Marienbad () ist ein Kurort im Westböhmischen Bäderdreieck. Verwaltungspolitisch gehört er zum Bezirk Eger in der Karlsbader Region.

Seit 2021 gehört der Ort zum UNESCO-Welterbe der bedeutenden Kurstädte Europas (Great Spas of Europe) zusammen mit zehn anderen Kurstädten.

Geographie Geographische Lage Marienbad liegt in im Kaiserwald (Slavkovský Les) in dem klimatisch milden, nach Süden hin offenen Tal des Úšovický potok. Nördlich der Stadt befindet sich die Talsperre Marienbad.

Stadtgliederung Die Stadt Mariánské Lázně besteht aus den Ortsteilen Hamrníky (Hammerhäuseln), Chotěnov-Skláře, Kladská (Glatzen), Mariánské Lázně (Marienbad), Stanoviště (Stanowitz) und Úšovice (Auschowitz). Grundsiedlungseinheiten sind Hamrnický les, Hamrníky, Chotěnov (Kuttnau), Jižní Město, Kasárna Hamrníky, Kladská, Lázeňský areál I, Lázeňský areál II, Mariánské Lázně-střed, Na Ruské, Panská Pole, Rybníky, Skláře (Flaschenhütte), Stanoviště, Stavební Mlýn, U nádraží, Úšovice, Vora und Za nádražím.

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Chotěnov u Mariánských Lázní, Mariánské Lázně, Stanoviště u Mariánských Lázní und Úšovice.

Klima

Geschichte mini|Häuserreihe im Stadtzentrum mini|Kreuzbrunnen in Marienbad, Kupferstich um 1815 mini|Marienbad um 1850 mini|Marienbad mit Kirche und Rudolphsquelle um 1910 mini|Marienbad, Ferdinandstraße um 1900 mini|hochkant|Hotel Nové Lázně mini|hochkant|Denkmal an der Stelle der von den Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht 1938 niedergebrannten Synagoge mini|hochkant|Denkmal für General Patton Ende des 12. Jahrhunderts gründete der böhmische Gaugraf Hroznata von Ovenec in der Gegend in einem Flusstal das Stift Tepl, das zum Prämonstratenserorden gehört. Zu dieser Zeit bestand das Gelände überwiegend aus Sumpf. Im 14. Jahrhundert wurde die durch die Pest entvölkerte Gegend von Deutschen besiedelt. Die Chorherren des Stiftes Tepl wussten bereits im Mittelalter von Heilquellen, die als sauer oder als Säuerling bezeichnet wurden. 1528 wurde das Wasser der Quellen auf Geheiß von König Ferdinand I. auf seine Bestandteile untersucht. Aus der Ferdinandsquelle wurde danach Salz gewonnen, das sich aber wegen seiner abführenden Wirkung nicht als Kochsalz verwenden ließ; es handelte sich um Glaubersalz. 1679 erschien eine Schrift über sechs der Heilquellen.

Im 17. Jahrhundert badeten Kranke aus der Umgebung in dem als heilend geltenden Schlamm und tranken das Wasser der Auschowitzer Quellen. Der Klosterarzt des Stiftes Tepl Johann Josef Nehr untersuchte die Heilwirkung der eisenhaltigen, hypotonischen und mineralisierten Säuerlinge und gab darüber eine beachtete Veröffentlichung heraus. In den Jahren 1807 und 1808 ließ der Abt des Stiftes Chrysostomus Laurentius Pfrogner auf dessen Drängen im Quellgebiet an der Marienquelle, die wegen ihres unangenehmen Geruchs nach Schwefel auch „Stinkquelle“ genannt wurde, ein erstes festes Badehaus errichten.

Im Jahr 1813 wurde der Sekretär Pfrogners Karl Prokop Reitenberger Abt des Stifts und richtete nach den Veröffentlichungen des Klosterarztes Nehr einen Badeort ein, der 1818 als solcher anerkannt wurde und nach der Marienquelle den Namen Marienbad erhielt. Er gilt damit als Begründer des Kurortes Marienbad. Abt Reitenberger setzte Anteile des Klostervermögens für den Aufbau des Kurortes ein, beauftragte Wenzel Skalnik, die Sümpfe trockenzulegen und Parkanlagen zu gestalten. Von 1817 bis 1823 bauten die Architekten Georg Fischer und Anton Turner Kurgebäude, und Abt Reitenberger konnte die Anfangszeit des Kurorts Marienbad miterleben. Sein Erfolg löste Widerstand und Missgunst bei Chorherren des Stifts Tepl aus; diese warfen ihm vor, die Geldmittel des Klosters zu verschwenden. Er wurde 1826 zum Rücktritt als Abt gezwungen. Die Stadt Marienbad ließ ihrem Gründer 1879 auf der Kreuzbrunnenpromenade ein Denkmal errichten.

