mini|hochkant|Königin Maria II. von Portugal Maria II. (auch Maria II. da Glória; * 4. April 1819 in Rio de Janeiro; † 15. November 1853 in Lissabon) war von 1826 bis 1828 und von 1834 bis 1853 Königin von Portugal. Sie war die letzte Herrscherin dieses Landes aus dem Haus Braganza.
Marias Vater Peter, der von 1822 bis 1831 Kaiser Brasiliens war, wurde 1826, durch den Tod seines Vaters Johann VI.John E. Morby, Das Handbuch der Dynastien, Albatros Verlag, Düsseldorf, 2002, S. 167 f., auch portugiesischer König, verzichtete aber noch im selben Jahr zu ihren Gunsten auf den portugiesischen Thron. Dieser wurde jedoch 1828 von ihrem Onkel Michael usurpiert. Der Sieg ihres Vaters im Miguelistenkrieg verschaffte ihr dann 1834 erneut die Herrschaft in Portugal, das nunmehr die Staatsform einer konstitutionellen Monarchie aufwies. Sie regierte in einer sehr bewegten Epoche, die von heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien der Cartisten und Setembristen geprägt war. Im Alter von nur 34 Jahren verstarb sie bei der Geburt ihres elften Kindes.
Abstammung und frühe Kindheit 1819 als Maria da Glória Joana Carlota Leopoldina da Cruz Francisca Xavier de Paula Isidora Micaela Gabriela Rafaela Gonzaga geboren, war Maria die älteste Tochter des späteren Kaisers Peter I. von Brasilien und dessen erster, aus dem Haus Habsburg-Lothringen stammender Gemahlin Maria Leopoldine von Österreich. Ihr Vater war ein Sohn des Königs Johann VI. von Portugal und Brasilien. Maria kam im brasilianischen Rio de Janeiro auf die Welt, weil die portugiesische Königsfamilie 1807 nach einem Invasionsversuch Napoleons in Portugal nach Brasilien geflohen war. 1821 kehrte Johann VI. widerwillig nach Portugal zurück und ließ seinen ältesten lebenden Sohn Peter, also Marias Vater, als Regenten in Brasilien zurück. Dieser erklärte aber 1822 die brasilianische Unabhängigkeit und ließ sich zum Kaiser Peter I. von Brasilien ausrufen.
Ihre frühe Kindheit verlebte Maria unterdessen auf dem Gut São Cristóvão außerhalb Rios. Sie hatte mehrere Geschwister, von denen allerdings ihr Bruder Johann Karl bereits als Einjähriger im Februar 1822 verstarb, so dass ihr jüngerer Bruder Peter (II.) später (1831) den brasilianischen Thron erbte. Ab dem Zeitpunkt von dessen Geburt (2. Dezember 1825) bis zu ihrer Ernennung zur portugiesischen Königin (2. Mai 1826) führte Maria den Titel einer Prinzessin von Grão-Pará, durch den sie als Zweite in der brasilianischen Thronfolge ausgewiesen wurde. Zu ihren Schwestern gehörten unter anderen Januária und Franziska. Im königlichen Palast lebte auch eine brasilianische Mätresse Peters I., Domitila de Castro, die zur Hofdame von Marias Mutter aufrückte. Der Beziehung des brasilianischen Kaisers mit Domitila entsprangen vier Kinder. Als Peter I. neben seiner Gattin Leopoldine und seiner jungen Tochter Maria auch seine Geliebte Anfang 1826 auf eine Kreuzfahrt in den Norden Bahias mitnahm und diese offen an seiner Seite zur Schau stellte, musste er Domitila nach Ende dieser Reise auf Drängen Leopoldines schließlich aus dem Palast entfernen, womit seine Liaison mit Domitila aber keineswegs vorbei war. Am 11. Dezember 1826 starb Leopoldine an den Folgen einer Fehlgeburt zur großen Trauer Marias, die eine sehr enge Bindung zu ihrer Mutter gehabt hatte.Kendall W. Brown, Women in World History, Bd. 10, S. 304f.
