mini|Gerald Ford, 1974rahmenlos|zentriert|hochkant|klasse=skin-invert-image Gerald Rudolph Ford Jr. (* 14. Juli 1913 in Omaha, Nebraska; † 26. Dezember 2006 in Rancho Mirage, Kalifornien; geboren als Leslie Lynch King Jr., nach Adoption umbenannt) war von 1974 bis 1977 der 38. Präsident der Vereinigten Staaten. Er war Mitglied der Republikanischen Partei und wurde 1965 Fraktionsvorsitzender (Minority Leader) seiner Partei im Repräsentantenhaus, dem er von 1949 bis 1973 angehörte.
Nach dem Rücktritt von Vizepräsident Spiro Agnew am 10. Oktober 1973 nominierte Präsident Richard Nixon Ford als seinen neuen Vizepräsidenten. Der Senat stimmte dem am 27. November zu, das Repräsentantenhaus am 6. Dezember. Im August 1974 trat Präsident Nixon im Zuge der Watergate-Affäre zurück. Ford wurde auf diese Weise Präsident, und zwar als einziger, der weder als Präsidentschaftskandidat noch als Vizepräsidentschaftskandidat durch das Wahlmännerkollegium gewählt wurde. Die Präsidentschaftswahl im November 1976 verlor er in einer knappen Entscheidung gegen den Demokraten Jimmy Carter. Fords Präsidentschaft endete am 20. Januar 1977. Seine 895 Tage währende Präsidentschaft ist die kürzeste aller US-Präsidenten, die nicht im Amt verstorben sind.
Leben
Frühe Jahre
Kindheit und Ausbildung mini|Ford als Kleinkind 1914 mini|Ford als Football-Spieler an der Universität von Michigan im Jahr 1933 Gerald Rudolph Ford wurde am 14. Juli 1913 als Leslie Lynch King in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska geboren. Benannt wurde er nach seinem leiblichen Vater Leslie Lynch King Sr. Seine Mutter Dorothy Ayer Gardner trennte sich jedoch wenige Wochen nach der Geburt vom Vater, der an Alkoholismus litt und seine Frau schlug. Nach der Trennung zog Dorothy mit ihrem Sohn zeitweise nach Illinois zu ihrer Schwester und deren Ehemann. Später siedelte sie nach Grand Rapids in Michigan um, wo sie mit dem Sohn zunächst bei ihren Eltern unterkam. Die Ehe von Dorothy Gardner mit Leslie Lynch King wurde im Dezember 1913 offiziell geschieden. Bis zu seinem Tode im Jahr 1930 bezahlte der Großvater väterlicherseits Charles Henry King Unterhalt an Dorothy.
In Grand Rapids lernte Dorothy Gardner Gerald Rudolff Ford kennen, den sie im Jahr 1917 heiratete. Ford arbeitete als Verkäufer in Grand Rapids im Familienbetrieb seiner Eltern für Farben und Lacke. Nach der Heirat adoptierte Ford den jungen Leslie Lynch King, der daraufhin den Namen des Stiefvaters annahm. Aus Fords Ehe mit Dorothy gingen drei weitere Söhne hervor: Thomas Gardner Ford (1918–1995), Richard Addison Ford (1924–2015), und James Francis Ford (1927–2001). Die Schreibweise seines Mittelnamens änderte Ford später selbst von Rudolff in Rudolph. Mit seinem Stiefvater kam Ford gut zurecht. Über ihn sagte er später: „Mein Stiefvater war eine großartige Person und meine Mutter genauso wunderbar“ („My stepfather was a magnificent person and my mother equally wonderful“).Philip Kunhardt Jr.: Gerald R. Ford "Healing the Nation". Riverhead Books, New York, S. 79f (englisch). Zu seinem leiblichen Vater, der 1941 starb, hatte er mit Ausnahme einer Begegnung als Jugendlicher keinen weiteren Kontakt mehr.John Robert Greene: Gerald Ford: Life before the presidency. Miller Center of Public Affairs, University of Virginia (englisch).
