt, gehört die Stadt erst seit dem Jahr 1810 zu Bayern. Als Folge der Jahrhunderte währenden Zugehörigkeit zum Fürstentum Bayreuth ist sie protestantisch geprägt.Wie protestantisch ist Bayern? bei bayerische-staatszeitung.de, abgerufen am 5. Oktober 2024Zum Reformationstag: Wie die Reformation in Bayreuth begann bei bayreuther-tagblatt.de vom 31. Oktober 2023, abgerufen am 5. Oktober 2024

Name 1194 wurde der Ort als Baierrute in einer Urkunde des Bischofs Otto II. von Bamberg erstmals erwähnt. Der Namensbestandteil -rute ist vermutlich als Rodung zu deuten (siehe -reuth). Dass Baier- auf Zuwanderer aus dem bairischen Siedlungsraum verweisen könnte, ist umstritten und nicht belegbar. Vieles deutet darauf hin, dass die endgültige Namengebung erst nach der sekundären Ortserweiterung erfolgte und spezielle bayerische Interessen sichtbar machen sollte.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth. S. 28. 1199 ist der Name „Beirrut“, 1231 „Beirruth“ belegt. Belegt sind im Bayreuther Landbuch von 1421/24 auch die Bezeichnungen „Peyeruth“ und „Peyrreute“, die Vorgängerkirche der Stadtkirche Heilig Dreifaltigkeit wurde zunächst als „Pfarr peyr Reut“ (Reut = Altenstadt) bezeichnet.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 24.

Das y des Ortsnamens tauchte lange vor der Inbesitznahme der Stadt durch Bayern bereits 1532 erstmals auf.Die Schreibweise des Landesnamens Bayern mit y wurde von Ludwig I. im Jahr 1825 angeordnet. Siehe dazu www.bairische-sprache.at: Bayerisch, Bayrisch oder Bairisch??? Die heutige Schreibform ist 1625 im Kulmbacher Bürgerbuch belegt, setzte sich aber noch nicht endgültig durch. Markgräfin Wilhelmine (1709–1758) nannte die Stadt „Bareith“.

Geographie mini|Maximilianstraße, auch Maxstraße, Marktplatz oder Markt genannt, ein Straßenmarkt in der historischen Innenstadt und Keimzelle Bayreuths

Geographische Lage Die Stadt liegt im südlichen Teil des Obermainischen Hügellands beiderseits des Roten Mains, des südlichen und längeren der beiden Quellflüsse des Mains, zwischen dem Fichtelgebirge und der Fränkischen Schweiz. Weitere Fließgewässer im Stadtgebiet sind die Warme Steinach, die Mistel, in Bayreuth „Mistelbach“ genannt, und der Sendelbach mit seinem historisch interessanten Seitenkanalsystem Tappert. Das größte stehende Gewässer ist der vom Aubach gespeiste Röhrensee.

Das Zentrum der Stadt (nicht zu verwechseln mit dem dezentral gelegenen Stadtteil Altstadt)Herbert Popp: Bayreuth – neu entdeckt. S. 91. liegt mit etwa mehr als 100 Meter tiefer als die meisten der Höhenzüge, die den Bayreuther Talkessel einrahmen. Die Keimzelle Bayreuths am heutigen unteren Markt entstand strategisch günstig auf einer flachen Anhöhe – einer halbinselförmigen Terrasse aus BuntsandsteinHelmut Beisbart: Die Ersterwähnungsurkunde von Bayreuth aus dem Jahre 1194 bei frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de, abgerufen am 4. Dezember 2024 – zwischen den Tälern des Roten Mains und des Sendelbachs. Die höchste Erhebung der Umgebung ist mit der Sophienberg im Süden. Weitere Anhöhen sind der Schlehenberg, der Oschenberg, der Höhenzug Hohe Warte, der Rote Hügel und der Buchstein. Der mit niedrigste Punkt des Stadtgebiets befindet sich im Nordwesten in der unteren Rotmainaue an der Grenze zu Heinersreuth. Die Beckenlage wirkt sich günstig auf das Klima aus. Die Jahresmitteltemperatur beträgt für Bayreuth 8,3 °C.Klima & Wetter in Bayreuth bei climate-data.org, abgerufen am 27. August 2017.

