Zwettl-Niederösterreich (meist nur in der Kurzform Zwettl) ist eine Stadtgemeinde im nordwestlichen Niederösterreich und Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks. Mit Einwohnern und einer Fläche von km² zählt sie zu den flächenmäßig größten Gemeinden Österreichs. Bei der Volkszählung des Jahres 2011 hatte die Kernstadt 3.922 Einwohner. Dies entspricht der Einwohnerzahl der Katastralgemeinde „Zwettl Stadt“, aber nicht der Einwohnerzahl der Großgemeinde.
Geografie Die Stadt liegt auf in einem Talkessel (bestehend aus Gradnitztal, Sierningtal, Kamptal und Zwettltal) an der Stelle des oberen Kamptals, wo der Fluss Zwettl in den Kamp einmündet. Sie ist geographischer Mittelpunkt der Gemeinde und gilt gleichzeitig als Zentrum des Waldviertels.
Gemeindegliederung
Die Gemeinde gliedert sich in insgesamt 56 Ortsteile (Verwaltungssprengel), 54 Ortschaften, und 61 Katastralgemeinden.
Die städtische Siedlung Zwettl selbst umfasst Zwettl Stadt, mit der alten Kernstadt und dem Stadtteil Syrnau im Osten, sowie die Stadtteile Oberhof im Norden mit der Bozener Siedlung nordöstlich kampabwärts Richtung Stift, und Propstei im Süden. Das Dorf Moidrams südwestlich ist weitgehend mit der Stadt verwachsen.
Die Gemeinde Zwettl-Niederösterreich ist mit einer Gesamtfläche von km², 61 Katastralgemeinden, und den meisten Ortschaften von ganz Niederösterreich eine der typischen Zusammenlegungs-Großgemeinden. Das erklärt sich daraus, dass das Waldviertel prinzipiell keine ausgeprägte Streubesiedlung kennt, sondern zahlreich relativ kompakte Orte ausbildete. Diese Orte behielten, wie in den meisten Bundesländern, bei Schaffung der Ortsgemeinden 1849/50 ihre Eigenständigkeit, für Niederösterreich typisch sind sie aber sowohl als siedlungsgeographische Einheit (Ortschaft) wie als grundbücherliche (Katastralgemeinde) auch bei Gemeindezusammenlegungen kleinstrukturiert erhalten geblieben (1971 wurden seinerzeit noch 20 selbständige Gemeinden vereinigt).
Das Gemeindegebiet umfasst 54 Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Zusätzlich sind 6 Katastralgemeinden (Kühbach, Flachau, Oberndorf, Oberplöttbach, Pötzles, Wildings) durch die Schaffung des Truppenübungsplatzes Allentsteig ab 1938 entvölkerte ehemalige Gemeinden (vgl. Liste der für die Schaffung des Truppenübungsplatzes Döllersheim ausgesiedelten Ansiedlungen). Eine Katastralgemeinde, Koppenzeil, hat nur historische Bedeutung und entspricht dem Stadtteil Propstei.
Die 55 Verwaltungssprengel der Gemeinde – neben der Stadt selbst – entsprechen weitestgehend den übrigen Katastralgemeinden und den Ortschaften und haben einen Ortsvorsteher. Ein Sonderfall ist der Stadtteil Oberhof, der zwar eine Katastralgemeinde ist und einen Ortsvorsteher hat, aber in der amtlichen Statistik (seitens Statistik Austria) nicht als eigene Ortschaft ausgewiesen ist. Weitere Ausnahmen sind das Dorf Kleinmarbach, das zur Ortschaft und Katastralgemeinde Marbach am Walde gehört, aber einen Vorsteher hat, sowie das Dorf Oberwaltenreith, das statistisch eine eigenständige Ortschaft ist, die zum Ortsvorstand und der Katastralgemeinde Eschabruck gehört.
