Augustdorf (plattdeutsch: Up’n Doiern)http://www.plattdeutsch-niederdeutsch.net/name.htm ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Am zählte die zum ostwestfälischen Kreis Lippe im Regierungsbezirk Detmold gehörende Gemeinde mit Einwohnern. Sie ist durch die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne sowie durch den Truppenübungsplatz-Senne bekannt.
Geografie Geografische Lage Augustdorf liegt im äußersten Südwesten des Kreises Lippe, etwa zehn Kilometer südwestlich von Detmold und 25 Kilometer südöstlich von Bielefeld, am Rand der Senne und am Fuße des Teutoburger Waldes. Die Sennegemeinde grenzt im Norden an Oerlinghausen und Lage, im Osten an Detmold, im Süden an Schlangen (alle Kreis Lippe) und im Westen an Schloß Holte-Stukenbrock (Kreis Gütersloh). Nach Norden hin erstreckt sich die Gemeinde in den Lippischen Wald (als Teil des Teutoburger Waldes), nach Süden dehnt sie sich in den Senne-Ebene aus. Die Lage des Ortes wird durch einen markanten Kalksteinbruch und die Dörenschlucht geprägt, die seit Alters her als Passweg durch den Teutoburger Wald dient.
Geologie mini|Geothermische Karte von Augustdorf Augustdorf liegt in der Senne, deren Boden aus sandigen Schmelzwasserablagerungen des Sanders des Inlandeises mit Resten von Geschiebemergel besteht. Durch Wind sind Einzeldünen und Dünenfelder entstanden. Der weitere Untergrund besteht aus Festgestein. Die westlich geneigten Gesteine stammen aus dem jüngeren Erdmittelalter, die im Nordosten an die Oberfläche treten. Die Gesteinsvorkommen sind Tonmergel-, Kalkmergel-, Mergelkalk und Kalksteine aus der Oberen Kreide und Sandsteine der Unteren Kreide. Darunter schichten sich flach lagernder oder gefalteter Buntsandstein aus dem frühen Erdmittelalter und Devon, Karbon sowie Zechstein aus dem Erdaltertum.
Das Gemeindegebiet eignet sich weitestgehend gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen. Lediglich vereinzelte Standorte so wie die Gebiete im Südwesten sind nicht geeignet (vgl. dazu die nebenstehende Karte). (PDF; 369 kB)
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Die als „Große Landgemeinde“ klassifizierte Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 42,18 km². Das Gemeindegebiet hat eine maximale Ausdehnung in Ost-West-Richtung von etwa zehn Kilometer und in Nord-Süd-Richtung von acht Kilometer.
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 10,24 20,81 4,54 1,77 0,09 0,23 4,51 Anteil an Gesamtfläche 24,28 % 49,34 % 10,76 % 4,20 % 0,21 % 0,55 % 10,69 %
Der vergleichsweise hohe Anteil an Gebäude-, Frei- und Betriebsflächen sowie Flächen sonstiger Nutzung ergibt sich aus der Nutzung großer Teile der Senne als Truppenübungsplatz. Insgesamt werden rund 60 % des Gemeindegebietes militärisch genutzt.augustdorf.de: , abgerufen am 7. Januar 2011
Geschichte 1775 ist das Gründungsjahr von Augustdorf. Am 11. Dezember 1775 unterzeichnete Graf Simon August zur Lippe einen Meierbrief, der August Simon Struß berechtigte, am Dören ein Kolonat und einen Krug anzulegen. Im Jahre 1779 wurde der Anbauplan für die neue Ansiedlung am Dören beschlossen, jedoch ging die Besiedlung zunächst langsam voran. 1780 standen nur vier strohgedeckte Hütten in der Ansiedlung. 1789 erhielt die Ansiedlung am Dören den Namen „Augustdorf“ – zur Erinnerung an den 1782 gestorbenen Grafen.
1890 legte sich die Militärverwaltung des Deutschen Reichs auf die Senne südlich von Augustdorf als Standort eines Truppenübungsplatzes fest, der 1892 in Betrieb genommen wurde und zunächst etwa 50 km² umfasste. Dabei wurden hauptsächlich unbesiedelte Flächen zum Sperrgebiet.
mini|In der Senne Seit Ende des Zweiten Weltkriegs steht der Platz unter britischer Verwaltung. Heute wird er sowohl von der britischen Armee (Standort Paderborn-Sennelager) als auch von der Bundeswehr in Augustdorf und anderen Truppen der NATO genutzt und zählt deshalb zu den ausländischen Militärbasen in Deutschland. Nicht nur durch die Bundeswehr hat sich Augustdorf mit den Jahrzehnten zu einer modernen Großgemeinde entwickelt.
