Die Sierra Nevada ( für „verschneiter Gebirgszug“) ist ein Hochgebirge im Westen der Vereinigten Staaten, hauptsächlich im US-Bundesstaat Kalifornien. Der höchste Berg der Sierra Nevada, der 4421 Meter hohe Mount Whitney, ist der höchste Gipfel im kontinentalen Teil der USA ohne Alaska.
Geographie mini|Lage der Sierra Nevada innerhalb Kaliforniens Die Sierra Nevada gehört zu den drei Gebirgszügen, die im Westen der USA von Nord nach Süd parallel zur Pazifikküste verlaufen. Der rund 760 km langemaximale Ausdehnung nach Vermessung über die GoogleMaps-Karte: Die größten Gebirge der Erde Gebirgszug erstreckt sich vom Fredonyer Pass im Norden bis zu den Tehachapi Mountains im Süden. Das Gebirge befindet sich überwiegend auf dem Gebiet des US-Bundesstaats Kalifornien, nur ein kleiner Teil, die Carson Range östlich des Lake Tahoe, befindet sich auf dem Gebiet des Bundesstaats Nevada.
Der Gebirgszug bildet die südliche Fortsetzung der Kaskadenkette und gehört mit zu den nordamerikanischen Kordilleren. Zu den östlich verlaufenden Rocky Mountains ist die Sierra Nevada durch das Große Becken getrennt, zwischen der Sierra Nevada und dem kalifornischen Küstengebirge verläuft das zu weiten Teilen nur etwa 30 m über dem Meer liegende kalifornische Längstal.
Im Gegensatz zum Kaskadengebirge, das in mehrere Gebirgsketten unterteilt wird und markante Vulkangipfel besitzt, bildet die Sierra Nevada einen einzelnen Gebirgszug. Mit einer Länge von 640 km und einer Breite von 80 bis 130 km gilt sie als längster und höchster Gebirgszug der USA. Von Westen steigt das Gebirge sanft auf, während es im Osten entlang der kalifornischen Ostgrenze mit einem der steilsten Felsabbrüche der Welt zum Großen Becken abfällt.
Im Norden ist die Sierra Nevada über 2700 m hoch, der mittlere Teil erreicht eine Höhe von fast 4000 m und ihr höchster Punkt ist der Mount Whitney im südlichen Teil. Die Hochgebirgszone oberhalb 2500 m wird als High Sierra bezeichnet und erstreckt sich als über 300 km langer und etwa 30 km breiter Streifen vom Pyramid Peak am Lake Tahoe bis zum Cottonwood Pass. Um den Mount Whitney liegen 12 weitere Gipfel mit einer Höhe über 4200 m, von denen einige sich steil drei Kilometer hoch über dem Großen Becken im Osten erheben. Südlich des Mount Whitney wird das Gebirge rasch niedriger und erreicht am Lake Isabella nur noch eine Höhe von 3000 m.
Wichtige Gipfel Mount Whitney, 4421 m Mount Williamson, 4390 m North Palisade, 4341 m Mount Muir, 4272 m Mount Humphreys, 4265 m Mount Keith, 4262 m Red Slate Mountain, 4013 m Mount Ritter, 4010 m Mount Lyell, 3999 m Mount Dana, 3981 m Cathedral Peak, 3326 m Half Dome, 2693 m El Capitan, 2307 m
Geologie Bis vor etwa 130 Millionen Jahren war das Gebiet der heutigen Sierra Nevada von Meer bedeckt. Die Bildung der Sierra Nevada begann in der Trias. In dieser Zeit kollidierte als Folge der Kontinentaldrift ein Inselbogen mit der westamerikanischen Küste und setzte eine Gebirgsbildung in Gang, wobei metamorphe Gesteine entstanden, die heute den wesentlichen Bestandteil der Sierra Nevada bilden. Durch das Aufeinanderprallen der Pazifischen auf die Nordamerikanische Platte während des Mesozoikums vor etwa 250 Mio. Jahren drangen aufgeschmolzene Gesteinsmassen weit in die oberen, aus marinen Sedimenten bestehenden Schichten ein und erstarrten als Batholithe zu Granit. Vor etwa 80 Mio. Jahren begann der Batholith sich zu heben. Die auf dem Granitgestein abgelagerten Meeressedimente wurden dabei teilweise abgetragen und lagerten sich in Tälern ab. Das in den Sedimenten enthaltene Gold bildete die Grundlage für den 1849er Goldrausch. Die Anhebung des Batholiths war im Osten am stärksten. Der große Abbruch am Ostrand der Sierra Nevada bildet eine der beeindruckendsten geomorphologischen Erscheinungen der Welt, eine über drei Kilometer hohe Wand, die in einem Block vor allem durch Hebung entlang eines Grabens der Erdkruste entstanden ist. In seiner heutigen Gestalt ist die Sierra Nevada ein junges Gebirge, vor etwa 25 bis vor 2 Millionen Jahren wurde es im Tertiär emporgehoben.