Nachbargemeinden Die große Ausdehnung bringt es mit sich, dass viele andere Gemeinden an Zwettl angrenzen. Es sind dies
Klima Am 12. Februar 1929 wurde in Zwettl mit −36,6 °C die kälteste bestätigte Temperatur in einem bewohnten Ort in Österreich gemessen. In Zwettl herrscht ein Übergangsklima mit kontinentalem Einfluss aus dem Osten und ozeanischem Einfluss aus dem Westen. Die Jahresdurchschnittstemperatur im 30-jährigen Mittel 1971–2000 beträgt 6,6 °C und der Jahresgesamtniederschlag liegt bei 667,3 mm. Im Vergleich mit den Werten der Jahre 1981–2010, sind bezüglich der Temperatur deutliche Änderungen zu verzeichnen. Infolge des Klimawandels liegt die Jahresdurchschnittstemperatur um rund 0,9 °C höher als in der Periode 1971–2000. Charakteristisch für Zwettl sind viele Sonnenstunden im Sommerhalbjahr und lang anhaltende Hochnebeldecken im Winter. Bedingt durch die nächtliche Kaltluftseebildung werden oftmals geringe Temperaturminima gemessen. Diese liegen trotz der vergleichsweise geringen Höhe oftmals unter jenen Werten des um rund 400 m höher gelegenen Jauerlings. Jährlich werden rund 141 Frosttage und 37 Eistage verzeichnet. Infolge der durch die Seehöhe bedingten geringen Tageserwärmung treten etwa 28 Sommertage und 3 heiße Tage pro Jahr auf. Von November bis April fallen rund 90 cm Schnee. Auch diesbezüglich ist aufgrund der Klimaerwärmung ein Rückgang zu verzeichnen. Im langjährigen Mittel gibt es 25 Gewitter und einmal Hagel pro Jahr.
Geschichte mini|Stift Zwettl mini|Kreuzganghof im Stift Zwettl Der Name Zwettl ist slawischen Ursprungs (vgl. tschechisch Světlá, zu světlý = licht, hell) und bedeutet so viel wie Lichtung oder Rodung. Bestätigt wird dies durch spätere Urkunden, in welchen das Kloster Zwettl im lateinischen Text Claravallis (= lichtes Tal) genannt wird.Antonín Bartoněk, Bohuslav Beneš, Wolfgang Müller-Funk und Friedrich Polleroß: Kulturführer Waldviertel, Weinviertel, Südmähren, Wien 1996, S. 401, ISBN 978-3-216-30043-0 Allerdings wurden bisher keine slawischen Hinterlassenschaften aufgefunden, sodass für eine slawische Siedlung außer der Namensdeutung bisher keine Quellen bekannt sind.
Die von den Kuenringern gegründete Stadt wird erstmals im Oktober 1139 in der Gründungsurkunde des nahegelegenen Stiftes Zwettl (Zisterzienserabtei) erwähnt.Urkunde Nr. 36 in Am 28. Dezember 1200 wurde Zwettl das Stadtrecht verliehen.
1427 wurde die Stadt in der Schlacht bei Zwettl drei Mal erfolglos von den Hussiten unter dem Feldherrn Andreas Prokop belagert. Sie zerstörten und plünderten dabei das drei Kilometer entfernte Stift Zwettl und die meisten umliegenden Dörfer. Auch im Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden, 1618 drangen böhmische Truppen in die Stadt ein, 1645 wurde sie von schwedischen Truppen besetzt.
Im Jahr 1850 konstituierte sich die Ortsgemeinde Zwettl. Die Bezeichnung Zwettl-Niederösterreich besteht seit dem 9. Mai 1967 und ist eine sprachlich auffällige Sonderform, da der Bindestrich typografisch eine Zusammensetzung suggeriert, hier jedoch semantisch als abgrenzender Zusatz fungiert. Der zweite Namensbestandteil dient nicht als Teil des eigentlichen Ortsnamens, sondern zur Unterscheidung von anderen gleichnamigen Orten, insbesondere von Zwettl an der Rodl in Oberösterreich. Im Unterschied zu historisch gewachsenen Ortsnamen mit Präpositionen wie „an der“ oder „im“ (etwa St. Johann im Pongau) handelt es sich bei Zwettl-Niederösterreich um eine amtlich eingeführte Namensform, deren Struktur primär verwaltungstechnischen Erfordernissen folgt. Die Verwendung des Bindestrichs anstelle einer Präposition oder eines Kommas ist aus linguistischer Sicht unüblich und entspricht nicht den üblichen orthografischen Konventionen im Deutschen. Das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung des Rats für deutsche Rechtschreibung weist jedoch darauf hin, dass Eigennamen in ihrer Schreibung nicht immer den allgemeinen Regeln folgen.
