mini|Markt mit Altem Rathaus (rechts) und St.-Bartholomäus-Kirche
Marktredwitz (früher auch Markt Redwitz; nordbairisch Rawetz, ) ist eine Große Kreisstadt im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. Sie bildet als dessen größte Stadt ein bedeutendes wirtschaftliches Zentrum im Landkreis und liegt an der Bayerischen Porzellanstraße.
Geographie Geographische Lage mini|Marktredwitz von Westen mini|Marktredwitz von Südosten mini|50. Breitengrad in der Ottostraße
Marktredwitz liegt im Fichtelgebirge am Rande der Selb-Wunsiedler-Hochfläche im Tal der Kössein. An den Rändern des Tales erheben sich die Höhenzüge von Kösseine und Steinwald.
Unmittelbar an Marktredwitz grenzt der Landkreis Tirschenreuth, der bereits zur Oberpfalz gehört. Gemeinsam mit der Kreisstadt Wunsiedel bildet Marktredwitz ein gemeinsames Oberzentrum. Weitere nahegelegene Oberzentren sind Hof (Saale), Bayreuth und Weiden in der Oberpfalz.
Nach Osten liegt in über 60 km Entfernung Karlovy Vary. Die Grenze zu Tschechien liegt etwa 15 Kilometer östlich von Marktredwitz.
Durch das Marktredwitzer Stadtgebiet verläuft der 50. Breitengrad.
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung Es gibt 27 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Berghof zählt zum Gemeindeteil Oberredwitz, Hammermühle zum Gemeindeteil Unterthölau, Rathaushütte zum Gemeindeteil Lorenzreuth, Reutlasmühle zum Gemeindeteil Reutlas, Schletzenmühle zum Gemeindeteil Oberthölau und Wuttigmühle zum Gemeindeteil Dörflas.
Glashütte, Kupferhammer, Riedelmühle und Rößlermühle waren Gemeindeteile der Stadt Marktredwitz, die zur Wüstung geworden sind.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Brand, Dörflas, Haid (Gemarkungsteil 1), Haingrün, Korbersdorf, Leutendorf (Gemarkungsteil 1), Lorenzreuth, Marktredwitz, Oberredwitz, Thölau, Wölsau und Wölsauerhammer. Die Gemarkung Marktredwitz hat eine Fläche von 6,882 km². Sie ist in 3600 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1911,478 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Miedelmühle.
Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Marktredwitz wurde erstmals im Jahr 1140 urkundlich erwähnt. Der ursprüngliche Ortsname Radewize (Redwitz) hat slawische Wurzeln und bedeutet „bei den Leuten des Rad“, wobei Rad|… ein slawischer Personenname ist;Haus der Bayerischen Geschichte die Deutung auf das Rad ist sekundär. Die moderne, umgangssprachliche Bezeichnung Rawetz geht auf diesen ursprünglichen Namen zurück. Das nach dem Ort benannte Adelsgeschlecht war auf den Rittergütern rund um Redwitz zuhause und gehörte später zum Fränkischen Ritterkreis.Vergleiche Liste fränkischer Rittergeschlechter#R, ein gleichnamiges, aber nicht verwandtes Geschlecht war Redwitz mit Ursprung in Redwitz an der Rodach Kaiser Ludwig der Bayer übereignete Redwitz 1339 dem Kloster Waldsassen unter dem Abt Franz Kübel, das den Flecken zwei Jahre später an die Freie Reichsstadt Eger verkaufte. Dadurch wurde Redwitz zunächst ein Vorposten der Reichsstadt im späteren Markgraftum Brandenburg-Bayreuth, seit dem 18. Jahrhundert Bestandteil des österreichischen Kronlands Böhmen. Mit der Gründung der Chemischen Fabrik Marktredwitz (CFM), einer der ersten chemischen Fabriken überhaupt, begann 1788 die Industrialisierung in Redwitz. 1816 kam der Ort durch den am 14. April 1816 unterzeichneten Münchner Vertrag infolge des Wiener Kongresses zum Königreich Bayern, in dessen Zuge unter anderem das Fürstentum SalzburgVgl. auch Martin Droschke: Das Königreich Bayern und das Kaisertum Österreich unterzeichnen heute einen Vertrag […]. In: Franken 2024. Franken-Wissen für das ganze Jahr. Emons Verlag, Köln 2023, ISBN 978-3-7408-1797-8, Blatt 14. April. und die 1802 an Bayern gefallene Stadt Vils an Österreich übergingen. Nach zwei großen Bränden in den Jahren 1822 und 1836, die jeweils einen großen Teil der Innenstadt vernichteten, entschlossen sich die Redwitzer Bürger im Jahr 1867 zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr.
