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Eine Herztransplantation (abgekürzt HTX) ist die Verpflanzung eines Herzens von einem Organspender zu einem Empfänger.

Definition Allgemein wird mit Herztransplantation die Organverpflanzung zwischen Menschen bezeichnet. Dabei wird das noch biologisch aktive Herz eines Organspenders einem Empfänger eingepflanzt. Die Feststellung des Hirntods wird von einem Ärztegremium getroffen, welches unabhängig vom transplantierenden Ärzteteam diese Diagnose stellt. Das Herz des Empfängers kann entweder entfernt (orthotopes Verfahren) oder im Körper belassen werden, um das Spenderherz zu unterstützen (heterotopes Verfahren).

Immunsuppression Da eine Abstoßungsreaktion in jedem Falle unterdrückt werden muss, ist die Notwendigkeit einer Immunsuppression lebenslang gegeben. Hierzu ist die Beobachtung der Immunreaktion von entscheidender Bedeutung, so dient zum Beispiel die Echokardiografie (Ultraschall des Herzens) als maßgebliche Beurteilungsmethode. Jüngere Forschung zeigt, dass in einer Blutprobe die Menge freier DNA (außerhalb von Zellen befindliche DNA) des Spenderorgans ansteigt, bevor die Echokardiografie Aufschluss geben kann.Marieke Degen: Spenderorgane – Bluttest erkennt frühzeitig Abstoßungsreaktionen, Deutschlandfunk „Forschung aktuell“ vom 19. Juni 2014 Im Langzeitverlauf wird als immunsuppressive Therapie meist eine Kombination von Steroiden, Azathioprin und Cyclosporin A, gegebenenfalls zusätzlich initial von lytischen Antikörpern gegen T-Lymphozyten, eingesetzt.

Risiken Eine Herztransplantation ist ein tiefgreifender und mit erheblichen Risiken behafteter Eingriff, dessen Nutzen genau abgewogen werden muss. Bei einer deutschlandweiten StudieTransplantationsstudie (PDF; 288 kB; englisch) wurde festgestellt, dass die Transplantation nur für Patienten mit hohem Risiko statistisch von Vorteil war.

Die notwendige immunsuppressive Therapie birgt das Risiko von Entzündungen, weil das Immunsystem hierbei stark beeinträchtigt wird.

Kontraindikationen Einige Patienten sind nicht für eine Herztransplantation geeignet, vor allem wenn sie noch unter anderen (nicht das Herz betreffenden) Kreislauf-Beschwerden leiden. Folgende Umstände können die Komplikationsrate während der Operation erhöhen: Nieren-, Lungen- oder Lebererkrankungen insulinabhängiger Diabetes mit anderen Organ-Dysfunktionen andere lebensbedrohende Krankheiten Gefäßerkrankungen der Hals- und Beinarterien erhöhter pulmonalvaskulärer Widerstand junge Thromboembolien Alter über 60 Jahre (verschiedene Angaben je nach Zentrum) Alkohol- oder Drogenmissbrauch

Überlebensrate Die 5-Jahres-Überlebensrate betrug 2008 70–80 %.