Durch die Sperrung oder geringe Nutzung weiter Teile des Militärgebiets hat sich dort im Laufe der Jahrzehnte eine vielfältige Flora und Fauna erhalten, die in dieser Form einzigartig ist. Zur Erhaltung dieses Biotops soll das Gebiet des Truppenübungsplatzes deshalb nach Einstellung der militärischen Nutzung zum Nationalpark Senne-Egge erklärt werden. Ein Termin dafür steht jedoch noch nicht fest.
Am 11. März 1991 wurde das Furlbachtal durch den Landschaftsplan Senne zu einem Naturschutzgebiet erklärt, an dem die Gemeinde Augustdorf mit 84 von 205 ha einen großen Anteil hat.
In Augustdorf ist in der GFM-Rommel-Kaserne die Panzerbrigade 21 „Lipperland-Brigade“ mit ca. 4500 Soldaten stationiert. Sie war der 7. Panzerdivision (Düsseldorf) unterstellt und wechselte im Juni 2006, im Rahmen der Transformation der Bundeswehr, zur 1. Panzerdivision (Oldenburg).
Die Jugendsiedlung Heidehaus, in Trägerschaft des paritätischen Wohlfahrtsverbandes, liegt im westlichen Gemeindegebiet mitten im Wald und ist eine Heimeinrichtung mit Bildungs- und Ausbildungsangeboten für Jugendliche. Zunächst wurde das Heidehaus nach dem Krieg für vertriebene, heimatlose Jugendliche errichtet. Im Jahr 2007 feierte die Jugendsiedlung ihren 60. Geburtstag.
Religionen mini|Alte Dorfkirche|291x291px Nach Gründung des Ortes 1775 gehörte die neugeschaffene Siedlung kirchlich zur evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Stapelage. Die Siedler mussten zum Kirchgang den Weg bis zur Stapelager Kirche auf sich nehmen. Auch die ersten Bestattungen fanden in Stapelage statt. Ein erster Schritt zu einer eigenen Kirchengemeinde geschah durch die Schenkung eines Grundstücks der Augustdorfer Bauerschaft, um an dieser Stelle einen Friedhof zu errichten. Die Trauergottesdienste fanden zu diesen Zeiten noch in den jeweiligen Trauerhäusern statt. Im Jahr 1800 wurde auf dem Gelände des Friedhofes eine einfache Fachwerkkapelle gebaut. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Augustdorf. Schon nach wenigen Jahrzehnten wurde es nötig, die Kapelle durch einen neuen Bau zu ersetzen. Durch den Domänenbaurat Merckel, der in Lippe weitere Kirche in Schlangen, Leopoldshöhe, Bega und Almena errichtet hatte, wurde 1875 die jetzige „Alte Dorfkirche“ gebaut.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war Augustdorf ein rein evangelisches Dorf reformierter Prägung gewesen. Danach brachten „volksdeutsche“ Flüchtlinge aus dem Baltikum und der Ukraine katholische Einflüsse nach Augustdorf.Zur Lage im Lager 1953 siehe die Autobiographie der Belgierin Hélène Jeanty Raven: Without frontiers. TB Hodder & Stoughton, London 1966, S. 203–217 (zuerst 1960) = Kap. 25 Mit Stationierung der Bundeswehr kamen Menschen weiterer Konfessionen ins Dorf. Menschen aus anderen Ländern, die in Augustdorf ihre Arbeit und später ihre Heimat gefunden hatten, brachten fremde Religionen ins Sennedorf. Der letzte größere Zuzug kam durch die Menschen aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion, die meist baptistischen oder mennonitischen Glaubens sind. So gibt es heute neben der evangelisch-reformierten Kirche (Alte Dorfkirche) auch zwei Militärkirchen (evangelischer und katholischer Konfession). Neben den Gotteshäusern der großen Kirchen gibt es auch Bethäuser und Versammlungsorte baptistischer, mennonitischer und anderer freikirchlicher Gemeinden sowie eine Moschee der islamischen Glaubensgruppen.
