mini|hochkant|Nestelbach um 1900 mini|hochkant|Wandtafel mit alter Ortsansicht Nestelbach bei Graz ist eine Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) östlich von Graz in der Steiermark in Österreich.

Geografie Geografische Lage Nestelbach bei Graz liegt etwa 13 km östlich der Landeshauptstadt Graz in der Oststeiermark im Bezirk Graz-Umgebung bzw. im Gerichtsbezirk Graz-Ost. Nestelbach grenzt im Süden an den Schemerlrücken, einer Wasserscheide zwischen den Flüssen Mur und Raab. Das Gemeindegebiet befindet sich im Oststeirischen Hügelland, welches durch schmale und lang gestreckte Geländerücken – so genannte Riedel – geprägt wird.

Der namensgebende Nestelbach setzt sich aus zwei Zuflüssen von verschiedenen Quellen zusammen und fließt in den Laßnitzbach, welcher in die Rabnitz, einem Nebenfluss der Raab, mündet. Der Talausgang mit seinem flachen Gefälle in Richtung der Stadt Gleisdorf im Osten der Ortschaft ist zugleich die Abflussrichtung des Nestelbaches. In alle anderen Richtungen besteht eine große Steigung zum Schemerlrücken hin. Im Norden befindet sich die Katastralgemeinde Mitterlaßnitz, welche durch einen von West nach Ost verlaufenden Riedel vom Hauptort getrennt ist. Durch Mitterlaßnitz verläuft der Laßnitzbach, von der Nachbargemeinde Laßnitzhöhe kommend, in welchen der Nestelbach auf Gleisdorfer Gemeindegebiet einmündet. Der südliche Teil der Gemeinde, die ehemalige Gemeinde Edelsgrub, wird von der Stiefing in Richtung Süden entwässert.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende elf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ): Edelsgrub () samt Edelsbach, Kesselgraben und Kolmegg Hirtenfeld () Kogelbuch () Lambach () Langegg-Ort () Mittergoggitsch () Mitterlaßnitz () samt Mitterlaßnitzberg und Mitterlaßnitzstraße Nestelbach bei Graz () samt Brunn-Schaufel, Kogelbuch, Nestelbachberg und Schemerlhöhe Obergoggitsch () Unterbuch () Zaunstein ()

Die Gemeinde besteht aus vier Katastralgemeinden (Fläche: Stand ): Edelsgrub () Langegg bei Graz () Mitterlaßnitz () Nestelbach ()

Nestelbach bildet als Siedlungsform ein Haufendorf, hat also einen unregelmäßigen Grundriss mit zentralem Ortskern, dessen angrenzende Häuser eng um zwei Plätze angeordnet sind. Das Zentrum bilden der Kirchplatz mit der Pfarrkirche und der etwas tiefer gelegene Dorfplatz mit dem Gemeindeamt. Im Westen, auf dem Friedhofsrücken, und im Osten, in Richtung Gleisdorf, verjüngt sich das Haufendorf aus Platzmangel zu einem Straßendorf. Mitterlaßnitz bildet, wie das übrige Gemeindegebiet, eine Streusiedlung mit auseinanderliegenden Gehöften. In Nestelbachberg und in Mitterlaßnitz kommt es jedoch zu einer Anhäufung dieser zu größeren Gruppen.

Eingemeindungen Die Gemeinde Mitterlaßnitz wurde am 1. Jänner 1959 in die Gemeinde eingegliedert, Langegg und Edelsgrub am 1. Jänner 2015.

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn grenzen an Nestelbach bei Graz: Sankt Marein bei Graz im Südosten, Empersdorf (Bezirk Leibnitz) im Süden, Vasoldsberg im Südwesten, Laßnitzhöhe im Westen, Eggersdorf bei Graz im Norden; sowie Gleisdorf im Nordosten und Sankt Margarethen an der Raab im Osten (beide Bezirk Weiz).

Geologie Die Gemeinde Nestelbach liegt im steirischen Tertiärbecken in Schotterablagerungen, die als Schemmerlschotter bezeichnet werden (nach der Schemmerlhöhe südlich von Nestelbach). Diese Ablagerungen werden in das Pannon im Miozän (Neogen) datiert, sind daher etwa sieben bis elf Millionen Jahre alt. Als geologische Stufe entspricht dieses Alter dem Torton. Der Schotter ist durch seinen Gehalt an Geröllen aus Kalkstein und Wirbeltierresten (Vertebratenfaunen) bekannt. Es handelt sich bei dieser Schicht um eine Flussablagerung in südöstlicher Richtung aus dem Alpenraum nördlich von Graz. Diese Ablagerungen bilden nordwestlich-südöstlich gerichtete flache Geländerücken (Riedel), welche die Täler der größeren Flüsse (hier: Mur und Raab) voneinander trennen.

