mini|300px|Historischer Stadtkern (2023) mini|Rathaus mit Altstadtfest-Bühne 2018 Sulzbach-Rosenberg ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Amberg-Sulzbach, knapp 50 km östlich von Nürnberg. Die Stadt entstand am 1. Juli 1934 durch die Zusammenlegung der Stadt Sulzbach mit der Gemeinde Rosenberg. Sie war bis zum 30. Juni 1972 die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises. Sie ist eine von 13 sogenannten leistungsfähigen kreisangehörigen Gemeinden in Bayern.
Geographie Lage Sulzbach-Rosenberg liegt in der östlichen Fränkischen Alb und gehört naturräumlich zur Hersbrucker Alb. Die historische Altstadt von Sulzbach, mit der größten Schlossanlage Nordostbayerns, liegt hoch oben auf einem steilen Kalksteinfelsen. An der Südseite des Stadtbergs entspringen zahlreiche Karstquellen, welche unter anderem den Rosenbach speisen, der östlich von Rosenberg in die Vils mündet.
Durch die Stadt verläuft auch die Bayerische Eisenstraße, die zwischen Pegnitz und Regensburg historische Industrie- und Kulturdenkmäler verbindet, sowie die Goldene Straße, welche im Mittelalter eine wichtige Handelsstraße zwischen Prag und Nürnberg darstellte.
Klima Das Klima vor Ort ist gemäßigt und relativ niederschlagsreich. Im langjährigen Mittel (1991–2020) fallen auf dem Gebiet von Sulzbach-Rosenberg ca. 800 mm Niederschlag im Jahresmittel, mit den höchsten Werten in den westlichen Teilen des Gemeindegebietes und den niedrigsten östlich von Rosenberg. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8–9 °C (1991–2020), je nach Höhenlage.
Das Klima grenzt sich zum weiter östlich gelegenen Vilstal durch seine höheren Niederschläge, niedrigere Temperaturen und seinen größeren Schneereichtum ab. So fallen im 12 Kilometer südöstlich gelegenen Amberg teils deutlich über 100 mm weniger Jahresniederschlag als in Sulzbach-Rosenberg. Ebenso fallen die Schneehöhen im Winter deutlich höher als im Vilstal aus. Einen beträchtlichen Teil der Regen- und Schneemengen fängt jedoch der Hauptkamm der Fränkischen Alb im Westen ab (hier teilweise deutlich über 1000 mm Jahresniederschlag).
Gemeindegliederung Es gibt 26 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Geschichte Frühes Mittelalter und die Grafen von Sulzbach mini|Altstadt Sulzbach Lange galt das Jahr 1024 als Datum der Stadtgründung: Nach der Legende stillte Graf Gebhard nach einem Jagdunfall seinen Durst an einer der zahlreichen Quellen am Fuß des Schlossfelsens und beschloss, hier eine Stadt zu gründen. alternativtext=Wappen der Grafen von Sulzbach|mini|219x219px|Wappen der Grafen von Sulzbach Archäologische Ausgrabungen der Jahre 1992 bis 2004 belegen aber eine Besiedlung, die bis ins frühe 8. Jahrhundert zurückreicht. Nach den Ergebnissen der Grabungen im Oberen und Unteren Schloss war die Burg Sulzbach bereits im 9. Jahrhundert eines der politischen Zentren des „baierischen“ Nordgaues. Die heutige Stadt entwickelte sich aus der frühmittelalterlichen Vorburg und spätmittelalterlichen Stadterweiterungen, während das „Ur-Sulzbach“ des Frühmittelalters in der Bachniederung lag und die zur Burg gehörigen Curtes (Höfe) bezeichnete. alternativtext=Standbild des heiligen Wenzel von Böhmen mit den Gesichtszügen Kaiser Karls IV. an der Marienkirche|mini|489x489px|Standbild des heiligen Wenzel von Böhmen mit den