Gołdap [] ( Goldap) ist eine Kleinstadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage mini|hochkant=1.85|Östliches Stadtgebiet Die Stadt liegt rund 130 Kilometer südöstlich von Kaliningrad (Königsberg, Russland) und etwa 200 km südwestlich von Vilnius (Wilna, Litauen) an der Grenze zur Oblast Kaliningrad (Königsberger Gebiet) im historischen Preußen. Dort befindet sie sich an den Nordausläufern der Seesker Höhen am Flüsschen Goldap (Gołdapa), nahe dem Wald-, Mittelgebirgs- und Heidegebiet Rominter Heide (prußisch ram, rom: still, heilig). mini|hochkant=2.0|zentriert|Nördliches Panorama Allgemeines Die Stadt- und Landgemeinde Gołdap umfasst eine Fläche von 362 km², was 46,86 % der Gesamtfläche des Powiat Gołdapski ausmacht. 62 % der Fläche werden landwirtschaftlich, 26 % forstwirtschaftlich genutzt.

Nachbargemeinden sind: im Powiat Gołdapski: Banie Mazurskie (Benkheim) und Dubeninki (Dubeningken, 1938–1945 Dubeningen) im Powiat Suwalski: Filipów im Powiat Olecki: Kowale Oleckie (Kowahlen) im russischen Rajon Nesterow: Tschistyje Prudy (Tollmingkehmen, 1938–1946 Tollmingen).

Gemeindegliederung Zur Stadt- und Landgemeinde gehören, neben Gołdap selbst, die folgenden umliegenden Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name(bis 1945) polnischer Name deutscher Name(bis 1945) polnischer Name deutscher Name(bis 1945)Babki Babken1938–1945 Steinbrück Jany Groß Jahnen Pietrasze Pietraschen1938–1945 RauentalBałupiany Ballupönen1938–1945 Ballenau Jeziorki Małe Klein Jesziorken1930–1945 Klein Schöntal Pietraszki Petrelskehmen1938–1945 PeterkeimBarkowo Barkehmen1938–1945 Barkau Jeziorki Wielkie (Groß) Jesziorken1930–1945 Schöntal Pogorzel Pogorzellen1906–1945 HegelingenBitkowo Bittkowen1938–1945 Bittkau Juchnajcie Juckneitschen1935–1945 Steinhagen Regiele Regellen1938–1945 GlaubitzBłażejewo Jurkiszki Jörkischken1938–1945 Jarkental Rostek SchönebergBoćwinka Bodschwingken1938–1945 Herandstal Kalkowo Kalkowen1938–1945 Kalkau Rożyńsk Mały Klein Rosinsko1938–1945 BergershofBoćwiński Młyn Bodschwingken Mühle1938–1945 Herandstaler Mühle Kalniszki Kallnischken1938–1945 Kunzmannsrode Rożyńsk Wielki Groß Rosinsko1938–1945 GroßfreiendorfBotkuny Buttkuhnen1938–1945 Bodenhausen Kamionki Kamionken1938–1945 Eichicht Rudzie Rudzien1938–1945 RodensteinBronisze Wittichsfelde Kołkowo Somaniny Samonienen1938–1945 KlarfließCzarnowo Średnie Mittel Jodupp1938–1945 Mittelholzeck Kolniszki Collnischken1938–1945 Burgfelde Siedlisko AltenbudeCzarnowo Wielkie Groß Jodupp1938–1945 Holzeck Konikowo Kleeberg Skocze Skötschen1938–1945 GrönfleetDąbie Eichenort Kośmidry Kosmeden Sokoły Sokollen1938–1945 HainholzDunajek Groß Duneyken1928–1938 Duneyken1938–1945 Duneiken Kowalki Kowalken1938–1945 Beierswalde Suczki Sutzken1933–1945 HitlershöheDunajek Mały Klein Duneyken1938–1945 Klein Duneiken Kozaki Kosaken1938–1945 Rappenhöh Szyliny Schillinnen1938–1945 HeidenseeDzięgiele Dzingellen1938–1945 Widmannsdorf Łobody Liegetrocken Tatary Tartarren1938–1945 NoldentalGalwiecie Gehlweiden Marcinowo Marczinowen1934–1945 Martinsdorf Użbale Uszballen1936–1938 Uschballen1938–1945 LangenrückGieraliszki Gerehlischken1938–1945 Gerwalde Mażucie Masutschen1938–1945 Oberhofen Wiłkajcie Wilkatschen1938–1945 BirkendorfGłówka Glowken1938–1945 Thomasfelde Nasuty Nossuten Wilkasy Wilkassen1938–1945 KleineichichtGórne Gurnen Niedrzwica Niederwitz Włosty Flösten1938–1945 BornbergGrabowo Grabowen1938–1945 Arnswald Nowa Boćwinka Neu Bodschwingken1938–1945 Neu Herandstal Wronki Wielkie Groß Wronken1938–1945 WinterbergGrygieliszki Grilskehmen1938–1945 Grilsen Okrasin Kettenberg Wrotkowo Friedrichowen1938–1945 FriedrichauJabłońskie Jeblonsken1938–1945 Urbansdorf Osieki Ostkehmen Zatyki SattickenJabramowo Abrahamsruh Osowo Ossöwen1938–1945 Ossau Żelazki Szielasken1936–1938 Schielasken1938–1945 Hallenfelde Janowo Johannisberg Piękne Łąki Schönwiese Zielonka