Ihre heutige Gestalt erhielt die Bergkette durch Verwitterung und Erosion. Nach Westen abfließende Flüsse fraßen tiefe Täler in das Gestein. Während des Pleistozäns gab es mindestens drei Eiszeiten in der Sierra Nevada, zwischen denen längere Warmperioden lagen. Im Unterschied zu der Vergletscherung, die weite Teile Nordamerikas bedeckte, war die Vergletscherung der Sierra Nevada uneinheitlich. Einige Gebiete waren gar nicht, im nördlichen Teil waren nur die höheren Gipfel vergletschert. Das Gebiet südlich des Donnerpasses bis zum oberen Kern River war von zahlreichen, sich nach Osten und Westen erstreckenden Gletschern bedeckt. Die Gletscher rissen Gestein aus den Bergflanken und formten die V-förmigen Flusstäler in U-förmige Trogtäler um. Bäche, die sich während der Vergletscherung auf Eis ergossen, stürzen nach dem Rückgang der Gletscher als Wasserfälle zu Tal. Auf diese Weise wurden das Yosemite-Tal und die Flusstäler des San Joaquin, Kings, Kaweah und Kern River geformt. Als die letzte Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren endete, waren die Gletscher geschmolzen und hinterließen Endmoränen und Tausende von Bergseen. Die größten Seen im Gebiet der Sierra Nevada sind der Lake Tahoe und der Mono Lake. Die etwa 60 Gletscher, die die Gipfel des Mount Lyell, der Palisades und anderer Berge der High Sierra bedecken, sind keine Überreste der eiszeitlichen Gletscher, sondern bis zu zwei Kilometer lange Hängegletscher, die während einer kühleren Epoche vor etwa 4000 Jahren entstanden. 600px|Das Owens Valley; im Hintergrund die Gebirgskette der Sierra Nevada (also deren Ostseite)|center|miniatur
Klima Die Sierra Nevada fungiert als gewaltige Wetterscheide, die den vom Pazifik kommenden westlichen Winden fast alle Feuchtigkeit abnimmt. Das Klima der Bergkette selbst variiert von heißem Wüstenklima am östlichen Fuß der Berge bis zu arktisch-alpinem Klima auf den Gipfeln.
Durch die Hochdruckgebiete vor der Küste wird die Westseite der Bergkette bis 2100 m Höhe von einem maritimen Klima mit kühlen bis warmen Sommern sowie warmen und feuchten Wintern bestimmt. Der maritime Einfluss wird mit zunehmender Entfernung zum Ozean geringer. Der meiste Niederschlag fällt zwischen Oktober und April, im Sommer wird der Gebirgskamm jedoch häufig von Gewittern getroffen. Der Niederschlag reicht von weniger als 250 mm jährlich am South Fork des Kern River bis über 2000 mm in den Bergen um den North Fork des Feather River. Die Menge des Niederschlags nimmt von Nord nach Süd ab. Obwohl der Hauptkamm im Süden mehr als zweimal so hoch wie im Norden ist, beträgt die Niederschlagsmenge im Süden nur die Hälfte der Menge im Norden der Bergkette. Auf der Westseite fällt in den höheren Lagen ab 1500 m der meiste Niederschlag als Schnee, in den niederen Lagen als Regen. In den tiefsten Lagen, an den Ausläufern zum Kalifornischen Längstal, ist Schnee extrem selten und kann jahrzehntelang nicht fallen. Mit ansteigender Höhe steigt auch die Menge und Häufigkeit. In den höchsten Lagen ist der Niederschlag etwas reduziert, denn sie liegen oberhalb der maximalen Höhe der vom Pazifik kommenden feuchten Luftmassen. Die Sierra Nevada gehört weltweit mit zu den Regionen mit dem höchsten Schneefall. Am 4. Januar 1982 fielen am Echo Summit 1,7 m Neuschnee, die zweithöchste Menge, die je in den USA gemessen wurde. 1982 fielen in einem Schneesturm am Donnerpass 4,7 m Schnee, ebenfalls die zweithöchste je in den USA gemessene Höhe. Im Januar 1991 fielen bei Tamarack innerhalb eines Monats 9,90 m, im Winter 1906/07 über 22 m Neuschnee.
Die Sommertemperaturmittel bewegen sich zwischen 5,5 und 15,5 °C. Boreales Klima mit Durchschnittswerten im kältesten Monat unter −2 °C und starkem Schneefall dominiert die Hochlagen der Sierra Nevada. An der Baumgrenze auf 3000 m fallen Frühling, Sommer und Herbst in den Zeitraum von Mitte Juli bis Mitte September, trotzdem kann es in jeder Nacht auf dieser Höhe Frost geben.
