mini|B. B. King (1998) mini|B.-B.-King-Skulptur in den Gärten des Montreux Palace B. B. King, eigentl. Riley Benjamin King (* 16. September 1925 in Berclair, Leflore County, Mississippi; † 14. Mai 2015 in Las Vegas, Nevada), war einer der einflussreichsten Blues-Gitarristen und -Sänger. Er gilt als einer der „drei Kings des elektrischen Blues“, neben Albert King und Freddie King. Er beeinflusste Generationen von Rock- und Bluesmusikern. Seine Schallplatten wurden mit insgesamt 15 Grammys ausgezeichnet. Das „B. B.“ in seinem Namen steht für Blues Boy, was wiederum eine Verkürzung von Beale Street Blues Boy ist, seinem Pseudonym als Moderator beim Radiosender WDIA.B.B. wird normalerweise mit Punkten, aber ohne Leerzeichen geschrieben; gelegentlich findet sich auch die Schreibung BB King.Thomas E. Larson: History of Rock & Roll. Kendall/Hunt Publishing, Dubuque IA 2004, S. 25 (englisch).Christian Graf: Rock Musik Lexikon Amerika. Taurus Press, 1989, Band 1, S. 548.

Leben Kindheit und Jugend B. B. King wurde als Riley Benjamin King The Verve Music Group. Das Kürzel „B.“ steht für keinen Mittelnamen und hat keine gesonderte Bedeutung. im Weiler Berclair, Mississippi, als Sohn des Farmpächters Albert King und dessen Frau Nora Ella King geboren. Als er vier Jahre alt war, trennten sich seine Eltern, und er wuchs fortan in Kilmichael (Mississippi) bei seinen Großeltern mütterlicherseits auf. Als er neun Jahre alt war, starb seine Mutter. 1940 zog er für zwei Jahre zu seinem Vater nach Lexington. Danach kehrte er nach Kilmichael zurück, zog dann weiter nach Indianola und landete schließlich 1946 in Memphis.

Als Kind und Jugendlicher sang er Gospelmusik, war aber auch begeistert von Bluesmusikern wie Blind Lemon Jefferson oder Lonnie Johnson, deren Musik er auf Schellackplatten seiner Tante hörte. Zu seinen weiteren Vorbildern zählten vor allem der Bluesgitarrist T-Bone Walker, aber auch Jazzmusiker wie Charlie Christian und Django Reinhardt.

Memphis In Memphis traf B. B. King einen entfernten Verwandten seiner Mutter, den Bluesmusiker Bukka White, der ihm eine Anstellung als Schweißer verschaffte. Zusammen mit Walter Horton gründete King schließlich ein Blues-Duo, und gemeinsam traten sie in Juke Joints und Parks auf. Nach acht Monaten in Memphis kehrte King jedoch zurück nach Indianola. Er zweifelte an seinem instrumentalen Können, da es seiner Meinung nach bessere Musiker in Memphis gab.

Trotzdem kehrte er Ende 1948 nach Memphis zurück und lernte in West Memphis den Gitarristen Robert Lockwood kennen, mit dessen Hilfe er sein Gitarrenspiel wesentlich verbessern konnte. Anfang 1949 traf er Sonny Boy Williamson II., der ihm gestattete, in seiner Radioshow auf KWEM ein Stück zu singen. Durch Bukka White erfuhr King kurze Zeit später von der Radiostation WDIA. Im April 1949 bekam er dort seine eigene, von Lucky Strike gesponserte 15-minütige Sendung, in der er live spielte. Im folgenden Jahr übernahm er als DJ den Sepia Swing Club auf WDIA. Nun hatte er Zugriff auf tausende von Platten, die er intensiv anhörte und auch nachzuspielen versuchte.

Erste Aufnahmen Seine ersten Aufnahmen machte B. B. King 1949 für Bullet Records in Nashville. Die beiden daraus resultierenden Singles verkauften sich jedoch sehr schlecht und gaben seiner musikalischen Karriere keinen Anstoß. Während eines Besuchs der Radiostation WDIA im Juni 1950 hörten die Brüder Jules und Saul Bihari von B. B. King und waren so begeistert, dass sie ihn für ihr Sublabel RPM unter Vertrag nahmen. Modern Records mit Sitz in Los Angeles zählte zwar damals zu den führenden unabhängigen Plattenlabels im Bereich des Jazz und Blues, verfügte jedoch in Memphis über kein eigenes Aufnahmestudio. Deshalb fanden die ersten Aufnahmesessions mit B. B. King für RPM im damals neuen Studio von Sam Phillips statt.Zu diesen Aufnahmen siehe: Escott, Colin / Hawkins, Martin: Good Rockin’ Tonight. Sun Records and the Birth of Rock ’n’ Roll. St. Martin’s Press, New York City 1991, S. 21–23.

