Borgholzhausen ist eine kreisangehörige Stadt des Kreises Gütersloh in Nordrhein-Westfalen (Deutschland). Am zählte die Stadt Einwohner.

Geografie Geografische Lage Borgholzhausen liegt an einem Pass im Teutoburger Wald am nördlichen Rand der Westfälischen Bucht. Das Stadtzentrum liegt etwa einen Kilometer östlich der Johannisegge.

Der Höhenzug des Teutoburger Waldes trennt an dieser Stelle verschiedene Landschaften, so dass die nördlichen Stadtteile Borgholzhausens im Ravensberger Hügelland liegen, die südlichen in der Ebene des Ostmünsterlands.

Höchster Punkt ist mit einer Höhe von 306 Metern der Hankenüll, über den die Grenze zur Nachbarstadt Dissen a.T.W. und damit die Landesgrenze zu Niedersachsen führt. Dort liegt auch der Hollandskopf, der der nordwestlichste Punkt der Weser-Ems-Wasserscheide ist. Der tiefste Punkt hat eine Höhe von 80 Metern.

Durch Borgholzhausen fließt der Violenbach, der etwa einen Kilometer südlich des Ortes entspringt

Geologie mini|Geothermische Karte von BorgholzhausenAngaben in kWh/(m·a) Der Teil des Borgholzhausener Gebiets, der in etwa südwestlich einer gedachten Verlängerungslinie des Hauptkamms des Teutoburger Waldes liegt, wird zum Nordostrand des Münsterländer Beckens gerechnet. Hier sind die Gesteine des oberflächennahen Untergrunds steil aufgerichtet. Sie bestehen aus Tonmergel-, Kalkmergel-, Kalk- und Mergelsteinen, aber auch aus Sandsteinen und Sandmergeln des Erdmittelalters (Unter- und Oberkreide). Diese Gesteine liegen über einem Sockel aus gefalteten Gesteinen des Erdaltertums (Devon, Karbon).

Nordöstlich des Kamms wird das Stadtgebiet zum Ravensberger Hügelland gerechnet und besteht im Wesentlichen aus Tonmergel-, Kalk- und Sandsteinen des Erdmittelalters, also Trias, Jura und Kreide. Die ein bis zwei Kilometer starken Sedimente wurden im Verlauf der Erdgeschichte herausgehoben und durch gebirgsbildende Vorgänge in Sättel, Mulden, Horste und Gräben zerlegt. In diesem Bruchfaltengebirge sind die früher ungestört übereinanderfolgenden Gesteinsschichten heute nebeneinander und zum Teil auch in überkippter Lagerung angeordnet. Im tieferen Untergrund sind wieder die Gesteine des Erdaltertums anzutreffen.

Borgholzhausen eignet sich mittelmäßig bis gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpenheizungen (vgl. dazu die nebenstehende Karte) (PDF; 369 kB).

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets mini|250px|Flächennutzung in Borgholzhausen Die Stadt umfasst eine Fläche von 55,83 km². Der überwiegende Teil besteht aus landwirtschaftlich genutzter Fläche und Waldfläche, zusammen etwa 90 %. Die größte Ausdehnung beträgt in Nordsüdrichtung 11,8 km und in Ostwestrichtung 10,1 km.

Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Gebäude-und Freifläche Verkehrs-fläche sonstigeNutzung Fläche in km² 36,3 14 2,8 2,2 0,56 Anteil an Gesamtfläche 65 % 25 % 5 % 4 % 1 %

Nachbargemeinden Borgholzhausen grenzt an die Städte Versmold im Südwesten, Halle (Westf.) im Südosten und Werther (Westfalen) im Osten, die wie Borgholzhausen dem Kreis Gütersloh angehören.

Im Norden und Westen grenzt Borgholzhausen an die Stadt Melle mit ihren Stadtteilen Neuenkirchen und Wellingholzhausen sowie an die Stadt Dissen a.T.W., die beide zum niedersächsischen Landkreis Osnabrück gehören.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet gliedert sich in folgende zwölf Ortsteile, die bis zur Gemeindereform von 1969 eigenständige Gemeinden im Amt Borgholzhausen waren (Einwohnerzahlen nach Angaben des Kreises Gütersloh mit Stand 1. Januar 2022):

Ortsteil Einwohner Ortsteile der Stadt Borgholzhausen 300px|zentriert Barnhausen 914 Berghausen 493 Borgholzhausen 4.675 Casum 369 Cleve 286 Hamlingdorf 298 Holtfeld 459 Kleekamp 464 Oldendorf 202 Ostbarthausen 216 Westbarthausen 675 Wichlinghausen 43 Gesamt 9.094

Klima

Geschichte mini|In der Innenstadt Der Borgholzhausener Pass durch den Teutoburger Wald hat als wichtiger Übergang zur Gründung der Stadt entscheidend beigetragen. Nachgewiesene Urnenfriedhöfe aus der jüngeren Bronzezeit in den Ortsteilen Oldendorf, Casum und im Quertal von Borgholzhausen lassen auf eine Besiedlung seit etwa 1500 v. Chr. schließen.