1824 bestand Marienbad aus etwa 40 repräsentativen Gebäuden und hatte bereits einen guten Ruf als Kurort. Johann Wolfgang von Goethe war 1820 zum ersten Mal dort. Ihm zu Ehren wurde in dem Haus seines Aufenthalts, der ehemaligen Pension Zur Goldenen Traube, das Stadtmuseum eingerichtet. Auf dem Platz vor dem Museum (dem Goetheplatz) steht ein Goethe-Denkmal. Richard Wagner fand in der Abgeschiedenheit und Ruhe Marienbads Inspiration. Er entwarf dort zwei seiner wichtigsten Werke, Lohengrin und Die Meistersinger von Nürnberg. Erst 1865 erhielt der Ort die Stadtrechte. Der eigentliche Aufschwung des Kurbetriebs kam ab 1872 mit dem Anschluss an die Eisenbahn, wodurch eine direkte Verbindung nach Wien und Prag geschaffen wurde, ab Dezember 1898 auch nach Karlsbad.

1897 kam Kronprinz Albert Edward, 1901–1910 König Edward VII. von Großbritannien, zum ersten Mal zur Kur nach Marienbad, was den Ruf des Bades sehr förderte. 1904 besuchte ihn dort der österreichische Kaiser Franz Joseph I.; ein Denkmal, das die beiden Monarchen in Lebensgröße auf einer Parkwiese stehend zeigt, erinnert daran.

Die Saison in Marienbad dauerte vom 1. Mai bis zum 30. September. Die jährliche Frequenz war seit 1893 von 16.000 auf nahezu 25.000 Patienten gestiegen. Außerdem hielten sich in jeder Saison ungefähr doppelt so viele Besucher kurzfristig in Marienbad auf.

Im Jahr 1904 hatte Marienbad 26.410 Kurgäste.

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen Einschnitt, doch ab 1920, nach der 1918 erfolgten Gründung der Tschechoslowakei, lebte die Kur wieder auf, und 1929 wurde die Rekordzahl von 41.000 Kurgästen erreicht. Bis Mitte 1931 setzte die tschechoslowakische Regierung ihre Pläne durch, die Alleinverfügungsgewalt des Stifts Tepl für Marienbad zu beseitigen. Die Bäder und Bäderanlagen wurden einer Kommission aus Vertretern des Staates, der Stadt und des Stifts Tepl unterstellt.

Marienbad gehörte nach dem Münchner Abkommen und der anschließenden Besetzung des Sudetenlandes durch deutsche Truppen ab 1. Oktober 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zum Landkreis Marienbad, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs. Der Krieg stellte eine entscheidende Zäsur dar, da er das vorläufige Ende des internationalen Besucherzuspruchs bedeutete. Die im Jahr 1884 errichtete Synagoge wurde von den Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht 1938 zerstört. Das Grundstück der abgerissenen Synagoge blieb seitdem unbebaut. Marienbad wurde im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört.

Im Jahr 1900 hatte Marienbad 4.617 Einwohner, davon waren 4.504 deutsch- und 25 (0,55 %) tschechischsprachig. Am 1. Dezember 1930 hatte die Stadt 7202 Einwohner (davon 518 (6,7 %) Tschechen)Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 289. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0., am 17. Mai 1939 7706 und am 22. Mai 1947 nur noch 6027 Bewohner. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde die seit Jahrhunderten angestammte deutsche Bevölkerung 1945 enteignet und vertrieben. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Stadtkirchen in der kommunistischen Zeit enteignet. Anstelle der deutschsprachigen Bevölkerung wurden in der Stadt Tschechen, hauptsächlich aus Zentralböhmen, angesiedelt.

Die Kureinrichtungen wurden 1946 verstaatlicht. Nach 1948 wurde Marienbad zu einem Kurort für sozialistische Arbeiter. 1952 wurde dort ein balneologisches Forschungszentrum gegründet. Nach der Samtenen Revolution 1989 und dem Zerfall des Ostblocks wurden viele staatseigene Betriebe privatisiert, darunter auch alle Kureinrichtungen, Hotels, Wohngebäude und sonstigen Betriebe in Marienbad.

Viele Gebäude, vor allem die im Kurbezirk, sind inzwischen saniert und restauriert. Man setzt wieder stark auf ausländische Kurgäste, vor allem Deutsche und Russen, und weiterhin auf inländische Kurgäste.

