mini|300px|Blick von St. Peter auf den Marktplatz im historischen Stadtkern: Zu sehen sind unter anderem das Alte Rathaus, das Stammhaus Underberg mit dem ehemaligen Kräuterturm und das Stadthaus (v.l.; August 2014)

Die Stadt Rheinberg liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten des Ruhrgebiets im Land Nordrhein-Westfalen. Als mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Wesel im Regierungsbezirk Düsseldorf ist sie Mitglied der Euregio Rhein-Waal. Sie hat 31.097 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2023).

Zum Ortsnamen Rheinberg hieß ursprünglich Berke (frühe Belege stammen aus den Jahren 1003, 1106, 1253) oder Berka (belegt seit 1248). Den erklärenden Zusatz Rhein- erhielt der Ortsname erst im späten 16. Jahrhundert (erstmals 1583 belegt), wohl um Berk als Berk am Rhein von anderen Orten namens Berk oder Berg zu unterscheiden. Die frühen Namensformen und Schreibweisen waren u. a. Rhenberka, Rhinbergue, Rhynberg, Rhynberck, Rhimberg, Rheinberck, Rheinberk, bis sich schließlich Rheinberg durchsetzte. Bis heute kann allerdings der Rhein-Vorsatz im Dialekt fortgelassen werden (man nennt den Ort einfach Bäärk). Der Akzent von Rheinberg liegt bei den Einheimischen entgegen der üblichen Regel oft auf der zweiten Silbe, also Rheinbérg, ein weiterer Hinweis auf die ursprüngliche Namensform. Zur Klärung der Herkunft von Berke bzw. Berka gibt es im Wesentlichen drei Ansätze, die im Folgenden dargestellt werden.

(Siehe auch: Rheinische Ortsnamen)

Keltische Deutung Die ältere Deutung von Richard Pick (1883) aus dem Keltischen bior „Wasser“ und ka „Haus“, also „Siedlung am Wasser“, ist trotz ihrer weiten Verbreitung eindeutig falsch, da in keiner keltischen Sprache oder Sprachschicht solche Wörter in der angegebenen Bedeutung belegbar sind. Es gibt am Niederrhein zwar durchaus eine dünne Schicht von Ortsnamen keltischer (gallischer) Herkunft, wie z. B. Dormagen < Duromagus „Kiesfeld“, Nijmegen < Noviomagus „Neufeld“ oder Metelen < Mediolanum „Mittelebene“, zu dieser Namensschicht gehört Berke oder Berka mit Sicherheit nicht.

Von germanisch *berga- „Anhöhe, Berg“ Kaufmann (1958, 1973) und darauf basierend Berger (1999) gingen von einem ursprünglich niederfränkischen Berkheim „Siedlung auf dem (Ufer-)Berg“ aus, das später zu Berke verschliffen worden sei. Hintergrund ist die frühere Hochuferlage Rheinbergs, die bis zur Stromverlagerung im Jahre 1714 bestand. Allerdings ist die Reduktion der heim-Endung auf /-e/ eher unwahrscheinlich; so werden in der Urkunde von 1003, in der auch Berke erwähnt wird, die Orte Merheim und Stocheim genannt, die heute Mehrum und Stockum heißen, was deutlich auf die ursprünglichen heim-Formen verweist.

Als Alternative wurde vorgeschlagen, Berke einfach als Ableitung vom germanisch weit verbreitetem Wort *berga- „Anhöhe“ (deutsch Berg) anzusehen, also ohne ein ursprüngliches Grundwort heim. Allerdings kann aus dem germanischen bzw. niederfränkischen /g/ kein zwischenvokalisches /k/ in Berke oder Berka geworden sein (Tiefenbach 2012). Somit scheidet auch diese Möglichkeit aus.

Von germanisch *berkō bzw. *berkjō „Birke“ Nach Gysseling (1960) stammt der Ortsname Berke vom germanischen Wort für Birke. Diese Herleitung vertreten auch Derks (2007) und Tiefenbach (2012). Tiefenbach geht nach Ausweis der frühen Form Berke von einem lokativischen Dativ aus, also „(Ort) bei der Birke“. Die Bezeichnung der Birke wird germanisch als *berkō bzw. *berkjō(n) rekonstruiert; aus diesen beiden Formen ergeben sich die unterschiedlichen Stammvokale in Berke und Birke. Das /e/ zeigt auch der Ortsname Berka in Thüringen, während sonst auch bei den Ortsnamen das /i/ vorherrscht, z. B. Birklar, Birkenau, Birkenholm und viele andere.