Name Der Name leitet sich vom prussischen galdape ab, was Fluss in der Mulde bedeutet.Rozalia Przybytek: Hydronymia Europaea: Ortsnamen baltischer Herkunft im südlichen Teil Ostpreußens. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06449-4, S. 73f. Die Goldap ist ein Fluss, der als Jarke im Südosten des Seesker Höhenzuges entspringt, dann in den Goldaper See fließt und diesen dann als Goldap verlässt.

Geschichte mini|320px|Historische Ansicht auf einer Schautafel im Ort Die Stadt ist nach dem Fluss Gołdapa (Goldap) benannt. Im Umkreis von Goldap gab es prußische Wallburgen, beispielsweise in Klein Wronken, bei Texeln am Rominteufer, bei Ballupönen, bei Kollnischken, bei Pellkauen und bei Gut Adlersfelde.

Das spätere Kreisgebiet Goldap wurde erst ab 1535 planmäßig besiedelt.

Am 15. Mai 1570 wurde die Stadt Goldap durch Kaspar von Nostitz gegründet. Bis zum 17. Jahrhundert hatte die Stadt an der Ostgrenze Preußens ständig durch kriegerische Überfälle aus dem Osten zu leiden.

1657 wurde die Stadt von Tataren niedergebrannt. Dabei sollen auch viele Bürger verschleppt oder getötet worden sein, und Bürgermeister Dullo wurde auf dem Markt bei lebendigem Leibe öffentlich am Spieß gebraten.Ambrassat, August: Die Provinz Ostpreußen, ein Handbuch der Heimatkunde, 1912, Nachdruck Weidlich, Frankfurt a. M. 1978, S. 311 ff.Geschichte der Stadt Goldap, Ostpreussen.net 1694 brannte die Stadt erneut ab.

Von 1709 bis 1711 wurde Ostpreußen von einer Pestepidemie heimgesucht. Einwanderer aus Brandenburg, Pommern, Magdeburg, Halberstadt, aus der Pfalz und dem Herzogtum Nassau, Deutsche und Schweizer, Preußen und Litauer ersetzten die gestorbene Bevölkerung. Seit 1732 kamen auch Salzburger Exulanten, die aus religiösen Gründen vertrieben wurden. Nach dem Zweiten Schlesischen Krieg wurde die Stadt Garnisonsstadt der „Schwarzen Husaren“. Von den ursprünglichen Laubenhäusern blieb beim dritten Brand 1834 kaum etwas übrig.

Am 29. September 1818 wurde Goldap zur Kreisstadt für den Landkreis Goldap und nach Aufhebung seiner vier Tore zur offenen Stadt erklärt.

Am 16. Oktober 1834 brach in Goldap eine verheerende Feuersbrunst aus, durch die 266 Gebäude, darunter das Rathaus, das Gerichtshaus, die alte Schule neben der alten Kirche, das Gerichtsgefängnis sowie 112 Privathäuser, eingeäschert wurden.Daniel Wilhelm Schröder: Die große Feuersbrunst in der Stadt Goldapp am 16. Oktober 1834. In: Preußische Provinzial-Blätter. Band 13, Königsberg 1835, S. 510–518.

1879 wurde die Eisenbahnstrecke Insterburg–Goldap–Lyck in Betrieb genommen. Später kamen Nebenbahnen nach Angerburg und Tollmingkehmen hinzu.

Seit 1887 diente die Rominter Heide als Jagdrevier für Wilhelm II., der dort ein Haus im norwegischen Stil (Jagdhaus Rominten) und eine Stabkirche (die Hubertuskapelle) errichten ließ.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 wurde Goldap von der russischen Armee zerstört und besetzt. Nach ihrem Abzug begann der Wiederaufbau der Stadt im Stil der „Neuen Sachlichkeit“. Goldap war Sitz des gleichnamigen Landkreises.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadtbevölkerung am 21. Oktober 1944 evakuiert. Am folgenden Tag wurde Goldap von der sowjetischen Armee besetzt. Nach schweren Kämpfen gelang der deutschen Wehrmacht jedoch am 15. November noch einmal für wenige Wochen die Rückeroberung, was in der deutschen Propaganda groß gefeiert wurde. Im Verlauf der sowjetischen Winteroffensive fiel die Stadt am 18. Januar 1945 endgültig an die Rote Armee.

Nach Kriegsende 1945 wurde das zu 90 % zerstörte Goldap zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Die Schreibweise des Ortsnamens wurde in Gołdap abgeändert. Soweit die Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit vertrieben und durch Polen aus dem Umland von Wilna ersetzt.

