mini|Luftaufnahme von Aldingen aus dem Jahr 2010 Remseck am Neckar ist eine an der nordöstlichen Stadtgrenze von Stuttgart gelegene Mittelstadt in Baden-Württemberg. Sie ist gemessen an der Bevölkerungszahl die fünftgrößte Stadt des Landkreises Ludwigsburg. Remseck am Neckar gehört zum Mittelbereich Ludwigsburg/Kornwestheim innerhalb des Oberzentrums Stuttgart, zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) sowie zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Die Gemeinde mit ihren sechs räumlich getrennten Stadtteilen wurde 1975 im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform zunächst unter dem Namen Aldingen am Neckar gegründet und 1977 in Remseck am Neckar umbenannt. Seit 2004 ist Remseck am Neckar Große Kreisstadt.
Geographie Lage und Topographie mini|Remsmündung in Remseck (2020)
Remseck am Neckar liegt nördlich anschließend an die Landeshauptstadt Stuttgart im Naturraum Neckarbecken. Die einzelnen Stadtteile sind verteilt auf die naturräumlichen Teileinheiten Südwestliches Neckarbecken (hierbei im Langen Feld), Backnanger Bucht und Waiblinger Bucht.
Im Südwesten fließt der Neckar beim Stadtteil Aldingen von Stuttgart kommend in das Stadtgebiet und verlässt es wieder in nördlicher Richtung beim Stadtteil Hochberg. Insgesamt haben vier der sechs Stadtteile einen Anteil am Neckarufer. Die Mündung der Rems befindet sich am Rand des Stadtteils Neckarrems gegenüber von Neckargröningen. Im nördlichen Gemeindegebiet (Gemarkung Hochdorf) vereinigen sich der Zipfelbach und sein Nebenfluss Strombach mit weiteren Zuflüssen (Lembach, Riedbach, Seelesbach), im südlichen Gemeindegebiet (Gemarkung Aldingen) mündet der Holzbach von links in den Neckar. Das Neckartal und dessen von diesen Wasserläufen gebildeten Nebentäler schneiden die sie umgebenden Hochflächen um bis zu hundert Meter ein. Neben den von Flüssen durchzogenen Tälern gibt es zudem eine Reihe von Trockentälern wie beispielsweise Hartmannsgraben und Regental.
Der niedrigste Punkt im Stadtgebiet ist mit das Flussbett des Neckars an der Markungsgrenze zu Poppenweiler, was dem Stauziel des Neckars zwischen der Staustufe Aldingen und der Staustufe Poppenweiler entspricht. Der höchste Punkt befindet sich auf der Oßweiler Höhe an der unmittelbaren Gemarkungsgrenze von Aldingen zu Ludwigsburg, mit .Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung, Stuttgart: Gemeindehöhen Baden-Württemberg. (ZIP; 40 kB) Stand: 3. Mai 2021. Auch an anderen Stellen liegen die lokal höchsten Punkte am Rande der Remsecker Gemarkungen, so etwa südlich des Hochberger Waldes auf dem Hesenbühl an der Grenze zur Bittenfelder Gemarkung (ca. 299 m über NHN), am Lotterbühl (ca. 292 m über NHN) beim Nordhang des Hartwaldes, sowie auf dem Aldinger Berg (ca. 292 m über NHN) im Siedlungskern des Stadtteils Pattonville nahe der Gemarkungsgrenze zu Kornwestheim.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Remseck am Neckar. Sie werden im Uhrzeigersinn genannt:
Im Westen von Remseck liegt Kornwestheim, im Norden Ludwigsburg (Stadtteile Grünbühl-Sonnenberg, Oßweil und Poppenweiler) sowie Marbach am Neckar (Stadtteil Siegelhausen), alle zum Landkreis Ludwigsburg gehörig, östlich von Remseck liegt Waiblingen (Ortschaften Bittenfeld und Hegnach) sowie südöstlich Fellbach (Stadtteil Oeffingen), beide zum Rems-Murr-Kreis gehörig, im Südwesten liegt die Landeshauptstadt Stuttgart (Stadtbezirk Mühlhausen).
Stadtgliederung mini|Gemarkungen der Stadt Remseck am Neckar
Die Stadt Remseck am Neckar besteht aus den sechs räumlich getrennten Stadtteilen Aldingen, Hochberg, Hochdorf, Neckargröningen, Neckarrems und Pattonville.