Die Regionen auf der Ostseite, die durch die Bergkette vom Ozean getrennt sind, erfahren ein eher kontinentales Klima mit warmen Sommern, kalten Wintern, größeren täglichen und jahreszeitlichen Temperaturschwankungen und einer geringeren Feuchtigkeit. Im Winter fällt der Niederschlag ab einer Höhe von 1200 m meist als Schnee, aber nur in geringen Mengen.
Die Sierra Nevada ist der wichtigste Wasserlieferant Kaliforniens. Der winterliche Schneefall ist die Quelle für die Wasserversorgung des Kalifornischen Längstales und des Owen Valley’s und damit für über 3/4 der kalifornischen Bevölkerung und nahezu sämtlicher Landwirtschaft. Der Winter 2013/14 hatte bis Mitte Januar 2014 nur 7 % der üblichen Niederschlagsmenge in der Sierra gebracht, weswegen Gouverneur Jerry Brown den Wassernotstand ausrief.Sacramento Bee: Jerry Brown declares California drought emergency, urges 20 percent cut in water use, 17. Januar 2014 Für die Landwirtschaft wird eine Umstellung auf wassersparende Feldfrüchte erwartet, was zu Versorgungsproblemen und Preissteigerungen führen wird.The Wire: , 21. Januar 2014 (siehe Dürre in Kalifornien seit 2011)
Am 1. April 2015 weist die Sierra Nevada eine Schneedecke auf, die nur 5 % der Wassermenge wie im Schnitt von 1951 bis 2000 enthält. Trockenheit: Kaum mehr Schnee in der Sierra Nevada, science.orf.at, 14. September 2015, abgerufen am 14. September 2015.
Flora und Fauna mini|Karte der Vegetationsstufen im Yosemite National Park Für die Sierra Nevada sind mindestens 1300 Arten von Gefäßpflanzen bekannt, daneben zahlreiche Moose und Flechten. Weiterhin gibt es mindestens 450 Wirbeltierarten.
Westliche Vegetationsstufen Die niederschlagsreiche Westseite der Sierra Nevada kann in mehrere aufeinanderfolgende Vegetationsstufen unterteilt werden: Die Gebirgsausläufer reichen von etwa 60 bis etwa 1000 m Höhe, wo sie in Bergwälder übergehen. In dem hügeligen, von Sturzrinnen durchzogene Gebiet herrscht ein mediterranes Klima mit warmen, trockenen Sommern und kühlen, regenreichen Wintern. Die heutige Vegetation besteht aus Grasland, unter anderem aus Trespen, wildem Hafer und Schneckenklee. Die ursprüngliche Prärie-Vegetation, unter anderem aus Rispengräsern, wurde im 19. Jahrhundert durch Brandrodung und intensive Beweidung durch Rinder und Schafe zerstört und ist nur noch in Resten, wie im 634 Hektar großen Schutzgebiet der Jepson-Prärie erhalten bzw. wiederhergestellt. Die höheren, nach Norden gerichteten und damit feuchteren Berghänge sind oft mit Wäldern aus kalifornischen Weiß-Kiefern bedeckt, dazu kommen Blau-Eichen und Kalifornische Weiß-Eichen. Die sonnigeren und damit trockeneren Hänge sind mit Chaparral bewachsen.mini|Blau-Eiche Ab etwa 750 bis 1000 m beginnen die Bergwälder der unteren Lagen, die bis in eine Höhe von etwa 1800 m reichen. In dieser Zone herrschen gemäßigte Sommer und milde Winter vor, der dominierende Baum dieser Zone ist die Gelb-Kiefer, die in günstigen Lagen Durchmesser von bis zu 2,50 m und Höhen von über 60 m erreichen kann. Weitere, häufig vorkommende Bäume in den dichten Wäldern sind die Kalifornische Schwarzeiche, Weihrauchzedern, Zucker-Kiefern und Kolorado-Tannen. Die Waldzone ist durch tiefe Canyons geprägt, in denen auch Douglasien, Kalifornischer Lorbeer, Quercus chrysolepis und die Kalifornische Nusseibe wachsen. Die Wälder der Westhänge der Sierra Nevada sind der weltweit einzige natürliche Standort des Riesenmammutbaums, der dort in Hainen auf Höhen zwischen 1350 und 2500 m wächst. Auf einem etwa 420 km langen und über 20 km breiten Streifen am Westhang der Sierra Nevada gibt es noch etwa 70 dieser Riesenmammutbaumhaine. mini|General Sherman Tree, ein Riesenmammutbaum im Sequoia National Park