mini|Das Zeichen der 20. Legion auf einem Antefix (Dachziegel) aus Holt, Wales mini|Reproduktion des Grabsteines eines Optio der Legion (Caecilius Avitus) mini|Grabstein des Marcus Aurelius Nepos und seiner Frau, einem Zenturio der Legio XX mini|Ruinen von Viroconium mini|hochkant=1.5|Modell des Legionslagers Deva (Chester) mini|„Gebaut von Vexillationen der Legionen II Augusta und XX Valeria Victrix“Bauinschrift aus Alauna (Maryport), frühes 3. Jh. mini|hochkant=.6|Schildbemalung der Solenses Seniores im frühen 5. Jahrhundert
Die Legio XX Valeria Victrix (lateinisch die starke und siegreiche) war eine Legion der römischen Armee. Sie wurde vermutlich um 25 v. Chr. von Octavian (dem späteren Augustus) aufgestellt. Ihr Symbol war der Eber, während des ersten nachchristlichen Jahrhunderts auch noch der Capricorn (mythologische Gestalt: halb Steinbock, halb Fisch).
Name Victrix heißt die Siegreiche, die genaue Bedeutung von Valeria ist jedoch nach wie vor umstritten: Wahrscheinlich leitet er sich von „valere“ ab und steht für „stark“, „mutig“ oder auch „tapfer“. Eine andere Auffassung setzt den Beinamen Valeria mit Valeria Messalina, der Ehefrau von Kaiser Claudius, in Bezug.Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-0-8061-3014-9, S. 138–139. Als überholt gilt mittlerweile die Ansicht, dass er auf den einstigen Legaten Marcus Valerius Messalla Messallinus Corvinus zurückgeht, unter dessen Kommando eine Revolte in Pannonien/Dalmatien beendet wurde. Gegen diese These spricht, dass die XX. Legion dann in der römischen Armee die einzige Legion mit einem Cognomen eines Kommandeurs gewesen wäre.E. G. Hardy: Studies in Roman History, Kessinger Pub Co, 2004 (Nachdruck von 1906), ISBN 0-7661-8921-X, S. 173–175.
Aufgrund der wahrscheinlichsten Bedeutung der Beinamen als „stark und siegreich“ wird angenommen, dass die Legion diese Beinamen nach der erfolgreichen Niederwerfung des – für die römische Herrschaft in Britannien sehr gefährlichen – Boudicca-Aufstandes von 60/61 erhielt.Lawrence Keppie: Legiones II Augusta, VI Victrix, IX Hispana, XX Valeria Victrix. In: Yann Le Bohec (Hrsg.): Les Légions de Rome sous le Haut-Empire. Actes du Congrès de Lyon (17–19 septembre 1998). De Boccard, Paris 2000, ISBN 2-904974-19-9, S. 25–37, hier S. 27. Die ebenfalls an diesem Feldzug beteiligte Legio XIIII Gemina erhielt damals den Ehrennamen Martia Victrix, wobei Valeria und Martia sich auf die Eigenschaften des Kriegsgottes Mars beziehen sollten.Sheppard Sunderland Frere: Britannia: a history of Roman Britain, Routledge, 1987, ISBN 978-0-7102-1215-3, S. 73. Im Jahr 43 führte die XX. jedenfalls diese Auszeichnung noch nicht.National Museums & Galleries of Wales (Hrsg.): Birthday of the eagle: the second Augustan legion and the Roman military machine, 2002, ISBN 0-7200-0514-0, S. 20. Vereinzelt wurde auch angenommen, dass die Legion die Beinamen erst zu einem späteren Zeitpunkt erhalten habe, nämlich während der Feldzüge des Gnaeus Iulius Agricola im Norden Britanniens um 80 n. Chr.Roger S. O. Tomlin: The Twentieth legion at Wroxeter and Carlisle in the first century: the epigraphic evidence. In: Britannia. Band 23, 1992, S. 141–158; ablehnend dazu etwa Lawrence Keppie: Legiones II Augusta, VI Victrix, IX Hispana, XX Valeria Victrix. In: Yann Le Bohec (Hrsg.): Les Légions de Rome sous le Haut-Empire. Actes du Congrès de Lyon (17–19 septembre 1998). De Boccard, Paris 2000, ISBN 2-904974-19-9, S. 25–37, hier S. 28.
Geschichte der Legion Julisch-claudische Dynastie Die näheren Umstände ihrer Rekrutierung wurden nicht überliefert, doch deutet die hohe Nummer auf eine eher späte Aufstellung hin.Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-0-8061-3014-9, S. 136. Nach Tacitus erhielt die Legion ihre Standarte von Tiberius,Tacitus, Annales 1,42. der seine militärische Laufbahn um 25 v. Chr. in Spanien begann.
Vermutlich wurde die Legion in diesem Jahr auch ausgehoben und zunächst in die Hispania Tarraconensis, eine römische Provinz auf der iberischen Halbinsel, versetzt, wo sie im sogenannten Kantabrischen Krieg (29–19 v. Chr.) kämpfte. Das damalige Standlager der Legion ist unbekannt.; vgl.: Alan K. Bowman, Edward Champlin, Andrew Lintott (Hrsg.): The Augustan Empire, 43 B.C.–A.D. 69 (The Cambridge Ancient History, 2nd Edition, Volume 10), Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-26430-3, S. 453. Vexillationen der Legion wurden um etwa 20 v. Chr. ins dalmatische BurnumAlan K. Bowman, Edward Champlin, Andrew Lintott (Hrsg.): The Augustan Empire, 43 B.C.–A.D. 69 (The Cambridge Ancient History, 2nd Edition, Volume 10), Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-26430-3, S. 570. (Kistanje in Kroatien) verlegt, das um die Zeitenwende zum Hauptquartier der Legion wurde. Zumindest eine Vexillation lag zu dieser Zeit auch in der Provinz Moesia (Mösien), im Lager von Oescus.Ronald Syme, Anthony R. Birley (Hrsg.): The provincial at Rome: and, Rome and the Balkans 80BC-AD14, University of Exeter Press, 1999, ISBN 978-0-85989-632-0, S. 206 und 211.