An diese Schicht schließen die „Gleisdorfer Schichten“ an, die sich aus den Resten der Ablagerungen aus einem damaligen Vorstoß (Ingression) des Paratethys-Meeres ins Oststeirische Becken bildeten.Helmut W. Flügel, Franz Neubauer: Geologie der österreichischen Bundesländer in kurzgefassten Einzeldarstellungen. Steiermark. Geologische Karte der Steiermark 1:200.000 mit Erläuterungen. Geologische Bundesanstalt, „Bundesländerserie“, Wien 1984, ISBN 3-900312-12-5, S. 23–24. Dieser „Meeresstrand am Alpenostrand“ entstand im Zug der tektonischen Hebungen und Senkungen während des abschließenden Aufbaus der Alpen und enthält mehrfache Verschiebungen der damaligen Küstenlinien dieses Meeres aus dem Miozän.Hans Georg Krenmayr, Albert Daurer (Redaktion): Rocky Austria. Eine bunte Erdgeschichte von Österreich. Geologische Bundesanstalt, Wien 1999, ISBN 3-85316-006-9, S. 45–46.

Geschichte mini|Urkunde von 860; „ad Nezilinpah“ (Zeile zehn, zweite Ortschaft von rechts) Im Jahr 860 wurde Nestelbach zum ersten Mal als „Nezelinpah“ in einer Schenkungsurkunde von König Ludwig dem Deutschen an die Erzbischöfe von Salzburg erwähnt. Nestelbach lag zu dieser Zeit an der Grenze zu Karantanien, welche der Schemerlrücken (früher Mons Predel genannt) bildet. Nach den Ungarneinfällen wurde Nestelbach im Jahr 1218 in das neu gegründete Bistum Seckau eingegliedert. Diese vergab den Besitz als Lehen an Ritter, von denen 1351 ein Georg von Nestelbach urkundlich erwähnt wurde. Nach den Türken- und Ungarneinfällen Ende des 13. Jahrhunderts war das Gut Nestelbach vorübergehend ausgestorben. In der Vischer-Karte von 1678, einer Landesaufnahme, taucht der Ortsname „Nostelbach“ oder „Nöstelbach“ auf. Der Buckerlberg, auf dem sich erste Siedlungsspuren befanden, wird als „Buckl am Eckh“ genannt.Nestelbach auf der Vischer-Karte von 1678 auf GIS-Steiermark In der Josephinischen Landesaufnahme von 1787 ist bereits der heute verwendete Ortsname „Nestelbach“ eingetragen.Nestelbach auf der Josephinischen Landesaufnahme auf GIS-Steiermark

Im Laufe der Jahrhunderte war Nestelbach zur Zeit Kaiserin Maria Theresias Wehrerhebungsbezirk und gehörte zwischenzeitlich zum Besitz der Freiberger. Die erwähnte erste Siedlung befand sich also am Buckelberg, welcher seit 1950 zur Gemeinde Laßnitzhöhe gehört. Laut der Steiermark-Chronik ist Nestelbach der älteste erhaltene deutschsprachige Ortsname in der Steiermark.

Die deutsche Schriftstellerin Nina d’Aubigny von Engelbrunner (1770–1847) zog nach dem Tod ihrer Neffen Eduard und Georg Horstig im Jahr 1828 auf das Erkoschlösschen (auch „Bethanien“ oder „Bethanien-Kloster“) in Brunn, Gemeinde Krumegg bei Graz, und damit in die Nähe ihrer Schwester Emilie. Hier betrieb sie Landwirtschaft und Viehzucht und zog sich weitgehend aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Sie verstarb 1847 und wurde auf dem Friedhof der Pfarre Nestelbach bei Graz beerdigt.

Beim Endphaseverbrechen Nestelbach wurden am 11. April 1945 elf nicht mehr arbeitsfähige Juden zum Schrattelgraben in unmittelbarer Nähe des in Bau befindlichen Panzersperrwerkes getrieben, wo sie laut Gerichtsakten von SS-Angehörigen erschossen wurden. Am 14. April 1945 wurden weitere fünf Personen von Angehörigen der Organisation Todt wiederum im Schrattelgraben erschossen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Bestrebungen, das Pfarrheim als Kino zu adaptieren. 1948 wurde im Theatersaal ein Koffer-Apparat der Firma Fargel aufgestellt. Trotz Vorführbefugnis vom 19. Jänner 1949 gingen der Projektor und das Kino nie in Betrieb.Franz Suppan: Film und Kino in der Steiermark. Produktion, Reproduktion und Rezeption eines audiovisuellen Unterhaltungsmediums in der Zeit von 1896 bis 1996, Univ.-Diss., Graz 1996, S. 249.

