Die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn GmbH (DHE) betreibt im Stadtgebiet Delmenhorst sowie in den Landkreisen Diepholz und Oldenburg eine normalspurige Eisenbahn von 23 km Länge.
Geschichte Die Gesellschaft wurde als Kleinbahn Delmenhorst-Harpstedt GmbH mit Sitz in Harpstedt von den Ländern Preußen und Oldenburg, der Provinz Hannover sowie der Stadt Delmenhorst nebst sechs Landgemeinden gegründet. Sie eröffnete ihre Stammstrecke am 6. Juni 1912. Seit 1951 wird die heutige Firma geführt. Gesellschafter sind seit 1985 die Stadt Delmenhorst, der Landkreis Oldenburg sowie die Gemeinden Harpstedt, Stuhr, Kirchseelte und Dünsen. Von 1922 bis 1959 war Betriebsführer das Landeskleinbahnamt Hannover.
Der Personenverkehr wurde am 23. September 1967 eingestellt und durch den eigenen Omnibusbetrieb übernommen, der 1949 für den Linienverkehr eröffnet worden war.
Von 1998 bis 2014 betrieb die DHE auch die Nebenbahn Delmenhorst–Lemwerder. Diese war noch für die Großherzoglich Oldenburgischen Staatseisenbahnen konzessioniert, aber am 1. November 1922 von der Deutschen Reichsbahn eröffnet und bis 27. Mai 1962 von Personenzügen befahren worden. Als die Deutsche Bundesbahn auch den Güterverkehr aufgeben wollte, erwarben die Stadt Delmenhorst und die Gemeinde Lemwerder im Landkreis Wesermarsch 1999 die Infrastruktur der Strecke. Die Anschlussbahn wurde 2015 stillgelegt.
Die DHE betreibt in Delmenhorst das 1935 von der Wehrmacht erbaute Anschlussgleis (Streckennummer 9157) Annenheide–Adelheide (4,5 km), das jetzt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (ehem. Bundesvermögensstelle) gehört.
Die DHE gehört dem Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN) an sowie dem Eisenbahnnetzwerk Bremen-Niedersachsen (EBN), einer am 1. Juli 2001 von fünf privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) gegründeten Arbeitsgemeinschaft im nordwestlichen Niedersachsen. Die DHE ist Gründungsmitglied. Mit Stand vom 1. August 2013 besteht die Kooperation aus elf EVU.
Museumseisenbahn Jan Harpstedt Von Harpstedt aus veranstalten die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde e. V. (DHEF) seit der Gründung des Vereins am 20. Februar 1976DHEF: Seit 1976: Historische Kleinbahn „Jan Harpstedt“. Die Geschichte der Delmenhorst – Harpstedter Eisenbahnfreunde e. V. an mehreren Wochenenden im Sommerhalbjahr Fahrten des Museumszugs „Jan Harpstedt“ nach Delmenhorst. Gegenwärtig verkehren auch in der Vorweihnachtszeit und vereinzelt in den Wintermonaten des neuen Jahres Museumszüge. Bis Dezember 2009 wurden auch Fahrten nach Lemwerder durchgeführt. Seit 2010 ist die „Historische Kleinbahn Jan Harpstedt“ Station 2 der Route der Industriekultur im Nordwesten und damit Teil der Europäischen Route der Industriekultur
An den Betriebstagen werden vor allem zwei Schienenfahrzeuge eingesetzt: die Dampflokomotive 2 und der mit Diesel betriebene Triebwagen T 121.DHEF: Fahrzeuge Lok 2 wurde von der Firma Krupp 1955 gebaut und gehört dem Typ 3437 an. Triebwagen T 121 wurde 1940 von der WUMAG gebaut und von der DHE für den Museumsbahnbetrieb zur Verfügung gestellt, seit 2023 ist er Eigentum der DHEF.
Zu besonderen Anlässen (dies war z. B. beim 100. Jubiläum der Gründung der DHE am 6. Juni 2012 der FallDHEF: 100 Jahre DHE. Verlagsbeilage des Delmenhorster Kreisblatts. 6. Juni 2012) sind auf der Strecke der Kleinbahn auch Museumszüge befreundeter Eisenbahnvereine im Einsatz.
Aktueller Streckenverlauf (2013) Anschluss an die Bahnstrecke Bremen–Oldenburg Die derzeit (2013) vorhandene Strecke beginnt mit einer Abzweigung vom Rangierbahnhof Delmenhorst an der Bahnstrecke Bremen–Oldenburg. Einem leichten Gefälle folgend verläuft die Strecke südlich der Trasse Bremen–Oldenburg parallel zu dieser an zwei Discount-Märkten vorbei, wo bei km 1,068 die Anschlussbahn Delmenhorst–Lemwerder nach Norden abzweigt. Die Anschlussbahn wurde im Jahr 2015 stillgelegt.