Geschichte Die erste tierexperimentelle Herztransplantation fand 1905 in Wien an einem Hund statt, dem durch Alexis Carrel ein Hundeherz in die Halsregion eingepflanzt wurde. Bei den folgenden Experimenten konnten die Herzen bis 21 Stunden schlagen, bevor sie – meist infolge der Ausbildung intrakavitärer Thrombosen – ihre Funktion einstellten.Friedrich Wilhelm Hehrlein: Herz und große Gefäße. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen: Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Dustri-Verlag, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 164–185, hier: S. 179–181. Im gleichen Jahr war in einer US-amerikanischen Zeitung zu lesen, dass ein Mann namens A. Durr zwei Herzen im Körper hatte und diese nach seinem Tode dem Meistbietenden verkaufen wolle. Angebote, bereits zu Lebzeiten eines der Herzen zu verkaufen, lehnte er hingegen ab.Was kostet ein Herz?, wiedergegeben in Berliner Volkszeitung, 19. August 1905. Die Methode Carrels wurde 1933 von Frank C. Mann und seinen MitarbeiternFrank C. Mann, James T. Priestley, J. Markowitz, Wallace M. Yater: Transplantation of the Intact Mammalian Heart. In: Arch. Surg. Band 26, 1933, S. 219 ff. an der Mayo-Klinik übernommen und verbessert, unter anderem, indem eine Durchblutung der Herzkranzgefäße des Spenderherzens als sogenannte „Viviperfusion“ durchgeführt wurde. Damit konnte ein transplantiertes Herz acht Tage überleben, bevor es durch Abstoßung oder Infektion seine Funktion einbüßte. Eine Forschergruppe um Demichow in Moskau erreichte 1959Vladimir P. Demichov: Transplantation of the Heart and Lungs Experimentally. In: Tr. Acad. M. Sc. USSR. Band 12, 1959, S. 18 ff. im Tierversuch eine Überlebenszeit des intrathorakal eingepflanzten Spendertransplantats von 32 Tagen. Von Richard R. Lower und Norman E. ShumwayVgl. Norman E. Shumway: Cardiac Transplantations. In: Heart Bulletin. Band 12, 1963, S. 57 ff. wurde 1960 die orthotope Herztransplantation nach der Goldberg-TechnikM. E. Goldberg, E. F. Berman, L. C. Akman: Homologous Transplantation of the Canine Heart. In: J. Intern. Coll. Surgeons. Band 30, 1958, S. 575 ff. tierexperimentell ausgebaut.Friedrich Wilhelm Hehrlein: Herz und große Gefäße. 1973, S. 180 f.

Im Jahr 1964 verpflanzte James D. Hardy das Herz eines Schimpansen in einen komatösen Patienten, in dem es rund eine Stunde schlug. Die weltweit erste erfolgreiche kurative Herztransplantation am Menschen vollführte am 3. Dezember 1967 Christiaan Barnard im Groote Schuur Hospital in Kapstadt. Die gefäßchirurgische Ausführung der Herztransplantation entsprach der von Ernst Jeger (1884–1915), einem Schüler Alexis Carrels, 1913 in Die Chirurgie der Blutgefäße und des Herzens beschriebenen Technik.Ernst Kern: Sehen – Denken – Handeln eines Chirurgen im 20. Jahrhundert. ecomed, Landsberg am Lech 2000, ISBN 3-609-20149-5, S. 161. Inwieweit vor Barnards Operation außerdem der Assistent bei Transplantationen im Tierversuch Hamilton Naki involviert war, ist umstritten. In der Vergangenheit gab es einige Pressemitteilungen, die Naki eine entscheidende Rolle zuschreiben, die in der Apartheid wegen seiner Hautfarbe jedoch totgeschwiegen worden war. Allerdings mussten viele dieser Mitteilungen revidiert werden.Stefan von Smmoggy: Hidden Heart: Als Freund und Kollege. In: Deutsches Ärzteblatt, 2008.Corrections: Hamilton Naki. In: BMJ, 1. September 2005, doi:10.1136/bmj.331.7515.519-fMargalit Fox: Editors Note. In: New York Times, 27. August, 2005.Anmerkung: Die Editors Note findet sich ganz am Ende des ArtikelsDepartment of Error. In: The Lancet, 13. August 2005, doi:10.1016/S0140-6736(05)67097-3 Der Patient Louis Washkansky erlag jedoch 18 Tage nach der Operation einer Pneumonie. Der Eingriff löste ein immenses weltweites Medienecho mit teilweise sehr kontroversen Debatten aus. Washkansky wurde dabei fast ständig mit vollem Namen erwähnt – auch mit Spitznamen wie „Washy“ – und in früheren und aktuellen Bildern gezeigt.Ein ähnlicher Medienhype wiederholte sich 1983 nach der ersten Herztransplantation in Österreich am Patienten Josef Wimmer. Der Medienhype veranlasste 1972 Eckart Roloff, in seiner Dissertation über die Presseberichterstattung zu Herzverpflanzungen von der „publizistischen Entdeckung des Patienten“ zu sprechen.Eckart Klaus Roloff: Die Berichterstattung über Herztransplantationen in der westdeutschen Presse. Eine aussagenanalytische Fallstudie zu Phänomenen des Medizinjournalismus. Phil. Dissertation, Salzburg 1972. 356 Seiten.Ferner: Eckart Roloff: Die publizistische Entdeckung des Patienten. Eine Presseanalyse zum Medizinjournalismus und zu den ersten Herztransplantationen. Nomos, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8487-0731-7 (Leicht bearbeitete Fassung der Dissertation mit einem ausführlichen Vor- und Nachwort von 2013)