Im Jahr 6 bereitete Tiberius einen Feldzug gegen Marbod, den König der Markomannen vor. Es wurden insgesamt zwölf Legionen, unter ihnen auch die Legio XX,Lawrence Keppie: The making of the Roman Army. From Republic to Empire, University of Oklahoma Press, Oklahoma 1998, ISBN 978-0-8061-3014-9, S. 163 und Hilfstruppenkohorten zusammengezogen. Kurz nach Beginn der Kampagne im Frühjahr desselben Jahres stoppte Tiberius jedoch seinen Vormarsch und schloss stattdessen einen Freundschaftsvertrag mit Marbod, da er die Nachricht vom Ausbruch des sog. Pannonischen Aufstandes erhielt.Tacitus: Annales 2,46. Von 6 bis 9 n. Chr. schlug Tiberius mit größten Anstrengungen und unter Aufbietung einer Armee von insgesamt 15 Legionen, was die Hälfte des gesamten Militärpotentials der Römer in dieser Zeit darstellte, den Aufstand in Pannonien und Illyrien wieder nieder, an dessen Niederwerfung die XX. Legion unter dem Statthalter Marcus Valerius Messalla Messallinus – wie schon erwähnt – ebenfalls maßgeblich beteiligt war.Velleius Paterculus 2, 112. Im Anschluss an die Varusschlacht zog Tiberius mit der nun kampferprobten Legion 9/10 n. Chr. an die Rheinfront, wo sie den Kern für die Wiederaufstellung des Rheinheeres bildete.Hildegard Temporini, Wolfgang Haase (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt (ANRW). Bd 7/1 Politische Geschichte (Provinzen und Randvölker: Griechischer Balkanraum, Kleinasien), de Gruyter, Berlin – New York 1979, ISBN 978-3-11-006875-7, S. 130–131.
Nach Augustus’ Tod im Jahr 14 n. Chr. meuterten die Legionen in Germanien, wurden aber durch Zugeständnisse des Germanicus bald wieder beruhigt. Ihr Winterlager, in das sie Aulus Caecina Severus zurückführte, befand sich apud aram Ubiorum im heutigen Köln.Tacitus: Annales 1, 31–37. Acht Legionen nahmen an den Germanicus-Feldzügen im rechtsrheinischen Germanien in den Jahren 14 bis 16 n. Chr. teil. Die Legionen II Augusta, XIII Gemina, XIIII Gemina und XVI Gallica gehörten zur oberrheinischen Heeresgruppe des Germanicus, während die I Germanica, V Alaudae, XX und XXI Rapax zur niederrheinischen Heeresgruppe des Caecina zählten.Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der griechisch-römischen Antike. Berlin 2006, S. 184. Im Jahr 21 n. Chr. wurden Vexillationen der vier niedergermanischen Legionen I Germanica, V Alaudae, XX und XXI Rapax gemeinsam unter der Führung des Tribuns der Legio I Germanica, Torquatus Novellius Atticus,. gegen die aufständischen gallischen Stämme der Andecaver und Turonen unter Iulius Sacrovir und Iulius Florus in Gallien eingesetzt.Tacitus: Annales 3, 41ff. vgl.: Emil Ritterling: Legio (V Alaudae). Um das Jahr 30 wurde die Legion aus dem Oppidum Ubiorum (Köln) nach Novaesium (Neuss) verlegt.Lawrence J. F. Keppie: Legions and veterans: Roman army papers 1971–2000 (Mavors. Roman Army Researches Band 12), Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-515-07744-6, S. 303; vgl.: Gustav Müller: Neuss-Militärlager. In: Heinz Günter Horn: Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Theiss, Stuttgart, 1987, ISBN 3-8062-0312-1. S. 583. Vexillationen der Legio I Germanica und Legio XX waren bis in die 30er Jahre wenige Kilometer südlich der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) in Alteburg stationiert.Maureen Carroll: Spirits of the dead: Roman funerary commemoration in Western Europe. Oxford University Press, Oxford 2006, ISBN 0-19-929107-1, S. 224. Unter Kaiser Caligula (37–41) nahm die Einheit an dessen Feldzügen in die rechtsrheinische Germania magna teil.
Im Jahr 42 wurde Aulus Plautius, Statthalter der Provinz Pannonia, von Kaiser Claudius mit der Invasion Britanniens betraut. 43 landete er mit einer Streitmacht von mehreren Legionen (Legio II Augusta, Legio VIIII Hispana, Legio XX und vermutlich Legio XIIII Gemina) und eroberte Britannia für das römische Reich. Er wurde erster Statthalter der neu gegründeten Provinz.Lawrence Keppie: Legiones II Augusta, VI Victrix, IX Hispana, XX Valeria Victrix. In: Yann Le Bohec (Hrsg.): Les Légions de Rome sous le Haut-Empire. Actes du Congrès de Lyon (17–19 septembre 1998). De Boccard, Paris 2000, ISBN 2-904974-19-9, S. 25–37, hier S. 26 f. Zum historischen Hintergrund auch