mini|Der Name des Kreises, erhalten auf dem Gebäude der Stadtverwaltung Bad Berleburg (2024) Der Kreis Wittgenstein (1953–1969 Landkreis Wittgenstein, heute auch Altkreis Wittgenstein) war ein von 1816 bis 1974 bestehender Kreis im Regierungsbezirk Arnsberg. Mit diesem gehörte er zunächst zur preußischen Provinz Westfalen, ab 1946 schließlich zum deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. Kreisstadt war Berleburg. Rechtsnachfolger wurde 1975 der „neue“ Kreis Siegen, der seit 1984 Kreis Siegen-Wittgenstein heißt.
Geographie
Wichtige Gemeinden Das ehemalige Kreisgebiet, das oft synonym zu Wittgensteiner Land verwendet wird, verteilt sich im Wesentlichen auf die heutigen Städte Bad Berleburg, Bad Laasphe und die heutige Gemeinde Erndtebrück im nordöstlichen Teil des Kreises Siegen-Wittgenstein, zu kleinen Teilen auch auf die Stadt Winterberg im Hochsauerlandkreis.
Fläche und Bevölkerung Gegenwärtig leben in dem Gebiet rund 45.000 Menschen (30. Juni 2002: 44678), was bei einer Fläche von 487,57 km² (1974) eine Bevölkerungsdichte von 92 Einwohner pro km² bedeutet.
Nachbarkreise Der Kreis Wittgenstein grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Meschede und Brilon (beide in Nordrhein-Westfalen), an die Landkreise Frankenberg, Biedenkopf und den Dillkreis (alle in Hessen), sowie an die Kreise Siegen und Olpe (beide Nordrhein-Westfalen).
Geschichte Das Wittgensteiner Land war im späteren Mittelalter und in der Frühneuzeit Teil der Grafschaft Wittgenstein und als solche zuletzt geteilt unter den Linien Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Im Jahre 1806 fielen die mittlerweile gefürsteten Gebiete zunächst an Hessen-Darmstadt. In dieser Zeit mussten die Einwohner der beiden Gebiete die Steuerabgaben unverändert an die alten Herrschaften abführen und zusätzlich die Steuern der neuen Herrschaft Hessen-Darmstadt aufwenden, was zu einer zusätzlichen Verarmung der ohnehin schon wirtschaftlich benachteiligten Bevölkerung führte.
Die Proteste der Bevölkerung gegen diesen Sachverhalt trugen mit dazu bei, dass bei der Neuordnung des Deutschen Bundes die beiden Gebiete durch einen Vertrag zwischen Österreich, Preußen und Hessen-Darmstadt vom 30. Juni 1816 an Preußen fielen. Beide Länder wurden, zunächst provisorisch, dem Regierungsbezirk Arnsberg der Provinz Westfalen zugeordnet.
Bei einer Neuordnung der Provinz Westfalen unter Ludwig von Vincke wurde der Kreis durch die königliche Kabinettsorder vom 23. Februar 1817 endgültig dem Regierungsbezirk Arnsberg zugeordnet. Dabei trat ein Problem der Infrastruktur des Kreises auf: Der Kreis besaß nur sehr wenig Straßen und Wege in das benachbarte Sauerland, und Preußen musste sehr hohe Kosten in Kauf nehmen, um die Anbindung Wittgensteins an Westfalen zu realisieren. Die Übernahme des Gebietes durch Preußen führte aber zu einer Verbesserung der schlechten Lebensverhältnisse der Bevölkerung.
Der Kreis war zunächst in die 18 Schultheißbezirke Berleburg, Wemlighausen, Berghausen, Dotzlar, Womelsdorf, Wingeshausen, Girkhausen, Astenberg, Laasphe, Puderbach, Saßmannshausen, Feudingen, Banfe, Fischelbach, Erndtebrück, Arfeld, Schwarzenau und Elsoff eingeteilt.
