mini|220px|Kaiser Peter I. von Brasilien, König Peter IV. von Portugal (Ölgemälde von Simplício Rodrigues de Sá, um 1830, Museu Imperial) Peter I. (; mit vollständigem Namen Pedro de Alcântara Francisco António João Carlos Xavier de Paula Miguel Rafael Joaquim José Gonzaga Pascoal Cipriano Serafim de Bragança e Bourbon; * 12. Oktober 1798 in Queluz; † 24. September 1834 ebenda) war von der Unabhängigkeit des Landes 1822 bis 1831 erster Kaiser von Brasilien sowie unter dem Namen Peter IV. von März bis Mai 1826 König von Portugal. Er stammte aus dem Haus Braganza.

Leben Die frühen Jahre Geburt links|mini|Peter I. mit 2 Jahren, 1800 Peter I. wurde am 12. Oktober 1798 um 8:00 Uhr im Königspalast von Queluz in der Nähe von Lissabon geboren. Er wurde nach Petrus von Alcantara benannt, und sein voller Name war Pedro de Alcântara Francisco António João Carlos Xavier de Paula Miguel Rafael Joaquim José Gonzaga Pascoal Cipriano Serafim. Er besaß ab seiner Geburt ein Anrecht auf die Anrede Dom („Herr“).

Durch seinen Vater, Prinz Johann (später König Johann VI.), war Peter ein Mitglied des Hauses Braganza (portugiesisch: Bragança) und ein Enkel des Königs Peter III. und der Königin Maria I. von Portugal, welche sowohl Onkel und Nichte als auch Ehemann und Ehefrau waren. Seine Mutter, Charlotte Joachime, war die Tochter des Königs Karl IV. von Spanien.

Seine Eltern führten eine sehr unglückliche Ehe. Charlotte Joachime war eine ehrgeizige Frau, die immer versuchte, die spanischen Interessen zu fördern, auch wenn diese zum Nachteil für Portugal ausfielen. Sie war angeblich ihrem Ehemann untreu und ging so weit, mithilfe unzufriedener portugiesischer Adliger den Sturz ihres Ehemanns zu planen.

Als zweitältester Sohn und viertes Kind wurde Peter aufgrund des Todes seines älteren Bruders Franz Antonius Pius im Jahre 1801 zum Erben seines Vaters und zum Prinzen von Beira erklärt. Nachdem Königin Maria I. 1793 für unheilbar geisteskrank erklärt worden war, übernahm ihr Sohn Prinz Johann als Regent die Regierungsgeschäfte im Auftrag seiner Mutter. Bis 1802 entfremdeten sich Peters Eltern immer mehr, sodass Johann im Nationalpalast von Mafra und Charlotte Joachime im Ramalhão-Palast wohnte. Peter und seine Geschwister hingegen residierten mit ihrer Großmutter Maria I. im Queluz-Palast, weit entfernt von ihren Eltern, die sie nur bei staatlichen Anlässen in Queluz sahen.

Flucht nach Brasilien Ende November 1807 flüchtete die königliche Familie mit dem neunjährigen Peter nach Brasilien, da sich eine von Napoleon gesandte französische Invasionsarmee auf dem Weg nach Lissabon befand. Napoleon wollte das Land so für seine Weigerung bestrafen, an der Kontinentalsperre gegen England teilzunehmen.

Während der langen und beschwerlichen Reise las Peter Vergils Aeneis und unterhielt sich mit der Schiffsbesatzung, um Navigationskenntnisse zu erwerben. Peter und seine Familie kamen im März 1808 in Rio de Janeiro, der Hauptstadt der größten und reichsten Kolonie Portugals, an, welche zur neuen Residenzstadt ernannt wurde. Peter sollte Portugal erst 1832, also nach 24-jähriger Abwesenheit, wieder betreten.

In Brasilien ließen sich Peter, sein jüngerer Bruder Michael und sein Vater nach einem kurzen Aufenthalt im Paço Real (königlicher Palast) oder Paço de São Cristóvão (St.-Christophs-Palast) nieder. Obwohl Peter nie ein sehr enges Verhältnis zu seinem Vater hatte, liebte er ihn und missbilligte die ständige Erniedrigung, die Johann durch die außerehelichen Affären von Charlotte Joachime erlitten hatte. Im Erwachsenenalter betitelte Peter seine Mutter, für die er nur Gefühle der Verachtung hegte, in aller Öffentlichkeit als „Hündin“. Diese frühen Erfahrungen von Verrat, Kälte und Vernachlässigung hatten großen Einfluss auf die Bildung von Peters Charakter.

