mini|Im Buch der Psalmen aufgeschlagene Einheitsübersetzung (1980) Die Einheitsübersetzung (EÜ) ist eine deutsche Bibelübersetzung für den liturgischen Gebrauch im römisch-katholischen Gottesdienst. Die Bibel, die vom Katholischen Bibelwerk herausgegeben wird, wurde von 1962 bis 1980 von katholischen Theologen unter Beteiligung evangelischer Theologen erarbeitet. Gemeinsam verantwortet waren das Neue Testament und die Psalmen.

Im April 2016 wurde eine zehnjährige Überarbeitung abgeschlossen; diese überarbeitete Fassung wird mittlerweile als „Einheitsübersetzung 2016“ bezeichnet. Berücksichtigt worden sind bei der Revision neue Erkenntnisse zu frühen Textzeugen und Änderungen im aktuellen Sprachgebrauch. Zudem wurde versucht, die ursprünglichen Sprachbilder und Formulierungen (insbesondere der Psalmen) soweit möglich ins Deutsche zu übertragen. Im September 2016 wurde diese Fassung vorgestellt; seit dem 6. Dezember 2016 ist sie erhältlich.. Website Zeit Online. Abgerufen am 26. April 2016.Bericht Bischofskonferenz in Fulda. Abgerufen am 7. Oktober 2016.

Anlass Die Erarbeitung der Einheitsübersetzung ist eine Folge der Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das Zweite Vatikanum ließ neben dem Gebrauch des Lateinischen auch den der jeweiligen Landessprache in der Liturgie zu. Dadurch wurde auch die Erarbeitung neuer Bibelübersetzungen für den liturgischen Gebrauch in den Landessprachen dringlich: „Darum bemüht sich die Kirche, daß brauchbare und genaue Bibelübersetzungen in die verschiedenen Sprachen erarbeitet werden“ (Dei verbum Nr. 22). Wichtigster Vorgänger im deutschsprachigen Raum war die Übersetzung von Joseph Franz von Allioli.

Name und Zielsetzung Die Einheitsübersetzung sollte die einheitliche Bibel aller deutschsprachigen Bistümer werden. Der Name „Einheitsübersetzung“ spiegelt dieses Ziel wider. Entgegen einem verbreiteten Missverständnis bedeutet der Name nicht, dass eine gemeinsame Bibelübersetzung der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche erstellt werden sollte. Zwar waren evangelische Theologen seit Beginn an den Arbeiten beteiligt, aber eine Ablösung der in der evangelischen Kirche gebräuchlichen Lutherbibel wurde von dieser zu keinem Zeitpunkt angestrebt.

Sprachlich sollte auf eine gute Verständlichkeit sowie auf einen gehobenen Stil geachtet werden. Um die umfassende Verwendbarkeit sicherzustellen, arbeiteten neben Theologen auch Sprachwissenschaftler, Experten für Liturgik, Katechetik, Didaktik, Medienpädagogik und Kirchenmusik bei der Ausarbeitung mit. Eingebunden in die Arbeiten war auch das Katholische Bibelwerk als Institution.

Dem Ziel guter Verständlichkeit und breiter Einsatzmöglichkeiten dienen auch die ausführlichen Einleitungen zu den einzelnen biblischen Büchern, die auch Erträge der historisch-kritischen Bibelwissenschaft aufgreifen, und zahlreiche Erklärungen (auch zu Unsicherheiten der Übersetzung, z. B.: „andere Übersetzungsmöglichkeit: ...“), die dem Text als Fußnoten beigegeben sind.

Textgrundlage Die Zielvorgabe des Zweiten Vatikanums, eine „brauchbare und genaue“ Übersetzung zu erstellen, beinhaltete eine Erarbeitung „mit Vorrang aus dem Urtext der Heiligen Bücher“ (Dei verbum Nr. 22). Die bis dahin gültige Vorrangstellung der lateinischen Vulgata in der römisch-katholischen Kirche wurde damit aufgegeben. Das stellte die katholischen Theologen vor die Herausforderung, entgegen der bisher üblichen Praxis nicht mehr die lateinische Bibel ins Deutsche zu übertragen, sondern aus dem Hebräischen, Aramäischen und Griechischen ins Deutsche zu übersetzen. Die römisch-katholische Kirche verwirklichte damit eine Forderung der Reformation, die eine Rückkehr von der Vulgata zu den Quellen gefordert hatte.