Mit Ausnahme von Pattonville sind diese Stadtteile ehemalige Gemeinden gleichen Namens und die räumlichen Grenzen identisch mit ihren jeweiligen Gemarkungsflächen. Der Stadtteil Pattonville wird durch den sich auf Aldinger Gemarkung befindlichen östlichen Teil der gleichnamigen Siedlung gebildet. Der westliche Teil der Siedlung ist ein Stadtteil von Kornwestheim. Der Stadtteil Aldingen entspricht demzufolge der Gemarkungsfläche von Aldingen ohne dem Siedlungsgebiet von Pattonville.
Zu den einzelnen Stadtteilen gehören noch separat gelegene Wohnplätze mit besonderem Namen, wie Sonnenhof und Markgröninger Weg in Aldingen, Oberwiesen und Schießtal in Neckargröningen und das Gehöft Remseck in Neckarrems. Des Weiteren werden in den Stadtteilen zum Teil Wohngebiete sowie Gewerbegebiete mit eigenem Namen unterschieden, die jedoch teilweise nicht genau abgrenzbar sind. Zu den Wohngebieten gehören beispielsweise die Halden in Aldingen und der Schlossberg in Neckarrems, zu den Gewerbegebieten die Neckaraue in Hochberg, das Schießtal in Neckargröningen und der Gewerbepark Aldinger Schleuse in Aldingen.
Die Neue Mitte von Remseck entsteht am Mündungsbereich der Rems beiderseits des Neckars zwischen den Stadtteilen Neckarrems und Neckargröningen.
Gemarkung Flächehttps://geoindex.io/in ha Stadtteil Benamte Teilgebiete Einwohner(Stand 31. Dezember 2023)Aldingen819,49Aldingen*Halden (Wohngebiet), Gewerbepark Aldinger Schleuse, Markgröninger Weg (Wohnplatz), Sonnenhof (Wohnplatz)8.341Pattonville** –5.113Hochberg 314,04HochbergNeckaraue (Gewerbegebiet), Egenhöft (Wüstung)3.635Hochdorf 292,41Hochdorf Schlossgartenareal, Zipfelbachtal, Fuchsgrube (Waldangrenzung)2.162Neckargröningen 387,97NeckargröningenOberwiesen (Wohnplatz), Schießtal (Gewerbegebiet)2.599Neckarrems 466,20NeckarremsSchlossberg (Wohngebiet, darin aufgegangen das Gehöft Remseck), Reningen (Wüstung)4.765Stadt Remseck am Neckar * Aldinger Gemarkung ohne Pattonville
** Anteil der Siedlung Pattonville auf Aldinger Gemarkung (ohne Kornwestheim-Pattonville)
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Remseck am Neckar.
Geschichte Frühgeschichte mini|hochkant|Verzierte Dolchklinge von etwa 2000 v. Chr. aus einer Fundstätte bei Aldingen, Landesmuseum Württemberg Es gibt auf dem heutigen Remsecker Stadtgebiet Funde aus allen frühgeschichtlichen Perioden seit dem Frühneolithikum. Unter anderem gibt es bei Hochdorf Hinweise auf Siedlungen der Bandkeramiker. 1988 wurden in Aldingen mehrere Gruben der Schussenrieder Kultur untersucht. Auch auf der Gemarkung von Neckarrems wurde wohl schon vor etwa 3000 Jahren gesiedelt. Aus der Frühen Bronzezeit wurde im heutigen Wohngebiet Halden die größte bekannte Nekropole der Neckar-Gruppe gefunden. Im Rahmen von Bauarbeiten zur Erweiterung von Pattonville im Jahr 2006 wurden dort unter anderem Siedlungsspuren aus der späten Hallstatt- oder frühen Latènezeit gefunden.
