Der Kreis Goldap war ein preußisch-deutscher Landkreis in Ostpreußen und bestand in der Zeit von 1818 bis 1945. Sein ehemaliges Gebiet gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren bzw. zur russischen Oblast Kaliningrad. mini|Gebiet des Kreises Goldap in Ostpreußen im Jahr 1910 (Kreisgrenze rot markiert) mini|Siegelmarke des Landrats mit dem Wappenadler des Freistaats Preußen

Verwaltungsgeschichte Königreich Preußen Das Gebiet des Kreises Goldap gehörte seit der Einteilung Ostpreußens in landrätliche Kreise von 1752 zu dem damaligen Kreis Insterburg.Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha: Perthes 1858, Seite 320. Im Rahmen der preußischen Verwaltungsreformen ergab sich mit der „Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 die Notwendigkeit einer umfassenden Kreisreform in ganz Ostpreußen, da sich die 1752 eingerichteten Kreise als unzweckmäßig und zu groß erwiesen hatten. Zum 1. September 1818 wurde im Regierungsbezirk Gumbinnen aus Teilen des alten Kreises Insterburg der neue Kreis Goldap gebildet. Dieser umfasste die Kirchspiele Dubeningken, Gawaiten, Goldap, Grabowen, Gurnen, Mehlkehmen, Szirgupönen (ab 1824) und Szittkehmen. Das Landratsamt befand sich in Goldap.

Am 1. Februar 1843 fand mit dem Kreis Stallupönen ein größerer Gebietsaustausch statt. Das Kirchspiel Mehlkehmen wechselte aus dem Kreis Goldap in den Kreis Stallupönen, und im Gegenzug wechselte das Kirchspiel Tollmingkehmen aus dem Kreis Stallupönen in den Kreis Goldap.

Norddeutscher Bund und Deutsches Reich Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und ab dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Nach der Teilung der Provinz Preußen in die Provinzen Ostpreußen und Westpreußen wurde der Kreis Goldap am 1. April 1878 Bestandteil Ostpreußens.

Zum 30. September 1928 fand im Kreis Goldap entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der bis auf zwei alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen der südliche Teil des Kreisgebiets einschließlich der Kreisstadt Goldap unter polnische und der nördliche Teil unter sowjetische Verwaltung gestellt. Soweit die deutsche Bevölkerung nicht geflohen war, wurde sie in der Folgezeit größtenteils von den örtlichen Verwaltungsbehörden aus dem Kreisgebiet vertrieben.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1818 20.374 1846 37.314 1871 43.233 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preußen und ihre Bevölkerung 1871 1890 45.002 1900 44.813 1910 44.186 1925 42.672 1933 43.491 1939 44.275

Politik Landräte

Wahlen Im Deutschen Kaiserreich bildete der Kreis Goldap zusammen mit den Kreisen Darkehmen und Stallupönen den Reichstagswahlkreis Gumbinnen 4.Datenbank der Reichstagsabgeordneten

Kommunalverfassung Der Kreis Goldap gliederte sich in die Stadt Goldap, in Landgemeinden und – bis zu deren nahezu vollständigem Wegfall – in Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 die im Deutschen Reich gültige Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Amtsbezirke 1874–1945 Die Landgemeinden und Gutsbezirke des Kreises Goldap waren zwischen 1874 und 1945 in 26 Amtsbezirke zusammengeschlossen: Name (bis 1939) Name (1939–1945) Heutiger Name/Staat Adlersfelde (bis 1938) Unterfelde (ab 1938) Golubie/Polen Altenbude Altenbude Siedlisko/Polen Ballupönen (Ksp. Goldap),umbenannt: Grilskehmen Grilsen Grygieliszki/Polen Bodschwingken Herandstal Boćwinka/Polen Dobawen Dobauen Majak/Russland Dubeningken Dubeningen Dubeninki/Polen Gawaiten Herzogsrode Gawrilowo/Russland Gehlweiden Gehlweiden Galwiecie/Polen Goldap, Forstrevier, ab 1925: Jagdhaus Rominten Jagdhaus Rominten Raduschnoje/Russland Grabowen Arnswald Grabowo/Polen Gurnen Gurnen Górne/Polen Iszlaudszen, ab 1934: Schönheide Schönheide Dmitrijewka/Russland Kallweitschen Kornberg Priosjornoje/Russland Loyen Loien Łoje/Polen Mühle Goldap Bodenhausen Botkuny/Polen Pabbeln Schardingen Gawrilowka/Russland Rogainen Rogainen Rogajny/Polen Rominten, auch: Groß Rominten Hardteck Krasnolessje/Russland Rominten, Forstrevier, ab 1936: Schittkehmen, Forst Wehrkirchen, Forst Saslonowo/Russland, und Żytkiejmy/Polen Rothebude, Forstrevier, ab 1935: Rothebude Rothebude Czerwony Dwór/Polen Schlaugen Schlaugen Torfjanoje/Russland Skötschen Grönfleet Skocze/Polen Szittkehmen, ab 1936: Schittkehmen Wehrkirchen Saslonowo/Russland, und: Żytkiejmy/Polen Tollmingkehmen Tollmingen Tschistyje Prudy/Russland Waldaukadel Pickeln Tichwino/Russland Warnen, Forstrevier, ab 1935: Warnen Warnen Oserki/Russland

