mini|Sennelandschaft im Herbst Die Senne ist eine Landschaft in der Region Ostwestfalen-Lippe des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Sie liegt am Westhang des Teutoburger Waldes zwischen dem Oberzentrum Bielefeld im Norden, der Stadt Paderborn im Süden sowie Gütersloh und Detmold im Westen und Osten. Die Ems entspringt in der Senne.
In diesem Gebiet mit dem sandigen Boden befindet sich die bedeutendste zusammenhängende Heidelandschaft in Nordrhein-Westfalen. Teile dieser Kulturlandschaft sind große Flächen mit Magerrasen sowie naturnahe Gewässer und Moore. Die Landschaft verfügt über eine reichhaltige Flora und Fauna. Von den etwa 5000 vorkommenden Tier- und Pflanzenarten stehen 901 auf der roten Liste, wie zum Beispiel die Mondraute, der Wendehals und der Trauermantel.
116 km², und damit knapp die Hälfte der mit 250 km² angegebenen Gesamtfläche der Senne, sind Teil des Truppenübungsplatzes Senne, der vor allem von den britischen Streitkräften genutzt wird. Bedingt durch den bevorstehenden Abzug der britischen Truppen, sind über die Zukunft dieser Landschaft Diskussionen im Gange. Hier und in den angrenzenden Bereichen des Teutoburger Waldes und des Eggegebirges ist eine Landschaft erhalten geblieben, die gleichermaßen für den Naturschutz, die Naherholung und die Wasserwirtschaft von großer Bedeutung ist.
Geografie Lage mini|Lageplan der Senne Die Senne liegt im südlichen Ostwestfalen-Lippe zwischen den beiden Städten Bielefeld im Nordwesten und Paderborn im Südosten. Sie befindet sich größtenteils im Kreis Lippe und zu kleineren Teilen in den Kreisen Gütersloh und Paderborn sowie der kreisfreien Stadt Bielefeld. Die Gemeinden mit Gebietsanteilen an der Senne sind im Uhrzeigersinn: Bielefeld (mit den Ortsteilen Brackwede, Buschkamp, Windflöte, Windelsbleiche, Heideblümchen, Eckardtsheim, Dalbke und Sennestadt), Oerlinghausen (mit Lipperreihe), Schloß Holte-Stukenbrock, Augustdorf, Schlangen (mit Oesterholz-Haustenbeck und Kohlstädt), Bad Lippspringe, Paderborn mit (Schloß Neuhaus/Sande und Sennelager) und Hövelhof.
Die Sennelandschaft bildet ein zusammenhängendes, rund 250 km² großes Gebiet von rund 40 km Länge und maximal 15 km Breite. Im Südosten ist die Senne am breitesten, nach Nordwesten wird sie schmaler, bis sie den Teutoburger Wald nur noch mit einem zungenförmigen Streifen begleitet.Volker Wehrmann: Die Senne in alten Ansichten und Schilderungen, Lippischer Heimatbund, Detmold 1978. Große Bereiche sind weder besiedelt noch von verkehrsreichen Straßen durchschnitten. Rund 116 km² werden vom Truppenübungsplatz Senne eingenommen.
Naturräumlich gehört die Senne zum Ostmünsterland innerhalb der Westfälischen Tieflandsbucht.Bundesamt für Naturschutz Im Kartendienst über die Information die Zugehörigkeit zu Naturräumen für jeden Punkt angezeigt werden. Abgerufen am 23. März 2011 Im Norden befinden sich der Bielefelder Osning und der Lippische Wald als Teile des Teutoburger Waldes, im Osten das Eggegebirge. Im Süden schließt sich die Paderborner Hochfläche an, im Westen der Delbrücker Rücken.
Topografie mini|hochkant|Furlbach in der Senne Die weite Sandebene der Senne steigt allmählich zum im Nordosten angrenzenden Teutoburger Wald an und ist in vier Teilräume gegliedert. Die Obere Senne ist ein auf durchschnittlich 200 m Höhe (NHN) direkt am Fuß des Teutoburger Waldes liegender Streifen mit maximal 5 km Breite. Dies ist die Zone der Trockentäler, Sanddünen gibt es dort nicht. Unterhalb von 150 bis 160 m Höhe (NHN) liegt die Mittlere Senne mit teilweise tief eingeschnittenen und schluchtenartigen Tälern. Das sanft in Richtung Südwesten abfallende Gelände ist zum Teil mit Dünen besetzt, in deren Ausblasungsmulden sich Heidemoore und Stillgewässer befinden. In dieser Zone entspringen die Sennebäche, darunter die Ems. Weiter südlich bei Hövelhof auf rund 120 m Höhe (NHN) liegt die Untere Senne. Die Bäche führen reichlich sandige Sedimente mit, die in der Unteren Senne bei abnehmendem Bachgefälle in bis zu zwei Meter hohen Bachbetten abgelagert wurden, so dass beispielsweise der Furlbach stellenweise höher als die Umgebung verläuft. Der vierte Teilraum umfasst die zwischen Bielefeld und Oerlinghausen liegende Drumlin-Senne, deren Landschaft durch Moränen geprägt wird.