Kings Band bestand zu dieser Zeit aus Richard Sanders (Saxofon), Johnny Ace (Klavier), einem Bassisten namens Wiley und Earl Forest (Schlagzeug). Diese frühen Einspielungen waren zwar innovativ, aber kommerziell wenig erfolgreich.

Erste Erfolge mini|B. B. King – 3 O’Clock Blues (1951) Nachdem sich die Biharis Mitte 1951 geschäftlich mit Sam Phillips überworfen hatten, fand im September 1951 im YMCA mit einem portablen Aufnahmegerät jene Aufnahmesession statt, die B. B. Kings ersten Hit 3 o’Clock Blues (RPM #339) hervorbrachte, der sich fünf Wochen lang als Nummer-eins-Hit in den R&B-Charts hielt. Aufgrund des großen Erfolgs der Single folgte eine Tournee mit Tiny Bradshaws Orchester. Wenig später schloss sich King mit der Band des Saxofonisten Bill Harvey zusammen, die dann bis 1955 seine Tour-Band blieb.

1952 bzw. 1953 hatte B. B. King mit You Know I Love You und Please Love Me zwei weitere Nummer-1-R&B-Hits, die seiner Karriere einen entscheidenden Auftrieb gaben. Am 24. April 1954 zierte sein Bild die Titelseite des Cashbox-Magazins. Einen Monat später gab er sein Debüt mit Bill Harveys Orchester im Apollo Theater in Harlem. Unter dem Produzenten Johnny Pate wurde am 18. und 19. August 1954 in den alten Capitol-Studios (Los Angeles, Melrose Avenue) in der Besetzung B. B. King (Gesang/Gitarre), Millard Lee (Piano), Floyd Newman (Saxophon) und Kenny Sands (Trompete) der Bluesklassiker Everyday I Have the Blues aufgenommen. Im Dezember 1954 erschien dann Everyday I Have the Blues / Sneakin’ Around (RPM #421), das bis auf Platz 8 der R&B-Hitparade vorstieß. Nach dessen Veröffentlichung berichtete Billboard von hohen Plattenumsätzen,This Week’s Best Buys. In: Billboard, 1. Januar 1955, S. 31. die sich über die Jahre auf über 4 Millionen Exemplare summierten.Joseph Murrells: Million Selling Records, 1985, S. 90. Damit avancierte Everyday I Have the Blues zu den meistverkauften Bluessongs aller Zeiten.

Noch im Dezember 1954 folgte eine Westcoast-Tournee. B. B. King war nun aufgestiegen zum nationalen Star, ganz dem Blues verschrieben und kaum interessiert an der sich bereits abzeichnenden Rock-’n’-Roll-Revolution.

Quer durch die Vereinigten Staaten Anfang 1955 brach King wegen geschäftlicher Differenzen mit Bill Harvey und seinem Manager Morris Merritt die Zusammenarbeit ab. Kurzerhand stellte er eine neue Band, die B. B. King Revue, unter der Leitung von Millard Lee zusammen. Sie bestand zunächst aus Calvin Owens und Kenneth Sands (Trompeten), Lawrence Burdine (Altsaxofon), George Coleman (Tenorsaxofon), Floyd Newman (Baritonsaxofon), Millard Lee (Klavier), George Joyner (Bass) und Earl Forest und Ted Curry (Schlagzeug). Onzie Horne als geschulter Musiker wurde Kings Arrangeur und half ihm, seine musikalischen Ideen umzusetzen.

Es folgten weitere Tourneen quer durch die Vereinigten Staaten mit Auftritten in den großen Theatern (z. B. in Washington, D.C., Chicago, Los Angeles, Detroit und St. Louis) sowie zahlreiche Gigs in kleineren Clubs und Juke Joints der Südstaaten. King tourte mittlerweile den kompletten Chitlin’ Circuit und war 1956 mit 342 Konzerten völlig ausgebucht.

Nebenher gründete er im selben Jahr sein eigenes Plattenlabel Blues Boys Kingdom mit Sitz in der Beale Street in Memphis. Dort produzierte er unter anderem Künstler wie Millard Lee oder Levi Seabury. Die Plattenfirma scheiterte schließlich aber daran, dass King seinen Verpflichtungen als Musiker nachkommen musste und keine Zeit (und auch nicht die Kompetenzen) hatte, auch noch eine Firma zu leiten. Seine Plattenaufnahmen machte B. B. King nun fast ausschließlich im Modern Studio in Los Angeles mit Musikern unter der Leitung von Maxwell Davis.