Gesichtszügen Kaiser Karls IV. an der Marienkirche Schon in karolingischer Zeit entstanden auf der Burg Sulzbach erste Steingebäude und Steinbefestigungen, darunter die Burgkirche (um 800), die noch heute in großen Teilen im Baubestand des sog. Kapellenbaus im Oberen Schloss erhalten ist, und ein gut 22 m langer Steinsaal. Neben der Burgkirche wurden unter einer zweiten (Memorial-)Kirche gemauerte Sarkophaggräber des 9. und 10. Jahrhunderts entdeckt. Das älteste Grab des 9. Jahrhunderts barg die Überreste eines über 70-jährigen Herren, bei dem es sich um den 865 verstorbenen (Nordgau-) Grafen Ernst handeln könnte. Dieser war einer der einflussreichsten bayerischen Adligen unter Ludwig dem Deutschen. Im 10. Jahrhundert war die Burg wohl „Hauptsitz“ und zum Teil Bestattungsplatz der Grafen „von Schweinfurt“, die aber erst ab 1033 nach Schweinfurt benannt werden und bis etwa 1003 offensichtlich in Sulzbach einen wichtigen Bezugspunkt für ihr entstehendes Familienbewusstsein hatten. Wohl nach der sog. Schweinfurter Fehde vom August 1003 wurde die Sulzbacher Burg dieser Familie durch König Heinrich II. entfremdet und kam an die Grafen von Sulzbach, die hier bis in das Jahr 1188 ihre Stammburg hatten. Die archäologisch erfasste Bebauung für das 11. und 12. Jahrhundert belegt ebenfalls höchste Wohnkultur und Wohnkomfort, unter anderem durch aufwändige Heizanlagen innerhalb von weiteren Steinbauten. Die Sulzbacher Grafen gehörten zu den bedeutendsten Familien des salischen und frühstaufischen Reiches. Graf Berengar I. von Sulzbach war maßgeblich am Sturz Kaiser Heinrichs IV. und der Einsetzung von dessen Sohn Heinrich V. beteiligt. Er war einer der wichtigsten Berater Heinrichs V. Seine Kinder heirateten in höchste Kreise ein: Gertrud von Sulzbach wurde als Gemahlin König Konrads III. deutsche Königin, Luitgart von Sulzbach war Herzogin von Niederlothringen, Gebhard III. von Sulzbach war mit der bayerischen Herzogstochter Mathilde verheiratet und Bertha von Sulzbach wurde als Gemahlin Manuel I. Komnenos Kaiserin von Ostrom (Byzantinisches Reich). Nach dem Aussterben der Sulzbacher Grafen 1188 gelangten Burg und Stadt über die weibliche Linie an die Grafen von Hirschberg-GröglingPhilipp Jedelhauser, Die Regesten der Grafen von Hirschberg (-Ottenburg, -Grögling, -Dolnstein), Kempten 2024, Nr. 70 (Graf Gerhard I. von Grögling-Dollnstein heiratet ca. 1157/1160 Sophia, die Tochter von Graf Gebhard II. von Sulzbach); nach dem Tod des Erben Berengar II. von Sulzbach im August 1167 vor Rom (Regest Nr. 85) Ende der Sulzbacher im Mannesstamm mit dem Tod von Gebhard II. von Sulzbach am 28. Okt. 1188 (Regest Nr. 99)., 1305 fiel Sulzbach an die bayerischen Herzöge Rudolf und Ludwig, die ihr in einer Urkunde städtische Privilegien bestätigten. Schon 1329 kam Sulzbach wieder weg von Bayern und fiel an die pfälzische Linie der Wittelsbacher. mini|Schloss Sulzbach Sulzbach unter Kaiser Karl IV. Burg und Stadt erlangten unter dem böhmischen König Karl IV., der 1349 Anna, die Tochter des Pfalzgrafen Rudolf heiratete, zwischen 1353 und 1373 als Hauptstadt von Neuböhmen wieder große Bedeutung. Dabei kamen Burg und Stadt wie bereits im Früh- und Hochmittelalter ihre verkehrsgünstige Lage an der so genannten Goldenen Straße von Nürnberg nach Prag sowie die reichen Bodenschätze (Eisenerz) zugute.