20. Jahrhundert Am 16. Dezember 1907 wurde Redwitz nach bayerischem Recht zur Stadt erhoben; gleichzeitig wurde der seit Jahrhunderten geführte Markt-Titel Bestandteil des Ortsnamens. Die Stadterhebung war ein Ergebnis der Industrialisierung und des damit verbundenen Anwachsens der Einwohnerzahlen. Im Jahr 1919 lebten fast 7000 Menschen in Marktredwitz. Am 1. Dezember 1919 wurde die Stadt kreisfrei.Bekanntmachung, Unmittelbarkeit der Stadt Marktredwitz betreffend. Vom 27. November 1919 (GVBl. 79/1919, S. 810)
Im Laufe der Zeit sind die Städte Marktredwitz und Waldershof durch Baumaßnahmen nahe zusammengerückt und bilden eine Agglomeration mit annähernd 22.000 Einwohnern. Der Raum Wunsiedel-Marktredwitz-Waldershof deckt viele überregionale Aufgabenbereiche ab und hat heute den Status eines möglichen Oberzentrums.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform verlor Marktredwitz am 1. Juli 1972 seinen Status als kreisfreie Stadt wieder und wurde als Große Kreisstadt in den Landkreis Wunsiedel eingegliedert. Es ist heute die größte Stadt im Landkreis. 1985 machte einer der ersten deutschen Altlastenskandale Marktredwitz in der gesamten Bundesrepublik bekannt. Es wurden schwere Umweltschäden auf dem Betriebsgelände der Chemischen Fabrik Marktredwitz (CFM) festgestellt. Insbesondere waren Böden und Gewässer mit Quecksilber belastet. Die Fabrik wurde geschlossen, Betriebsgelände und Umgebung wurden mit einem aufwändigen und neu entwickelten Reinigungsverfahren grundlegend saniert. Auf dieser Fläche befindet sich jetzt das Kösseine-Einkaufszentrum (KEC).
Im Stadtteil Haingrün unterhielten die US-Streitkräfte insbesondere während des Kalten Krieges einen militärischen Stützpunkt, das Camp Gates. 1991 wurde der Standort geschlossen; die Gebäude wurden 2012 abgerissen. Auf dem Gelände befindet sich heute ein Solarpark.
21. Jahrhundert Bereits seit 1993 ist Marktredwitz Sitz der Bayerischen Euregio Egrensis, welche die negative Einwirkung der staatlichen Grenzen beseitigen, den Lebensstandard der Einwohner sowie die natürlichen und kulturpolitischen Bedingungen verbessern und das Wirtschaftspotenzial in der Region durch gezielte Kooperationsbeziehungen entwickeln will. Eines der größten Kooperationsprojekte war im Jahre 2006 die grenzüberschreitende Landesgartenschau Marktredwitz-Cheb.
Am 14. November 2019 eröffnete der BR in Marktredwitz ein Regionalstudio, aus dem zwei Korrespondenten über Themen aus den Landkreisen Wunsiedel und Tirschenreuth berichten.
Wegweisende Projekte für die Stadtentwicklung sind heute die Sanierung des Quartiers am Schulzentrum, der Ausbau der ehemaligen Fabrikhalle „Glasschleif“ und des Benker-Areals. Auf dem Gelände am Auenpark soll ein neues Viertel entstehen, mit vielen Wohneinheiten, Gastronomie und Spielplatz. Beheizt werden die Gebäude über eine Nahwärmeeinrichtung eines benachbarten Kesselhauses, wobei Pellets und nachwachsende Rohstoffe eingesetzt werden sollen.
Eingemeindungen Am 1. April 1939 wurden die Gemeinde Dörflas bei Marktredwitz und Teile der Gemeinde Oberredwitz eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern kam am 1. Juli 1972 Leutendorf hinzu. Die Gemeinde Thölau wurde am 1. Juli 1974, Korbersdorf am 1. Januar 1975 und Wölsau am 1. Januar 1976 eingegliedert. Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Lengenfeld bei Groschlattengrün folgten am 1. Juli 1976, Wölsauerhammer und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Haid mit damals weniger als 50 Einwohnern am 1. Januar 1977. Brand bei Marktredwitz und Lorenzreuth wurden am 1. Januar 1978 eingemeindet.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1990 und 2021 sank die Einwohnerzahl um 10,26 % von 18.956 auf 17.010.