Die Strecke folgt weiter der Trasse Bremen–Oldenburg an der Firma „Neue Arbeit“ (einem ehemals mehrgleisigen kleinen Güterbahnhof) vorbei, wo schon einige Fahrzeuge für die DHEF e. V. hergerichtet wurden, und nimmt dann in Höhe des alten Friedhofs und der Fischstraße eine Linkskurve, um die Bremer Straße zu kreuzen und in den Güterbahnhof Delmenhorst Süd mit dem anliegenden Betriebsgelände des Corbion-Werkes (ehemals BakeMark, ehemals Meistermarken) zu münden, und verzweigt sich auf insgesamt drei Gleise.
Das östlichste Gleis verläuft direkt an einem Gebäude des Werkes und ist auch überdacht. Es wird zum Verladen der Produkte des Werkes in Kühlwaggons benutzt, die von der DHE mehrmals täglich zur Verladehalle des Logistikunternehmens Dachser (ehemals DHL, ehemals Danzas, ehemals Federal Express) an der Strecke Annenheide–Adelheide gefahren werden. Ferner dient dieser Gleiskomplex zum Rangieren von Güterwaggons sowie zum Wenden der Dampflok der DHEF e. V.
Delmenhorst Süd Noch auf dem Gelände des Corbion-Werkes befindet sich der Bahnsteig des Bahnhofs Delmenhorst Süd bei km 0,950. Ferner wurde hier auch rechts der Strecke ein Fahrkartenschalter der DHEF e. V. im Stile des ehemaligen Schrankenwärterhäuschens gebaut (dieses diente bis zum Abbruch den Eisenbahnfreunden als Fahrkartenausgabe, es folgten zwei weitere Bauten).
Unmittelbar danach kreuzt die Strecke die Grüne Straße und läuft weiter nach Süden an der Garten- und Brennstoffhandlung „Nolte“ vorbei, wo auch noch bis Ende 2015 ein kurzes Stumpfgleis abzweigte. In Höhe des Uferweges überquert sie den Hoyersgraben und kreuzt kurz darauf die Straße Klosterdamm.
Hasporterdamm Danach folgt die Haltestelle Hasporterdamm, der erste Bahnsteig dient den aus Harpstedt kommenden Zügen der DHEF e. V. zum Halt. Unmittelbar folgt der mit Halbschranken gesicherte Bahnübergang über die Straße „Hasporter Damm“ und der Bahnsteig für die nach Harpstedt fahrenden Züge.
Weiter verläuft die Strecke am rechts liegenden Atlas-Stadion und am links liegenden Gelände des ehemaligen Bauhofs der Stadt Delmenhorst, der auch mal einen Gleisanschluss hatte und auf dem sich jetzt (2013) ein Einkaufszentrum befindet, vorbei.
Weiter kreuzt die Strecke die Straße „Am Stadion“ und verläuft weiter parallel zur Thorner Straße, wo sie bei km 2,800 die Bundesautobahn 28 unterquert. Nach einer Linkskurve überquert die Strecke im „Affenkäfig“ den Wasserlauf Annenriede und läuft auf den Bahnhof Annenheide zu.
Annenheide Kurz vor dem Bahnübergang über die Annenheider Straße zweigt die Strecke nach Adelheide und zur Kaserne ab. Hinter dem Bahnübergang liegt bei km 3,800 der Bahnhof Annenheide mit dem original erhaltenen Bahnhofsgebäude, dem Bahnsteig und der Ladestraße, die bis heute noch gelegentlich für Verladungen benutzt wird. Die Gleisanlagen verzweigen sich hier auf insgesamt drei Gleise, die zum Rangieren und Wenden benutzt werden, sowie häufig zum Abstellen von Güterwaggons.
Darüber hinaus zweigte hier bis Mai 2019 auch ein Nebengleis zur Wellpappe- und Papierfabrik „Klingele“ ab, von dem es früher sogar zwei gab, jedoch ist eine Weiche schon deutlich früher abgebaut worden, die Gleisanlagen auf dem Werksgelände wurden im Herbst 2017 abgebaut.
Weiter verläuft die Strecke Richtung „Steller Heide“ an der links liegenden Holzhandlung Poppe (ehemals Algostat) vorbei, die ebenfalls einen Gleisanschluss hatte. Auch hier ist die Weiche längst abgebaut.
Bei km 4,650 zweigte nach rechts das 2012 abgebaute Anschlussgleis zum Abfallverwertungsunternehmen Veolia Umweltservice Nord-West GmbH (ehemals Hadler bzw. Cleanaway bzw. Sulo) ab, bei dem eine Verladung des Hausmülls in Container und mehrmals wöchentlich ein Abtransport per Bahn nach Sande erfolgte.
Kurz darauf folgte bei km 4,675 eine Abzweigung nach links zur Firma Wollert GmbH, die ebenfalls Ende 2015 abgebaut wurde.
Weiter auf der Strecke liegen bei km 4,915 eine Brücke über den „Wasserzug am Albertushof“ sowie bei km 5,015 eine weitere Brücke über den Dünsener Bach, der bis 1946 die Grenze zwischen Oldenburg und Preußen bildete.