Erste nominelle Regierung Portugals, Absetzung und Rückkehr nach Brasilien Nach dem Tod seines Vaters Johann VI. am 10. März 1826 hatte der brasilianische Kaiser als Peter IV. auch den portugiesischen Thron bestiegen. Am 29. April erließ er eine neue Verfassung für Portugal, die ein Zweikammerparlament (Abgeordnetenhaus und Pairskammer) vorsehende sogenannte Charta. Da es ihm nicht möglich war, Portugal und Brasilien gleichzeitig zu regieren, dankte er schon am 2. Mai 1826 als portugiesischer König zugunsten seiner erst siebenjährigen Tochter Maria ab, die somit damals nominell zum ersten Mal den portugiesischen Thron bestieg. Die Regentschaft führte zunächst Peters Schwester Isabella Maria. Der brasilianische Kaiser hatte jedoch vor, seinen jüngeren Bruder Michael, der sich damals wegen seiner Opposition gegen eine konstitutionelle Monarchie in Portugal (da er absolutistisch regieren wollte) im Exil in Wien befand, zum Regenten für Maria zu berufen. Zuvor musste Michael die von Peter dem Land gegebene Charta akzeptieren und sich nach Einholung der päpstlichen Dispens wegen zu naher Verwandtschaft mit Maria verloben. Beim Erreichen des heiratsfähigen Alters sollte Maria ihren Onkel Michael ehelichen und mit diesem gemeinsam das Land regieren. Michael stimmte dem Vorschlag seines Bruders zu. In Wien wurde sogar eine Stellvertreterhochzeit gefeiert.
Nachdem Michael aber am 3. Juli 1827 von seinem Bruder Peter zum Regenten von Portugal ernannt worden und daraufhin dorthin zurückgekehrt war, setzte er die Charta außer Kraft und strebte selbst nach der Krone. Als der brasilianische Kaiser von der Intention seines Bruders erfuhr, beschloss er, seine Tochter Maria nach Europa zu schicken, bevor Michael zu viel Unterstützung zu bekommen vermochte. In Begleitung des Marques von Barbacena, der auch mit der Suche nach einer neuen Braut für Kaiser Peter I. beauftragt war, mehreren Offizieren und Dienern sowie unter dem Geleitschutz einer 30-köpfigen, aus Portugiesen und Deutschen bestehenden Wache machte sich Maria auf dem Seeweg nach Europa auf. Ihre Fregatte Imperatriz kam am 4. September 1828 vor Gibraltar an. Dort erhielten sie die Nachricht, dass Michael am 25. Juni 1828 von den Cortes zum König ausgerufen worden war.
Die Begleiter der entthronten jungen Königin beratschlagten, ob diese in Wien oder in England um Unterstützung ersuchen sollte, und sie entschieden sich für die letztere Option. Sie segelten zu den Britischen Inseln und legten am 14. September 1828 bei Falmouth an, wo Maria als Königin von Portugal begrüßt wurde und von einigen dort im Exil lebenden, den absolutistischen Tendenzen Michaels abholden Portugiesen Ehrenerweisungen erhielt. Die brasilianischen Besucher warteten dann in einem Landhaus in Laleham auf einen Empfang am Londoner Hof. Schließlich machte Maria nach monatelanger Wartezeit die Bekanntschaft König Georgs IV., der ihr zu Ehren am 28. Dezember 1828 in Windsor Castle ein prachtvolles Fest ausrichtete. Doch das Ministerium Wellington stand auf Seiten Michaels, mit dem es einen vorteilhaften Handelsvertrag zu schließen hoffte, und verweigerte Maria daher die Anerkennung. Auch die absolutistisch gesinnten habsburgischen Kreise unterstützten Michael. Dieser hatte ganz Portugal unter seine Kontrolle bekommen; nur die Azoren-Insel Terceira, die von einer Flotte der Miguelisten am 11. August 1829 vergeblich angegriffen wurde, hielt der Graf von Vila Flor für Maria.
Barbacena fand wenigstens nach langer Suche in der 17-jährigen Amélie von Leuchtenberg die zukünftige Braut für Peter I. von Brasilien. Er schiffte sich an Bord der Imperatriz mit Amélie und Maria am 30. August 1829 in Plymouth ein und landete am 16. Oktober 1829 im Hafen von Rio de Janeiro. Bereits am folgenden Tag fand die Hochzeit des brasilianischen Kaisers mit seiner Braut statt. Maria und ihre Geschwister wurden von ihrer jungen Stiefmutter liebevoll behandelt. Allerdings wollte Amélie nicht, dass auch die Kinder ihres Gatten von Domitila de Castro am Hof erzogen wurden. Darüber hinaus war Peters Beziehung mit seiner Mätresse nun beendet.Kendall W. Brown, Women in World History, Bd. 10, S. 305; Marie II da Gloria, Biographie universelle ancienne et moderne, 2. Auflage, Bd. 26, S. 637f.