Am 1. Jänner 2015 wurde im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform die ehemaligen Gemeinden Langegg bei Graz und Edelsgrub mit Nestelbach zusammengeschlossen; die neue Gemeinde trägt weiterhin den Namen „Nestelbach bei Graz“.Kundmachung (PDF) der Steiermärkischen Landesregierung vom 19. Dezember 2013 über die Vereinigung der Gemeinden Edelsgrub, Langegg bei Graz und Nestelbach bei Graz, alle politischer Bezirk Graz-Umgebung. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 30. Dezember 2013. Nr. 187, 38. Stück, , S. 763.

Bevölkerungsentwicklung

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Pfarrkirche Nestelbach bei Graz

Katholische Pfarrkirche Nestelbach bei Graz hl. Jakobus der Ältere

Friedhof Nestelbach: Durch Zuteilungen aus den Nachbarpfarren und Zusammenlegung wuchs das Gebiet der Pfarre Nestelbach ständig an. Der alte Friedhof um die Kirche überschritt seine Kapazität. Aus Platzgründen wurde er auf den Hügelrücken oberhalb der Pfarrkirche verlegt. In den 1930er und 1940er Jahren wurden die letzten Grabinschriften von der Kirchenmauer entfernt.

Katholische Kapellen in Nestelbach Name Beschreibung Bild Dorfkapelle Mitterlaßnitz Die Kapelle der ehemaligen Gemeinde Mitterlaßnitz, nunmehrigen Katastralgemeinde Nestelbachs, wurde im Jahr 1850 als Dorfkapelle für die Christenlehre errichtet. Die Glocke, die sich im hölzernen Turm befindet, wurde während des Ersten Weltkriegs im Stroh eines benachbarten Bauern versteckt und entging damit der Einschmelzung. Im Zweiten Weltkrieg geschah dieses Vorhaben auf kuriose Weise: Man nahm den Strick ab, der an der Glocke befestigt war, und verleugnete ihre Existenz. Ende des Jahres 1979 wurde die Dorfkapelle renoviert, weil die Nässe den Grundmauern und dem Dachstuhl zugesetzt hatte und das Gebäude einsturzgefährdet war. Im Juni 1980 wurde sie neu geweiht und mit einem elektrischen Läutewerk versehen. 120px Donatus­kapelle Langegg Die dem heiligen Donatus geweihte Kapelle steht auf dem ehemaligen Gemeindegebiet von Langegg bei Graz. Die heutige Dorfkapelle wurde von den Brüdern Franz und Josef Oswald von 1855 bis 1858 errichtet. Sie soll ein verkleinerter Nachbau der Pfarrkirche Nestelbach sein und hat eine Breite von acht Metern, eine Länge von zwölf Metern und eine Höhe von achtzehn Metern. Es handelt sich bei der Kapelle um einen Bau mit spätbiedermeierlicher Turmfassade. Am Altar befindet sich ein Bild des heiligen Donatus, der die Ortschaft von einem schweren Unwetter verschont hatte.

Über dem Tabernakel steht die Statue „Maria mit dem Kinde“, eine Nachbildung des Mariazeller Gnadenbildes. Im Innenraum stehen 56 und auf der Chorempore 12 Sitzplätze zur Verfügung. Der Turm, dessen Dach 1907 aufgespitzt wurde, beherbergt zwei Glocken. 120px Kapelle Edelsbach Die Kapelle in Edelsbach, die zwischen den Ortschaften Edelsgrub und Krumegg liegt, wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Das Grundstück befand sich ursprünglich im Besitz der Riegersburg und die Erbauerin hieß Frau Bäckermeister. Wegen eines Straßenbaus wurde die ursprüngliche Kapelle im Jahr 1968 abgerissen. Der Neubau begann 1970 und wurde mit der Einweihungsfeier 1972 durch Pfarrer Neumann abgeschlossen. 1995 erfolgte eine Renovierung der Edelsbacher Kapelle und im August desselben Jahres die Weihe durch Pfarrer Friedrich Tieber. 120px Steinberg­kapelle Die Kapelle trägt das Patrimonium der Schmerzhaften Mutter ist auch unter dem Namen Pfeifferkapelle bekannt und wurde im Jahr 1700 erbaut und befindet sich auf dem Gebiet der politischen Gemeinde Vasoldsberg im Ortsteil Steinberg. Die Statue der Schmerzhaften Mutter, die 1840 zum Preis von einem Kübel Schmalz erworben wurde, befindet sich im Innenraum. Der Vulgoname der Kapelle lautet „Haaspeter“ und dieser ist in einigen Landkarten vermerkt. In den Jahren 1957 und 1987 fanden umfassende Renovierungsarbeiten statt, wobei am 22. September 1957 die Glockenweihe stattfand. Das elektrische Läutewerk wurde wegen Geldmangel erst im Jahr 1989 eingebaut. 120px

mini|hochkant|Figurenbildstock des hl. Johannes Nepomuk vor der Pfarrkirche