In Grand Rapids besuchte der junge Ford eine Highschool, die er 1931 als einer der besten seines Jahrgangs abschloss. Besonders Interesse zeigte „Jerry“, wie er genannt wurde, an Geschichte und Politik. Nach dem Abschluss der Highschool studierte er zunächst an der University of Michigan Wirtschaftswissenschaften. Nach Abschluss in diesem Studienfach lehnte Ford ein Jobangebot bei einem Unternehmen in Grand Rapids ab, um – ebenfalls an der University of Michigan – Rechtswissenschaften zu studieren. 1938 wechselte er an die Yale University, wo er sich schon 1935 einmal vergeblich um einen Studienplatz beworben hatte. Dort machte Ford 1941 seinen Bachelor und galt erneut als einer der besten seines Jahrgangs. Sein Studium finanzierte Ford größtenteils durch diverse Nebenjobs, unter anderem als Kellner in einem Restaurant. Während seiner Zeit am College und Universität war er begeisterter American-Football-Spieler, wo er zwischen 1932 und 1935 an mehreren Meisterschaften teilnahm. Ford, der meist in der Position Center spielte, war unter seinen Mannschaftskollegen als zuverlässig geschätzt und galt als einer der besten Spieler des Teams. 1935 nahm er zeitweise auch einen Job als Football-Trainer an. Ford blieb zeit seines Lebens interessiert an Football und besuchte auch während seiner politischen Karriere regelmäßig Spiele.Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series). Times Books/Henry Holt, New York City NY 2007, S. 5 (englisch).
Berufliche Tätigkeit und Zeit in der Navy mini|Ford als Marineoffizier der US Navy, 1945 Nach dem Abschluss des Studiums kehrte Ford Anfang 1941 nach Grand Rapids in Michigan zurück und eröffnete gemeinsam mit einem Freund Philip Buchen eine Anwaltskanzlei. Dort war er jedoch nur für wenige Monate tätig. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 meldete er sich freiwillig zum Dienst bei der United States Navy. Im April 1942 wurde er zum aktiven Dienst herangezogen und nach einem Monat Training zunächst in North Carolina stationiert. Dort fungierte er als Ausbilder für neueingeschriebene Wehrpflichtige sowie als Trainer für diverse Sportarten, die an der Militärbasis gespielt wurden. Im Frühjahr des Jahres 1943 trat er dann in den aktiven Dienst an Bord der Monterey, die in den Pazifik verlegt wurde. Dort nahm Ford, der wenige Monate zuvor zum Lieutenant befördert worden war, auch an aktiven Kampfhandlungen gegen das Kaiserreich Japan auf hoher See teil. Insgesamt gewann seine Einheit dort zehn Gefechte. Zu einer lebensbedrohlichen Situation kam es während dieser Zeit aber nur ein einziges Mal im Dezember 1944, als Ford aufgrund schlechten Wetters im Taifun Cobra beinahe von Deck des Schiffs gespült worden wäre. Während des Sturms verloren mehr als 800 Matrosen ihr Leben und drei US-Kreuzer gerieten in Seenot. Die Monterey wurde nach dem Sturm als untauglich für den weiteren Dienst eingestuft und Ford kehrte damit in die Vereinigten Staaten zurück. Stationiert in Kalifornien übernahm er erneut eine Tätigkeit als Ausbilder und American-Football-Trainer. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ford im Oktober 1945 zum Lieutenant Commander befördert. Im Frühjahr 1946 schied er auf eigenen Wunsch aus der Navy aus und erhielt mehrere militärische Auszeichnungen wie die Bronze Star Medal. Danach war er bis zu seinem Einstieg in die Politik wieder als Anwalt tätig.Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series). Times Books/Henry Holt, New York City 2007, S. 12ff. (englisch).
Heirat und Freimaurerei mini|Gerald und Betty Ford, 1948 Gerald und Betty Ford heirateten am 15. Oktober 1948 in der Grace Episcopal Church in Grand Rapids. Aus der Ehe entsprangen vier Kinder: Michael Gerald Ford (* 1950), Seelsorger John Gardner „Jack“ Ford (* 1952), Journalist und PR-Berater Steven Meigs Ford (* 1956), Schauspieler und Rodeoreiter Susan Elizabeth Ford Vance Bales (* 1957), Fotografin
Im Jahr 2005 waren die Fords siebenfache Großeltern.
Ford wurde am 3. September 1949 in die Freimaurerloge Malta Lodge No. 465 in Grand Rapids aufgenommen, zusammen mit seinen drei Halbbrüdern. Den Gesellengrad und Meistergrad verlieh man ihm in der Columbia Lodge No. 3 in Washington, D.C. am 20. April und 18. Mai 1951. Am 26. September 1962 wurde ihm in der Musikakademie in Philadelphia der 33. und höchste Grad des Souvereign Grand Inspector General des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus (A.A.S.R.) verliehen, des am weitesten verbreiteten Hochgradsystems der Freimaurerei. Zugleich wurde er zum Ehrenmitglied des Supreme Council im A.A.S.R. Nördliche Jurisdiktion ernannt. Auf der Jahrestagung des DeMolay-Ordens, einer Jugendorganisation der Freimaurerei, vom 6. bis 9. April 1975 wurde Ford einstimmig zum aktiven Mitglied und zum Großmeister im Ehrenamt des International Supreme Council gewählt. Diesen Posten hatte er bis Januar 1977 inne, als man ihn zum Ehren-Alt-Großmeister ernannte.United States Masonic Presidents. Freemason Information (englisch). Seine Familie hatte ein Ferienhaus in Beaver Creek.