Die Gebiete der Senne werden noch in weitere Teilgebiete unterteilt. Dazu gehören zum Beispiel Kammersenne, Haustenbecker Senne, Hövelsenne, Stapelager Senne und Wistinghauser Senne.Karten im Geoportal des Landes NRW, abgerufen am 25. März 2011
Geologie mini|Düne in der Moosheide Die Senne liegt am westlichen Anstieg des Teutoburger Waldes. Vor etwa 200.000 Jahren begann die Gestaltung der heutigen Sennelandschaft durch das Abschmelzen eines Gletschers, der sich durch die Porta Westfalica und andere Quertäler des Wiehengebirges von Nordosten bis an den Teutoburger Wald erstreckte. Sein Schmelzwasser floss von den Hängen der Berge nach Südwesten ab und führte große Sandmengen mit sich, die sich in der tiefer gelegenen Ebene ablagerten. Dort lagern unterschiedliche glaziale Sedimente aus dieser Saaleeiszeit. Die Sedimente bestehen aus den pleistozänen Sanden, die mit Resten von Geschiebemergel vermischt sind. Sie bilden Formen aus wie Sander und Kamesterrassen. Heftige Winde wehten den lockeren Sand zu Dünen auf und bildeten an anderen Stellen Mulden, in denen kleine Moore entstehen konnten. Durch starke Niederschläge entstanden in der Oberen Senne Trockentäler, die nach dem Abfluss kein Wasser mehr führten.Ernst Th. Seraphim: Die Senne - eine Landschaft wechselnder Wertschätzung, in Westfalen Regional der Geographischen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, 2007, abgerufen am 29. März 2011, abgerufen am 29. März 2011 abgerufen im März 2011
Die Sande der Senne sind sehr nährstoffarm und durchlässig. Auf ihnen haben sich mächtige Podsole entwickelt. Oft hat sich durch die Verlagerung und Verkittung von Humus und Eisen im unteren Teil des Bodens Ortstein gebildet. An einigen Orten sind durch Bewirtschaftung Eschböden entstanden. In den schmalen Uferstreifen entlang der Bäche gibt es Gleye. Den Untergrund der Senne bilden die Plänerkalke und Mergel der Oberkreide und Sandsteine der Unterkreide.
Entwicklung zur Kulturlandschaft mini|links|Senne mit Teutoburger Wald Nach dem Ende der letzten Kaltzeit vor rund 10.000 Jahren begann die Bewaldung der Senne, zunächst mit Birken, Weiden und Kiefern. Bedingt durch eine erneute Klimaerwärmung um 6000 v. Chr. wuchsen dort auch Ulmen, Eichen, Linden, Eschen, Ahorn und später Buchen.Sennelandschaft, abgerufen am 9. März 2011 Der extrem nährstoffarme Boden ließ nur lichte Wälder mit kleinwüchsigem Baumbestand zu.
Bis zum 12. Jahrhundert war die Senne unbesiedelt, sie galt in der Bevölkerung als öde und unfruchtbar. Danach begann entlang der Bachläufe von Westen her eine zögerliche Besiedlung. Die bestehenden Wälder mit Eichen, Birken und Kiefern wurden durch weidendes Vieh und Holzeinschlag noch weiter aufgelichtet. So entwickelte sich aus der ehemaligen Wald- eine offene Heidelandschaft und es entstanden ausgedehnte Heideflächen, offene Sandgebiete, Dünen, Kleinmoore, Baum- und Gehölzgruppen und tief eingeschnittene Bachtäler.
Um den Talraum zu vergrößern und mehr Wiesenflächen zu gewinnen, wurden die bestehenden Trockentäler durch Menschenhand zu den sennetypischen Kastentälern erweitert. Dazu stach man den Sand an den Talrändern ab und brachte das Material am Talgrund wieder auf.
mini|„Allee des Jahres 2013“ zwischen Augustdorf und Haustenbeck Bis ins 20. Jahrhundert wurde der Plaggenhieb praktiziert, bei dem die Heidebauern mit einer speziellen Hacke eine dicke Bodenschicht einschließlich Heidekraut abschälten. Die sogenannten Plaggen dienten als Einstreu in den Viehställen und kamen danach mit dem Dung vermischt auf die Felder. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Senne planmäßig aufgeforstet, wodurch Heideflächen weiter verdrängt wurden. Heute ist die Heide großflächig nur noch im Bereich des Truppenübungsplatzes und in einigen angrenzenden Naturschutzgebieten, wie in der Moosheide und im Augustdorfer Dünenfeld, zu finden.
