Versmold ist eine Mittelstadt im Kreis Gütersloh (Nordrhein-Westfalen). Sie liegt im Städtedreieck Bielefeld – Osnabrück – Münster und ist bekannt für die dort ansässige Fleisch- und Wurstproduktion, deren Ursprünge bis in das 18. Jahrhundert zurückreichen. Am zählte die in der Emssandebene liegende Stadt Einwohner.

Geografie Geografische Lage Versmold liegt in der Emssandebene an der Grenze des Münsterlands zu Ostwestfalen in der Westfälischen Bucht südlich des Teutoburger Waldes. Das Stadtgebiet zeichnet sich durch das Fehlen von besonderen Erhebungen und Niederungen aus, die mit höchste Erhebung befindet sich in unmittelbarer Nähe der Anschlussstelle 15 (Borgholzhausen) der A33, der niedrigste Punkt () liegt südwestlich von Peckeloh, wo die Hessel das Stadtgebiet verlässt. Der 52. Breitengrad schneidet das Stadtgebiet im südlichen Bereich. Die nächsten größeren Städte sind Gütersloh in 26 km Entfernung, Bielefeld und Osnabrück, beide in 32 km Entfernung, und Münster in 46 km Entfernung.

Geologie mini|Geothermische Karte von Versmold Im tieferen Untergrund finden sich Ton- und Sandsteine eines Steinkohlengebirges (Oberkarbon), das Flöze führt. Diese werden von einem bis zu 1700 m mächtigen Deckgebirge aus Mergelsteinen über Kalksteinen des Erdmittelalters (Kreide) überdeckt. Die Festgesteine werden von bis zu 30 m mächtigen Lockergesteinen des Eiszeitalters (Quartär) vollständig überdeckt. Der Norden und Osten von Versmold ist weitgehend Teil einer Grundmoräne der Saalekaltzeit. Im Süden von Versmold finden sich sandige und schluffige Ablagerungen der Weichselkaltzeit. In der Talaue der Hessel finden sich junge humose Sande und tonige Schluffe und vereinzelt Niedermoortorfe. Die Tonablagerungen wurden früher als Rohstoff für die örtliche Ziegeleiindustrie verwendet. Die Fein- und Mittelsandablagerungen wurden für die Kalksandsteinherstellung oder zur Benutzung als Wegebaumaterial abgebaut.

Versmold eignet sich gut bis sehr gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die Karte oben). (PDF; 369 kB)

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets Die Stadt umfasst eine Fläche von 85,42 km². Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 78,9 %, gefolgt von bebauter Fläche und Verkehrsfläche, zusammen etwa 15,2 %. Die größte Ausdehnung in Nordsüdrichtung ist ca. 13,2 km, in Ostwestrichtung ca. 9,6 km.

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-, Frei-und Betriebsfläche Verkehrs-fläche Wasser-fläche Sport- undGrünfläche sonstigeNutzung Fläche in km² 59,83 7,53 8,37 4,62 1,97 2,47 0,62 Anteil an Gesamtfläche 70,04 % 8,82 % 9,8 % 5,41 % 2,31 % 2,89 % 0,73 %

Nachbargemeinden Bad Laer Bad RothenfeldeDissen am Teutoburger Wald Borgholzhausen Sassenberg Datei:Windrose klein.svg Halle Harsewinkel

Das Stadtgebiet grenzt im Nordwesten an Bad Laer sowie im Norden an Bad Rothenfelde und Dissen am Teutoburger Wald, die alle im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen liegen. Es grenzt im Nordosten an Borgholzhausen, im Osten an Halle (Westf.), im Süden an Harsewinkel im Kreis Gütersloh und im Westen an Sassenberg im Kreis Warendorf. Diese Gemeinden liegen in Nordrhein-Westfalen.

Stadtgliederung Nach § 3 Abs. 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Versmold in sechs Stadtteile.

Ortsteil EinwohnerStand: 1. Januar 2022 Ortsteile der Stadt Versmold Bockhorst(mit Siedinghausen und Halstenbeck) 1.656 Hesselteich 539 Loxten(mit Knetterhausen) 3.006 Oesterweg 2.345 Peckeloh(mit Sandort und Buschort) 3.338 Versmold 11.238 Gesamt 22.122

Klima 250px|mini|Niederschlagsdiagramm Versmold gehört der gemäßigten Klimazone Mitteleuropas an. Es liegt im Bereich des subatlantischen Seeklimas. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild und die Sommer mäßig-warm. Zum Klima in der Region Ostwestfalen-Lippe, zu der Versmold gehört, siehe auch den Artikel Klima in Ostwestfalen-Lippe.

