Das Erzbistum München und Freising () ist eine römisch-katholische Erzdiözese im Süden Bayerns mit Sitz in München. Sie liegt fast vollständig in Oberbayern und umfasst auch die räumlich vom Kerngebiet getrennte Exklave Kloster Schlehdorf.
Der Erzbischof von München und Freising ist Metropolit der Kirchenprovinz München und Freising mit den Suffraganbistümern Augsburg, Regensburg und Passau. Insgesamt umfasst das Gebiet der Erzdiözese rund 12.000 Quadratkilometer.
Der Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung von etwa 3,9 Millionen Menschen auf dem Territorium des Erzbistums lag zum 31. Dezember 2022 bei fast 39 %.
Geschichte Gründung und Anfänge mini|links|hochkant=0.7|Wappen des Erzbistums München und Freising (mit Freisinger Mohr) mini|hochkant=1.5|Die Frauenkirche zu München mini|hochkant=1.5|Dom St. Maria und St. Korbinian zu Freising mini|hochkant|Wappen des Erzbischofs Reinhard Kardinal Marx (seit der Kardinalserhebung) – mit Freisinger Mohr mini|Das Bärenwunder – Der hl. Korbinian von Freising als Bischof bei seiner Überquerung der Alpen auf dem Weg nach Rom im Jahre 710, Jan Polack, Öl auf Nadelholz, 1489 mini|Schrein des hl. Korbinian alternativtext=Denkmal für Otto von Freising auf dem Freisinger Domberg von Caspar von Zumbusch|mini|Denkmal für Otto von Freising auf dem Freisinger Domberg von Caspar von Zumbusch
mini|Wallfahrtskirche Tuntenhausen alternativtext=Wallfahrtskirche Maria Gern, im Hintergrund der Berchtesgadener Hochthron|mini|Wallfahrtskirche Maria Gern, im Hintergrund der Berchtesgadener Hochthron mini|St. Bartholomä am Königssee vor dem Watzmann
Im Gebiet des heutigen Oberbayern war das Christentum bereits seit der Römerzeit bekannt und in Siedlungen heimisch. Iroschottische Wandermönche missionierten hier bereits im 6. Jahrhundert. Die ebenfalls im 6. Jahrhundert im Zuge der Völkerwanderung einwandernden Baiern waren ebenfalls bereits Christen (wahrscheinlich allerdings arianisch).Sämtliche Angaben zur hier dargestellten Geschichte sind den im Abschnitt Literaturangaben angegebenen Werken entnommen.
Das herrschende Geschlecht der Agilolfinger, das mit Sicherheit schon dem Christentum anhing, bemühte sich auch zur Festigung seiner Herrschaft um eine Strukturierung und Festigung des kirchlichen Lebens in ihrem Herrschaftsgebiet. Herzog Grimoald II. rief dazu um ca. 720 den fränkischen Bischof Korbinian aus dem Gebiet von Arpajon bei Paris an seinen Hof in Freising. Er errichtete auch bereits zum Eintreffen des Bischofs eine erste Domkirche neben seiner herzoglichen Pfalz auf dem Freisinger Domberg.
Korbinian kam mit dem Herzog in Konflikt, da er dessen Ehe als unrechtmäßig bezeichnete. Er musste für kurze Zeit nach Meran in Südtirol fliehen, kehrte aber um 725 nach dem Tod Grimoald II. wieder zurück und widmete sich dem Aufbau einer Diözese in Freising. Nach seinem Tod um 730 führte diese Vorarbeit dazu, dass Bonifatius diese im Auftrag von Papst Gregor III. im Jahr 739 zusammen mit den Bistümern Salzburg, Regensburg und Passau kanonisch errichten konnte.
Ab dem 20. April 798 gehörte Freising als Suffraganbistum zur Kirchenprovinz des zum Erzbistum erhobenen Bistums Salzburg.
Das Bistum Freising erreichte sehr schnell eine hohe kulturelle Blüte. Schon Bischof Arbeo von Freising (764–783) konzentrierte auf dem Domberg Wissenschaft und Kultur und machte Freising so zum kulturellen Zentrum Altbayerns. Die Ansiedlung zahlreicher Klöster wie Tegernsee und Benediktbeuern (zunächst als „Puron“) förderte Seelsorge und christliche Kultur weiter.
Unmittelbar nach Gründung begann auch bereits eine intensive Missionsarbeit im Bereich der ostalpenländischen Slawen, was zur Gründung von Missionsstationen und Filialen in Innichen (783), Kärnten und Krain bis nach Bischoflack in Slowenien (973) führte.
