Die Knotige Braunwurz oder Knoten-Braunwurz (Scrophularia nodosa), kurz auch Braunwurz genannt, ist der in Mitteleuropa häufigste Vertreter der Pflanzengattung der Braunwurzen (Scrophularia).

Beschreibung Es handelt sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 50 und 100 Zentimeter erreicht. Der Name Knotige Braunwurz bezieht sich zum einen auf die an der Oberfläche knotigen Anschwellungen des Rhizoms, zum anderen auf die braunen Blüten der Pflanze.

Die Pflanze hat einen aufrechten Stängel, der sich meist erst im Blütenstand verzweigt. Er ist scharf vierkantig, in der Höhe des Blütenstandes auch mit ausgeprägteren Kanten, ist jedoch nicht geflügelt.

Die Laubblätter sind ungeteilt oder höchstens am Grund mit ein oder zwei kleinen Seitenlappen. Ihr Rand ist doppelt gesägt.

Die Blüten stehen in endständigen rispenähnlichen Thyrsen. Die Krone ist vorne braunrot, am Grunde eher grünlich. Die Kelchblätter sind vorne abgerundet und oft schmal häutig berandet. Ansonsten entspricht der Blütenaufbau genau dem im Artikel über die Braunwurzen beschriebenen Schema.

Die Chromosomenzahl der Art ist 2n = 36.

miniatur|links|Knotige Braunwurz, Illustration Ökologie Die Knotige Braunwurz ist ein Hemikryptophyt und eine Schaftpflanze.

Die Blüten sind vorweibliche „Rachenblumen“. Zuerst erscheint die Narbe am Kroneneingang, dann sieht man an derselben Stelle die vier nacheinander reifenden Staubbeutel. Die weibliche und die männliche Phase dauern je zwei Tage. Bestäuber sind Bienen und Wespen, besonders Faltenwespen; es handelt sich also um eine Wespenblume. Die Bestäubung erfolgt bauchseitig. In Nordamerika, wo die Art eingebürgert ist, wurden auch Kolibris als Bestäuber beobachtet. Zum Schluss ist Selbstbestäubung möglich. Die Blütezeit ist von Juni bis Juli.

Die Kapselfrucht wird aus 2 Fruchtblättern gebildet; sie öffnet sich bei Trockenheit wandspaltig. Die kleinen Samen sind bis 1 mm lang und nur 0,08 mg schwer. Sie breiten sich als Körnchenflieger aus. Da der Fruchtstängel elastisch ist und verholzt, ist auch eine Samenausbreitung als Wind- und Tierstreuer sowie Bearbeitungsverbreitung möglich. Die Samen sind Kältekeimer. Fruchtreife ist von August bis Oktober.

Vegetative Vermehrung nach der Blüte erfolgt durch unterirdische Ausläufer.

Verbreitung Die Knotige Braunwurz kommt in Europa vom hohen Norden bis zum Mittelmeer und im westlichen Asien bis zum Kaukasus und dem östlichen Sibirien bis zur Mongolei vor. Ins östliche Nordamerika sowie nach Neuseeland und Australien wurde sie eingeschleppt.Scrophularia nodosa L. in GBIF Secretariat (2023). GBIF Backbone Taxonomy. Checklist dataset https://doi.org/10.15468/39omei accessed via GBIF.org on 2024-05-28. In Europa kommt sie in fast allen Ländern vor und fehlt nur in Portugal und Island.

Sie wächst an mäßig nährstoffreichen, feuchten Stellen in Wäldern, an Waldrändern, in Gebüschen oder an Flussufern. Sie ist in Mitteleuropa eine schwache Charakterart der Fagetalia sylvaticae-Gesellschaften, kommt aber auch in Gesellschaften der Verbände Alliarion, Aegopodion oder der Klasse der Schlagfluren (Epilobietea angustifolii) vor. In den Allgäuer Alpen steigt sie an der Hirschalpe bei Hindelang in Bayern bis zu 1460 m Meereshöhe auf. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 2 (schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

Taxonomie Die Knotige Braunwurz wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum Band 2 Seite 619 als Scrophularia nodosa erstbeschrieben.

Verwendung mini|Knotige Braunwurz bei Vitus Auslasser Die (Knotige) Braunwurz (lateinisch früher als Scrophularia bezeichnet) wurde in der Heilkunde (im Mittelalter auch „Drueßwurz“, etwa bei Vitus Auslasser, und „drußwortz“ sowie lateinisch Laurea genanntOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 196 und 224 („Scrofularia – suwe wurtz, castrangula, strangularia“).) gegen eine Vielzahl von Leiden verwendet, beispielsweise gegen Lymphdrüsenschwellungen, gegen Hautleiden und zur Wundheilung, bei Halskrankheiten oder als harntreibendes Mittel. In Thüringen und im sächsischen Erzgebirge spielte sie als „Neunte Nessel“ in der Volksmedizin eine große Rolle.

Bilder

Quellen Literatur

Werner Rauh, Karlheinz Senghas: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. Begründet von Otto Schmeil, Jost Fitschen. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.

Einzelnachweise Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. Seite 832. ISBN 3-8001-3131-5 Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 432.

Weblinks

Thomas Meyer: Braunwurz Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)

Kategorie:Braunwurzgewächse