Žatec (deutsch Saaz) ist eine Stadt im Okres Louny (Bezirk Laun) im Ústecký kraj (Aussiger Region) im Nordwesten Tschechiens. Unter dem böhmischen König Ottokar II. Přemysl wurde sie im Jahr 1265 zur königlichen Stadt erklärt,Ludwig Schlesinger: Das Urkundenbuch der Stadt Saaz, Prag, 1892, abgerufen am 20. September 2015. mit besonderen Privilegien ausgestattet und war bis 1848 das Verwaltungszentrum des Saazer Kreises (in alter Schreibweise Saatzer Kreis). Im Jahre 1868 wurde Saaz Sitz der Bezirkshauptmannschaft des Bezirkes Saaz.
Das historische Stadtzentrum wurde 1961 zum städtischen Denkmalreservat erklärt. Žatec ist das Zentrum eines traditionellen Hopfenanbaugebietes und durch den Hopfenhandel für das tschechische und ausländische Brauereiwesen von Bedeutung. 2023 erklärte die UNESCO Žatec und die umliegende Landschaft des Saazer Hopfens zum Weltkulturerbe.
Geographische Lage Die Stadt liegt am rechten Ufer der Eger oberhalb der Einmündung der Hutná, etwa 48 Kilometer ostnordöstlich von Karlsbad. mini|hochkant=1.4|Saaz um 1794
Stadtgliederung Ortsteile Die Stadt Žatec besteht aus den Ortsteilen Bezděkov (Bezdiek), Milčeves (Miltschowes), Radíčeves (Reitschowes), Trnovany (Trnowan), Velichov (Welchau), Záhoří (Dreihöf) und Žatec (Saaz).Územně identifikační registr ČR: Obec Žatec – podrobné informace Das Stadtgebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Bezděkov u Žatce, Milíčeves, Radíčeves, Trnovany u Žatce, Velichov u Žatce und Žatec.uir.cz Grundsiedlungseinheiten sind Bezděkov, Hlavní nádraží, Husova, Kasárna, Kolava, Macerka, Milčeves, Mostecká, Na homoli, Nad Černávkou, Nad libočanskou silnicí, Nemocnice, Pereč, Pod hlavním nádražím, Pod Starým vrchem, Pod západním nádražím, Podměstí-jih, Podměstí-sever, Radíčeves, Trnovany, U nemocnice-jih, U nemocnice-sever, U Ohře, U stadiónu, V pekle, Velichov, Za hřbitovem, Záhoří, Západní nádraží, Žatec-jih und Žatec-střed.uir.cz
Historische Stadtviertel Burgstädtel – im Bereich der ehemaligen Burg, heute Brauerei Altstadt (Staré Město) – im Bereich der ursprünglichen Befestigungsanlagen Schinitz oder Schitnitz (Žitník) – ehemalige Siedlung im Bereich des Püschel-Platzes, jetzt náměstí Chelčického Mühlviertel oder Mlynarsch (V Mlynářich) – östliche Vorstadt, im Bereich der Mühlen (Mühlgraben) Tscherwenka (Červenka) und Lassen – nördliche Vorstadt südlich der Eger Brandeis (Brandejs) – ehemalige Siedlung im Bereich des Rebitzer Platzes (zuvor Töpferring), jetzt Nerudovo náměstí Skotnitz (Skotník) – nördlich des Stadtparks am Tellweg (genannt „Vogelstange“), jetzt Zeyerova Obere Vorstadt oder Prager Vorstadt (Horní Předměstí) – südliche Vorstadt Untere Vorstadt (Dolní Předměstí) – westliche Vorstadt (Unterstadt) Ostrow (Ostrov) – Bereich zwischen der Eger und dem ehemaligen Mühlgraben in der Unterstadt Batschina oder Watschina (Bačina), südlicher Teil der unteren Vorstadt Dwornitz (Dvorník) – Vorstadt am linken Egerufer im Bereich des WestbahnhofsStadtrundwege – Infoblätter der Stadtverwaltung Žatec (2012)
Geschichte mini|Ringplatz mit dem Rathaus mini|Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt mini|hochkant=0.7|Evangelische Kirche mini|hochkant|Briefmarke der österreichischen Wappenausgabe 1850 mit Ortsstempel von Saaz Die fruchtbare Landschaft der Saazer Ebene war seit frühester Zeit besiedelt. In historischen Quellen liegt für das Jahr 1004mesto-zatec.cz die erste Erwähnung als (lateinisch) Urbs Satziis.muni.cz in der Chronik des Thietmar von Merseburg vor, als der deutsche Kaiser die slawische Burg von der polnischen Besetzung befreite.Thietmar Chron. 6, 10 (Digitalisat MGH-Digital S. 287) Die Stadt wurde 1265 zur Königsstadt in Böhmen erhoben und war im Mittelalter eines der wichtigsten Verwaltungszentren des Königreichs Böhmen. Vom 15. Jahrhundert bis zum Revolutionsjahr 1848 war Žatec Sitz eines der 16 bzw. später 12 böhmischen Kreise. Diesem Saatzer Kreis (Žatecký kraj) wurde in den Jahren 1714 bis 1751 der westlich benachbarte Elbogener Kreis (Loketský kraj) angegliedert. Ab 1868 hatte sie den Status einer Bezirksstadt des Bezirks Saaz im Königreich Böhmen, von 1938 bis 1945 des Landkreises Saaz des Deutschen Reiches und von 1945 bis 1960 des Okres Žatec in der Tschechoslowakei.