Durch die Lage im subatlantischen Seeklima herrscht ganzjährig ein humides Klima mit relativ gleich verteilten Niederschlägen vor. Insgesamt fallen an der Messstation Versmold im langjährigen Mittel 767 mm Niederschlag je Jahr. Somit fällt mehr Niederschlag, als im deutschen Mittel (700 mm), allerdings deutlich weniger Niederschlag, als von der Messstation aus in nordöstlicher Richtung. Dort fallen durch die Regenfängerwirkung des Teutoburger Walds aufgrund von Steigungsregen bis zu 1200 mm Niederschlag je Jahr. Versmold liegt in der im ostwestfälischen Vergleich relativ warmen Westfälischen Bucht. Die Jahresmitteltemperatur beträgt etwa 9–9,5 °C.

Geschichte Versmold wurde im Jahr 1096 erstmals urkundlich als Kirchspiel erwähnt und zählt damit zu den ältesten Siedlungen in der Region.

Aufgrund seiner Lage zwischen den Bistümern Osnabrück und Münster war Versmold über weite Zeiträume des Hochmittelalters Gegenstand von Streit über die Zugehörigkeit zwischen den Bischöfen dieser Bistümer. Die Bevölkerung versuchte sich dagegen so gut wie möglich zu schützen, die St. Petrikirche wurde als Wehrkirche errichtet.

Dies endete erst, nachdem sich 1277 die Grafen von Ravensberg die Herrschaft über den Versmolder Raum sichern konnten. Sie machten das nicht mehr existente Gut Caldenhof zu ihrem Jagdsitz. Dadurch wurde Versmold zu einer Pufferzone zwischen den oben genannten Bistümern. Die so gebildete Grenze zum Bistum Osnabrück stellt noch heute die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen dar. Versmold wurde Sitz einer Vogtei im Amt Ravensberg. Als Teil der Grafschaft Ravensberg fiel Versmold im Jahre 1614 an Brandenburg-Preußen.

Versmold erhielt 1719 vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. Stadtrechte. In der Folge kam es zur Ansiedlung von Leinenhändlern und die Stadt entwickelte sich schnell zu einem Handelszentrum für die in der Region schon lange verbreitete Leinenweberei und Garnspinnerei. Insbesondere wurde Segeltuch hergestellt. Segeltuchherstellung und -handel florierten bis Mitte des 19. Jahrhunderts und wurden dann zunehmend durch die maschinell gewebte Baumwolle aus England verdrängt. In der Folge fand mit dem Umstieg auf die Herstellung von Fleischwaren, die insbesondere in Form von Schweinemast in bäuerlicher Tradition bereits von alters her betrieben wurde, ein tiefgreifender Strukturwechsel statt. Zur Schweinemast eignete sich das Versmolder Gebiet besonders, da viele karge Flächen vorhanden sind, die landwirtschaftliche Nutzung kaum erlauben. Daher wurden die Schweine von den Bauern in die Wälder getrieben, wo sie sich besonders von Eicheln und Bucheckern ernährten. Durch diese Nahrung wurde das Fleisch besonders kernig, was schnell zu einer immer größer werdenden Nachfrage nach Schinken, Mettwürsten und Speck führte. Ende des 19. Jahrhunderts setzte langsam eine Industrialisierung der Fleischverarbeitung auf den Bauernhöfen ein und der Viehbestand vervielfachte sich. Ungewöhnlich ist dabei, dass dieser Prozess sich auf den Bauernhöfen entwickelte, sodass der Hof mehr und mehr zur Fabrik wurde. Im Zuge einer damit einhergehenden stärkeren Arbeitsteilung entstanden im 20. Jahrhundert auch nach und nach spezialisierte Betriebe wie Schlachtereien, Wursthersteller, Verpackungsindustrie und Speditionen.

Von 1807 bis 1810 war Versmold Sitz des Kantons Versmold des Königreichs Westphalen und von 1811 bis 1813 Sitz des Kantons Versmold im französischen Département der oberen Ems. 1816 kam die Stadt zum Kreis Halle. Im Kreis Halle war die Stadt Sitz des Amtes Versmold.