Amtliche Stadtgliederung mini|Luftbild der Bayreuther Innenstadt mini|hochkant|Historische Innenstadt: Blick vom Nordturm der Stadtkirche zum Alten Schloss Bayreuth besteht offiziell aus 30 Stadtteilen und 39 Distrikten: Liste der Stadtteile und Distrikte von Bayreuth

Inoffizielle Stadtgliederung Innenstadt im Uhrzeigersinn Historische Innenstadt (innerhalb des Stadtkernrings, mit „Gassenviertel“ und markgräflichem Opernhaus) Neuer Weg (frühere Bezeichnung des Gebiets nördlich der historischen Innenstadt, mit Bahnhofsviertel) Gartenstadt (mit Grünem Hügel, Festspielhaus, Wendelhöfen und Bürgerreuth) Sankt Georgen (mit Burg, Insel, und Stuckberg) Hammerstatt (mit Obere Au) Dürschnitz (mit Neue Heimat, Flößanger und Untere Röth) Gebiet östlich der Cosima-Wagner-Straße (mit Kreuzstein) Birken (mit Campus der Universität) Moritzhöfen (mit Kasernenviertel) Südwestliche Innenstadt (zwischen Wittelsbacherring, Rathenaustraße, Bismarckstraße und dem Mistelbach) Altstadt (mit Jakobshof) Kreuz (mit Herzoghöhe und Hetzennest)

Peripher gelegene Stadtteile im Uhrzeigersinn Grüner Baum (mit Schießhaus und Hussengut) Industriegebiet St. Georgen Laineck (mit Friedrichsthal und Rodersberg) Sankt Johannis (mit Eremitage) Colmdorf (mit Rollwenzelei) Aichig (mit Eremitenhof, Grunau und Wunau) Oberkonnersreuth (mit Pfaffenfleck, Storchennest, Fürsetz und Hohlmühle) Saas (mit Glocke, Pottaschhütte und Lerchenbühl) Meyernberg (mit Geigenreuth) Roter Hügel (mit Mosing/Oberobsang) Maintalsiedlung (mit ehemaligem Spinnereigelände)

Größere eingemeindete Dörfer im Uhrzeigersinn Seulbitz Wolfsbach Thiergarten (mit Destuben und Rödensdorf) Oberpreuschwitz (mit Dörnhof und Unterpreuschwitz)

Gemarkungen

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Aichig, Bayreuth, Colmdorf, Laineck, Meyernberg, Oberkonnersreuth, Oberpreuschwitz, Sankt Johannis, Seulbitz, Thiergarten und Wolfsbach (Gemarkungsteil 0). Die Gemarkung Bayreuth hat eine Fläche von 30,270 km². Sie ist in 16663 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 1817 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Frankengut, Hermannshof, Hölzleinsmühle, Hussengut, Kreuzstein, Lohe, Oberobsang, Opelsgut, Pfaffenfleck, Riedelsgut, Saas, Schießhaus, Schupfenschlag, Wendelhöfen und Wundersgut.

Geschichte Vor- und Frühgeschichte Funde im Bayreuther Raum – bei der Bodenmühle, nahe Bindlach und auf der Neubürg – reichen bis in die Jungsteinzeit zurück. Hügelgräber bei Eckersdorf, Görschnitz und am Pensen gelten als bronzezeitlich. Bei Grabungen im Jahr 2009 am Bayreuther unteren Markt verwiesen Befunde auf ein Grubenhaus aus der Urnenfelderzeit (ca. 1200 v. Chr.).Stadt Bayreuth – Gassenviertel. Kommunalses Denkmalkonzept Modul 1 bei bayreuth.de, abgerufen am 13. Dezember 2023 Der Hallstattzeit lassen sich u. a. Funde am Saaser Berg, am Sophienberg und bei Mistelgau zuordnen.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 16. Am Fuß des Bindlacher Bergs wurden 1992 Reste einer Keltensiedlung aus der Zeit um 400 v. Chr. gefunden.Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 11.

Bereits im Frühmittelalter bestand an der Stelle der ehemaligen Burg Laineck eine Wehranlage. Deren Mauer, die zuerst eine reine Holz-Erde-Konstruktion in Blockbauweise war, wurde später durch eine neue Holz-Erde-Mauer ersetzt, die durch in die Erde eingelassene mächtige Pfosten verstärkt war. In einer dritten Phase ersetzte man diese durch eine Trockenmauer aus Steinen. Besonders die erste und dritte Stufe dieser Umwehrung erinnern stark an slawische Bauweisen – Slawen siedelten im frühen Mittelalter in Teilen Oberfrankens.Björn-Uwe Abels, Walter Sage, Christian Züchner: Oberfranken in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Bayreuth 1986, ISBN 3-87052-991-1. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts verschwanden die Slawen des oberfränkischen Raums aus der geschriebenen Geschichte,Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 18 f. zahlreiche Orts- und Flurnamen (Dürschnitz, Döhlau, Kulm) weisen nach wie vor auf ihre Anwesenheit hin.Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 12. Aus der Zeit zwischen 800 und 1000 n. Chr. stammt auch die Wehranlage am Rodersberg.