Mittelalter und Zeit des Hochstifts Mit den Ungarnkämpfen im 10. Jahrhundert begann für das Bistum eine schwere Zeit im Mittelalter. Dem vom Volk sehr verehrten Bischof Lantpert von Freising (937–957) wird die Rettung des Domberges durch ein Nebelwunder vor den einfallenden Ungarn zugeschrieben. Nach der Abwehr der Ungarngefahr wurde die Arbeit in Seelsorge und Mission wieder ausgeweitet. Durch eine Verbesserung der Klerikerausbildung wurde auch die wissenschaftliche Bildung im Bistum wieder deutlich angehoben.
Im Investiturstreit kam es zu erheblichen Spannungen zwischen Kaiser und Bischof. Zeitweise gab es neben dem Bischof auch einen Gegenbischof. Zu neuer Blüte aber kam das Bistum unter Bischof Otto von Freising (1138–1158), der unter Kaiser Friedrich Barbarossa als der bedeutendste Geschichtsschreiber seiner Zeit galt.
Durch die Erhebung zum Fürstbistum wurde das Bistum als Hochstift Freising ab 1294 auch weltlich souverän. In diese Zeit fällt auch die Erweiterung des Gebietes um die Grafschaft Werdenfels. Die Konradinische Matrikel ist eine genaue Diözesanbeschreibung aus dieser Zeit, die unter dem Freisinger Fürstbischof Konrad III. dem Sendlinger 1316 fertiggestellt wurde.
Reformationszeit und Säkularisation Die Reformation konnte im Gebiet des Bistums Freising mit temporärer Ausnahme der Grafschaft Haag nicht Fuß fassen. Die Kirchenreformen des Konzils von Trient (1545–1563) aber wurden erst ab 1618 unter Bischof Veit Adam nach und nach umgesetzt. Rückschläge für das Bistum ergaben sich auch durch Kriegswirren im Dreißigjährigen Krieg. Im Zuge des Barock erlebte aber ganz Oberbayern danach eine weitere kulturelle Blüte. In diese Zeit fällt auch die Ausstattung des Freisinger Doms durch die Brüder Asam.
Ein dunkles Kapitel dieser Zeit sind die Kinderhexenprozesse in Freising von 1715 bis 1723, in deren Verlauf mehrere Betteljungen und Bettlerinnen hingerichtet wurden.
Mit der Säkularisation ab 1803 endete auch das Hochstift Freising. Als im selben Jahr Bischof Joseph Konrad von Schroffenberg-Mös starb, blieb der Bischofsstuhl 18 Jahre lang unbesetzt.
Begründung des Erzbistums Aufgrund des Bayerischen Konkordats wurde 1817 das Erzbistum von München und Freising errichtet. Durch die Zirkumskriptionsbulle Dei ac Domini Nostri Jesu Christi von Papst Pius VII. wurde 1818/21 das Gebiet neu umschrieben. Zum Gebiet des alten Hochstifts Freising kamen Territorien des 1808 aufgehobenen Bistums Chiemsee, die in Bayern liegenden Gebiete des Bistums Salzburg (Rupertiwinkel) sowie die ehemalige Fürstpropstei Berchtesgaden. Wegen der neuen Landesgrenzen kamen im Gegenzug die alten Gebiete des Hochstifts Freising auf Tiroler Gebiet zu den Bistümern Brixen und Salzburg.
Sitz des so neugeschaffenen Erzbistums war nunmehr München. Die Münchner Frauenkirche (Dom zu Unserer Lieben Frau) wurde zur Kathedrale. Wohn- und Dienstsitz des Erzbischofs ist das Palais Holnstein in München. Bis auf wenige Ausnahmen aber fanden sowohl das Korbiniansfest als auch die Priesterweihen weiterhin stets in der alten Freisinger Domkirche statt. 1981 wurde daher der Freisinger Dom zur Konkathedrale des Erzbistums erhoben.
Die ehemalige Fürstbischöfliche Residenz auf dem Freisinger Domberg wurde dem Erzbistum 1826 von König Ludwig I. (1825–1848) zur Einrichtung eines Priesterseminars, eines Lyzeums und des Diözesanknabenseminars überlassen. Ab 1850 wurde Freising auch Sitz der Freisinger Bischofskonferenz.
Unter dem ersten Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel (1821–1846) wurden zur Ergänzung dieser Konsolidierung der kirchlichen Strukturen in der neuen Erzdiözese mit Hilfe von König Ludwig I. auch zahlreiche säkularisierte Klöster wiedererrichtet. Wie von Gebsattel konzentrierte sich auch Erzbischof Gregor von Scherr (1856–1877) auf den Ausbau und die Förderung der theologischen Bildung und Wissenschaft als Grundlage der Seelsorge im Erzbistum. Gregor von Scherr nahm zudem am Ersten Vatikanischen Konzil teil.