Im Rahmen der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden 1845 Ämter gebildet.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Im Kreis Wittgenstein bestanden seitdem zwei amtsfreie Städte und fünf Ämter mit insgesamt 53 amtsangehörigen Gemeinden und zwei Gutsbezirken:
Kreis Wittgenstein (1845–1932) Amt Gemeinden amtsfrei Berleburg und Laasphe Arfeld Alertshausen, Arfeld, Beddelhausen, Elsoff, Richstein, Sassenhausen, Schwarzenau, Stünzel und Weidenhausen Banfe Banfe, Bermershausen, Bernshausen, Fischelbach, Heiligenborn, Herbertshausen, Hesselbach, Holzhausen, Kunst-Wittgenstein, Niederlaasphe, Puderbach, Saßmannshausen und Gutsbezirk Sayn-Wittgenstein-Hohenstein Berghausen Aue, Balde, Berghausen, Birkefehl, Birkelbach, Dotzlar, Hemschlar, Raumland, Rinthe, Wingeshausen und Womelsdorf Erndtebrück Amtshausen, Benfe, Erndtebrück, Feudingen, Großenbach, Oberndorf, Rückershausen, Rüppershausen, Schameder, Steinbach, Volkholz, Weide und Zinse Girkhausen Diedenshausen, Girkhausen, Langewiese, Mollseifen, Neuastenberg, Schüllar, Wemlighausen, Wunderthausen und Gutsbezirk Sayn-Wittgenstein-Berleburg 1932 wurden die Gutsbezirke aufgehoben und die Ämter neu geordnet. Die drei Ämter Arfeld, Berghausen und Girkhausen wurden zum Amt Berleburg zusammengeschlossen. Gleichzeitig wurde aus dem Amt Banfe und dem Südteil des Amtes Erndtebrück das Amt Laasphe gebildet.Gemeinde Erndtebrück: Geschichte von Erndtebrück (pdf, Seite 9) Der Kreis Wittgenstein bestand seitdem aus zwei amtsfreien Städten und drei Ämtern mit insgesamt 53 amtsangehörigen Gemeinden: Kreis Wittgenstein (1932–1974) Amt Gemeinden amtsfrei Berleburg und Laasphe Berleburg Alertshausen, Arfeld, Aue, Balde, Beddelhausen, Berghausen, Birkefehl, Birkelbach, Diedenshausen, Dotzlar, Elsoff, Girkhausen, Hemschlar, Langewiese, Mollseifen, Neuastenberg, Raumland, Richstein, Rinthe, Sassenhausen, Schüllar, Schwarzenau, Stünzel, Weidenhausen, Wemlighausen, Wingeshausen, Womelsdorf und Wunderthausen Laasphe Amtshausen, Banfe, Bermershausen, Bernshausen, Feudingen, Fischelbach, Großenbach, Heiligenborn, Herbertshausen, Hesselbach, Holzhausen, Kunst-Wittgenstein, Niederlaasphe, Oberndorf, Puderbach, Rückershausen, Rüppershausen, Saßmannshausen, Steinbach, Volkholz und Weide Erndtebrück Benfe, Erndtebrück, Schameder und Zinse
Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Wittgenstein.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
Am 1. Januar 1975 wurden der Kreis und mit ihm die Ämter Berleburg, Laasphe und Erndtebrück aufgrund des Sauerland/Paderborn-Gesetzes aufgelöst. Die Fläche des Kreises blieb von seiner Gründung 1816 bis zu seiner Auflösung nahezu unverändert. Rechtsnachfolger ist der zunächst als Kreis Siegen neu gegründete Kreis Siegen-Wittgenstein. Dabei wurde ein kleinerer Teil des Altkreises, nämlich die Anfang des 18. Jahrhunderts gegründeten Wittgensteiner Höhendörfer Neuastenberg, Langewiese, Mollseifen und Hoheleye, in den neugeschaffenen Hochsauerlandkreis eingegliedert. Gleichzeitig erhielten die Gemeinden ihren heutigen Zuschnitt.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1819 16.166 1832 18.406 1871 19.789 1880 20.352 1890 22.025 1900 23.318 1910 25.474 1925 27.493 1939 28.357 1950 42.221 1960 41.700 1970 45.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 45.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975
Politik
Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946
In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.