Blues und Pop mini|Die Gitarre Lucille (2009) Das Aufkommen des Rock ’n’ Roll führte schon Mitte der 1950er Jahre zu einem enormen Popularitätsverlust des Blues in der afroamerikanischen Gesellschaft. Obwohl King weiterhin Hits vorweisen konnte, stellte das Jahr 1957 für ihn den Beginn eines ruhigeren Karriereabschnitts dar. Um Kings Popularitätsverlust entgegenzuwirken, versuchten die Biharis ihn in den Bereich der Popmusik zu drängen. Zu dieser Zeit coverte er unter anderem Tennessee Ernie Fords Sixteen Tons und nahm auch den Song Bim Bam auf. Auch weitere Versuche mit Popballaden scheiterten und brachten nicht den kommerziellen Erfolg früherer Tage zurück. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei Chess Records verlängerten die Biharis 1958 Kings Vertrag – ein Zeichen dafür, dass sie nach wie vor auf ihn setzten. Ab diesem Zeitpunkt erschienen B. B. Kings Singles auf dem neu gegründeten Sublabel Kent Records.

Sweet Sixteen Zu Beginn der 1960er Jahre war B. B. King einer der wenigen Bluesmusiker, die nach wie vor regelmäßig in den R&B-Charts vertreten waren. So landete er im Frühjahr 1960 mit seiner Interpretation des Big-Joe-Turner-Klassikers Sweet Sixteen sogar nochmals einen No.-2-Hit in den R&B-Charts. Während andere Bluesmusiker wie Muddy Waters oder John Lee Hooker infolge des Folk-Musik-Booms ein neues, vor allem weißes Publikum fanden, blieb B. B. King seiner angestammten Zuhörerschaft treu. Anstatt ein trendiges Folk-Blues-Album einzuspielen, trat er weiterhin mit seiner 13-köpfigen Band in Zentren der afroamerikanischen Kultur wie etwa dem Apollo Theater in Harlem auf. In Europa waren seine Platten kaum erhältlich, da sich die Bihari-Brüder beim Lizenzieren ihres Katalogs recht schwer taten.

Crown Records Allerdings hatte B. B. King mittlerweile gute Gründe, Modern Records zu verlassen. Da die Biharis seine Alben auf dem Billig-Sublabel Crown Records für 99 Cent das Stück veröffentlichten, landeten diese LPs meist in den Ramschkisten der Läden und wurden vom Billboard Magazine völlig ignoriert. Infolgedessen fanden diese Alben (zwölf Stück zwischen 1957 und 1963) auch keinerlei Anerkennung in der breiten Öffentlichkeit. Zudem beanspruchten die Biharis bis zu drei Viertel der Tantiemen aus dem Erlös von Kings Platten; sie hatten den Komponistenangaben (in der Regel King) eigene Pseudonyme wie Jules Taub, Joe Josea oder Sam Ling hinzugefügt. Diese illegale Praxis des Cut In und die Veröffentlichungspolitik des Labels führten dazu, dass B. B. King Modern Records den Rücken kehrte und auf Anraten seiner Musikerkollegen Lloyd Price und Fats Domino im Januar 1962 einen Vertrag beim damaligen Major-Label ABC-Paramount unterschrieb.

Live at the Regal Seine neue Plattenfirma wusste zunächst nicht genau, welche Richtung seine musikalische Laufbahn einschlagen würde. Die beiden anderen R&B-Stars des Labels, Ray Charles und Lloyd Price, hatten bereits Nischen im weiten Bereich zwischen Pop und R&B gefunden. Doch B. B. King war ein reiner Bluesmusiker; ein Übertritt ins Pop- oder Soul-Lager schien unmöglich. Nach einigen Singles und zwei von Johnny Pate produzierten Alben veröffentlichte ABC-Paramount 1965 das Album Live at the Regal, das ein Überraschungserfolg wurde. Mitgeschnitten im Chicagoer Regal Theater am 21. November 1964 präsentierte es einen sehr lebhaften und mitreißenden Auftritt von King vor einem afroamerikanischen Publikum.

Bereits seit seinem Weggang von Modern Records hatten die Bihari-Brüder parallel zu den ABC-Veröffentlichungen weitere King-Titel aus ihrem Archiv herausgebracht, zum Teil mit beachtlichem Erfolg. Rock Me Baby – im Sommer 1964 als Single auf dem Kent-Label erschienen – schaffte es bis auf Platz 34 der US-Popcharts. Angestachelt durch den Erfolg von Live at the Regal folgte eine Flut von weiteren Veröffentlichungen auf dem Kent-Label. Zur Verwirrung der Fans waren dies neben bislang unveröffentlichten Archivtiteln auch alte Titel, die man durch Overdubs in ein neues, modernes Gewand zu hüllen versuchte.

The Thrill Is Gone