Gemeinden Nach der Gemeindereform von 1928 umfasste der Kreis Goldap bis 1945 die Stadt Goldap und 171 weitere Gemeinden.Kreis Goldap (territorial.de)

Im nördlichen Teil des Kreises, der heute zu Russland gehört, lagen die folgenden Gemeinden:

Im südlichen Teil des Kreises, der heute zu Polen gehört, lagen die folgenden Gemeinden:

Im Kreis lagen außerdem die beiden gemeindefreien Forstgutsbezirke Borker Heide und Rominter Heide. Vor 1945 aufgelöste Gemeinden

Gemeinde Sutzken/Hitlershöhe Am 27. Oktober 1933 wurde die Landgemeinde Sutzken (heute polnisch: Suczki) in Hitlershöhe umbenannt. Dem lag der folgende Antrag der Gemeinde vom 9. März 1933 zu Grunde:

Die Zustimmung Hitlers erfolgte am 12. April 1933 unter der Voraussetzung, dass die zuständige Verwaltungsbehörde ihre Zustimmung erteilt. Diese entschied zustimmend am 27. Oktober 1933.

Ortsnamen 1936/1938 setzten die Nationalsozialisten im Kreis Goldap, wie in ganz Ostpreußen, umfangreiche Umbenennungen durch, da ihnen viele Ortsnamen nicht deutsch genug erschienen. Dies wurde durch lautliche Angleichungen, Übersetzungen oder freie Erfindungen bewerkstelligt. Von 174 Gemeinden und Gutsbezirken (Stand: 17. Mai 1939) erhielten 132 einen veränderten Namen. Einige Umbenennungen fanden schon vor 1936 statt.

Architektur In Ostpreußen, so auch im Kreis Goldap, wurden zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 zahlreiche Orte von der russischen Armee okkupiert und zum großen Teil zerstört. Nach Ende der Kriegshandlungen wurde ein „Aufbauprogramm Ostpreußen“ durchgeführt, an dem der Architekt Hans J. Philipp, Goldap, großen Anteil hatte. Die äußere Gestaltung der neuen Häuser orientierte sich an der bekannten Architektur Ostpreußens: Pfannendach auf Stülpschalung, auf dem Land wurde überwiegend rauer Kellenputz, in der Stadt Kratzputz verwendet. Die Fenster erhielten in den feststehenden Blendrahmen dunklen, in dem Flügelholz weißen Anstrich.Wasmuths Monatshefte, Berlin 1919-20, Heft 11–12, S. 321 ff. Ein typisches Gebäude aus dem Wiederaufbauprogramm Ostpreußens ist/war das Wohnhaus Groehn in Plawischken (am 16. Juli 1938 in Plauendorf, 1946 in Plawni umbenannt). Die zweite Abbildung zeigt das Gasthaus Karl Urmoneit in Grabowen (zehn Kilometer von Goldap entfernt, umbenannt in Amswald) aus dem Jahr 1916/17, ebenfalls vom Architekten Hans J. Philipp, Goldap, entworfen. Dieses Gebäude aus dem Wiederaufbauprogramms Ostpreußens hatte die für diese Gegend typische Aufteilung von Laden, Schankstube und den „besseren“ Gaststuben.

Literatur Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage. Band 2, Berlin 1874, S. 31–32, Ziffer 10. Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 288–299. Johannes Mignat: Der Kreis Goldap: ein ostpreußisches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1965.

Weblinks Website der Kreisgemeinschaft Goldap

GenWiki: Landratsamt Goldap 1910

Einzelnachweise

Goldap Kategorie:Powiat Gołdapski Kategorie:Geschichte (Oblast Kaliningrad) Goldap Kategorie:Aufgelöst 1945