Karl IV. machte sich verdient um die Stadt. An mindestens 89 Tagen stellte er auf der Burg Sulzbach Urkunden aus, der damit die Funktion einer Pfalz zukam. Dass sich der Kaiser nie auf der Burg aufgehalten hätte, ist eine neuzeitliche Erfindung der Lokaltradition. Karl IV. ließ einen Kirchenneubau anstelle des romanischen Vorgängerbaus der heutigen St. Marien Kirche errichten sowie die Burg ausbauen, bereicherte das Spital und förderte den Bergbau. Doch sein Sohn Wenzel verpfändete die Grafschaft an Bayern. Durch den Landshuter Erbfolgekrieg ging sie 1505 an die pfälzischen Wittelsbacher. Im Landshuter Erbfolgekrieg belagerte der Vizdom der Stadt Amberg mit einem Heer zusammen mit böhmischen Söldnern Sulzbach, welches sich allerdings erfolgreich verteidigen konnte. Der eingesetzte Pfleger Albrecht Stiber, nachdem heute der historische Mittelalterverein "Stiberfähnlein" in der Stadt benannt ist, zwang die Amberger zur Aufgabe. Sulzbach unter den pfälzischen Wittelsbachern alternativtext=Wappen der Pfalzgrafen bei Rhein über der großen Rathausuhr|mini|Wappen der Pfalzgrafen bei Rhein über der großen Rathausuhr Eine weitere Blütezeit erlebte Sulzbach unter der Pfälzischen Linie des Hauses Wittelsbach. Es gehörte nach 1504 zum „jungpfälzischen“ Herzogtum Pfalz-Neuburg, welches sich ein Jahr später, um 1505, von Bayern und der Oberpfalz loslöste. Nach dem Tode des letzten Kurfürsten Ottheinrich aus der sog. „älteren Kurlinie“ im Jahre 1559, kam sie an das Haus Pfalz-Zweibrücken. Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken bestimmte in seinem Testament, dass sein jüngster Sohn die Junge Pfalz erben sollte. So kam Sulzbach 1582 als Fürstentum an den Wittelsbacher Ottheinrich II. von der Pfalz, Pfalzgraf von Neuburg. Ottheinrich II. baute Sulzbach zu seiner Residenz aus und nahm in Sulzbach seinen Sitz. Nach dem kinderlosen Tod Ottheinrichs wurde das Fürstentum 1614 an seinen Neffen August, dem Vater von Christian August vererbt, womit die Sulzbacher Linie des Hauses Wittelsbach begründet wurde.
Unter Christian Augusts bis 1708 währender Herrschaft wurde die kleine Residenz zu einem kulturellen Zentrum von europäischem Rang. Der seit 1644 regierende Pfalzgraf führte 1652 das Simultaneum ein, die damals in Deutschland fast einzigartige Gleichstellung von Katholiken und Lutheranern. Er gewährte auch den Juden weitgehende Glaubensfreiheit und Gleichberechtigung. Während in benachbarten Gebieten entweder schon seit dem Mittelalter keine Juden mehr lebten oder aber sogar noch im 17. Jahrhundert jüdische Einwohner vertrieben wurden, konnten sich in Sulzbach und anderen Orten des Fürstentumes (Floß, Weiden) bedeutende jüdische Gemeinden neu bilden. Sulzbach avancierte zu einem der bedeutendsten jüdischen Druckorte Europas und blieb dies bis in das 19. Jahrhundert hinein. Der nahe Annaberg, zu dem eine Allee mit Kreuzstationen emporführt und auf dessen Gipfel Christian August 1656 zum Gedächtnis seines Übertritts zur katholischen Kirche eine der Hl. Anna geweihte Kapelle erbauen ließ, bietet eine umfassende Fernsicht auf das Fichtelgebirge und den Böhmerwald.
1729 wurde auf dem Stadtwall eine prächtige Lindenallee angelegt.
1791 löste der Kurfürst Karl Theodor den Regierungssitz mit Residenz in Sulzbach auf. Das Fürstentum wurde in den kommenden Jahren von Karl Theodor in Personalunion mitverwaltet. Nach den Wirrungen der Napoleonischen Kriege kam Sulzbach im neugegründeten Königreich Bayern zur Provinz Obere Pfalz und damit das erste Mal seit 1504 unter (alt-)bayerische Verwaltung. Mit dem Tod Karl Theodors 1799 erlosch die Sulzbacher Linie des Hauses Wittelsbach. Zuletzt wurde das Schloss von der Pfalzgräfin Franziska Maria Dorothea, der Mutter des späteren ersten bayerischen Königs Maximilian I. Joseph, bewohnt.
Somit war Sulzbach insgesamt von 1582 bis 1791 Residenz des Fürstentums Pfalz-Sulzbach, wobei sie durch den Neuburger Hauptvergleich ab 1656 eigenständige Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums wurde.
Im Ersten Koalitionskrieg fand 1796 westlich von Sulzbach die Schlacht bei Sulzbach statt, in der unter anderem das Schloss Großalbershof zerstört wurde.
Sulzbach im 19. Jahrhundert Im Jahre 1807 ging das Residenzschloss durch Kauf in den Besitz des Kommerzialrats Johann Esaias von Seidel über. Dieser rettete es vor dem Verfall und gründete den „Kalender für katholische Christen“. 1822 legte ein verheerender Stadtbrand ein Drittel der Altstadt in Schutt und Asche. 1850 bekam Sulzbach eine Garnison der bayerischen Armee. 1859 hielt das Eisenbahnzeitalter in der Stadt mit der Eröffnung der Ostbahn von Nürnberg nach Regensburg Einzug. 1862 ging das Schloss wieder in Staatsbesitz über und wurde zur Frauenhaftanstalt. Um 1900 erhielt die Stadt Strom und eine zentrale Wasserversorgung.
Die jüdische Gemeinde in Sulzbach mini|Synagoge