Konfessionsstatistik Von den Einwohnern waren (Stand 2023) 34,64 % evangelisch, 29,81 % katholisch und 35,55 % hatten eine andere Religion oder waren konfessionslos. Ein Jahr vorher (2021) waren 37,2 % evangelisch, 31,9 % katholisch und 30,9 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos. Marktredwitz Jahresbericht 2021, abgerufen am 23. August 2023 (PDF; 0,6 MB)
Politik Stadtrat Nach der Kommunalwahl am 8. März 2026 verteilen sich die 24 Sitze des Stadtrats entsprechend dem Stimmenanteil folgendermaßen auf die einzelnen Parteien und Wählervereinigungen:Stadtratswahl Stadt Marktredwitz am 8. März 2026, Endergebnis mini|Neues Rathaus Marktredwitz
{| class=wikitable style=text-align:center |- bgcolor=#acf | Partei Liste || Stimmenanteil || Sitze || bgcolor=#eee | Ergebnis 2020 |- | align=left | CSU || 38,2 % || 9 || 40,7 %, 10 Sitze |- | align=left | Freie Wähler || 24,2 % || 6 || 22,1 %, 5 Sitze |- | align=left | SPD || 16,4 % || 4 || 18,3 %, 4 Sitze |- | align=left | Grüne || 6,5 % || 2 || 7,5 %, 2 Sitze |- | align=left | PRO MAK || – || – || 7,2 %, 2 Sitze |- | align=left | AfD || 14,5 % || 3 || 4,2 %, 1 Sitz |- bgcolor=#fff | Wahlbeteiligung || colspan=2 | 59,3 % || 52,7 %|}
Oberbürgermeister Oberbürgermeister ist seit den Kommunalwahlen 2014 Oliver Weigel (CSU). Dessen Vorgängerin Birgit Seelbinder (parteilos) war ab dem 1. Mai 1990 im Amt. Bei der Wahl 2020 gelang die Wiederwahl Weigels ohne Mitbewerber mit 96,18 % der gültigen Stimmen. 2026 wurde er mit 73,6 % der gültigen Stimmen erneut im Amt bestätigt. Er hatte eine Mitbewerberin.Oberbürgermeisterwahl Stadt Marktredwitz am 8. März 2026, Marktredwitz, Endergebnis
Städtepartnerschaften La Mure, Département Isère (Frankreich), seit 1983 Vils, Tirol (Österreich), seit 1992 (siehe Geschichte von Vils) Castelfranco Emilia, Provinz Modena (Italien), seit 1997 Roermond (Niederlande), seit 2005 (bis zur Eingemeindung: Swalmen)
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Altstadt, Egerstraße mini|Altstadt von Südosten mini|Historische Glasschleif
Museen Im Egerland-Kulturhaus Marktredwitz ist seit 1973 das zentrale Egerland-Museum eingerichtet. Es ist der Kulturgeschichte des im Nordwesten Böhmens gelegenen Egerlandes (heute Tschechische Republik) gewidmet. Zu sehen sind Objekte zur Geschichte und Kultur des Egerlandes, beispielsweise Trachten, Porzellan, Gläser, Zeugnisse der religiösen Volkskultur oder Andenkenstücke von Bäderreisen nach Karlsbad, Marienbad und Franzensbad. Die Verbindung zwischen Marktredwitz und Eger, die Vertreibung der Egerländer aus ihrer Heimat sowie der mühsame Neuanfang nach 1945 werden szenisch dargestellt. Wechselnde Sonderausstellungen nehmen auf weitere interessante Themen Bezug. Des Weiteren sind dem Museum die Egerländer Kunstgalerie und die Egerländer Studienbibliothek angegliedert.
Im Neuen Rathaus, das 1794 als Wohnhaus des ab 1788 ein chemisches Labor betreibenden Fabrikanten W. C. Fikentscher im klassizistischen Stil erbaut wurde, befindet sich das Goethezimmer. Dort wohnte Johann Wolfgang von Goethe während seines Besuchs in Marktredwitz vom 13. bis 18. August 1822.
Die historische Glasschleif ist die Kultur- und Veranstaltungshalle in der Stadt Marktredwitz. In der 1887 erbauten Fabrikhalle wurde bis ins Jahr 1932 Glas hergestellt und verarbeitet, zwischenzeitlich wurde das Gebäude als Bauhof der Stadt genutzt. Nach langem Leerstand wurde die Halle seit 2014 im Rahmen des Projekts „Glasschleif 2.0“ saniert und umgebaut. Bereits im Dezember 2024 fand in der Glasschleif der Marktredwitzer Weihnachtsmarkt statt, eröffnet wurde die Kulturhalle dann im Mai mit einem Konzert des Singer-Songwriters Michael Schulte.
Kirchen und Religionsgemeinschaften mini|hochkant|St.-Bartholomäus-Kirche mini|hochkant|Innenraum der Heilig-Geist-Kirche mini|hochkant|Alter Stadtturm
Evangelisch-lutherische Kirchengemeinden Marktredwitz St.-Bartholomäus-Kirche Heilig-Geist-Kirche in Oberredwitz (bis 1702: Annakirche) mit Christuskirche in Lorenzreuth, Auferstehungskirche in Pfaffenreuth und Friedenskirche in Groschlattengrün Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde St. Margarethen, Brand Landeskirchliche Gemeinschaft
Katholische Pfarrgemeinden Pfarrkirche St. Josef mit Theresienkirche