Um das Jahr 1100 wurde Borgholzhausen zum Gerichtsort. Seit 1096 wird der Ort „Holthus“ genannt, doch wegen seiner Nähe zur Burg Ravensberg, die von Graf Hermann II. von Calvelage erbaut wurde, entstand 1317 dann die Ortsbezeichnung „Borgholthusen“. Im gleichen Jahr wird es erstmals als „oppidum“ (Landstadt) bezeichnet. 1488 wird es neben Werther und Halle als Wibbold oder Wichbold der Grafschaft Ravensberg aufgeführt und mit dieser 1609 dem Kurfürstentum Brandenburg angeschlossen. In der Grafschaft Ravensberg war Borgholzhausen Sitz einer Vogtei des Amtes Ravensberg. 1669 wurde in Borgholzhausen eine Leinenlegge als staatliche Schau- und Prüfanstalt angelegt.

Am 17. April 1719 wurde Borgholzhausen durch Friedrich Wilhelm I. zusammen mit anderen ravensbergischen Flecken zur Stadt erhoben, was zur Modernisierung der städtischen Verwaltung und zur Ansiedlung verschiedener Gewerbe- und Handelszweige führte. So wurden Leinenspinnerei und -weberei im 17. und 18. Jahrhundert ein wichtiger Erwerbszweig. Am Ende des 18. Jahrhunderts blühte auch der Leinenhandel auf. Pack- und Segeltuchleinen wurden vielfach über Elberfeld (heute zu Wuppertal) ins Rheinland, nach Holland und über Bremen nach England geliefert. Als jedoch durch die Konkurrenz des maschinellen Webens in England nach 1820 die Heimarbeiter nicht mehr Schritt halten konnten, ging die Leinenspinnerei und Weberei im ganzen Ravensberger Land und damit in Borgholzhausen zurück.

Ab 1740 gewann die Honigkuchenbäckerei an Bedeutung (vgl. kulinarische Spezialitäten). Nach 1873 kamen mehrere Fleischwarenfabriken hinzu. Im Jahr 1880 entstand in Borgholzhausen die erste mit Dampfkraft betriebene Molkerei Westfalens. Aus dem im 17. Jahrhundert angelegten Salzwerk „Barthausen“ ist nach 1907 das „Solbad Ravensberg“ geworden, welches bis Anfang der 1980er Jahre betrieben wurde. 2014 wurde schließlich auch die fabrikmäßige Herstellung und der Vertrieb des Mineralwassers der Firma Marienbrunnen eingestellt.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war die wirtschaftliche Entwicklung im Bereich der heutigen Stadt Borgholzhausen in erster Linie auf die Landwirtschaft beschränkt. Auch wenn sich insbesondere im Bereich des heutigen Ortsteils Borgholzhausen geringe Ansätze von mittleren und kleinen Gewerbeansiedlungen abzeichneten, so wurde in der alten Stadt Borgholzhausen von den Gewerbetreibenden nebenbei noch Ackerbau und Viehzucht betrieben, da sie von ihrem Gewerbe allein nicht leben konnten. Auch in den übrigen Ortsteilen der Stadt war überwiegend die Landwirtschaft Haupterwerbszweig. In der heutigen Zeit haben Land- und Forstwirtschaft immer noch einen beachtlichen Anteil am Wirtschaftsleben der Stadt. Die Industrie war jedoch seit 1945 maßgeblich an der Entwicklung im Bereich der heutigen Stadt Borgholzhausen beteiligt. Diese Entwicklung entsprang nicht nur aus den bereits bestehenden ortsansässigen Gewerbe- und Industriezweigen im Altstadtgebiet, sondern aus mehreren neugegründeten Werken, insbesondere im Süden des Ortsteils Borgholzhausen.

Eingemeindungen Im Rahmen der nordrhein-westfälischen Gebietsreform wurden mit dem „Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Halle“ vom 24. Juni 1969 die zwölf Gemeinden Barnhausen, Berghausen, Stadt Borgholzhausen, Casum, Cleve, Hamlingdorf, Holtfeld, Kleekamp, Oldendorf, Ostbarthausen, Westbarthausen und Wichlinghausen aus dem Amt Borgholzhausen am 1. Juli 1969 zur neuen Stadt Borgholzhausen zusammengeschlossen. Das Amt Borgholzhausen wurde aufgelöst; Rechtsnachfolgerin ist die Stadt Borgholzhausen.