Ausbildung mini|Peter I. mit 11 Jahren, 1809 Ein gewisses Maß an Stabilität in seiner Kindheit bot seine Aia (Gouvernante), Maria Genoveva do Rêgo e Matos, die er wie eine Mutter liebte, und sein Aio (Oberaufseher) Bruder António de Arrábida, der sein Mentor wurde. Beide waren verantwortlich für die Erziehung von Peter und versuchten, ihn mit einer angemessenen Ausbildung zu versehen. Seine Ausbildung umfasste eine breite Palette von Themen wie Mathematik, politische Ökonomie, Logik, Geschichte und Geographie. Er lernte sowohl Portugiesisch als auch Latein und Französisch. Er konnte aus dem Englischen übersetzen und verstand Deutsch. Auch als Kaiser widmete Peter mindestens zwei Stunden am Tag dem Studium und der Lektüre.

Trotz der großen thematischen Breite von Peters Ausbildung erwies sich diese nur als mangelhaft. Der Historiker Otávio Tarquínio de Sousa sagte, dass Pedro „ohne Schatten des Zweifels intelligent, schlagfertig und scharfsinnig war“. Der Historiker Roderick J. Barman berichtet jedoch, dass er von Natur aus „zu überschwänglich, zu unberechenbar und zu emotional“ sei. Er blieb impulsiv und lernte nie, Selbstbeherrschung zu üben oder die Folgen seiner Entscheidungen einzuschätzen sowie seine Ansichten den veränderten Situationen anzupassen. Dennoch erlaubte sein Vater keiner Person, ihn zu disziplinieren. Während Peters Ausbildung zwei Stunden Unterricht pro Tag vorschrieb, umging er dies manchmal, indem er seine Ausbilder zugunsten von Aktivitäten, die er interessanter fand, wegschickte.

Vereinigtes Königreich von Portugal, Brasilien und den Algarven 1815 wurde Brasilien durch einen Beschluss des Wiener Kongresses zu einem eigenen Königreich, das mit Portugal durch Personalunion verbunden war (Vereinigtes Königreich von Portugal, Brasilien und den Algarven). Damit endete für Brasilien der Kolonialstatus. Peters Großmutter, Königin Maria I., erhielt so neben ihren portugiesischen Titeln auch noch die Würde einer Königin von Brasilien. 1816 starb Maria I., und ihr Sohn Johann VI. bestieg den portugiesischen und den brasilianischen Thron. Peter wurde dadurch in beiden Reichen Thronfolger.

Erste Ehe links|mini|Peter I. mit 18 Jahren, 1816 Der Prinz fand seine Erfüllung vor allem in Aktivitäten, die seine physischen Fähigkeiten forderten, anstatt im Klassenzimmer zu lernen. Auf der Farm seines Vaters in Santa Cruz trainierte Peter Pferde und wurde ein ausgezeichneter Reiter und Hufschmied. Er und sein Bruder Michael liebten Reitjagden auf unbekanntem Terrain, durch Wälder und sogar in der Nacht oder bei schlechtem Wetter. Er zeigte Talent beim Zeichnen und bei handwerklichen Arbeiten und beschäftigte sich mit Holzschnitzerei und Möbelbau. Außerdem hatte er eine Vorliebe für Musik und wurde unter Anleitung von Marcos Portugal ein fähiger Komponist. Er hatte eine gute Singstimme und beherrschte mehrere Musikinstrumente (darunter Klavier, Flöte und Gitarre), auf denen er beliebte Lieder und Tänze spielte. Peter war schlicht in seinen Gewohnheiten und im Umgang mit Menschen. Normalerweise bestand seine Alltagskleidung aus einer weißen Baumwollhose, einer gestreiften Baumwolljacke und einem breitkrempigen Strohhut oder, in formelleren Situationen, aus Gehrock und Zylinder. Nur zu offiziellen Anlässen trug er höfische Kleidung. Er nahm sich häufig Zeit, sich mit Leuten auf der Straße zu unterhalten und ihre Bedenken zur Kenntnis zu nehmen. mini|Forensische Gesichtsrekonstruktion von Peter I., 2018 Peter besaß eine Energie, die an Hyperaktivität grenzte. Er war ungestüm und tendenziell herrschsüchtig und aufbrausend. Er langweilte sich leicht und ließ sich sehr schnell ablenken. In seinem Privatleben beschäftigte er sich neben seinen Jagd- und Reitaktivitäten vor allem mit Frauen. Sein ruheloser Geist zwang ihn, Abenteuer zu suchen. Er verkleidete sich manchmal als Reisender und stieg in den anrüchigsten Vierteln von Rio de Janeiro in Tavernen ab. Er trank selten Alkohol, war aber ein unverbesserlicher Frauenheld. Seine früheste bekannte längere Affaire war mit einer französischen Tänzerin namens Noémi Thierry, die ein totes Kind von ihm gebar. Als Pedros Vater als Johann VI. den Thron bestieg, entfernte er Thierry vom Hof, um die Verlobung des Prinzen mit Erzherzogin Maria Leopoldina, der Tochter von Kaiser Franz I. von Österreich (ehemals Franz II., Römisch-deutscher Kaiser), nicht zu gefährden.