Geographie Räumliche Lage Die Stadt Rheinberg liegt in der Niederrheinischen Tiefebene, 15 km südlich der Kreisstadt Wesel, 11 km nördlich von Moers und etwa 16 km nordwestlich von Duisburg. Im Nordosten wird das Stadtgebiet durch den Rhein begrenzt, der die Grundlage der Naturschutzgebiete Rheinvorland im Orsoyer Rheinbogen, Rheinvorland nördlich der Ossenberger Schleuse und Rheinvorland östlich von Wallach bildet. mini|Rheinkarte von Johann Bucker, 1713 – Hauptstrom und Alter Rhein bei Rheinberg

Lage am Rhein Während der Zeit seines Bestehens lagen Rheinberg und das Umland stets im Einwirkungsbereich des Rheines, mit Überschwemmungen, sich verändernden Uferlinien, neuen Nebenarmen und Stromverlagerungen. Das heutige Rheinbett liegt nicht mehr direkt beim zentralen Ort. Im Mittelalter floss der Rheinstrom unmittelbar östlich der Stadtmauer, bis in die frühe Neuzeit als Nebenarm, dessen kuhlenartige Überbleibsel und ein schmaler Bachlauf heute als Alter Rhein bezeichnet werden. Noch im Jahre 1713 war der Alte Rhein nur durch einen Grind (eine mit Geröll, Sand und Buschwerk bedeckte Insel mit vereinzelten Bauernkotten) vom nahen Hauptstrom getrennt, wie die Zeichnung des Kartographen Johann Bucker verdeutlicht.Erich Wisplinghoff, Erläuterungen aus dem Jahre 1984 zu: Johann Bucker, Karte des Rheines von Duisburg bis Arnheim aus dem Jahre 1713, Herausgeber: Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv, Düsseldorf 1984, S. 5–10. Der ehemalige Rhyynnberckse Grind ist heute das zwischen Rheinberg und dem Ortsteil Ossenberg (ehemals Herrlichkeit Ohsenbergh) sich erstreckende Gebiet, weitgehend landwirtschaftlich genutzt und an das Betriebsgelände von Solvay angrenzend.

Von der ehemaligen Festung Rheinberg ist aktuell das Zentrum des Ortes von einem zu über 90 % erhaltenen, ehemaligen Wallgraben umgeben, der in der Zeit zwischen 1290 und 1311 für die erste Befestigungsanlage mit Stadtmauer und Türmen erbaut wurde. Der trockengelegte Wallgraben ist in seinem heutigen Aussehen die einzig erhaltene Anlage dieser Art in Nordrhein-Westfalen. Von den bis auf die Grundmauern zurückgebauten Festungsanlagen sind die zugehörigen Erdwerke als Reste heutzutage noch gut im nördlichen und östlichen Teil der Stadt zu erkennen.

Stadtgliederung mini|Lage des Stadtbezirks Rheinberg in Rheinberg Rheinberg gliedert sich in die vier Stadtbezirke Borth, Budberg, Orsoy und Rheinberg, die 15 sogenannte Wohnplätze umfassen:

Stadtbezirk Borth: Borth, Wallach, Ossenberg Stadtbezirk Rheinberg: Rheinberger Stadtkern mit Lützenhof, Annaberg, Millingen, Winterswick, Alpsray, Xantener Straße mit Binnefeld, Mühlenhof sowie die Gemarkung Orsoy-Land Stadtbezirk Budberg: Budberg, Eversael, Vierbaum Stadtbezirk Orsoy: Orsoy, Orsoyerberg

Lokale Mundart

In Rheinberg und den Dörfern der Umgebung wird – natürlich neben dem Hochdeutschen – von älteren Bürgern noch das Rheinberger Platt gesprochen. Dabei handelt es sich um einen niederfränkischen Dialekt.

Geschichte Antike Schon in römischer Zeit war das Gebiet des heutigen Rheinbergs besiedelt. Im Jahr 1965 wurde südlich der Bahnhofstraße die Straßenstation Rheinberg archäologisch untersucht.Günther Binding: Eine römische Befestigung an der Alten Landstraße bei Rheinberg Kreis Moers. Grabungsbericht. In: Rheinische Ausgrabungen, Band 3, 1968, S. 121–151. In unmittelbarer Nähe verlief die Rheintalstraße des Niedergermanischen Limes zwischen den Etappenstandorten Kastell Alpen-Drüpt und Calo.