Unter dem böhmischen König Ottokar I. Přemysl wurden ab dem Jahr 1200 deutsche Siedler durch Lokatoren ins Land gerufen, die sich auch in Saaz niederließen. Nach den Angriffen der tschechischen Reformbewegung der Hussiten um 1420 verließen viele Deutsche wieder die Stadt. Unter der Herrschaft des Georg von Podiebrad bekannte sich die Stadt zum Utraquismus und war danach bis zur Schlacht am Weißen Berg (1620) im Wesentlichen evangelisch-lutherischen Glaubens. Als Teilnehmer des protestantischen Ständeaufstands in Böhmen wurde auch der Saazer Bürgermeister Maxmilián Hošťálek z Javořice (* 1564) zum Tode verurteilt und im Jahr 1621 in Prag hingerichtet. Die Stadt Saaz verlor zahlreiche Privilegien.
Durch die Rekatholisierung in Böhmen im Rahmen der Gegenreformation und die Neubesiedlung nach den Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg nahm der Anteil der deutschsprachigen Bevölkerung wieder zu, sodass Saaz bis zum Jahr 1945 eine Stadt mit überwiegend deutscher Bevölkerung war. Volkszählung 1930: 18.100 Einwohner (davon 3.156 Tschechen).Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, S. 382. Adam Kraft Verlag, 1985, ISBN 3-8083-1163-0.
Infolge des Münchner Abkommens lag Saaz ab Oktober 1938 auf deutschem Staatsgebiet. Im Januar 1945 gehörte Saaz zum Landkreis Saaz im Regierungsbezirk Eger im Reichsgau Sudetenland.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Saaz an die Tschechoslowakei zurück. Am 10. Mai 1945 wurde die Stadt von der sowjetischen Roten Armee besetzt, wobei sich der Landrat Johann Czapka erschoss. Die deutschböhmische Bevölkerung wurde 1945 und 1946 mehrheitlich vertrieben.Alfred Schickel: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei: Geschichte, Hintergründe, Bewertungen Hrsg.: Bundesministerium für Vertriebene und Flüchtlinge, Dokumentation, ISBN 3-89182-014-3.
Am 3. Juni 1945 befahlen Soldaten der 1. Tschechoslowakischen Division unter General Oldřich Španiel rund 5000 deutschen Männern, sich auf dem Marktplatz zu versammeln.Hans-Ulrich Stoldt: Mord im Fasanengarten. In: Der Spiegel, Hamburg, Nr. 36, 31. August 2009, S. 66 f. Es wurden alle Männer zwischen 15 und 65 Jahren von den Svoboda-Truppen ins 15 Kilometer entfernte Postoloprty getrieben. Es gab ungefähr 800 Tote, die anderen Männer wurden abgeführt.
Die deutschböhmische Bevölkerung wurde in den Jahren 1945 und 1946 mehrheitlich vertrieben.Alfred Schickel: Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei: Geschichte, Hintergründe, Bewertungen Hrsg.: Bundesministerium für Vertriebene und Flüchtlinge, Dokumentation, ISBN 3-89182-014-3. Gemäß dem Beneš-Dekret 108 vom 25. Oktober 1945 wurde ihr Vermögen und Besitz konfisziert und unter staatliche Verwaltung zu Gunsten der Tschechoslowakei gestellt. Anstelle der deutschsprachigen Bevölkerung wurden Tschechen aus Zentralböhmen und Mähren, Wolhynientschechen, Slowaken und Roma angesiedelt.
Durch eine Verwaltungsreform wurden im Jahr 1960 die bisherigen Bezirke Saaz, Podersam und Laun zum Okres Louny vereinigt. Damit verlor Žatec die wichtigsten Bezirksbehörden, wie Bezirksverwaltung und Bezirksgericht und wurde eine einfache Stadt. In den Jahrzehnten des Kalten Krieges war Žatec ein bedeutender Standort der Tschechoslowakischen Volksarmee.
Bevölkerung Bis 1945 war Saaz überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.