Religion mini|Evangelische Pfarrkirche St. Petri mini|Kantorhaus zu St. Petri

Mit Stand 1. Januar 2025 waren von den Einwohnern 41 % evangelisch, 14 % katholisch und 45 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Kreis Gütersloh Zahlen Daten Fakten Seite 5, abgerufen am 24. Juli 2025

Siehe auch: Religion in Ostwestfalen-Lippe

Eingemeindungen Vor 1973 waren Bockhorst, Hesselteich, Loxten, Oesterweg und Peckeloh sowie die Stadt Versmold sechs Gemeinden des Amtes Versmold. Die Gemeinde Peckeloh grenzte an die Stadt Versmold. Am 1. April 1960 gab es eine Grenzberichtigung an der damaligen Gemeinde- und Stadtgrenze, welche die Stadt Versmold von der Gemeinde Peckeloh trennte. Bei dieser Grenzberichtigung wechselten auch bewohnte Gebiete ihre Zugehörigkeit zur Gemeinde Peckeloh oder zur Stadt Versmold. Die Größe des damaligen Stadtgebietes von Versmold reduzierte sich dabei um ca. drei Hektar, die Gemeinde Peckeloh gewann drei Hektar.

Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurde die Stadt Versmold am 1. Januar 1973 im Zuge der Umsetzung des Bielefeld-Gesetzes mit den Gemeinden Bockhorst, Hesselteich, Loxten, Oesterweg und Peckeloh aus dem Amt Versmold zur neuen Stadt Versmold zusammengeschlossen. Das Amt Versmold wurde aufgelöst, Rechtsnachfolgerin ist die Stadt Versmold.

Einwohnerentwicklung Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt Versmold nach dem jeweiligen Gebietsstand, bei einigen Zahlen zusätzlich nach heutigem Gebietsstand. Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 und für 1987 um VolkszählungsergebnisseStatistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Düsseldorf 1966, S. 189.Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. Düsseldorf 1964, S. 374–375.Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Die Wohnbevölkerung in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens 1970 : Ergebnisse der Volkszählung am 27. Mai 1970. Düsseldorf 1972, S. 41.Landesamt für Datenverarbeitung, Statistik Nordrhein-Westfalen: Sonderreihe zur Volkszählung 1987 in Nordrhein-Westfalen, Band 1.1: Bevölkerung, Privathaushalte und Erwerbstätige. Düsseldorf 1989, S. 110. und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Landesdatenbank Nordrhein-Westfalen Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich ab 1871 sowie für 1946 auf die Ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und ab 1985 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1871 wurde die Einwohnerzahl nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Im Jahr 1974 wurden noch einmal die Einwohnerzahlen in der Gesamtstadt und in der Stadt Versmold mit den ehemaligen Grenzen vom Statistischen Landesamt ermittelt.

mini|400px|Bevölkerungsentwicklung in Versmold von 1818 bis 2016 (untere Linie: jeweiliger Gebietsstand, obere Linie: heutiger Gebietsstand) Versmold nach dem damaligen Gebietsstand Jahr Einwohner 1799 (31. Dez.) 1.002 1818 (31. Dez.) 1.243 1831 (3. Dez.) 1.331 1837 (3. Dez.) 1.405 1843 (3. Dez.) 1.405 1849 (3. Dez.) 1.326 1852 (3. Dez.) 1.426 1858 (3. Dez.) 1.350 1867 (3. Dez.) 1.586 1871 (1. Dez.) 1.486 1885 (1. Dez.) 1.495 Jahr Einwohner 1895 (1. Dez.) 1.509 1905 (1. Dez.) 1.762 1910 (1. Dez.) 2.081 1925 (16. Juni) 2.245 1933 (16. Juni) 2.950 1939 (17. Mai) 3.409 1946 (29. Okt.) 4.885 1950 (13. Sep.) 5.096 1961 (6. Juni) 5.905 1970 (27. Mai) 7.216 1972 (31. Dez.) 7.675Versmold nach dem heutigen Gebietsstand Jahr Einwohner 1939 (17. Mai) 9.609 1950 (13. Sep.) 14.538 1961 (6. Juni) 15.193 1970 (27. Mai) 18.135 1972 (31. Dez.) 18.894 1974 (30. Juni) 18.855 1975 (31. Dez.) 18.623 1980 (31. Dez.) 18.328 1985 (31. Dez.) 17.162 1987 (25. Mai) 17.396 Jahr Einwohner 1990 (31. Dez.) 18.231 1995 (31. Dez.) 19.680 2000 (31. Dez.) 20.397 2005 (31. Dez.) 21.064 2007 (31. Dez.) 21.204 2012 (31. Dez.) 20.817 2016 (31. Dez.) 21.543 2017 (31. Dez.) 21 472 2018 (31. Dez.) 21 468 2019 (31. Dez.) 21.825 Jahr Einwohner 2022 (31. Dez.) 22.274

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