Erprobung und Approbation der Erstfassung (Einheitsübersetzung 1980) Die Übersetzungsarbeit dauerte von 1962 bis 1974. Anschließend wurde die Übersetzung in der Praxis erprobt und von 1975 bis 1978 erneut überarbeitet. 1978 approbierte die Deutsche Bischofskonferenz die endgültige Fassung. Seitdem hat sich die Einheitsübersetzung in ihrer Zielsetzung bewährt und ist zur einheitlichen Textgrundlage der liturgischen Bücher der deutschsprachigen Bistümer geworden.

Ökumenische Bedeutung und Revision Einheitsübersetzung 1980 Brüder aus der Evangelischen Michaelsbruderschaft hatten von Anfang an (also seit 1962) bei der Einheitsübersetzung mitgearbeitet. Auf Einladung der Deutschen Bischofskonferenz wirkten später auch von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) benannte Exegeten mit. 1970 schlossen die Bischofskonferenz und die EKD einen Vertrag über die gemeinsame Arbeit an der Einheitsübersetzung, die damit zu einem besonderen Zeichen der Ökumene in Deutschland wurde. Psalmen und Neues Testament der Einheitsübersetzung in der Version von 1980, inklusive aller Erklärungen und Beigaben, sind auch von der EKD mit verantwortet als ökumenische Texte. Die Einheitsübersetzung als ganzes wird in ökumenischen Veranstaltungen gern neben der Lutherbibel verwendet.Eine ökumenische Vollbibel zu erstellen, war (und ist) nicht möglich, weil die evangelische Seite die griechisch überlieferten Schriften des Alten Testaments nicht als Bibel im eigentlichen Sinn anerkennt und sie maximal in einem Anhang zum Alten Testament unterbringt. Für die katholische Kirche ist aber eine Abstufung der Bedeutung zwischen griechischen und hebräischen Schriften des Alten Testaments grundsätzlich nicht akzeptabel.Zur Arbeitsweise der Übersetzer schreibt Norbert Lohfink, Hauptübersetzer der Bücher Deuteronomium und Kohelet: „Die verantwortlichen Übersetzer waren alle Exegeseprofessoren. Sie hatten Rohübersetzungen anzufertigen, die dann in zahlreichen Tagungen Satz für Satz in jeweils ad hoc zusammengestellten Arbeitsgruppen diskutiert wurden. Später kamen in diese Gruppen zu den Hauptübersetzern noch Liturgiker, Religionspädagogen, Pastoren aus der Evangelischen Michaelsbruderschaft (damit die Sache ökumenisch wurde) und Germanisten aus dem Umkreis von Walter Jens, noch später auch Schriftsteller. Die letzte Verantwortung trug der jeweilige Hauptübersetzer.“ Mitgearbeitet haben Eleonore Beck und Gabriele Miller, zu den beratenden Schriftstellern gehörte auch Heinrich Böll.

Kennzeichen der Einheitsübersetzung 1980 Die Einheitsübersetzung von 1980 gibt den Gottesnamen JHWH, der in der Hebräischen Bibel fast 7.000 Mal vorkommt, aufgrund der jüdischen Tradition, den Namen Gottes nicht auszusprechen, fast immer mit „der Herr“ wieder. In etwa 100 Fällenkatholisch.de, 21. September 2016 wurde „Jahwe“ gewählt: Zentralaussagen des jüdischen Glaubens wie Deuteronomium 6,4: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig.“ im Gespräch mit Außenstehenden, die den Gott Israels nicht kennen, zum Beispiel der Pharao im Buch Exodus. Der alttestamentliche Zentralbegriff חֶסֶד (chesed) wird von der Einheitsübersetzung regelmäßig mit „Huld“ übersetzt. Dieses Wort bringt sehr gut die im AT gemeinte Bundestreue Gottes zum Ausdruck, nämlich die freundliche Zuwendung des Überlegenen zum Schwächeren – dadurch eignet es sich gut für konkordante Bibelübersetzungen wie „Die Schrift“ von Buber und Rosenzweig. Aber das Wort ist im Deutschen veraltet, und das hat Konsequenzen: „Wenn nun in jedem zweiten oder dritten Psalm Gott für seine ‚Huld‘ gefeiert wird, so weckt das Wort keinerlei Emotionen, es hat keine Anknüpfungspunkte im Alltagsgebrauch.“. Das Wort „Huld“ wird daher von anderen gängigen deutschen Bibelübersetzungen nur an einzelnen Stellen verwendet und kann ein Hinweis darauf sein, dass ein Bibeltext der EÜ entnommen wurde. Der alttestamentliche Zentralbegriff תורה (tora) wird von der Einheitsübersetzung häufig mit „Weisung“ übersetzt, an Stellen, die die Lutherbibel mit „Gesetz“ wiedergibt. Dadurch gewinnt zum Beispiel der Torapsalm 119 in der Einheitsübersetzung einen anderen Charakter als in der Lutherbibel. Auch hier ist ein Einfluss der Übersetzung von Buber und Rosenzweig anzunehmen. Das Wort Pascha, das im Neuen Testament, der Septuaginta folgend, als aramäisches Lehnwort im griechischen Text vorkommt (πασχα), steht auch im Alten Testament für das hebräische Pessach. Folgende Texte im Neuen Testament wurden von der ökumenischen Kommission doppelt übersetzt, wobei sich die für die Liturgie vorgesehene Übersetzung im Haupttext befindet: Lukas 1, 46–55 (Magnificat); Lukas 1, 68–79 (Benedictus); Lukas 2, 29–32 (Nunc dimittis). In Psalm 124, 8a übernahm die Einheitsübersetzung von 1980 als ökumenische Geste eine bekannte Formulierung der Lutherbibel: „Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn“ und vermerkte als Fußnote dazu: „In vielen Gebeten der katholischen Liturgie ist die herkömmliche Übersetzung gebräuchlich: Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn.“