Bevölkerungsentwicklung im Stadtgebiet von Saaz bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen 1785 k. A. 530 Häuser einschließlich der VorstädteJaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 7: Saatzer Kreis, Prag und Wien 1787, S. 5. 1830 4.922 in 216 HäusernJahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 198, Ziffer 1) unten (books.google.de), 1844 5.577 in 628 Häusern, einschließlich der VorstädteJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Saazer Kreis, Prag 1846, S. 3. (books.google.de). 1869 8.869 in 695 Häusern 1880 10.425 in 795 Häusern 1890 13.234 in 885 Häusern 1900 16.188 meist deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 17, Leipzig und Wien 1909, S. 356. in 1034 Häusern 1910 17.130 in 1.197 Häusern 1921 16.211 in 1.237 Häusern, davon 13.979 DeutscheErnst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Preußler-Verlag, Nürnberg 1987, S. 494. 1930 18.100 in 1.671 Häusern, davon 3.156 TschechenRudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon. Band 4, Adam Kraft Verlag, 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 382. 1939 16.247 davon 1.120 Evangelische, 14.863 Katholiken, 24 sonstige Christen und 25 Juden
Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde Saaz bis 1945
Jahr 1869 1880 1890 1900 1910 1921 1930 Einwohner 10.050 11.660 14.520 17.754 18.666 17.761 19.757
Bevölkerungsentwicklung in der Gemeinde Žatec nach Ende des Zweiten Weltkriegs
(Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres)
Jahr Einwohner 1947 12.668 1950 13.658 1960 16.134 1970 15.707 1980 20.256 Jahr Einwohner 1990 22.756 2000 20.152 2010 19.322 2020 18.823 2022 19.044
Städtepartnerschaften Poperinge, Belgien Thum, Deutschland Žalec, Slowenien Krasnystaw, Polen Nowotscheboksarsk, Russland
Sehenswürdigkeiten mini|Blick auf Žatec mini|Ringplatz mit Dreifaltigkeitssäule mini|Gymnasium der Stadt Das historische Stadtzentrum wurde 1961 in die Liste der städtischen Denkmalreservate in Tschechien aufgenommen.
Bauwerke Rathaus mit Turm am RingplatzŽatec: Sehenswürdigkeiten in der Hopfenstadt (abgerufen am 13. Februar 2025) Säule der Heiligen Dreifaltigkeit am Ringplatz Priestertor (auch Brückentor genannt) Branka-Tor (auch Libotschaner Tor genannt) Dekanatskirche Mariä Himmelfahrt (Stadtpfarrkirche) Florianssäule (richtiger „Säule des Allvaters und Weltenschöpfers“) am Floriansplatz Synagoge (1872 von Johann Staniek erbaut) Hussitenbollwerk (Stadtbefestigung), darin das Muzeum Homolupulů („Museum der Hopfenmenschen“), ausgestellt wird ein menschliches Skelett, das angeblich bei Grabungsarbeiten am 1. April [sic!] 2001 samt Bierkrug und Tontafel mit sieben Strichen für die Zeche entdeckt wurde, und den ersten Biertrinker symbolisieren soll.Hrob nejstaršího pivaře auf einer Website über Museen in Zatec Stadttheater Žatec (1849, erbaut von Anton Grimm nach Entwurf von Schulze) Evangelische Christuskirche (1897–1898 erbaut von Josef Petrowsky) Hopfenmuseum (Chmelařské muzeum) am Prokop-Platz (nám. Prokopa Velkého 1952) „Hopfen- und Bier-Tempel“ – mit Hopfenmuseum (Chmelařské muzeum) mit Aussichtsturm und Restaurant des Vereins „Chrám chmele a piva“ – am Prokop-Platz (nám. Prokopa Velkého 1950) Historische Gebäude der Hopfenverarbeitung und des Hopfenhandels in der Prager Vorstadt (Vorschlagsliste für UNESCO-Weltkulturerbe) (PDF; tschechisch) abgerufen am 2. Juli 2015. Regionalmuseum „K. A. Polánek“ Gymnasium (1903 erbaut von Wilhelm Fuchs nach Plänen von Ernst Schäfer) Grundschule (1880 als Bürgerschule erbaut von Franz Daut nach Plänen von Carl Schlimp) Altes Fachwerkhaus (Chalupe) im Mühlviertel St. Jakobus-Kirche (jetzt orthodoxe Kirche) Ehemaliges Kapuzinerkloster (1675–1950) mit Klosterkirche (1675–1683 erbaut) und Klostergarten Wenzelskirche in der unteren Vorstadt (mit frühbarockem Wenzelsaltar von 1688, restauriert 1865 durch Josef Schirmer (1821–1900), akademischer Maler in Saaz) Eiserne Fachwerkbrücke von 1897 (von 1827 bis 1891 stand dort die Kettenbrücke von Friedrich Schnirch) Villa Glaser und Villa Weiss (Telátko) des Architekten Rudolf Hildebrand
Ehemalige Stadttore, Türme und Pforten Priestertor, tschech. Kněžská brána (noch vorhanden) Brankator oder Liebotschaner Pforte, tschech. Libočanská branka (noch vorhanden) Zolltor (auch Prager Tor genannt) am Haus Nr. 243 („Drehscheibe“)