Erfolgreicher Kampf für Marias Wiedereinsetzung Kaiser Peter I. war weiterhin nicht bereit, den durch die Machtergreifung seines Bruders in Portugal verursachten Vertrauensbruch hinzunehmen. Er richtete für Maria einen Exilhof ein und verlangte von den bei ihm akkreditierten Gesandten europäischer Mächte, dass sie seine Tochter wie eine Königin behandelten. Am 7. April 1831 dankte er wegen innenpolitischer Probleme als Herrscher Brasiliens zugunsten seines einzigen noch lebenden Sohnes, von seiner verstorbenen Gattin Leopoldine, Peter II., ab. Für ihn war eine Regentschaft installiert worden, und er wollte mit Amélie und Maria nach Europa segeln, um dort den Kampf gegen seinen Bruder sowie für den Thron seiner Tochter zu eröffnen. Seine Abfahrt mit Gemahlin und Tochter an Bord eines britischen Kriegsschiffs von Rio de Janeiro verzögerte sich aber. Daraufhin begab sich das königliche Trio an Bord der HMS Volage, erfuhr aber vom englischen Botschafter, als es schon beim Ablegen begriffen war, dass Maria nicht mitfahren könne, da der englische Hof ihren Onkel Michael als portugiesischen König anerkannte und daher ihre Anwesenheit auf einem britischen Kriegsschiff zu diplomatischen Verwicklungen führen würde. Schließlich machte sich Maria an Bord eines französischen Handelsschiffes unter einem Decknamen auf den Weg und traf ihren Vater in Paris. Die brasilianische Kaiserfamilie wurde vom seit 1830 Frankreich regierenden „Bürgerkönig“ Louis-Philippe I. herzlich empfangen und kam bei ihm und seiner Gattin unter. Maria wurde eine enge Freundin von Louis-Philippes Tochter Clementine und erhielt in Paris ihre weitere Erziehung.
Unterdessen begann der zwischen Peter und seinem Bruder Michael ausgetragene Miguelistenkrieg, wobei auf Peters Seite liberal gesinnte Portugiesen und auf der Gegenseite die Absolutisten kämpften. Peter reiste im Frühjahr 1832 auf die Azoren, von denen mittlerweile alle Inseln unter die Kontrolle der Gegner Michaels gefallen waren. Von dieser Inselgruppe aus startete Peter eine Invasion Portugals. Mit seiner Expeditionsflotte landete er am 8. Juli 1832 bei Porto, besetzte diese Stadt kampflos und hielt sich hier ein ganzes Jahr gegen die Miguelisten. Der schottische Marineoffizier Charles John Napier eroberte in seinem Auftrag die Algarve für Maria und vernichtete auch am 5. Juli 1833 beim Cabo de São Vicente Michaels Flotte. Am 24. Juli 1833 konnte der auf Peters Seite kämpfende Graf von Vila Flor, der mittlerweile den Titel eines Herzogs von Terceira erhalten hatte, in Lissabon einziehen. Maria wurde zur konstitutionellen Königin von Portugal und Algarve ausgerufen. Peter traf in Lissabon fünf Tage später ein und übernahm die Regentschaft für seine Tochter. Maria, seit dem 4. April 1833 Herzogin von Porto, wurde nun von Seiten Englands und Frankreichs als Herrscherin Portugals anerkannt. Sie machte sich mit ihrer Stiefmutter an Bord eines portugiesischen Kriegsschiffes am 7. September 1833 von Le Havre aus auf den Weg nach Portugal. Sie landeten unterwegs in Plymouth, wurden jedoch von König Wilhelm IV. in Windsor eher kühl empfangen und kamen nach weiterer Seefahrt am 21. September im Hafen Lissabons an. In dieser Stadt wurden Maria und Amélie von den Volksmassen begeistert begrüßt und fuhren in einer goldenen Kutsche zum, nahe Lissabon gelegenen, Palácio Nacional de Queluz. Am 23. September 1833 erfolgte Marias Krönung. Ihr Vater war aber ernsthaft krank, wogegen auch ein Kuraufenthalt in der Schweiz wenig Abhilfe schaffte.
Der Miguelistenkrieg dauerte noch fort. Im Vertrag der Quadrupelallianz, der am 22. April 1834 in London unterzeichnet wurde, verpflichteten sich neben dem portugiesischen Regenten Peter auch die Könige Wilhelm IV. von Großbritannien und Louis-Philippe I. von Frankreich sowie die spanische Regentin Maria Christina zur Vertreibung von Peters Bruder Michael sowie des spanischen Infanten Karl. Dem Herzog von Terceira gelang am 16. Mai 1834 der entscheidende Sieg gegen die Miguelisten in der Schlacht von Asseiceira. Am 26. Mai 1834 gab Michael schließlich im Vertrag von Evoramonte seine Ansprüche auf den portugiesischen Thron auf und musste dauerhaft ins Exil gehen. Maria wurde dadurch erneut unumstrittene Königin. Schon zuvor hatte ihr Vater die von ihm 1826 erlassene Verfassung wieder in Kraft gesetzt.