Gleichwohl weist das Bundesamt für Naturschutz die weit überwiegende Fläche der Senne als Landschaft mit überwiegend Heide- und magerrasenreicher Kulturlandschaft aus.Bundesamt für Naturschutz, Kartendienst mit Landschaften in Deutschland, abgerufen am 23. März 2011 Die Senne gilt als bedeutendste zusammenhängende Heidelandschaft in Nordrhein-Westfalen.
Die Haustenbecker Straße zwischen Augustdorf und Oesterholz auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes wurde vom BUND zur Allee des Jahres 2013 gekürt. „Die geschlossene Allee aus etwa einhundertfünfzigjährigen Linden sei beispielhaft für die Bedeutung von älteren Alleen für die Artenvielfalt.“Website des BUND über die Allee des Jahres
Hydrologie mini|Der Sennesee, eine ehemalige Sandgrube bei Stukenbrock Die Obere Senne am Westhang des Teutoburger Waldes ist aufgrund von auftretendem Steigungsregen ein niederschlagsreiches Gebiet. Das Niederschlagswasser versickert dort im sandigen Boden, bis es auf eine Mergelschicht trifft, über der der Grundwasserleiter steht. Das Grundwasser tritt am Westhang des Teutoburger Waldes in der Oberen Senne aus dem Boden und fließt in zahlreichen Bächen nach Südwesten ab. Im Bereich des Truppenübungsplatzes gibt es fast keine Landwirtschaft, daher sind die Gewässer größtenteils unbelastet und naturnah und haben sich teilweise stark in den lockeren Sandboden eingegraben. Der Furlbach ist wegen seiner Naturnähe ein Referenzgewässer und repräsentiert den Fließgewässertyp 14 – sandgeprägte Tieflandbäche.Mehr Leben für Ems und Co., Bericht über den Oberlauf der Ems des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, September 2008, (PDF 3,3 MB), abgerufen am 25. März 2011 Entlang der Flüsse und Bäche bilden sich Moorgebiete heraus. In der Unteren Senne mit weniger Gefälle lagert sich der Sand ab, an einigen Stellen so viel, dass die Bäche einen bis zwei Meter über der Umgebung in Dammbetten verlaufen., abgerufen am 29. März 2011 Darüber hinaus bilden sich Teiche und Seen, unterstützt vom Dammbau. Alte Kies- und Sandgruben wurden geflutet und bieten Wasservögeln gute Lebensbedingungen, wie zum Beispiel am Sennesee.
Durch das Gebiet der Senne verläuft von Ost nach West die Ems-Rhein-Wasserscheide, wobei die Grenze in etwa mittig durch Hövelhof und südlich an Augustdorf entlangführt. Somit entwässern nicht alle Sennebäche in denselben Strom. Eine Besonderheit ist in dieser Hinsicht der Krollbach, da er östlich der Hövelhofer Ortsmitte eine Flussbifurkation bildet und dadurch in zwei verschiedene Gewässersysteme entwässert. Während das Wasser des linken Krollbacharms über den Haustenbach und die Lippe in den Rhein abfließt, wird das Wasser des rechtsseitig abzweigenden Schwarzwasserbaches der Ems zugeführt.
Die Stadt Bielefeld nutzt den Grundwasserleiter der Senne als Wasserreservoir für ihre Trinkwassergewinnung und hat dort schon Anfang des 20. Jahrhunderts Brunnen eingerichtet. Über eine Fernwasserleitung führt sie das Wasser über die Rhein-Weser-Wasserscheide am Teutoburger Wald nach Bielefeld. Zum Ausgleich muss jedoch vorgereinigtes Abwasser mit einer Abwasserdruckleitung über den Berg in die Obere Senne zurückgeleitet werden, wo es über Rieselfelder dem Boden wieder zugeführt wird. abgerufen im März 2011 In den 1970er Jahren wurden Tiefwasserbrunnen mit einer Tiefe von etwas mehr als 400 m gesetzt, um weitere Wasservorkommen zu erschließen. (PDF; 373 kB) herausgegeben von der AG Umwelt und Natur, Paderborn, abgerufen im März 2011 Dokumentiert werden die Wasserentnahmen in dem sensiblen Bereich seit 1928 durch die Gewässerkunde Senne, eine Beobachtungsstation im Auftrag des Regierungsbezirks Detmold, mit Grundwassermessstellen, Grundwasserschreibpegeln, einem Abflusspegel und Niederschlagsmessstellen. abgerufen im März 2011
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