Zum 1. Januar 1973 kam es in Borgholzhausen im Zuge der Umsetzung des Bielefeld-Gesetzes noch zu kleineren Gebietsveränderungen; es wurden Gebiete an die Städte Halle und Werther abgegeben, im Gegenzug kamen Gebiete der ehemaligen Gemeinde Theenhausen hinzu.

Einwohnerstatistik 300px|mini|Bevölkerungsentwicklung in Borgholzhausen von 1818 bis 2007 (untere Linie: jeweiliger Gebietsstand, obere Linie: heutiger Gebietsstand) Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt Borgholzhausen nach dem jeweiligen Gebietsstand, bei einigen Jahren zusätzlich nach heutigem Gebietsstand. Änderungen des Gebietsstandes ergaben sich durch den Zusammenschluss mit elf umliegenden Gemeinden zum 1. Juli 1969 sowie einiger kleinerer Gebietsveränderungen zum 1. Januar 1973.

Bei den Zahlen handelt es sich bis 1970 und für 1987 um VolkszählungsergebnisseStatistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1816–1871. Düsseldorf 1966, S. 188.Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen: Bevölkerungsentwicklung 1871–1961. Düsseldorf 1964, S. 370–371.Statistisches Landesamt Nordrhein-Westfalen: Die Wohnbevölkerung in den Gemeinden Nordrhein-Westfalens 1970 : Ergebnisse der Volkszählung am 27. Mai 1970. Düsseldorf 1972, S. 40.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Sonderreihe zur Volkszählung 1987 in Nordrhein-Westfalen, Band 1.1: Bevölkerung, Privathaushalte und Erwerbstätige. Düsseldorf 1989, S. 110. und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik.Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen: Landesdatenbank Nordrhein-Westfalen Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich ab 1871 sowie für 1946 auf die Ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und ab 1985 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1871 wurden die Einwohnerzahlen nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt. Borgholzhausen nach dem damaligen Gebietsstand Jahr Einwohner 1798 849 1818 (31. Dez.) 1.080 1831 (3. Dez.) 1.228 1837 (3. Dez.) 1.270 1843 (3. Dez.) 1.388 1849 (3. Dez.) 1.289 1852 (3. Dez.) 1.292 1858 (3. Dez.) 1.179 1861 (3. Dez.) 1.246 1867 (3. Dez.) 1.169 Jahr Einwohner 1871 (1. Dez.) 1.085 1885 (1. Dez.) 1.144 1895 (1. Dez.) 1.281 1905 (1. Dez.) 1.284 1925 (16. Juni) 1.192 1933 (16. Juni) 1.310 1939 (17. Mai) 1.331 1946 (29. Okt.) 1.979 1950 (13. Sep.) 2.080 1961 (6. Juni) 2.538Borgholzhausen nach dem heutigen Gebietsstand Jahr Einwohner 1939 (17. Mai) 4.805 1950 (13. Sep.) 7.408 1961 (6. Juni) 7.203 1970 (27. Mai) 7.598 1972 (31. Dez.) 7.662 1974 (30. Juni) 7.678 1975 (31. Dez.) 7.463 1980 (31. Dez.) 7.425 1985 (31. Dez.) 7.453 Jahr Einwohner 1987 (25. Mai) 7.463 1990 (31. Dez.) 7.872 1995 (31. Dez.) 8.463 2000 (31. Dez.) 8.676 2005 (31. Dez.) 8.784 2007 (31. Dez.) 8.721 2012 (31. Dez.) 8.633 2019 (31. Dez.) 8.968 2022 (31. Dez.) 9.253

Religion Mit Stand 1. Januar 2019 waren von den Einwohnern 46 % evangelisch, 15 % katholisch, 39 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder sind konfessionslos.Kreis Gütersloh Unsere Region Zahlen Daten Fakten 2020 Seite 6, abgerufen am 11. April 2021, abgerufen am 18. April 2020 Mit Stand 1. Januar 2025 waren 38 % der Einwohner evangelisch, 13 % katholisch und 49 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder sind konfessionslos.Kreis Gütersloh Unsere Region Zahlen Daten Fakten 2025, abgerufen am 10. Mai 2025

Politik Borgholzhausen gehört zum Landtagswahlkreis Gütersloh I – Bielefeld III, in dem bei der Landtagswahl 2017 Georg Fortmeier (SPD) als Direktkandidat gewählt wurde. Auf Bundesebene gehört Borgholzhausen zum Bundestagswahlkreis Gütersloh, in dem 2009 und 2014 Ralph Brinkhaus (CDU) als Direktkandidat gewählt wurde.

Stadtrat