Die ostfränkische Kolonisation, deren Träger Adel und freie Franken waren, erreichte Anfang des 9. Jahrhunderts das Zweimainland. Unter den Schweinfurter Grafen rückten fränkische Siedler bis Mistelgau und Gesees vor, auch Obernschreez und Eckersdorf sind dieser Siedlungsphase zuzurechnen.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 17 f.

Mit der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 setzte die eigenständige kulturelle Entwicklung der Region ein.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 20. Zugleich kam es zu einem Machtverlust der Schweinfurter, deren Haus mit dem Tod Ottos III. 1057 erlosch. Dessen jüngste Tochter Gisela ehelichte 1098 Arnold aus der Andechser Linie derer von Dießen; damit fassten die späteren Herzöge von Meranien im Bayreuther Raum Fuß.Rainer Trübsbach: Geschichte der Stadt Bayreuth, S. 23.

mini|Unterer Markt mit Spitalkirche und dem 2007 abgerissenen Sparkassengebäude, 2006 Der Umstand, dass die Bamberger Fürstbischöfe den Landesherrn den Ausbau der Burg Altentrebgast untersagten, beschleunigte die Siedlungsentwicklung im Bayreuther Raum. Etwa ab dem Jahr 1000 entstanden die Orte Altenreuth (heute der Stadtteil Altstadt), Heinersreuth, Oberkonnersreuth und Meyernreuth. Bindlach wurde die Urpfarrei, deren Sprengel u. a. die Tochterkirchen in der heutigen Altstadt und in Sankt Johannis umfasste. Vermutlich entstand auch schon im 11. Jahrhundert, im Zuge der Rodungstätigkeit der Schweinfurter Grafen, eine kleine Ansiedlung am unteren Markt. Die Gründung der künftigen Stadt im Kräftedreieck Bindlach – Altentrebgast – Altenstadt fiel wahrscheinlich in die Zeit der Rivalität zwischen Bamberg und den neuen Machthabern Dießen-Andechs sowie Sulzbach, d. h. in die Jahre 1137 bis 1177.

Bereits früher als Bayreuth urkundlich erwähnt wurden die eingemeindeten Ortschaften Seulbitz (1035 als salisches Königsgut Silewize in einer Urkunde Kaiser Konrads II.) und Sankt Johannis (evtl. 1149 als Altentrebgast). Auch der Stadtteil Altstadt (bis ins 19. Jahrhundert Altenstadt) westlich des Stadtzentrums dürfte älter sein als die Siedlung Bayreuth. Im Jahr 1600 bezeichnete ihn der Stadtschreiber als das ursprüngliche Bayreuth („Urbayreuth“), diese Auffassung hielt sich bis Ende des 19. Jahrhunderts.Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 26 f. Noch ältere Spuren menschlicher Anwesenheit fanden sich im Ortsteil Meyernberg: Keramikreste und Holzgeschirr wurden anhand ihrer Verzierungen in das 9. Jahrhundert datiert.Adam Stuhlfauth: Fundberichte zur Vor- und Frühgeschichte im Gebiet der Fränkischen Alb. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken, Fünfunddreißigster Band, Drittes Heft, Bayreuth 1991.

Mittelalter, Reformation und frühe Neuzeit mini| Die Anlage eines Straßenmarkts, dessen Führung sich in eine karolingische Altstraße eingliedert, weist auf ein frühes kleines Handelszentrum in diesem Bereich hin. Sehr früh war der „Markt“, wie er noch heute genannt wird, das pulsierende Herzstück der Siedlung, deren Bewohner zunächst überwiegend Ackerbürger waren. Bei der Verleihung des Marktrechts an Neustadt am Kulm im Jahr 1370 wurde das an Bayreuth verliehene Marktrecht als Vorbild bezeichnet.Karl Müssel: Bayreuth in acht Jahrhunderten, S. 30.