Nicolas-Jacques Pelletier (* ca. 1756; † 25. April 1792) war ein französischer Straßenräuber, bei dessen Hinrichtung erstmals eine Guillotine zur Anwendung kam.
Straftaten und Hinrichtung Pelletier, ein justizbekannter Krimineller, war angeklagt, in der Nacht des 14. Oktober 1791 mit einem unbekannten Komplizen in der Pariser Rue Bourbon-Villeneuve, der heutigen Rue d’Aboukir, einen Passanten überfallen, ihm eine Brieftasche mit Wertpapieren geraubt und ihn mit Stockschlägen misshandelt zu haben.Hector Fleischmann: La guillotine en 1793, d’après des documents inédits des Archives nationales. Librairie des Publications Modernes, Paris, 1908, S. 46 f.Eugène Hatin: Histoire politique et littéraire de la presse en France. Poulet-Malassis & De Broise, Paris, 1861, S. 53 f. Das ihm zur Last gelegte Verbrechen war mithin ein EigentumsdeliktHenri-Clément Sanson: Sept générations d’exécuteurs, 1688–1847. Mémoires des Sansons, mis en ordre, rédigés et publiés, Band 3. Dupray de la Mahérie et Co., Paris, 1862, S. 406: „vol avec violences sur la voie publique“., und nicht ein MordJean Bernard: Histoire anecdotique de la révolution française, avec une préface de Jules Simon, 1792. Georges Maurice, Paris, 1892, S. 150 f.: „un assassin, nommé Nicolas-Jacques Pelletier, condamné à mort pour avoir tué un particulier à coups de couteau et lui avoir volé son portefeuille“. Dass es sich bei Pelletier um einen Mörder gehandelt habe, wird allerdings auch durch einen Brief seines Richters Moreau vom 11. April 1792 nahegelegt, der mit wahrscheinlichem Bezug auf Pelletier von einem Verurteilten spricht, welcher sich des gleichen Verbrechens schuldig gemacht habe, wie zuvor zwei „coupables d’assassinat“: Documens administratifs relatifs à l’adoption de la guillotine. In: Revue rétrospective, ou Bibliothèque historique, seconde série, Band 1. Fournier Ainé, Paris, 1835, S. 12 f. oder eine Vergewaltigung,Edmond und Jules de Goncourt: Histoire de la société française pendant la Révolution (1854). Neuauflage: Charpentier, Paris, 1880, Kap. XVII, S. 432: „un coupable de viol, nommé Pelletier“. wie es in späterer Literatur zuweilen dargestellt wurde.
Durch Hilferufe alarmiert hatte die Stadtwache Pelletier noch am Tatort verhaften können. In dem nachfolgenden Prozess war sein Richter Jacob-Augustin Moreau, Bezirksrichter von SensAlexandre Tuetey: Répertoire général des sources manuscrites de l'histoire de Paris pendant la révolution française. Band 4, Teil 4. Imprimerie Nouvelle, Paris, 1905, S. 118, Nr. 824. und Richter des zweiten Kriminalgerichts von Paris. Als Rechtsbeistand wurde dem Angeklagten Guyot de Sainte-Hélène zugeteilt, der jedoch trotz mehrmaliger Aufforderung der Gerichtsverhandlung fernblieb, und so auch der Verkündigung des Todesurteils, das am 31. Dezember 1791 vom zweiten Kriminalgericht bestätigt wurde.Edmond Seligman: La justice en France pendant la Révolution (1789–1792). Librairie Plon, Paris, 1901, S. 401. Am 24. Januar 1792 wurde das Todesurteil noch einmal in letzter Instanz durch das dritte provisorische Kriminalgericht bestätigt.Belegt durch einen Zeitungsartikel vom 22. April 1792, zitiert bei Théodore G. Lenôtre: La guillotine et les exécuteurs des arrèts criminels pendant la Révolution. Libraire académique Perrin et Cie, Paris, 1910, S. 233.
Die Hinrichtung verzögerte sich wegen der laufenden Debatte über die gesetzliche Exekutionsmethode, die durch Dekret der Nationalversammlung vom 23. bis 25. März 1792 schließlich zugunsten der Guillotine entschieden wurde.Edmond Seligman: La justice en France pendant la Révolution (1789–1792). Librairie Plon, Paris, 1901, S. 463. Am 25. April 1792 um 15:30 Uhr nachmittags wurde die Hinrichtung von dem Scharfrichter Charles Henri Sanson auf der Place de Grève öffentlich vollzogen. Die Chronique de Paris schrieb darüber am folgenden Tag:
Einzelnachweise
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