Zusammen mit zehn anderen Kurorten Europas, den Great Spas of Europe, wurde Marienbad 2021 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die positive Entscheidung über die Aufnahme erfolgte am 24. Juli 2021.Neue Welterbestätten 2021 Mitteilung der UNESCO auf der Seite der Deutschen UNESCO-Kommission, abgerufen am 24. Juli 2021

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1837 334 in 67 Häusern, größtenteils deutsche EinwohnerJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 6: Pilsner Kreis, Prag 1838, S. 262. 1869 1.566 1880 2.480 1890 3 054 1900 4.617 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 13, Leipzig und Wien 1908, S. 294–295. 1930 7.202 davon 518 Tschechen 1939 7.713

Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs (Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres) Jahr Einwohner 1947 8.441 1960 12.406 1970 13.422 1980 18.109 1990 18.467 Jahr Einwohner 2000 15.004 2010 13.587 2020 12.752 2022 13.766

Städtepartnerschaften , Deutschland (1991) , Italien (2000) , Frankreich (2005) , Deutschland (2007) , Russland (2007–2022) (2008)

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|hochkant=0.75|Kirche Maria Himmelfahrt mini|Singende Fontäne

Bauwerke Römisch-katholische Dekanatskirche Mariä Himmelfahrt (1848) von Johann Gottfried Gutensohn Evangelische Corpus-Christi-Kirche, 1857 eingeweiht Anglikanische Kirche (Ruská 98/5), in den Jahren 1878–1879 im Stil einer englischen Dorfkirche von der Witwe des in Marienbad 1867 verstorbenen Kurgastes John Scott of Rodono erbaut. Der aus London stammende Architekt William Burges entwarf den Bau, ausgeführt wurde dieser durch den einheimischen Baumeister Friedrich Zieckler. Eine Gedenktafel erinnert an den britischen Kronprinzen Edward VII., der in den Jahren 1897–1909 bei seinen Kuraufenthalten den Gottesdienst besuchte. Chopin-Haus (Hlavní tnda 47), Gedenkstätte für den Komponisten Frédéric Chopin, der 1836 in dem Haus wohnte, das damals „Zum weißen Schwan“ hieß und zu den ältesten Gebäuden in Marienbad zählt. Im Gebäude befindet sich auch die Touristeninformation. an der Kurkolonnade Miniaturenpark im Osten der Stadt

Museen am Goetheplatz mit angrenzendem geologischem Park.

Regelmäßige Veranstaltungen Festliche Eröffnung der singenden Fontäne Feier der Befreiung. Erinnerungsveranstaltung, bei der an die Befreiung der Stadt durch die amerikanische Armee erinnert wird. Feierliche Eröffnung der Kursaison traditionell am zweiten Maiwochenende. Marienbad Film Festival, seit 2016 regelmäßig im Sommer. Spa Run Marienbad, traditioneller Laufwettbewerb Chopin Festival, zum ersten Mal im Jahr 1959 veranstaltet, findet jährlich im August statt SPA FOOD FESTIVAL. Schritt zu Gesundheit, Nordic-Walking-Marsch, der jährlich im September stattfindet Internationales Folklore-Festival „Marienbader Herbst“ (Mariánský podzim), jährlich veranstaltet Festliches Beenden des Betriebs der singenden Fontäne Ende Oktober Austragung von Motorradsport-Veranstaltungen auf der 1000-Meter-Sandbahn durch den Ortsansässigen Club AMK Marianske Lazne. Seit 1976 wurden insgesamt 11 Finalrennen der Langbahn-Weltmeisterschaft auf der Bahn in Marienbad ausgetragen.

Wirtschaft und Infrastruktur Kuranlagen In der Stadt entspringen 40 Heilquellen, in der Umgebung rund 100 weitere. Die Mineralquellen sind reich an Kohlensäure und Mineralsalzen. Empfohlen werden Trinkkuren, Moorbäder und andere Behandlungen gegen Atmungs-, Stoffwechsel- und Nierenerkrankungen, Verspannungen und Schmerzen im Bewegungsapparat.

Der Ort hat unter anderem einen großen Kurpark, ein Denkmal des Gründers Abt Karl Prokop Reitenberger, eine Goethe-Gedenkstätte und einige Routen zum Wandern, zum Beispiel zum Aussichtsturm Rozhledna und einen geologischen Lehrpfad.

Heilwasserquellen

Quellgebiet um Marienbad

Geologisch befinden sich die Quellgebiete um Marienbad im Bohemikum, genauer im Marienbader Komplex und dem sogenannten Tepler Kristallin.