mini|Syrisch-orthodoxes Kurishu- oder Nasrani-Menorah-Kreuz der Knananiten

Die Syro-malabarische Katholische Kirche (auch Syro-malabar-katholische Kirche) ist eine mit Rom unierte Ostkirche in Indien. Sie ist den Thomaschristen zuzurechnen und verkörpert deren Stammkirche. Ihre Liturgie und ihr geistliches Leben folgen dem ostsyrischen (chaldäischen) Ritus. Sie umfasst ca. 4,5 Millionen Gläubige, die vorwiegend im südindischen Bundesstaat Kerala leben. Als Minderheit ist sie auch in anderen Teilen Indiens sowie in der internationalen Diaspora, u. a. in den Vereinigten Staaten, Australien, Großbritannien und Kanada, verbreitet. Geistliches Oberhaupt ist der Großerzbischof von Ernakulam-Angamaly mit Sitz in Kochi.

Name mini|Syro-Malabarische Kirche in Mannam mini|Residenz des Erzbischofs der Syro-Malabarischen Kirche in Changanassery (Kerala)

Die Benennung ist neuzeitlich und soll: das [Haupt]Verbreitungsgebiet (siehe Malabar) benennen, die historische Zugehörigkeit zum Christentum syrischer Tradition verdeutlichen, zugleich aber jede aktuelle Bindung an die chaldäisch-katholische Kirche vermeiden.

Gegenwart Die Syro-malabarische Kirche ist eine Kirche eigenen Rechts (ecclesia sui iuris) mit ca. 3,8 Millionen Mitgliedern und ist vor allem im indischen Bundesstaat Kerala, aber auch in den indischen Diözesen Bangalore, Delhi und Madras-Mylapore, sowie den USA, Kanada, Europa und der Golfregion verbreitet. Die Syro-malabarische Kirche ist historisch, nicht aber kirchenrechtlich, der indische Zweig der unierten Chaldäisch-Katholischen Kirche mit ostsyrischem Ritus.

Der nicht mit Rom unierte Zweig der Thomaschristen des ostsyrischen Ritus bildet die Metropolie von Malabar und Indien der Assyrischen Kirche des Ostens. Vor Ort ist sie auch unter dem Namen „Chaldean Syrian Church of the East“ bekannt.

Neben der Syro-Malabarischen Kirche gibt es in Südindien weitere sechs Kirchen in der syrischen liturgischen Tradition, darunter die autokephale malankarische orthodox-syrische Kirche (auch indisch-orthodoxe Kirche), die Malankara Syrisch-Orthodoxe Kirche, letztere ein Zweig der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien und die syro-malankarische katholische Kirche, alle mit westsyrischem Ritus, sowie die Mar-Thoma-Kirche, eine Ostkirche in Glaubens- und Kommuniongemeinschaft mit der anglikanischen Kirche (siehe Christliche Konfessionen in Kerala).

Geschichte Frühe Christianisierung Die Wurzeln der syro-malabarischen Kirche gehen auf den Apostel Thomas zurück, der Jerusalem im Jahr 40 n. Chr. verlassen haben soll und – nachdem er in den Jahren von 42 bis 49 die Völker des Nahen Ostens (heute Iran, der Irak, Afghanistan und Belutschistan) evangelisiert hatte – der Überlieferung gemäß im Jahre 53 nach Indien kam. Gemäß der lokalen Tradition reiste Thomas von 53 bis 60 entlang der südwestlichen Küste Indiens (damals Malabar, heute der Bundesstaat Kerala) und gelangte schließlich nach Madras, wo er von einem Speer tödlich getroffen wurde. Sein Grab wird dort heute noch verehrt. Die so von ihm gegründeten christlichen Kirchen betrachten ihn bis heute als ihren Gründer und spirituellen Vater und bezeichnen sich als „Töchter des hl. Thomas“ (sog. Thomaschristen). Die Bezeichnung „syro-malabarische Kirche“ entstand erst sehr spät. Sie wurde in amtlichen Dokumenten des Heiligen Stuhls verwendet, als man gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann, einheimische Bischöfe zu ernennen.

Entwicklung zur eigenständigen Kirche Als außerhalb des römischen Reiches gelegene Kirche hatten diese indischen Christen über Jahrhunderte keinen Kontakt zur römischen Kirche und entwickelten ihren eigenen authentischen Ritus, der durch die spätere Gemeinschaft mit dem Katholikos der „Apostolischen Kirche des Ostens“ in Seleukia-Ktesiphon syrisch-chaldäisch wurde (→ Assyrische Kirche des Ostens).