Im Zuge der NÖ. Kommunalstrukturverbesserung kam es im heutigen Gemeindegebiet Anfang 1968 zu den ersten Fusionen; so wurden Eschabruck und Kleinschönau nach Friedersbach sowie Gerotten und Rudmanns der Gemeinde Stift Zwettl angegliedert. Anfang 1970 wurde Großhaslau Teil von Stift Zwettl und Gschwendt Teil von Zwettl-Niederösterreich. Durch den Zusammenschluss der 13 Gemeinden Friedersbach, Gradnitz, Großglobnitz, Jagenbach, Jahrings, Marbach am Walde, Oberstrahlbach, Rieggers, Rosenau Dorf, Rosenau Schloß, Stift Zwettl, Unterrabenthan und Zwettl-Niederösterreich zu Beginn 1971 entstand die Stadtgemeinde Zwettl-Niederösterreich in ihrer heutigen Form, die Anfang 1972 durch Aufnahme der Katastralgemeinde Ottenschlag aus der Gemeinde Warnungs erneut vergrößert wurde., abgerufen am 3. Mai 2024
Im August 2002 führten heftige Regenfälle zu einem verheerenden Hochwasser, das große Schäden anrichtete. Die Aufzeichnungen der über 800-jährigen Stadtgeschichte berichten von keiner vergleichbaren Flutkatastrophe.
mini|Erinnerungsstätte für in NS-Zeit ermordete 21 jüdische Zwettler Im November 2023 wurde am 85. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 eine Erinnerungsstätte für in der NS-Zeit ermordete 21 jüdische Zwettler bestehend aus drei Säulen aus Cortenstahl vor dem Stadtamt enthüllt.
Bevölkerungsentwicklung
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Altes Rathaus mini|hochkant|Dreifaltigkeitssäule mini|hochkant|Hundertwasserbrunnen mini|hochkant|Stausee Ottenstein mit der Burgruine Lichtenfels
Pfarrkirche Friedersbach Pfarrkirche Marbach am Walde und Friedhofskapelle Marbach am Walde Große Teile des mittelalterlichen Stadtkerns sind bis heute erhalten geblieben. Dazu zählen unter anderem die in weiten Teilen noch erhaltene Stadtmauer, sechs Stadttürme, das alte Rathaus (erbaut 1307) sowie einige historische Bürgerhäuser. 1994 wurde im Rahmen der Umgestaltung des Hauptplatzes ein von Friedensreich Hundertwasser entworfener Brunnen errichtet. Propstei Zwettl: Südlich der Altstadt liegt die Propstei Zwettl mit bemerkenswerten romanischen Bauteilen. Die Propstei Zwettl besteht aus einer romanischen Kirche und der daran anschließenden Michaelskapelle, einem Friedhof mit romanischem Karner, dem eigentlichen Propsteigebäude und einem früheren Pfarrhaus – dem sogenannten „Kasten“. Vor der denkmalgeschützten Anlage befindet sich am Ende des Kreuzwegs eine monumentale Kreuzigungsgruppe aus Sandstein. Die Propsteikirche zählt zu den ältesten erhaltenen Bauwerken der Stadt. Es gilt als wahrscheinlich, dass sich die in der „Bärenhaut“ erwähnte Kuenringerburg auf dem Areal der heutigen Propstei befunden hat und dass die Kirche – die erste Pfarrkirche von Zwettl – in etwa zeitgleich mit der Burganlage erbaut wurde. Ein spirituelles Zentrum und Kulturdenkmal von hohem Rang ist das nordöstlich der Stadt gelegene Stift Zwettl mit der Stiftskirche Zwettl der Zisterzienser. Wenige Kilometer westlich von Zwettl liegt das Schloss Rosenau mit seinem Freimaurer-Museum. Zwischen Zwettl und Groß-Gerungs liegt der Stufenkegel im Waldviertel.