Nur drei Tage nach der ersten Herztransplantation von Barnard verpflanzte Adrian Kantrowitz ein Kinderherz am Maimonides Medical Center in Brooklyn, New York City.Dr. Adrian Kantrowitz, Cardiac Pioneer, Dies at 90. New York Times, 19. November 2008; abgerufen am 5. Dezember 2011 (englisch) Die Operation scheiterte allerdings; das Kind starb kurz nach der Operation. Anfang 1968 transplantierte Norman E. Shumway an der Stanford University das zweite Herz in den USA. Christian Cabrol transplantierte am 27. April 1968 am Hôpital de la Salpêtrière das erste Herz in Europa. Der Patient Clovis Roblain starb allerdings nur gut drei Tage nach der Operation.

Weitere bekannte Personen mit den ersten Spenderherzen waren: Philip Blaiberg aus der Republik Südafrika wurde am 2. Januar 1968 als weltweit zweiter erwachsener Patient von Barnard operiert und starb im August 1969 Robert McKee aus den USA im August 1968, starb im Mai 1970 Louis Russel aus den USA erhielt zwei Transplantate, zuletzt am 24. August 1968 Edward Falk aus den USA mit einer erstmals gleichzeitigen Transplantation des Herzens und zweier Lungenflügel bei einem Menschen am 15. September 1968 durch Denton Cooley. Falk starb sechs Tage nach der Operation. Leo Allan Boyd aus Kanada im November 1968, starb im März 1970

Von Dezember 1967 bis Anfang September 1970 wurden insgesamt 164 Herzen transplantiert. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch 20 Überlebende. Die im November 1968 in Marseille durchgeführte zweite Herztransplantation in Frankreich war dabei lange Zeit die erfolgreichste: Emmanuel Vitria lebte danach 19 Jahre mit Spenderherz und starb 1987 im Alter von 67 Jahren.

1974 führte Barnard erstmals mit dem Patienten Ivan Taylor eine heterotope Herztransplantation (Heterotope HTx) durch, bei der das geschwächte Herz im Körper verbleibt und ein transplantiertes Herz auf dem bestehenden zur Entlastung aufliegt.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde am 13. Februar 1969 durch den Chirurgen Rudolf Zenker in der Chirurgischen Universitätsklinik München an einem 36-jährigen Patienten die erste Herztransplantation durchgeführt. Der Patient starb aber 27 Stunden nach der Transplantation. Die erste Herztransplantation nach 1969 wurde erst wieder nach der Entwicklung des neuen Medikamentes mit dem Arzneistoff Ciclosporin am 7. Mai 1981 am Deutschen Herzzentrum München wiederaufgenommen und war erfolgreich. 1984 gab es in der Bundesrepublik Deutschland vier Herztransplantationszentren: Klinikum München-Großhadern (LMU), Deutsches Herzzentrum München (TU), Medizinische Hochschule Hannover und das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. In Berlin verpflanzten sowohl Roland Hetzer in West-Berlin als auch Helmut Wolff an der Charité in Ost-Berlin 1986/87 die ersten Herzen. In der Deutschen Demokratischen Republik folgten dieser ersten 37 weitere bis zur Wende.H. Wolff: Zur Entwicklung der Chirurgie und der chirurgischen Forschung in der DDR. Deutsche Gesellschaft für Chirurgie – Mitteilungen 1/2012, S. 1–8

Die erste Herztransplantation in der Schweiz fand am 14. April 1969 durch den Chirurgen Åke Senning am Kantonsspital Zürich statt.Erste Herztransplantation in der Schweiz. srf.ch; abgerufen am 5. April 2018. Die Transplantation des Herzens des 27-jährigen Albert Gautschi an den 54-jährigen Emil Hofmann war ob der ethischen und juristischen Korrektheit umstritten; Patient Hofmann starb 13 Wochen nach der Transplantation an einer Infektion.www.nzz.ch, Simon Hehli: «Man hat das Herz meines Sohnes gestohlen»: Wie die erste Schweizer Transplantation zum Skandal wurde, 2. Mai 2022 Weitere Herztransplantationen fanden in Folge in Lausanne und Genf, später in Bern und Basel statt. 1985 wurden die Transplantationen in Zürich durch Marko Turina wiederaufgenommen. Derzeit bestehen in der Schweiz die Transplantationszentren Lausanne/Genf, Bern und Zürich.