Anfänge, Stadterhebung und „Feste Stadt“ Berka 1003 wurde erstmals eine Ortschaft „Berka“ (auch Berck, Berken oder Rheinberk und ab etwa Beginn des 17. Jahrhunderts durch die Holländer Rheinberg genannt) in einer Urkunde erwähnt. Diese Urkunde wurde von Erzbischof Heribert von Köln in „villa publica Berke dicta“ ausgestellt und betraf den Tausch von Besitzungen in diesem Bereich am Niederrhein. Berka war zu dieser Zeit somit vermutlich entweder ein Königshof oder eine Siedlung, die direkt dem Reich unterstand.Richard Pick. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die Alte Erzdiözese Köln. Abschnitt: Zur Geschichte und des ehemaligen Amtes Rheinberg. 1883, 39. Heft, S. 140, 130. Onlinefassung

Bereits 1106 sind Rechte vom Erzbistum Köln nachweisbar, da in einer Urkunde zu diesem Zeitpunkt der Kölner Erzbischof Friedrich I. die Pfarrkirche in Rheinberg dem Kunibertstift in Köln übereignete.In: Zeitschrift: Niederrheinischer Geschichtsfreund. Nr. 11. 1882, S. 83. Onlinefassung Ab wann der Ort zum Erzbistum Köln gehörte, ist nicht genau belegbar. Diese Zugehörigkeit von Berka als nördlichstes Gebiet der Erzbischöfe am linken Niederrhein und als „Amt Rheinberg“ dürfte spätestens zu Beginn oder bis Ende des 12. Jahrhunderts erfolgt sein. In den Reisebeschreibungen des Abtes der Abtei Deutz von 1155 bis 1165 zu den Besitzungen in den nördlichen Bereichen des Niederrheines werden unter anderen Aufenthalte in Berka, Halet und Mursa (Moers) angeführt.In: Zeitschrift: Niederrheinischer Geschichtsfreund. Nr. 11. 1882, S. 76. Onlinefassung In einer Urkunde von 1227 bestätigt der Erzbischof Heinrich I. von Müllenark im „ville nostra in Berke quondeum civic“ einer Ehefrau mit ihren Kindern, dass sie von ihrer „Hörigkeit“ losgekauft sei und nun ihr Ehemann dem Kloster Kamp Zinsen zu zahlen habe.Richard Pick. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die Alte Erzdiözese Köln. Abschnitt: Zur Geschichte und des ehemaligen Amtes Rheinberg. 1883, 39. Heft, S. 142, 132. Onlinefassung

1233 erhielt die Ortschaft Berka von Heinrich von Müllenark die Erlaubnis eine Ortsbefestigung zu errichten. Gleichzeitig erhielten Bewohner und Neubürger die bürgerlichen Rechte und Freiheiten, die mit denen von Neuss vergleichbar waren. Damit war Berka zu diesem Zeitpunkt eine Stadt geworden. Diese Stadtrechte wurden 1248 von Erzbischof Konrad von Hochstaden bestätigt und zusätzlich die Bürger von Vogtdiensten befreit. Die erste Stadtbefestigung bestand anfangs aus Erdwällen und hölzernen Befestigungseinrichtungen. Diese wurden bis Ende des 13. Jahrhunderts durch eine feste Ringmauer mit Katzen und Türmen ersetzt. Zusätzlich war die Anlage durch vorgelagerte Wassergräben geschützt. Für den Umbau der Befestigung bewilligte der Erzbischof Siegfried von Westerburg im August 1290 einen finanziellen Zuschuss aus dem Geldaufkommen von Rheinzoll und Wegegeld, das in der Stadt erhoben wurde. Neben der Stadtbefestigung wurde bis 1293 auch das kurfürstliche Schloss gebaut. Der mächtige mit Basaltsteinen verstärkte Zollturm, dessen unteres Geschoss aktuell noch vorhanden ist, war Bestandteil dieser Befestigung und dessen Errichtung wurde Anfang des 14. Jahrhunderts noch unter Erzbischof Wigbold von Holte abgeschlossen. Die gesamten Baumaßnahmen für die erste Stadtbefestigung wurden bis 1311 durchgeführt. Anlagen dieser Art kennzeichneten damals eine Feste Stadt, wobei die Katzen und der Zollturm Eigenheiten Rheinbergs waren.Richard Pick. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die Alte Erzdiözese Köln. Abschnitt: Zur Geschichte und des ehemaligen Amtes Rheinberg. 1883, 39. Heft, S. 144–146, 134–136. Onlinefassung