Remseck in römischer Zeit Auf den Gemarkungen Remsecks gibt es mehrere Fundstellen aus römischer Zeit. Die Überreste eines römischen Gutshofes in der Flur Rötelbrunnen oberhalb von Neckarrems wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts archäologisch gründlich untersucht. Für eine weitere Fundstelle auf Neckarremser Gemarkung ist nicht geklärt, ob hier ein weiterer Gutshof gestanden hat oder ob lediglich Material durch die Rems angeschwemmt wurde. Auf Aldinger Gemarkung hat es sicher mindestens vier römische Gutshöfe gegeben. Der Gutshof in der Flur „Aldinger Berg“ befindet sich unterhalb der heutigen Wohnbebauung von Pattonville. Des Weiteren gab es Höfe in den Fluren „Bei den Stämmen“, „Weglänge“ und „Klingelbrunnen“. In der Flur „Engelwiesenäcker“ westlich von Hochdorf wird ebenfalls ein römisches Gebäude vermutet. Auf der Gemarkung von Neckargröningen sollen zwei weitere Gutshöfe gestanden haben, zum einen nördlich des Ortes in der Flur „Au“ sowie nahe dem Schießtal in der Flur „Steinböß“. Insgesamt war das Gebiet des heutigen Remsecks durch die Gutshöfe geprägt, die Bevölkerungsdichte also insbesondere im Bereich der Aldinger Gemarkung relativ hoch, obwohl es keine städtische Siedlung gab. Nachdem die Römer die Region als Folge des Limesfalls im 3. Jahrhundert verlassen hatten, wurden die Gutshöfe nicht weitergenutzt. Durch Sueben, Alamannen und Franken entstanden hingegen neue Siedlungen und Höfe und somit die wahrscheinlichen Vorläufer der heutigen Remsecker Teilorte.
Gründung und Namensgebung der Vorläufergemeinden mini|hochkant|Beigaben aus dem merowingerzeitlichen Gräberfeld bei Aldingen (Flur Bückele), Landesmuseum Württemberg Die ersten urkundlichen Erwähnungen der heutigen Remsecker Stadtteile Aldingen, Hochberg, Hochdorf, Neckargröningen und Neckarrems erfolgten im Mittelalter. Neckargröningen wurde als erster der fünf Orte unter dem Namen Gruonincheim im Schenkungsbuch des Klosters Lorsch für das Jahr 806 genannt. Seine Zugehörigkeit zum Neckargau wurde zur Unterscheidung von (Mark-)Gröningen explizit erwähnt. Bereits zuvor erfolgte Nennungen von Gruoninga lassen sich nicht sicher Neckargröningen zuordnen und könnten auch Markgröningen meinen. Der Name weist auf einen möglichen alamannischen Ortsgründer namens Gruoni hin. Mit dem Bedeutungsverlust des Neckargaus kam die Vorsilbe „Neckar-“ zum Gröninger Ortsnamen zur Unterscheidung von Markgröningen hinzu.
Aldingen wurde im Hirsauer Codex für das Jahr 1100 erstmals unter dem Namen Almendingen erwähnt. Der Name weist auf einen möglichen alamannischen Ortsgründer namens Alamund hin und damit ähnlich wie bei Neckargröningen auf eine wahrscheinlich durch Alamannen erfolgte Gründung in der Merowingerzeit. Archäologische Funde im Bereich der Ortsbebauung Aldingens und Neckargröningens bezeugen die wahrscheinliche Existenz der beiden Orte spätestens im 7. Jahrhundert. Ein suebisches Gräberfeld in der Aldinger Flur Bückele weist auf eine noch frühere merowingerzeitliche Siedlung hin, die aber wahrscheinlich vor der Gründung des heutigen Aldingens wieder aufgegeben wurde.
Die erste sichere Nennung Hochdorfs stammt wie bei Aldingen aus dem Hirsauer Codex für die Zeit nach 1105. Frühere Nennungen von Hochdorf lassen sich nicht sicher diesem Ort zuweisen, geben aber Hinweise auf eine Gründung bereits im frühen Mittelalter, womit der Ort nur wenig jünger wäre als Neckargröningen und Aldingen.
Hochberg wurde unter dem Namen Hohenberg erstmals im Jahre 1231 erwähnt, als eine Urkundenabschrift einen gewissen Herbrand von Hohenberg nennt. Neckarrems wurde 1268 als Rems erstmals erwähnt. Der Zusatz „Neckar“ wurde zur Unterscheidung erst im 17. Jahrhundert hinzugefügt. Obgleich die Gemarkungen der Ortsteile Hochberg und Neckarrems wie alle Remsecker Gemarkungen bereits in früheren Epochen besiedelt waren, entstanden die Vorläufer der heutigen Orte oder zumindest ihre heutigen Ortsnamen in Folge der hochmittelalterlichen Burgen Hochberg und Rems. Vom Mittelalter zur Neuzeit mini|Ausschnitt aus der Kieserschen Forstkarte (Nr. 238) unter anderem mit Ansichten von Necker Rems (Neckarrems), Altingen (Aldingen), der abgegangenen Burg Remseck und der Remsmündung mini|Ausschnitt aus der Kieserschen Forstkarte (Nr. 170) mit Ansichten von Necker-Grönningen (Neckargröningen) und Hochdorff (Hochdorf) sowie dem nicht beschrifteten Hochberg.