Stimmenanteile der Parteien in Prozent
Jahr SPD CDU FDP UWG 1946 37,5 60,5 1948 46,1 51,6 1952 37,1 25,4 34,9 19561 43,5 27,7 22,4 19612 38,5 33,2 17,3 1964 44,2 32,3 12,8 8,9 1969 49,2 33,4 11,9 5,1
Fußnoten
1 1956: zusätzlich: FVP: 6,4 % 2 1961: zusätzlich: DP: 8,5 %
Landräte
Preußische Zeit 1816 bis 1946
1817–1830 Friedrich August Jost 1831–1850 Wilhelm Friedrich Groos 1851–1854 Bruno von Schrötter 1854–1855 August Jost (kommissarisch) 1855–1860 Julius von Oven 1861–1863 Karl von Thielen (kommissarisch) 1863–1867 Julius von Oven 1867–1890 Wilhelm von Schroetter 1890–1891 Eustach von Görtz-Wrisberg 1891–1905 Kurt von Gersdorff 1905–1911 Karl Schroeder 1911–1917 Karl von Hartmann-Krey 1917–1929 Erich Kretschmar 1929–1933 Eberhard Brossok 1933 Herbert Müller (vertretungsweise) 1934–1935 Karl von Rumohr 1936 Heinrich Jansen 1936–1938 Otto Gail 1938 Alfred Pönisch 1938–1940 Friedrich Zuschlag 1940 Hermann Rotberg 1940–1942 Heinrich Jansen 1942–1945 Otto Marloh 1945 Schläper 1945 Wendland 1945–1946 Carl Nacken
Zeit der kommunalen Doppelspitze 1946 bis 1974
1946 Reinhold Liebetanz (vertretungsweise) 1946–1948 Hans Sandkuhl, CDU 1948–1952 Ewald Belz, CDU 1952–1958 Hans-Joachim Osterrath, FDP 1958–1961 Georg-Heinrich Treude, CDU 1961–1963 Heinz Müller, FDP 1963–1966 Ludwig Bade, SPD 1966–1974 Werner Möhl, SPD
Oberkreisdirektoren
1946 Carl Nacken 1946 Reinhold Liebetanz 1946–1952 Kurt-Werner Basarke 1952–1955 Paul Lemnitz 1955–1962 Gustav Richter 1962–1974 Wilfried Lückert
(Quelle: Zeittafel der Landräte und Kreisdirektoren Landkreis Wittgenstein / 10. November 2009)
Wappen Vom 6. April 1966 bis zur Auflösung des Kreises 1974 trug der Kreis Wittgenstein das Wappen der im Jahre 1360 ausgestorbenen Grafen zu Wittgenstein. Dieses Wappen wurde am 1. Oktober 1999 in das Wappen des Kreises Siegen-Wittgenstein übernommen.
Kfz-Kennzeichen
Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen BLB (für Berleburg) zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1974 ausgegeben. Seit dem 13. November 2012 ist es aufgrund der Kennzeichenliberalisierung wieder im Kreis Siegen-Wittgenstein erhältlich.
Literatur Wilhelm von Schroetter: Statistische Beschreibung des Kreises Wittgenstein, Berleburg 1875 (Digitalisat)
Weblinks
Bibliographie Wittgenstein (Literaturhinweise zu vielen wittgensteiner Themen: Geschichte, Kirche, Natur und Landschaft, Gemeinden usw.) Wittgensteiner Heimatverein (Informationsseiten des Wittgensteiner Heimatvereins)
Einzelnachweise
Wittgenstein Wittgenstein Kategorie:Wittgensteiner Land Kategorie:Sayn-Wittgenstein Wittgenstein Kategorie:Aufgelöst 1975 Kategorie:Geschichte (Kreis Siegen-Wittgenstein)