Politischer Aufstieg
Wahl und erste Jahre im US-Kongress mini|Der neu gewählte Abgeordnete Ford (links) wird 1949 im Kapitol von Senator Arthur H. Vandenberg begrüßt Vor seinem Dienst bei den Streitkräften neigte Ford eher dem isolationistischen Flügel der Republikaner zu, der insbesondere in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg beträchtlichen Einfluss hatte. Das militärische Engagement änderte jedoch Fords Sicht auf die Weltpolitik und er trat folgend für eine dem Internationalismus verpflichtete Außenpolitik ein. Nach seiner Rückkehr in die Heimat begann er sich zunehmend auf lokaler Ebene bei den Republikanern einzubringen. Im Jahr 1947 leitete Ford eine republikanische Organisation namens Home Front, die sich für Verwaltungsreformen in seiner Heimatstadt Grand Rapids einsetzte. Bei den Kongresswahlen im folgenden Jahr kandidierte er für das Repräsentantenhaus. Da der fünfte Bezirk in Michigan, für den Ford antrat, eine Hochburg der Republikaner war, wurde die parteiinterne Vorwahl zur eigentlichen Hürde für den Einzug in den Kongress.Vgl. dazu William A. Syers: The Political Beginnings of Gerald R. Ford: Anti-Bossism, Internationalism, and The Congressional Campaign of 1948. In: Presidential Studies Quarterly. Vol. 20, No. 1, Winter 1990, , S. 127–142. Sein Kontrahent war der amtierende Abgeordnete Bartel J. Jonkman, den Ford für seine isolationistische Außenpolitik kritisierte. Seine Kandidatur wurde von dem einflussreichen US-Senator Arthur H. Vandenberg unterstützt, der ebenfalls aus Grand Rapids stammte. Letztlich siegte Ford in einer überaus klaren Entscheidung, was selbst politische Beobachter der damaligen Zeit überraschte.
Die eigentliche Wahl im November 1948 gewann Ford dann ohne Probleme, womit er im Januar des folgenden Jahres in den Kongress einzog. Im Turnus von zwei Jahren wurde er bis einschließlich 1972 regelmäßig wiedergewählt.
Im Kongress wurde Ford, der sich als Vertreter des gemäßigten Parteiflügels der Republikaner verstand, in den 1950er- und frühen 1960er-Jahren zu einem überparteilich geschätzten Parlamentarier. Seine politische Philosophie beschrieb er selbst als „gemäßigt in der Innenpolitik, internationalistisch in der Außenpolitik und konservativ in der Fiskalpolitik“. Im Gesetzgebungsverfahren übernahm er gerne die Rolle eines Vermittlers innerhalb der republikanischen Fraktion als auch zwischen seinen Parteikollegen und den Demokraten. Eigene Gesetzentwürfe verfasste er hingegen keine bedeutsamen. Durch seinen guten Ruf brachten Parteifreunde immer wieder eine Kandidatur für den Senat oder als Gouverneur von Michigan ins Gespräch, was Ford jedoch ablehnte. Stattdessen zeigte er Ambitionen, eines Tages als Sprecher des Repräsentantenhauses zu dienen. In den Wahlkämpfen von 1952 und 1956 war Ford ein treuer Anhänger von Dwight D. Eisenhower, mit dem er insbesondere in außenpolitischen Fragen übereinstimmte. Auch die Nominierung des umstrittenen Richard Nixon zum Vizepräsidenten fand seine Zustimmung. 1960 unterstützte er Nixons Wahlkampf gegen den Demokraten John F. Kennedy.Douglas Brinkley: Gerald R. Ford: 1974–1977 (= American Presidents Series). Times Books/Henry Holt, New York City 2007, S. 14ff. (englisch). Im Januar 1963 wurde er von den Republikanern zum Republican Conference Chair, dem dritthöchsten Amt der Republikaner nach dem Fraktionsvorsitzenden Charles A. Halleck und dem Minderheitswhip Leslie C. Arends, für den 88. Kongress gewählt.
Warren-Kommission mini|Die Warren-Kommission übergibt im September 1964 den Abschlussbericht an Präsident Johnson, Ford als vierter von links