Der Nordteil des Landkreises Goldap mit dem größten Teil der Rominter Heide wurde dagegen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Gołdap lag fortan nur rund drei Kilometer von einer nahezu undurchdringlichen Grenze entfernt und litt unter seiner abgelegenen Lage im Grenzgebiet.

Mit der Öffnung der Grenze nach 1991 wurde die Stadt zu einem Grenzhandelsort. Seit 2002 ist Gołdap wieder Sitz eines gleichnamigen Kreises.

Goldap war unter anderem bekannt durch große Vieh- und Pferdemärkte und den zweitgrößten Marktplatz Ostpreußens (und Deutschlands). Berühmt war Goldap durch seine vielen Schuster, die einen bedeutenden Anteil der Bevölkerung stellten. Außerdem genossen Tuchmacher, Hutmacher, Strumpfstricker, Gerber und Bäcker Goldaps überregionale Bekanntheit. Von den Goldaper Kringeln und Brezeln wurden sogar einige Tonnen nach Batavia (Jakarta) exportiert. Auch der Goldaper Met war berühmt. „Die Bewohner der Stadt haben den Namen Ferkelmacher, weil ein boshafter Maler eine in Öl gemalte Sau mit Ferkeln dem eigentlichen Wappen der Stadt, das er in Wasserfarben malte, geschickt unterzulegen verstand“.

Redensart: „Goldap brennt“, wenn man dringend auf die Toilette muss.

Architektur mini|hochkant=0.9|Wohnhaus Franz Hoyer in Goldap, ca. 1917/18 Nach den Zerstörungen zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde ein „Wiederaufbauprogramm Ostpreußen“ durchgeführt, an dem die Architekten Hans J. Philipp und Fritz Schopohl (Werkbund-Architekt) großen Anteil hatten. Die äußere Gestaltung der neuen Häuser orientierte sich an der bekannten Architektur Ostpreußens: Pfannendach auf Stülpschalung, auf dem Land wurde überwiegend rauer Kellenputz, in der Stadt Kratzputz verwendet. Die Fenster erhielten in den feststehenden Blendrahmen dunklen, in dem Flügelholz weißen Anstrich.Wasmuths Monatshefte. Heft 11–12, Berlin 1919–20, S. 321ff. Die Gebäude wurden auf den Fundamenten oder Kellermauern der zerstörten Häuser aufgebaut, oft jedoch wurden durch andere Grundrisse die Größe der Neubauten verändert. Ein typisches Gebäude aus dem Wiederaufbauprogramm Ostpreußens ist/war das „Kleinbürgerhäuschen“ von Franz Hoyer, das als Reihenhaus konzipiert war.

Auf dem Markt stand vor dem Gerichtsgebäude ein Ehrenmal für die Gefallenen des Infanterie-Regiments Graf Dönhoff (7. Ostpreußisches) Nr. 44.

Einwohnerzahlen Jahr Ein-wohner Anmerkungen 1782 über 3.000 ohne die GarnisonJohann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Marienwerder 1785, S. 30, Nr. 4). 1819 3.010 mit Einschluss von MilitärpersonenKönigl. Preußisches Statistisches Büreau: Beiträge zur Statistik des preußischen Staats. Berlin 1821, S. 57. 1875 4.809 1880 5.313 1890 7.161 davon 358 Katholiken und 60 Juden 1933 9.438 1939 11.578 davon 10.876 Evangelische, 385 Katholiken, 115 sonstige Christen und 19 Juden

Religionen mini|Die Marienkirche (ehemals Alte Kirche) mini|St.-Leo-Kirche Kirchengebäude Marienkirche, ehemals Alte Kirche Am 14. Mai 1570 erfolgte die Landverschreibung für den ersten KirchenbauDie Kirchen in Goldap bei ostpreussen.net, der um 1580 begonnen und nach mehr als zehn Jahren fertiggestellt wurde. Nach einem Brand im Jahre 1623 erfolgte ein Neubau des Kirchenschiffs aus Feldsteinen und Ziegeln in den Jahren bis 1627. Dieser Bau stand bis 1944, auch wenn im Januar 1818 durch einen Orkan noch größerer Schaden entstanden war. Im pyramidal geschlossenen Turm befanden sich zwei Glocken aus den Jahren 1635 und 1705. Im Kircheninnern stand ein Kanzelaltar von Bildhauer Pfeffer aus Königsberg.

Bei den Kämpfen um Goldap 1944/45 wurde die Alte Kirche schwer zerstört. In den frühen 1980er Jahren erfolgte der Wiederaufbau im ursprünglichen Baustil, und 1984 wurde die Kirche, bisher evangelisches Gotteshaus, jetzt von der römisch-katholischen Kirche neu geweiht mit der Namensgebung Najświętszej Maryi Panny Matki Kościół. Seit 1992 ist sie Konkathedrale im Bistum Ełk.

Ehemalige Neue Kirche