Seit dem achten Jahrhundert hatten die Thomaschristen Indiens ihren eigenen Metropoliten, der in der Rangfolge der syro-chaldäischen Kirche an zehnter Stelle stand. Da die Metropoliten von der Mutterkirche nach Indien entsandt wurden und die Landessprache nicht oder kaum beherrschten, wirkten sie faktisch nur als eine Art „Weihbischof“. Die tatsächliche Kirchenleitung oblag bis zum Eintreffen der Portugiesen dem „Archidiakon von Indien“, einem einheimischen Priester aus Malabar.

Die Knananiten Etwa um die Mitte des 4. Jahrhunderts zogen 72 Familien chaldäischer Judenchristen mit ihrem Führer, dem reichen Kaufmann Thomas von Kinayi (Kana) von ihrer Heimat Kana in Galiläa südwärts nach Malabar. Durch sie und ihre Bischöfe, die dem ostsyrischen (chaldäischen) Ritus folgten, kamen die Thomaschristen in Kontakt mit der chaldäischen Kirche.

Cheraman Perumal, der Herrscher von Malabar, nahm die Zugewanderten freundlich auf und gewährte ihnen das Recht, sich in Kodungallur niederzulassen. Später erhielten sie fürstliche Privilegien, die auf Kupfertafeln festgehalten wurden. Da sie sich am Südufer des Flusses Periyar niederließen, wurden sie auch Südchristen („Southists“) genannt, während die einheimischen Christen, die am Nordufer lebten, als Nordchristen („Northists“) bezeichnet werden. Diese Unterscheidung in Nord- und Südchristen existiert heute noch. Die in ihrer eigenen exklusiven Eparchie Kottayam lebenden Südchristen, die sich seit etwa 1990 Knananiten nennen, bilden eine streng endogame Gruppierung innerhalb der syro-malabarischen Kirche.

Es gibt heute in Indien ca. 300.000 knananitische Christen; 200.000 gehören zur syro-malabarischen Kirche, 100.000 zur syrisch-orthodoxen Kirche. In beiden Kirchen bilden die Knananiten eine streng endogame ethnische Gruppierung mit eigenen Bischöfen und eigenem Klerus. Diese Endogamie geht so weit, dass ein syro-malabarischer Knananite zwar eine orthodoxe Knananitin heiraten darf, aber niemals eine nicht-knananitische Angehörige der eigenen syro-malabarischen Kirche. Um ihre ethnische Gruppierung rein zu halten, missionieren und evangelisieren die Knanatiten auch nicht – obwohl das eigentlich dem christlichen Missionsauftrag widerspricht. Es ist auch nicht möglich, durch Konversion oder Beitritt Mitglied ihrer Gemeinschaft zu werden.

Am 29. August 1911 wurde das apostolische Vikariat Kottayam, in dem die Knananiten leben, von Pius X. mit dem apostolischen Schreiben In Universi Christiani als exklusives Vikariat für die Knananiten wiedererrichtet, nachdem es 1896 im Vikariat Changanassery unter einem knananitischen Bischof aufgegangen war, und am 21. Dezember 1923 durch Pius XI. zur Eparchie (Diözese) erhoben. Am 9. Mai 2005 wurde die Eparchie Kottayam zur Erzdiözese erhoben.

Fremdbestimmung durch portugiesische Eroberer Als Mitte des 16. Jahrhunderts der jesuitische Missionar Francisco de Xavier (1506–1552) auf den Spuren der nach neuen Handelswegen suchenden Portugiesen nach Indien kam, fand er zu seiner großen Überraschung dort eine christliche Gemeinde vor. Obwohl die Portugiesen sehr erfreut waren, Christen in Indien vorzufinden, und von den Thomaschristen als Brüder begrüßt wurden, begann nun die Jahrhunderte währende Zeit der Fremdbestimmung und der gewaltsamen Latinisierung, in deren Folge die indische Kirche sich in mehrere Gruppen aufspaltete.

Die Portugiesen errichteten ab 1534 in Indien eine eigene römisch-katholische Kirchenorganisation, die auch Missionstätigkeit unter den einheimischen Nichtchristen entfaltete. Die neuen Diözesen unterstanden dem Padroado der portugiesischen Krone und nicht direkt dem Papst in Rom. 1558 wurde Goa Erzbistum mit Cochin in Malabar als Suffraganbistum. Nach der kirchenrechtlichen Regel, dass nicht zwei Bischöfe nebeneinander auf demselben Territorium amtieren dürfen, wurden die Rechte der ostkirchlichen Hierarchie eingeschränkt. Bald folgten Bestrebungen, die einheimische Kirche der Thomaschristen nach abendländischem Muster zu „reformieren“ und organisatorisch unter europäische Hoheit zu bringen. Dabei schreckten die Portugiesen vor der Nutzung auch fragwürdiger Mittel nicht zurück.