Weltkriege und Zeit des Nationalsozialismus Unter Erzbischof Franziskus Kardinal von Bettinger (1909–1917) wurde die Seelsorge in der Großstadt München sowie für Arbeiter, Studenten, Soldaten und Jugend zum besonderen Schwerpunkt der kirchlichen Arbeit. In die Zeit seines Nachfolgers Michael Kardinal von Faulhaber (1917–1952) fiel die in München dramatische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der Zweite Weltkrieg. Bedeutend in dieser Zeit war auch das Wirken des für den katholischen Widerstand prägenden Jesuiten P. Rupert Mayer in München.
Wiederaufbau und zunehmender Einfluss in der Gesamtkirche In den Jahren des Wiederaufbaus von Land und Erzdiözese nach dem Krieg war es Erzbischof Joseph Kardinal Wendel (1952–1960), der 1960 den Eucharistischen Weltkongress in München ausrichtete. Unter ihm wurde die Katholische Akademie als Dialogforum zwischen Kirche und Gesellschaft gegründet.
Von 1961 bis 1976 leitete Julius Kardinal Döpfner das Erzbistum München und Freising. Er leitete als einer von vier Moderatoren das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) und war ab 1965 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Im Erzbistum förderte er die Liturgiereform nach dem Konzil und war ein Wegbereiter der Ökumene. Ferner begründete er die Partnerschaft des Erzbistums mit den Diözesen Ecuadors.
Nachfolger Kardinal Döpfners war vom 28. Mai 1977 bis 15. Februar 1982 Joseph Kardinal Ratzinger, der von Papst Johannes Paul II. in die römische Kurie berufen und zum Präfekten der Glaubenskongregation ernannt wurde. Am 19. April 2005 wurde er als Benedikt XVI. selbst Papst.
Sein Nachfolger auf dem Stuhl des Münchner Erzbischofs wurde Friedrich Kardinal Wetter (1982–2007).
Am 30. November 2007 wurde Reinhard Marx zum Nachfolger von Kardinal Wetter als Erzbischof von München und Freising ernannt. Wetter blieb bis zur Inbesitznahme des Amtes durch Marx weiter als Apostolischer Administrator für das Münchner Erzbistum im Amt. Marx wurde am 2. Februar 2008, am Fest Mariä Lichtmess, im Liebfrauendom als Erzbischof von München und Freising eingeführt. Am 20. November 2010 wurde er zum Kardinal ernannt. Mit ihm wurde ein weiterer Erzbischof von München und Freising zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.
Untersuchungen zu sexuellem Missbrauch Im Dezember 2010 veröffentlichten das Erzbistum und die von ihm beauftragte Rechtsanwältin Marion Westpfahl (10. September 1948 bis 16. August 2023Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung vom 22. August 2023 S. 16) ein Thesenpapier zu den Ergebnissen einer von ihr durchgeführten umfassenden Untersuchung der Personalakten des Erzbistums bezüglich sexuellen Missbrauchs im Erzbistum München und Freising in der Zeit von 1945 bis 2010; sie berichtete unter anderem auch von vernichteten Akten und geht von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Die Aktenvernichtungen sollen „nach Ablauf der kirchenrechtlich vorgesehenen zehnjährigen Frist“ erfolgt sein. Die Studie blieb unter Verschluss.
Im Januar 2022 wurde die 2020 in Auftrag gegebene WSW-Studie veröffentlicht.WSW-Studie Über 497 Opfer und 235 Täter wurde darin berichtet. Nach der Veröffentlichung meldeten sich weitere Opfer.Der Spiegel, Bericht vom 21. Februar 2022 Am 26. Februar 2022 wurde bekannt, dass es einen staatsanwaltlichen Durchsuchungsbeschluss für das Erzbistum im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen gab. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, es habe eine „erste und schon lange überfällige Durchsuchung einer Staatsanwaltschaft mit richterlichem Durchsuchungsbefehl“ gegeben, die aber keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu Tage gefördert habe.
Bischöfe, Fürstbischöfe und Erzbischöfe
Bedeutende Bischöfe des Bistums Freising waren u. a. der heilige Korbinian (724–730), Arbeo von Freising (764–784), der heilige Lantpert von Freising (937–957) sowie der selige Otto von Freising (1137–1158).
Traditionell wird der Erzbischof von München und Freising seit dem 19. Jahrhundert vom Papst mit der Aufnahme in das Kardinalskollegium geehrt.
Diözesanheilige