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 35,0 % der Einwohner evangelisch, 10,7 % römisch-katholisch und 54,3 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Gemäß dem Zensus 2022 waren mit Stand Mai 2022: 25,3 % der Einwohner evangelische Kirchenmitglieder, 8,4 % römisch-katholische und 66,3 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2022 Religion
Eingemeindungen mini|Zugänge (grün) und Abgänge (rot) zur ehemaligen Gemeinde Augustdorf. Jetzige Gemeinde Augustdorf entspricht in etwa den grauen und grünen Gebieten. Später kamen noch Teile von Hörste im Norden zu Augustdorf. Der alte Gebietsstand entspricht den roten und grauen Gebieten. Anmerkung: Das Kerngebiet von Pivitsheide VL liegt nördlich von Augustdorf. Es gab in der Diskussion über die Neugliederung der Gemeinden in Nordrhein-Westfalen zunächst Überlegungen, Augustdorf nach Lage oder Detmold einzugemeinden oder auch mit Stukenbrock zu vereinigen. Als am 11. November 1969 das Gesetz über die Neugliederung der Gemeinden verabschiedet wurde, war aber klar: Augustdorf bleibt eine eigenständige Gemeinde. Der Truppenübungsplatz, der Teutoburger Wald und die Kreis- und Konfessionsgrenze waren Hürden, die einer Eingemeindung entgegenstanden. Gebietsteile von Hörste und Pivitsheide, Vogtei Lage kamen am 1. Januar 1970 zu Augustdorf.
Einwohnerentwicklung War bis Mitte der 1990er Jahre noch ein Wachstum auf 12.000 bis 15.000 Einwohner prognostiziert, nimmt die Einwohnerzahl seit 2002 von Jahr zu Jahr leicht ab. Laut Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik des Landes NRW wohnten am 31. Dezember 2007 in Augustdorf 9721 Menschen. Die Soldaten der GFM-Rommel-Kaserne werden in dieser Statistik jedoch nicht erfasst.
Politik Augustdorf gehört zum Landtagswahlkreis Lippe III (99), in dem bei der Landtagswahl 2017 Dennis Maelzer (SPD) als Direktkandidat gewählt wurde. Auf Bundesebene gehört Augustdorf zum Bundestagswahlkreis Höxter – Lippe II (137), in dem 2017 Christian Haase (CDU) als Direktkandidat gewählt wurde. Gemeinderat
Der Gemeinderat aus Augustdorf setzt sich derzeit aus 26 Ratsmitgliedern zusammen. Hinzu kommt der Bürgermeister als Ratsvorsitzender.
Ende August 2021 verließen zehn der 13 Ratsmitglieder die CDU-Fraktion und gründeten die Fraktion der Demokratischen Bürger-Union Augustdorf (DBA).
Nachdem FDP und Aufbruch C zunächst eine gemeinsame Fraktion gebildet haben, verließ das Ratsmitglied von Aufbruch C im Januar 2022 die Partei und blieb fortan als parteiloses Ratsmitglied ein Teil der FDP-Fraktion.
Bis zum Ende der Wahlperiode bestanden damit folgende Fraktionen im Gemeinderat: DBA (10 Ratsmitglieder), SPD (8 Ratsmitglieder), CDU (3 Ratsmitglieder), FWG (Freie Wählergemeinschaft) (3 Ratsmitglieder) und FDP (2 Ratsmitglieder).
Bündnis 90/Die Grünen und FDP bilden in der Wahlperiode 2025–2030 die gemeinsame Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen – FDP“.
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1975: Landesdatenbank NRW; Wahlergebnisse zum Gemeindecode 05766004Landesbetrieb Information und Technik NRW: KommunalwahlenAugustdorf (LIP) Stadt-/Gemeindeergebnis Stand: 14. September 19992025 2020 2014 2009 2004 1999 1994 1989 1984 1979 1975 ParteiSitze% Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CDU934,21 13 47,88 12 44,07 12 41,73 14 53,83 12 44,86 11 40,19 9 31,59 10 37,23 12 44,05 13 SPD725,60 8 29,65 8 32,27 9 29,65 7 26,41 9 34,54 13 45,35 11 40,29 16 56,77 13 49,58 12 FWG1−− 3 12,52 5 18,31 7 22,15 4 16,94 3 13,07 3 12,19 5 17,34 − − − − − FDP12,49 1 5,11 1 4,86 2 6,47 1 2,81 1 2,96 0 2,28 0 3,95 1 6,00 2 6,37 2 Aufbruch C28,66 1 4,84 − − − − − − − − − − − − − − − − − Grüne14,44 – – − − − − − − 1 4,57 − − 2 6,84 − − − − −AfD417,50––−−−−−−––−−−−−−−−−DBA227,10––−−−−−−––−−−−−−−−− Gesamt326100 26 100 26 100 30 100 26 100 26 100 27 100 27 100 27 100 27 100 27 Wahlbeteiligung62,44 56,73 44,23 55,68 59,58 57,39 81,60 68,61 72,18 73,60 85,17 1 Freie Wählergemeinschaft
2 Demokratische Bürger-Union Augustdorf
3 ohne Berücksichtigung von Rundungsdifferenzen
Bürgermeister