Revidierte Einheitsübersetzung Die Bischofskonferenz (DBK) beschloss 2002 eine moderate Revision der Übersetzung. Im Herbst 2003 wurde eine Arbeitsstelle „Bücher der Kirche“ beim Sekretariat der DBK eingerichtet, die neben der Bibelrevision auch die Neuausgabe liturgischer Bücher betreute. Das Katholische Bibelwerk war ab jetzt als Institution in die Arbeiten nicht mehr eingebunden.

Rückzug der EKD Auch die revidierte Einheitsübersetzung sollte ursprünglich ein gemeinsames Projekt mit der evangelischen Kirche sein. Es kam vor Beginn der Revision zu einem Konflikt zwischen der römisch-katholischen und der evangelischen Seite, in dessen Folge die EKD den 1970 geschlossenen Vertrag im Jahre 2005 aufkündigte, weil die römisch-katholische Kirche auf der Befolgung der römischen Instruktion Liturgiam authenticam (28. März 2001) bestand, die die revidierte lateinische Bibel (Nova Vulgata) zur Norm bei strittigen Entscheidungen machte. Das bis dahin praktizierte Konsensprinzip galt nicht mehr, nach dem bei strittigen Fragen eine Gemeinsamkeit zwischen den Konfessionen erreicht werden musste. Zudem sollte die Revision nach ihrem Abschluss einer päpstlichen Approbation unterzogen werden, was die EKD ebenfalls ablehnte. Die Reaktionen auf das Scheitern der gemeinsamen Übersetzung waren unterschiedlich. Die katholische Kirche reagierte mit Unverständnis. Der damalige Vorsitzende der katholischen deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, sprach von einer „erheblichen Belastung“Evangelischer Pressedienst: ; Meldung vom 8. September 2005. für die Ökumene und warf den EKD-Vertretern einen zu plötzlichen Rückzug ohne Klärungsversuch vor. Auch der Rat der EKD bedauerte die Entwicklung, erklärte aber, er habe „alle erdenklichen Anstrengungen unternommen, um das jetzt eingetretene Ergebnis zu vermeiden.“Christof Vetter: Evangelische Beteiligung an der „Einheitsübersetzung“ der Bibel nicht mehr möglich. Rat der EKD bedauert Entwicklung; Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Deutschland vom 8. September 2005.

Die Revisionsarbeit (ab 24. Januar 2006) Abgesehen von Einzelkorrekturen aus sprachlichen oder exegetischen Gründen (über den ganzen Bibeltext verteilt) gab es folgende Hauptaufgaben für die Revisoren: Rücknahme von Übersetzungen, denen hypothetische Korrekturen am hebräischen Text (Konjekturen) zugrunde lagen, und stattdessen die Übersetzung des masoretischen Textes; Neuübersetzung der griechisch überlieferten Bücher des Alten Testaments dort, wo die Septuaginta-Forschung mittlerweile einen anderen Grundtext festgestellt hat; das Buch Jesus Sirach wurde komplett neu übersetzt. Im Vollzug der Arbeit stellte sich den Exegeten bald eine weitere Aufgabe: Der Urtext soll mit seinen Sprachbildern und Leitworten in der Übersetzung erkennbar werden („durchscheinen“). Hier nähert sich die Revision grundtextorientierten Übersetzungen wie der Elberfelder Bibel an. Die Einheitsübersetzung war bisher eine zielsprachenorientierte Übersetzung; die revidierte Einheitsübersetzung kombiniert nun beide Übersetzungstypen.