Am 13. Mai 1817 wurde Leopoldine in der Augustinerkirche, der Hochzeitskirche der Habsburger in Wien, per Stellvertreter mit Dom Pedro verheiratet. Als Stellvertreter fungierte ihr Onkel, Erzherzog Karl. Als die junge Erzherzogin am 5. November in Rio de Janeiro ankam, verliebte sie sich sofort in Peter, der viel charmanter und attraktiver war, als sie erwartet hatte: „Nach Jahren unter einer tropischen Sonne war sein Teint noch hell, seine Wangen rosig.“ Der 19-jährige Prinz war gutaussehend, etwas über mittelgroß, mit glänzenden dunklen Augen und dunkelbraunem Haar. Es folgte die Hochzeitsmesse mit der Wiederholung der Eheversprechen. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor: Maria (später Königin Maria II. von Portugal), Miguel, Johann, Januária, Paula, Franziska und Peter (später Kaiser Peter II. von Brasilien).

Eine schwere Belastung für die Ehe war Peters langjährige Beziehung mit Domitília de Castro Canto e Melo, die er zur Markgräfin von Santos (portugiesisch Marquesa de Santos) erhob, deren uneheliche Tochter er legitimierte und die er sogar zur Hofdame seiner Frau machte, was diese tief demütigte. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten und sogar zu Handgreiflichkeiten.

Im November 1826 verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Kaiserin rapide; sie litt unter Erbrechen, Krämpfen, Blutungen und Verwirrtheit. Am 2. Dezember erlitt die im dritten Monat Schwangere eine Fehlgeburt. Leopoldine starb am 11. Dezember 1826 im Palast Boa Vista bei Rio de Janeiro.

Schon kurz nach ihrem Tod tauchten Gerüchte auf, wonach die Fehlgeburt und ihr Tod dadurch verursacht worden seien, dass ihr Mann sie bei einem heftigen Streit in den Bauch getreten habe. Diese Version wurde auch von einigen Historikern aufgegriffen. Eine gründliche forensische Untersuchung ihrer sterblichen Überreste im Jahr 2012 ergab jedoch keinerlei Hinweise darauf, sondern machte einen Tod infolge einer Infektion wahrscheinlich.Ingrid Tavares: Infecção, e não briga, causou aborto e morte de mulher de Dom Pedro 1º. www.uol.com.br, 3. April 2013, abgerufen am 10. Februar 2024.

Unabhängigkeit Brasiliens mini|hochkant|Krönung des Kaisers Peter I. 1822 (Aquarell von Jean-Baptiste Debret)

Liberale Revolution 1820 In Portugal hatten inzwischen britische Truppen die französische Besatzung beendet. Da der König aber zunächst nicht nach Portugal zurückkehren wollte, wurde das Land vom britischen Oberbefehlshaber William Carr Beresford als Militärdiktator regiert. Am 17. Oktober 1820 kam die Nachricht, dass die Militärgarnisonen in Portugal meuterten, was zur sogenannten Liberalen Revolution von 1820 führte. Das Militär bildete eine provisorische Regierung, welche die von Johann VI. eingesetzte Regentschaft ersetzte und die Cortes einberief, das jahrhundertealte portugiesische Parlament. Dieses wurde demokratisch gewählt und hatte das Ziel, eine nationale Verfassung zu schaffen. Peter war überrascht, als sein Vater ihn nicht nur um seinen Rat bat, sondern auch beschloss, ihn nach Portugal zu schicken, um dort die Regentschaft zu übernehmen und die Revolutionäre zu beschwichtigen. Das Problem war, dass Peter niemals auf die Ausübung der Herrschaft vorbereitet worden war und zuvor niemals an staatlichen Angelegenheiten teilnehmen durfte. Die Rolle, die ihm als Thronfolger zugestanden hätte, wurde stattdessen von seiner älteren Schwester Maria Teresa ausgeübt: Johann VI. hatte sich auf sie verlassen, und sie war es, die Mitglied im Staatsrat wurde.