Nach dem Tod des letzten chaldäisch-katholischen Erzbischofs von Angamaly, Mar Abraham † 1597, ernannte Rom 1599 Francis Roz SJ zu Abrahams Nachfolger in Angamaly, das am 20. Dezember 1599 zum Bistum zurückgestuft sowie Goa und dann auch dem Padroado unterstellt wurde. F. Roz verlagerte Sitz und Titel seines Bischofssitzes nach 1609 nach Cranganore, das in der Folge wie ein gewöhnlicher römisch-katholischer Bischofssitz behandelt wurde.

Legitimiert durch das Padroado-System und mit militärischer Gewalt, die auch vor Bischofsentführungen und Seeblockaden nicht Halt machte, begannen die portugiesischen Kolonisatoren die Thomaschristen unter römische, d. h. portugiesische, Hoheit zu bringen. Als der letzte vom Patriarchen der syrisch-chaldäischen Ostkirche eingesetzte Bischof, Mar Abraham, 1597 starb, verstärkte sich der portugiesische Griff nach Malabar. Der lateinische Erzbischof von Goa, Dom Menezes (Amtszeit 1595–1610), der in Stellvertretung des portugiesischen Vizekönigs auch politischer Machthaber war, wies eine Ermächtigung Papst Clemens VIII. vor, 'übernahm' die Thomaskirche, setzte einen Apostolischen Vikar ein und unterstellte sie gewaltsam der lateinischen Hierarchie (→ Synode von Diamper, 20. Juni 1599).

In den folgenden Jahrhunderten wurden nur noch von Rom oder Goa ernannte ausländische, meist jesuitische, Bischöfe eingesetzt, die sich wenig um die lokalen Traditionen scherten. Die Padroado-Missionare ließen nicht zu, dass noch einmal ein syrisch-chaldäischer Bischof indischen Boden betrat.

Aufspaltung und Wiedervereinigung mit Rom Die Unterstellung der Thomaschristen unter die Oberherrschaft des Vatikans, die in einer weitgehenden Latinisierung und der Geringschätzung ihrer ostkirchlichen Traditionen zum Ausdruck kam, führte schließlich zu einem Bruch mit Rom. Mit dem Schwur vom Schiefen Kreuz (Coonan Cross) gelobte 1653 eine Gruppe von Thomaschristen um den Archidiakon Thomas Palakomatta in Mattancherry bei Cochin, nie wieder einen portugiesischen Bischof über sich zu dulden. Zwölf Priester weihten in einer „Notbischofsweihe“ den Archidiakon Thomas Palakomatta als Mar Thomas I. zum Erzbischof. Die Mehrheit der Thomaschristen schloss sich dem neuen Metropoliten an und verließ den lateinischen Erzbischof. Der Schwur vom Schiefen Kreuz ist der Beginn der Spaltung der indischen Christen in verschiedene Gruppen und Kirchen, die bis heute besteht. Ein großer Teil der Thomaschristen kehrte 1662, nachdem Papst Alexander VII. italienische Karmeliten zur Versöhnung entsandt hatte, wieder zur römischen Kirche zurück und wurde zur heutigen syro-malabarischen katholischen Kirche. Die Diözese Cranganore (vormals Angamaly) wurde unter meist lateinischen Apostolischen Vikaren der Jurisdiktion der Kongregation De Propaganda Fide unterstellt; 1917 wechselte die Zuständigkeit zur neu gegründeten Kongregation für die Ostkirchen. 1896 erhielten die Malabaren durch Papst Leo XIII. einheimische Bischöfe. 1923 wurde die ordentliche syro-malabarische Hierarchie errichtet mit Erzbischof Augustine Kandathil als Metropolit.

Die im Schisma mit Rom verbliebenen Christen schlossen sich 1665 dem Syrisch-orthodoxen Patriarchat von Antiochien an und übernahmen die westsyrische Liturgie. Zwei Bischöfe dieser syrisch-orthodoxen Thomaschristen, Mar Ivanios und Mar Theophilos, wechselten 1930 mit ihren Anhängern zur römisch-katholischen Kirche. Zwei weitere Bischöfe folgten. Diese Gruppe bildet die heutige syro-malankarische Kirche.

Organisation und Struktur