Stelle (b Groß Mackenstedt) Über die Steller Heide verlaufend, kommt bei km 6,550 der Haltepunkt Stelle (b Groß Mackenstedt), linksseitig folgt dann der Steller See und bei km 7,475 die Unterquerung der Bundesautobahn 1.
Groß Mackenstedt Weiter durchquert die Strecke das Gewerbegebiet Groß Mackenstedt und erreicht bei km 8,600 den Bahnhof Groß Mackenstedt. Vor dem Bahnhof teilt sich die Strecke in zwei Gleise auf, von denen eins mit Laderampen der Firma FIT (Fenster und Industrieböden-Technik) versehen ist, die Gleise vereinen sich wieder in Höhe des ehemaligen Stationsgebäudes, das heute privat bewohnt wird.
Die Strecke verläuft weiter nach Süden und kreuzt bei km 8,900 die Kreisstraße K110.
Heiligenrode Weiter passiert die Strecke linksseitig das Betriebsgelände der Firma „Moderne Bauelemente“ und mündet bei km 10,165 in den dreigleisigen Gleiskomplex des Bahnhofs in Heiligenrode. Diese Gleise werden ebenfalls noch oft zum Abstellen von Güterwaggons benutzt.
Bei km 10,470 liegt der Bahnhof Heiligenrode mit dem erhaltenen Bahnhofsgebäude, das jetzt eine Gaststätte beinhaltet.
Weiter verläuft die Strecke nach Südwesten und kreuzt erneut die Kreisstraße K110 bei km 10,900.
Kirchseelte Bei km 13,915 liegt der Bahnhof Kirchseelte, dessen Stationsgebäude im alten Stil erhalten ist und privat bewohnt wird.
Groß Ippener Nach einer Steigung wird bei km 17,275 der Haltepunkt Groß Ippener erreicht. Von den einst umfangreichen Bahnhofsanlagen ist nur noch das Stationsgebäude erhalten geblieben, das privat bewohnt wird. Sämtliche weiteren Gleisanlagen sind abgebaut, so dass nur noch die Trapeztafeln an den ehemaligen Bahnhof erinnern.
Dünsen Weiter verläuft die Strecke durch den Dünsener Forst parallel zur Straße „Langes Tal“ und bewältigt hier nochmal eine kleine Steigung, um bei km 20,050 den Haltepunkt Dünsen zu erreichen. Hier steht das im zeitgenössischen Stil erhaltene Gebäude des Bahnhofsrestaurants und Hotels „Waldfrieden“, das heute das „Landhotel Rogge Dünsen“ beinhaltet. Sämtliche Weichen sind abgebaut, so dass nur noch die Trapeztafeln an den ehemaligen Bahnhof erinnern.
Harpstedt Die Strecke endet auf dem Betriebsgelände der DHE bei km 22,500. Neben dem neu errichteten Verwaltungsgebäude – das alte historische Bahnhofsgebäude wurde 2004 abgerissen – befinden sich hier zwei Bahnsteige sowie einige Laderampen. Ferner ist hier noch der alte Lokschuppen vorhanden, der bis heute als Lokomotiv- und LKW-Werkstatt benutzt wird, sowie die neue Fahrzeughalle der DHEF e. V. Darüber hinaus zweigt noch ein Gleis zur Raiffeisen-Warengenossenschaft ab, die durch die DHE mit Dünger beliefert wird.
Weiterhin werden in Harpstedt komplette Holzzüge beladen. Die Züge bestehen in der Regel aus 20 privaten Doppel-Wagen mit einer Zuglänge von ca. 560 m und einem Zuggewicht von ca. 1600 t. Empfänger der Züge ist das Werk der Zellstoff Stendal Holz GmbH in Arneburg-Niedergörne. Bei Einsatz von Diesellokomotiven (in der Regel Blue Tiger oder Baureihe 216) übernehmen Fremd-EVU die Traktion auch auf der DHE-Strecke, während die DHE die erforderlichen Rangierleistungen im Bahnhof Harpstedt mit eigenen Fahrzeugen übernimmt.
Historischer Streckenverlauf Seit Gründung der „Kleinbahn Delmenhorst-Harpstedt“ und Verlegung und Eröffnung der Strecke im Jahr 1912 ereigneten sich zahlreiche Veränderungen an den einzelnen Streckenabschnitten und Stationen.
Delmenhorster Innenstadt:
Vor der Hochlegung der Trasse Bremen–Oldenburg zweigte die Strecke Delmenhorst–Harpstedt bis 30. November 1970 direkt im Delmenhorster Hauptbahnhof ab. Dazu diente ein eigener Bahnsteig am damaligen Gleis 11. Die Strecke passierte die Orthstraße, die damals noch eine Durchgangsstraße war, den Fluss Delme, die Fischstraße und die Bremer Straße, um in den Bahnhof Delmenhorst Süd direkt am Werksgelände der damaligen Margarinefabrik Meistermarken-Werke (ehemals Blauband, heute BakeMark) zu münden. Unterwegs folgte noch ein Gleisanschluss zum damaligen Gaswerk.